Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1924)
- Date
- 1924-07-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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17« Sutt 1924 De r I s r:a e l 1 t Nr. 29 Seite 13 Zur Replik des Herrn Rabbiner Dr. Anna in Rr. 10 der «Blatter?. F r e i b u r g i. Br., 30. Juni. : Ohne zur Auseinandersetzung zwischen Herrn Rabbiner Dr. Breuer und Dr. Unna in religiöser Beziehung hier Stellung zu nehmen, halte ich Mich im Interesse der Sache, um falschen Folgerungen vorzubeugen, für verpflichtet, die von Herrn Dr. Unna gemachten Ausführungen über angebliche Erfolge der «Politik der Unionisten" — soweit solche vermutlich auf die Erbauung der Mikwoh in der Gemeinde Freiburg abzielen — richtigzüstellen. Herr Dr. Unna scheint über den Vorgang, der zur Erbauung der'Mikwoh geführt bat, sehr einseitig orientiert zu sein. In tatsächlicher Beziehung liegt die Sache so, daß der hiesige Synagogenrat sich erst dann zur Erbauung der Mikwoh entschloß, nachdem ihm, gemäß seinem früheren Beschlüsse, schon vor der Inangriffnahme des Baues der ungefähre Betrag des Kostenvoranschlages von seiten der orthodoxen Mitglieder überreicht worden war und der Synagogenrat sich sogar noch darüber Gewißheit verschafft hatte, daß etwa weiter erforderliche Beträge durch freiwillige Spenden beim Aufrufen aufgebracht würden. Der Synagogenrat vertrat die Meinung, daß die Mikwoh eine rein' interne Angelegenheit der Orthodoxie sei, die auch für die Kosten aufzukommen habe. Wer die Verhältnisse in der Gemeinde Freiburg auch nur annähernd kennt, wird gewiß die Folgerungen des Herrn Rabbiner Dr. Unna über die „beachtenswerten angeblichen Erfolge der Politik der Unioniften" nicht teilen. So ist beispielsweise auch die Regelung der Schechitofrage in unserem Sinne wiederholt vom Synagogenrat abgelehnt worden, so daß wir, nachdem wir viele Jahre häs Fleisch von auswärts bezogen, eine eigene Schechito aus,eigenen Mitteln einrichten mußten, da wir die Ueberzeugung hatten, daß die Gemeinde für unsere religiösen Bedürfnisse nicht viel übrig habe. Diese Ausführungen können noch beliebig durch Hinweis auf sonstige andere Mihstände in hiesiger Gemeinde ergänzt werden. Dieselben zeigen jedenfalls, daß der Weg der „Unioniften" wohl kaum zum Ziele führt. Der ständige Kampf mit der neologen Gemeindeverwaltung absorbiert die besten Kräfte der Orthodoxie und muß letzten Endes mit Naturnotwendigkeit zur Bildung einer separaten „Trennungsgemeinde" führen. Die Verhältnisse innerhalb der Freiburger Orthodoxie sind geradezu ein eklatantes Schulbeispiel dafür, daß durch die „Politik der Unioniften" wohl einerseits die Bildung einer Sepäratgemeinde erschwert wird, anderseits aber auch bei der neologen Gemeindeverwaltung die Bedürfnisse der Orthodoxie nicht die entsprechende Berücksichtigung finden. ' S. L. E. frankfurter Berichte. Soziales -Hilfswerk der „Agudas Iisroel"- Ortsgruppe. Im Frühjahr dieses Jahres wurde, das Hilfswerk der Agudas Jisroel in Frankfurt, an Hessen Spitze Dr. Siegfried Oppenheimer steht, gebildet, das in drei Abteilungen gegliedert ist: allgemeine Fürsorge, Krankenfürsorge und Kinderhilfe. Die Fürsorgekommission, die seit einer Reihe von Jahren als die Soziale Kommission der Iugendgruppe unter Leitung Don Herrn Leopold Schwab bestand, hat im vergangenen Jahr den Verhältnissen entsprechend ihre Hilfstätigkeit. weiter ausgebaut. Insbesondere wurde die Lehrlingsfürsorge aüsgestaltet und konnte Lauernd für eine größere Zahl vom Lehrlingen für Käst und Logis gesorgt werden. Auch die Flüchtlingsfürsorge resp. die Durchreisendenhilfe mußte erweitert werden und konnte annähernd in 100 derartigen Fällen geholfen werden. Die Kleiderausgabe hatte in letzter Zeit starken Zuspruch, wöchentlich wurden in den letzten Wochen 10—20 Familien Kleider und Wäsche verabreicht. Kurz vor Peßäch wurde die Krankenkommission (Leiterin Frau Dr. Ehrmann) gebildet, die eine doppelte Aufgabe hat, einerseits allfabbatlich die jüdischen Kranken in den Krankenhäusern zu besuchen, andererseits für die Unterbringung von Kranken in den Hospitälern zu sorgen. Zu letzterem Zwecke steht der Kommission ein dreigliedriger Aerzteausschuß zur Seite. In den wenigen Wochen ihres Bestehens wurden 12 Fälle untergebracht und die Kosten hierfür aufgebracht. Durch das Hilfswerk wird in Kürze eine Küche errichtet behufs Speisung der im Städtischen Krankenhaus eingelieferten Kranken. Eine Hausfrauen Hilfe — ähnlich der in Berlin gegründeten — wird soeben durch die Krankenkommission gegründet. Durch die Abteilung Kinder Hilfe wurden etwa sechszig Kinder, bei agudistischen Familien im Auslande auf vier oder sechs Wochen untergebracht. Die Finanzen werden von den einzelnen Abteilungen auf Grund der Beschlüsse des Hilfswerkes selbst beschafft. Die Krankenkommission vertreibt Spendekarten zu 12, 20 Und Ä0 M. für 3-, 6- und 10-tägigen Aufenchalt im Krankenhause. Münzen .in künstlerischer Ausstattung wird die Fürsorgekommisfion, die bisher aus der all-: gemeinem Kaffe des Hilfswerks ihre Ausgaben gedeckt hati, in den nächsten Wochen herausbringen, durch deren Vertrieb sie hofft, sich neue große Einnahmequellen zu schaffen. Agudas Jisroel. Orts- und Jugendgruppe. Donnerstag, den 31. Juli, am Ende der Schlauschim, veranstaltet die Agudas Jisroel, Orts- und Jugendgruppe, eine Trauerkundgebung für den in Jerusalem ermordeten Prof. Jacob Israel de Haan. Die Trauerrede hak Herr Dr. Moses Auerbach aus Berlin übernommen. Näheres wird in der nächsten Nummer bekanntgegeben. William Jacob Herzberg Vst«' Der vor vier Wochen im Georgine Sara v. Rothschildschen Hospital verstorbene Herr William Jacob Herzberg Vr verdient an dieser Stelle eine wärme Würdigung, denn seine Persönlichkeit als Mensch und Jehudi ragte über den Durchschnitt weit hinaus, ob auch ein wenig freundliches Lebensgeschick ihn im Kreise) seiner Mitmenschen bei Lebzeiten nicht so zur Geltung kommen ließ, wie er es verdient hätte. Aus Pommern stainmend, ging er früh in die Welt hinaus, um in Strom der Welt nicht nur ein Charakter zu werden, sondern sich auch ein reiches, gründliches Wissen auf religiösem wie aus profanem Gebiet anzueignen, das ihn - zu einer wahrhaft durchgebildeten, von vielseitigen geistigen Interessen erfüllten Persönlichkeit machte, so daß es ein Genuß war, sich mit ihm auszufprechen. Ein echter Jehudi mit starken, religiös eindeutigen Prinzipien, mußte er im geschäftlichen Leben schwer ringen, gelangte erst spät zur Gründung eines Hauses und mußte nach kurzer, fünfjähriger Ehe die Gattin sra beweinen, die ihm drei Kinder geschenkt hatte. Seitdem kam er zu keinem rechten Lebensglücke mehr, und die letzten zehn Jahre seines 73 jährigen irdischen Wandels waren bereits durch schwere körperliche Leiden mehr und mehr in Dunkel gehüllt. Er hat diese Leiden in vertrauendem Sinn, in Gottesliebe und Hingebung ertragen, bis ihm Erlösung ward. Sein Andenken wird nicht nur in dem kleinen treuen Freundeskreise, der ihm helfend und mittragend zur Seite stand, sondern bei all denen, die ihm je nähergetreten sind, lebendig bleiben. frasm Lob Löwenberg V'XT* Am man n~-> verschied hier Herr Löb Löwenberg im Alter von 72 Jahren. Bor vier Jahren siedelte er von Warschau, wo er das Amt des Friedhossverwalters bekleidete, zu seinem Sohne nach Frankfurt über. Er verkehrte fast ausschließlich in den Kreisen des Beth- Hamidraskh, Ostendstraße, wo er durch seinen frommen und edlen) Charakter in kurzer Zeit viele Freunde erwarb. Täglich sah man ihn, dessen majestätisches Aussehen seine Herzensgüte verrieten, von einem Schiur zu dem anderen eilen, und somit der mitlernenden Jygend als leuchtendes Vorbild der praktischen Erfüllung des , V»n i-n >na wV» dienend. Die große Beteiligung bei? .der mii» zeigte, welch allgemeiner Beliebtheit der teure)?vsa sich erfreute. An der Bahre rühmte Herr Rabbiner Dr. I: Horovitz, von dem Ausspruch des ■dw vn öim’Wk in „Pirke Owaus ausgehend, wie sein Leben einen unausgesetzten, völlig uneigennützigen Gottesdienst bildete. Möge er, so wie er bei seinen Lebzeiten a«nn-pi w/wn-pa Tvr'i , zwischen den Lebenden und den Toten stand, und in steter Hingebung an Gott sühnend wirkte, nun in «an d$i$? uns ein nvi' f>Vn sein. rraxan VI'V-Feier desv"V -Schiurs. Gleich einem sicher steuernden Schiffer, der auf weiter Meeresreise zur Auffrischung seiner Kräfte und Ergänzung seines Proviantes für kurze Zeit in diesem oder jenem Hafen vor Anker geht, um umso bestimmter sein Ziel zu erreichen, durchquert Herr Holpern mit seinem Talmidim im v-v. Schiur des „Mekor Chajim" das ungeheuere Gebiet des “twaVn bv m den Schluß jeder nnaon durch eine Siumfeier begehend. Am man m versammelte man sich zur avo. Feier auf rmi''» in der Wohnung des Herrn Halpern. Nach dem tiefdurchdachten pui dieses Unermüdlichen Dozenten und nach seiner Begrüßungsansprache überbrachte im Namen der Verwaltung des Mekor-Chajim-Vereins Herr Fritz Stern Glückwünsche. Herr Wolodarsky aus Krementschuk legte in wundervoller Weise eine Gemoro-Stelle in naiv '» aus. Alsdann brachte aus dem Kreise der Talmidim Herr Maische Oelbaum einen «rrn des ’iV nana 'o (Sohn des berühmten Frankfurter Raws, R. Pinchas Horwitzund fein Nachfolger). Zuletzt brachte noch Herr Josef Sänger Herrn Halpern seinen Dank zum Ausdruck. Gesangsdarbietungen umrahmten die Feier, die mit einem von heiliger Begeisterung getragenen Chassidim-Tanz beendet wurde. Aufsichts-Entziehung. Die Bäckerei I. Schimmel, hier, der laut Bekanntmachung am schwarzen -Brett der Gemeindesynagoge der Jsr. Religionsgesellschaft die Rabbinatsaufsicht entzogen worden ist, bittet uns, bekanntzugeben, daß diese Maßnahme nicht etwa aus religiösen Gründen erolgte, sondern lediglich wegen Nichtzahlung der fälligen Imsatzgebühren an die Gemeindekasse. Ein mißlungener Verleumdungsfeldzug. Der »Landesverratder Limburger Viehhändler. - Am 25. August und 7. September v. Js. brachten diq .„Frankfurter Nachrichten" unter der Ueberschrift „Unwürdiges Verhalten" und „Französische Vergeltungsmaßnahmen" größere Notizen, nach denen vier jüdische Viehhändler, Sally-Landau, Sally-Heilbronn, Salomon Hofmann aus Nassau a. d. L. und Emil Strauß aus Miehlen i. Taunus wegen Benutzung des Regiezuges auf der Strecke nach Limburg am Bahnhof Eschhofen wegen ihres undeutschen Verhaltens verprügelt worden und darauf nach Limburg zurückgelaufen seien, um die französische Besatzungsbehörde mobil zu machen. Das Verhalten, dieser vier Viehhändler habe angeblich zur Besetzung des Lahntales geführt. Diese Pressenotiz, deren Unrichtigkeit) für jeden, der die Viehhändler und die Verhältnisse kannte, auf der Hand lag, hatte sich wie ein Lauffeuer durch beinahe sämtliche deutsche Zeitungen verbreitet und) war insbesondere von den völkischen Zeitungen in ge»! hässigster Weise gegen die „jüdischen Landesverräter" ausgefchlachtet worden. Den Viehhändlern selbst waren Drohbriefe aller Art zugegangen, so daß sie in ständiger Beunruhigung lebten. Die Aufnahme der pressegesetzlichen Berichtigung, die sofort in die Wege geleitet worden war, haben die „Frankfurter Nachrichten" ohne Angabe von Gründen abgelehnt; einer ihrer Redakteure ist deshalb auch verurteilt worden. In dem gegen die beiden verantwortlichen Redakteure Hecht und Weinschenk angestrengten Prozeß hat sich auch nicht der Schatten eines Beweises für die Behauptungen der Zeitung ergeben. Die Angeklagten muhten vor dem Amtsgericht Frankfurt zugeben, daß sie die fragliche Notiz auf Grund einer Information der Frankfurter Eisenbahndirektion gebracht hätten, daß aber weder die Eisenbahndirektion in der Lage ist, den Beweis der Wahrheit für ihren Inhalt zu erbringen, noch daß sie selbst irgendwelche Anhaltspunkte hätten, die die Information der Cifenbahndirektion bestätigen würden. Die Redakteure haben die Erklärung unter dem Ausdruck des Bedauerns abgegeben, die Kbsten der beiden gegen die erhobenen Privatklagen übernommen und sich mit der Veröffentlichung des Vergleiches in zwei Zeitungen einverstanden erklörl * Vereinskalender. (W§gen Raummangels verkürzt.) Werei« Mekor ßyajim. Samstag vorm, nach Schluß der Synagoge »Dinim*; Herr Rektor Falk, —12'/< Uhr ln der Frauensynagoge der Klaus rro» ipiv; Herr Professor A. W eyl. — nachm. 4l/4 Uhr (Hörsaal) ..Mikro"; HerrDr.W.Hofmann. —1 Stunde vor Nacht „Midrasch"; Herr Dr. Elieser Posen. Iahrzeits-Sttftungen: nntt, Lehmann Weil-Stiftung. Sonntag, Josef Kösterich-Stiftung. Montag, Loeb Schwab-Stiftung. Donnerstag, David Held-Stiftung. Agudas Kisroet-Hrts» und Augendgruppe. Alltäglich von 8—12 Uhr vorm.: Gelegenheit, zum Lernen jeglicher Art. Dozent: Herr Herz fjalpern. ltüglichy. 12—1 Uhr: Schiur; Daf FVaumi. Alltäglich im Anschluß ait nnrw rVsn, Gemoroh Sanhedrin. Dr. Ehrmann. E Dorm. 91/2—11 Uhr: maa; Herr Dr. I. Posen, Am Tiergarten 42. 3. — Dorm. y2ll—V2I2 Uhr: Kizzur, Schulchan Aruch; Herr Louis Kahn. — 11—12 Uhr:m2«'pis; Hermann Frankenthal. — 12—1 Uhr: o'nvv *0} für Fortgeschrittene; Herr Halpern. — 12—1 Uhr: Herr Lehrer Hirschberg. — V22—3 Uhr nachm.: Raschi (laufende Sidroh); Herr M. H a lpe r n. — 3—4 Uhr nachm., b-w"n(Hilchaus Schabbos); Herr Halpern, anschließend nrua. — 3—4 Uhr: n*noö nsx; Herr Dr. Rothschild.— 8 Uhr : Arbeitsgemeinschaft Jsak Rosenheim über die laufende n'iiv, Königswarterftratze 11. ^«muo-^yora-Aerer«. Dereinslokal: Gemeinde-Synagoge Börneplatz. Samstag, 3A Uhr: '-v-, zum Wochenabschnitt» Herr Rabb.-Ass. Lipin sky. — 3/< Stunden vor Nacht mpa» Herr S. Unna. — Alle übrigen Schiurim wie gewöhnlich. Hevelzeiten. j reitag abenH 7.-40. Samstagmobgen 7.45 Samstag nachmittag 5.—. Samstag abend 9.20. Sonntag Minchah 8.— lVochengottesdienst: Morgens 6.15. Nachmittags 7.15. Cefilin-Legen am Morgen 3.15.