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Der Israelit · 1925-01-08 · Heft 2 (8.1.1925) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 2 (8.1.1925)
Date
1925-01-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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NWWW SST' Der Israelit Nr. r 1925 t'.rL/. ■*— tfVV-.T Die Messiasbraut. Die Geschichte einer verlorenen Hoffnung. Von S. Schachnowih. (Fortsetzung.) Der Großwesir landete, von großer Eskorte begleitet, und nahm Wohnung in den neuhergerichteten Prunkgemächern des Schlosses Abydos. Die Wachen und Jnselbeamten um Mustafa zitterten. Den Juden wurde von den Soldaten unter Androhung schwerster Strafen verboten, sich in der Nähe des Schlosses blicken zu lassen. Sie hielten sich in ihren Hütten versteckt, so sie nicht mit nächtlich ausfahrenden Schiffen die Dardanellen verließen. Hinter den feuchten Kellermauern seines Gefängnisses überlegte Sabbatai, von allen guten und bösen Geistern verlassen, auch des Beistandes Jachinis bar, die neue Situation. Seitdem er in Sturmfahrt auf hoher See dem Tod ins Auge geschaut, hatte dieser seine Schrecken für ihn verloren, konnte ihm zuweilen sogar als eine der Lösungen und Erlösungen aus dem Gewirre erscheinen, wenn Unvermögen und Kraftlosigkeit in Verbindung mit unglücklichen Umständen die erhoffte und später — oft ohne Hoffnung — verheißene Lösung und Erlösung unmöglich machten. Es wurde so viel geklopft und gehämmert über ihm in den letzten zwei Tagen. Vielleicht ein Galgen, vielleicht mehrere? ... Von den Freunden kam keiner, es ihm zu melden und die Wächter blieben stumm. Er konnte, wie damals im Anblick der stürmischen Wellen, mit einiger Wohllust mit dem Tode spielen . . . Und nachher? Was hinieden nach ihm von ihm und seinem Werke bleiben würde, bedrückte ihn wenig. Aber was war der Tod selbst, dieses schwarze Tor zu einem Sein, das weit über ihm und seinem Denkvermögen lag? . . . Gab es einen Richter, vor dem jede Phase des entschwundenen Lebens offen stand? Sabbatai schauderte, daß die Ketten klirrten. Daß doch bei all den Schriften und Weisheiten über Tod und Leben und Rechenschaft der Seele, die er gelernt und gelehrt, als wäre er Herr über Leben und Tod, ihm in Wahrheit so wenig über all diese Dinge bekannt war! ... Was wollte er dem Herrn und Richter sagen, wenn er, vielleicht nach einer Stunde schon, eine vom zerrissenen Körper losgetrennte Seele, vor ihn trat? ... „Ich habe nach Größe gerungen für Israel, um es zum Ruhm und zum Heil zu führen!..." Und wenn dann ein Blick, aus dem Auge der göttlichen Gerechtigkeit wie zündender Blitz in fein Inneres leuchtete, daß Engel und Seraphim darin, lasen: '}■ „Du wolltest Größe errjrigen, mittels der Größe, die du Israel vorzeitig vorgetäuscht!" . „Und nicht einmal groß warst Du im Kampf für Deine Ehre, Deine Große-" „Denn Galgen ist eine leichte Flucht aus dem Gewirre, in das sich ein Mann verstrickt. Hätten sie Dir. Marter auserlegt-" Marter! Sabbatai erschauerte. Er war nicht stark genug für die Eisenbürsten eines Rabbi Akiba, auch nicht für die lodernen Flammen, in die Spätere ohne Pose, ohne Heldenkrone bei lebendigem Leibe gingen ... Er fühlte den Leib und den brennenden Schmerz, jetzt schon in der Vorahnung ... Und das Volk wollte einen starken, einen heübr.ngenden Messias, auf alle Fälle auch einen leidenden, aber keinen zitternden . . . „Jachini, wo bleibst Du? Warum kommst Du nicht, da ich wanke, um mich aufzurichten?!'" Die Schlüssel klirrten im Schlüsselloch. Zwei Wächter kamen, der eine ging gleich, der andere, der jüngere, blieb und stellte ein Brot und einen Krug Wasser auf die Bank vor Sabbatai: Eine zierliche Gestalt, an der der Kriegerwams über den weiten Pluderhosen lose und ungelenk hing, die große Pelzmütze mit den Stahlhaken fast bis zu den Augen gezogen. Sabbatai richtete keinen Blick nach dem Wärter. Wie aber dieser das erste Wort aus dem Munde brachte, horchte Sabbatai fast erschrocken auf. „Sarah, ist es nicht Deine Stimme? . . ." Die Frau in den Wärterskleidern wandte das Gesicht ab; sie mochte die Ketten nicht sehen und hielt sich die Ohren zu, so oft sie ihr Klirren vernahm. „Ich, mein König, mein Messias!" „Wie kamst Du her durch die vielen Mauern und was ist Dein Begehr, Sarah?" „Es hat schweres Geld gekostet, auch viel Müh und Arbeit. Aber ich trotzte der Opfer und Gefahren und konnte so als Wärter zu Dir . . ." „Was bringst Du?" „Ich bringe neben Brot und Wasser Kunde von außen, Rat und Beistand, da keiner zu Dir kam, daß Du siehst die Kraft eines Weibes, des Weibes, das Du all die Zeit nicht gesehen hast, wie man Tand und Spiel übersieht, wenn man ernsten Dingen Angewandt ist . . „Du hast Grund zur Klage^ Sarah, aber es ist nicht die Zeit . . . Was geht oben vor?" „Der Großwesir Köprili ist hier, thront über Dir im Prunksaale des Schlosses. Bevor noch einmal die Sonne die Runde gemacht, wirst du vor ihm stehen und ihm Rechenschaft über Dein Tun und Wollen ablegen. Er hat Henker und Schergen genug bei sich ..." Als bereute sie das letzte harte Wort, fügte sie rasch hinzu: „Aber fürchte nicht, Sabbatai, ich stehe Dir bei, wenn Dich alle verlassen und Wunder ihre Kraft verlieren ..." „Du? ..." „Ich war bei ihm und habe die Rettung vorbereitet . . . Nun, Sabbatai, machst Du große Augen — sie sah ihm prüfend und triumphierend ins Auge —, hast von der Messiasbraut Spiel und Tand und Tanz erwartet, aber keine Tat. Nun siehe und erkenne: Jachini schlief, Primo weinte, andere ergingen sich in Gebeten, Sarah handelte..." „Sprich, Sarah, daß ich Dich und Deine Tat ganz erkenne." „Ich war bei ihm, frage nicht wie. Weiber meiner Art haben Waffen, die alle Hindernisse nehmen . . . Köprili ist klug, aber ich weiß alte, kluge Lüstlinge zu behandeln . . . Noch nie habe ich mich so ganz Messiasweib gefühlt wie in der Stunde, da ich bei ihm weilte ..." „Sprich, Sarah, was er mit mir vor hat, und was ich zu tun habe." „Er hatte Böses mit Dir im Sinne, und ich mußte alle mir gegebenen Waffen gebrauchen, um sein Herz milder zu stimmen. Er wird Milde walten lassen, wenn Du ihm meine Angabe bestätigst, nämlich daß Du nichts anderes als ein Chacham aus Jerusalem seist, der Geld für milde Zwecke in der Welt sammle. Er glaubt es so wenig wie ich, aber er will es hören aus Deinem Munde und auch das, daß die Verehrung, die Dir, ohne Dein Zutun, von allen Seiten dargebracht wird, keine Auflehnung gegen das „Goldene Horn" bedeute." „Hast.Du ihm das gesagt?" „Ja, um für den Moment Dein Leben zu retten." „Es war eine Weibes Tat, verzeihe, Sarah, aber nicht eines Messias weibes würdig. Diesem sollte es lieber sein, ihr Messias st i r b t als Messias, als daß er als Lump und Verräter an seiner Sache lebe . . ." „Und was wird aus der Messiassache, wenn Du stirbst, was aus mir, Sabbatai?" „Du dachtest an Dich, Sarah? Hattest Du nicht übrigens selbst der Welt, von der Weichsel bis zum Goldenen Horn, verkündet, daß Dein Messias Throne stürze, Kronen den Mächtigen der Erde entreiße?" Sarah wandte ihm wieder das volle Gesicht zu. Ein Schimmer des mädchenhaften Heldenglaubens huschte darüber. Dann aber sah sie seine verzerrten Züge, sah seine Ketten und lieh den Kopf sinken. „Köprili ist kein Kronenträger," sagte sie, „ihm gegenüber wird sich das Wunder nicht einstellen."' „So mag er mich töten, und das Werk der Erlösung wird leben und sich vollziehen vor Königsthronen, — ohne mich ..." „Und ich, Sabbatai? Werde als Verlassene, Verworfene, verlacht und verspätet, durch die Welt irren!? ..." Sarah unterdrückte Tränen. „Komm mit mir in den Tod, wenn Du Messiasweib bist! ..." Sarah sprang auf. „Nein, nichts von Tod. Ueber Königsthrone will ich Dich auf eigenen Thron geleiten. Erhalte Dich und mich für das Große, dem meine Seele seit der Kindheit zustrebt." Sie hing sich an ihn und küßte ihn, und es war Sabbatai so, als hinge sich das Leben an ihn mit tausend Klammern. Sarah fühlte das Eisen weich und schmiedete weiter. „Es ist nicht glatter Tod, der Dir droht. Köprili ist kein Barbar, er tötet nicht, er arbeitet mit Pranger und Folter und allen Peinigungen der Hölle, zur Augenweide des gemeinen Volkes, bis der Tod von selbst kommt..." „Halte ein, Sarah, halte ein," bat Sabbatai und küßte ihr die Tränen vom Gesichte. „Wir wollen leben und dem großen Wunder Hand in Hand entgegengehen, ich und Du, tapferes Messiasweib! ..." (Fortsetzung folgt.) Es ist ausschlietzlich Sache der Leser, die im Jnseratentei enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angabe« religionsgesetzliche« Charakters auf ihre Zuver» lasstgkeit zu prüfen. KOHLEN» GASHERDE stationäre u. transportable i KACHELÖFEN i [ mitpatentRauchgasbrennung I I WÄSCHE REIM ASCHINEN i Hontköthr.JCnodtS «verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz;Jnserate t. B.: <5. Sch achnowitz, sämtlich in Frankfurt a. M.; Pädagogische Beilage: Lehrer I. Spiro in Fulda. — Berlag „Israelit", G. m. b. H., Frankfurt a. M. Druck: Hermon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M.

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