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Der Israelit · 1924-06-26 · Heft 26 (26.6.1924) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 26 (26.6.1924)
Date
1924-06-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
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26. Juki 1924 Der Israelit Nr. 26 Sette 13 Personalien. * Dt*. Nathan Birnbaum-Feier in Hamburg. Hamburg, 15. Juni. Der Jßru-Chag des vergangenen Schwuausfestes war für die Hamburger jüdische Oeffentlichkeit eine Fortsetzung des Feiertages. Die Jubiläumsfeier zu Ehren Dr. Nathan Birnbaums, die auf Lag-beaumer festgesetzt war, und infolge des plötzlichen Hinscheidens des Herrn Rabbiners Abraham Elja Kaplan f. Ä. verschoben werden mußte, fand am Jßru-Chag statt. Die Hamburger jüdische Oeffentlichkeit, die bei der Feier durch ihre führende Persönlichkeiten, durch die Rabbiner und Vorsteher der Gemeinde und aller öffentlichen Institutionen vertreten war, zeigte, daß sie selbst in diesen schweren Zeiten ihre Pflicht gegen ihre Führer und Großen nicht vergißt, daß sie ganz besonders den Jubilar zu ehren weiß und gab der Freude Ausdruck, ihn als Mitglied ihrer Gemeinde feiern zu können. Die Feier fand im großen Saale des Logenheimes statt, der von obenerwähnten Persönlichkeiten und geladenen Gästen voll besetzt war. Der Jubilar wurde mit einem feierlichen Boruch Habo vom Synagogenchor empfangen und auf den grün geschmückten Ehrenplatz geführt. Als erster begrüßte den Jubilar Herr Wolf I a c o fr sonim Namen des Komitees. Er führte aus, daß gerade die Sfirozeit so sehr für unseren Jubilar charakteristisch sei. Wie der Weg von Peßach zu Schwuaus nur durch die lange Sfirozeit führt, so mußte Birnbaum einen langen, traurigen, kampfvollen Sfiroweg passieren, um zu seinem.Ziel zu gelangen, das im Schwuaus (Matan Tauro) verkörpert ist. Die Festrede hielt der Hamburger Oberrabbiner Dr. Spitzer. Er begrüßt den Jubilar und entwirft ein Bild von feinem Schaffen. Birnbaum war es, der schon als junger Mensch die schrecklichen Folgen der Assimilation erkannt hat; der die Lächerlichkeit jener Tatsache eingesehen hat, daß gerade die Juden, die von Tauro und Judentum am wenigsten wissen wollten, die Juden nur als Religionsgemeinschaft bezeichneten. Er verbreitete die nationale Idee unter der Wiener jüdischen Studentenschaft, und er war der Schöpfer des politischen Zionisinus zehn Jahr vor Herzel. Bald sah er aber ein, daß dieses noch nicht der richtige Weg sei, um dem jüdischen Volke zu helfen und wandte sich dem praktischen Nationalismus zu. Die heiße Liebe zu seinem Volke und die Aufopferung für dieses, veranlaßte ihn, sich in seine Geschichte, in Vergangenheit und Gegenwart zu vertiefen und dies brachte ihm bald die Ueberzeugung, daß die Juden zwar ein Volk sind, aber kein Volk wie die anderen Völker, sondern ein Gottesvolk; daß mit Amech Ami in fester unlöslicher Verbindung steht Elaukajich Elaukoj. Und wie alle seine Ideen blieb auch diese Idee keine bloße Phrase, sondern er zog auch daraus die Konsequenz und trat in das große jüdische fromme Lager ein und wurde, wie es nicht anders sein konnte, ihr Führer. Und weil wir wissen, was für schwere Kämpfe Dr. Birnbaum durch die Liebe zu seinem Volke durchzumachen hatte, und was für , Opfer er um seiner jetzigen Ueberzeugung willen bringen mußte, schätzen und ehren wir ihn und begrüßen ihn herzlichst in unserer Mitte. Mit einer herzlichen Brocho schloß der Oberrabbiner seine Rede. Im Namen des Zentralrätes der Agudas Jisroel begrüßte ihn Herr Dr. L. Schlesinger und dankte ihm für seine Arbeit in der Agudo als Zentralratsmitglied. Im Namen der Hamburger Jeschiwah und jüdischen Erziehungsanstalten sprach Herr Dir. Dr. Josef Carlebuch. Er überbringt ihm die Grüße und Wünsche der Hamburger Jugend und führt aus: Der Märtyrertod ist noch nicht die höchste Stufe von Kidusch-Haschem. Es gibt noch eine höhere Stufe, und das ist Kidusch- Haschem mit dem Geiste uyd diese Stufe von Kidusch- Hasckem haben wir bei Birnbaum erlebt. Mit einem GedkcM zu Ehren Dr. Birnbaums, in dem das Kämpfen und Siegen Birnbaums in meisterhafter Weise geschildert wird, schließt er seine Rede. Rabbiner Dr. Lewin begrüßt ihn im Namen der Hamburger Agudas Jisroel Ortsgruppe. Max Landau-Berlin begrüßt den Jubilar im Namen der Jugend. Er sagt: Wenn wir aus der jüdischen Geschichte die wunderbare Tatsache .kennen, daß einer unserer Großen bei seinem achtzehnten Lebensjahre wie ein Siebziger aussah, so sehen wir hier die nicht weniger wunderbare Erscheinung, daß ein Sechziger wie ein achtzehnjähriger Jüngling vor uns steht. Wenn jung fein heißt: wach fein, einen starken Mut und ganzen Willen haben, so ist Birnbaum jung. Das Geschenk, das die Jugend ihm bringt, ist ihr Herz und ihre Kraft zur Ausführung seiner Ideen. Er überreicht ihm eine kunstvoll ausgestattete Mappe mit den Namen der Mitarbeiter der demnächst erscheinenden Festschrift. Im Namen der Ostjüdifchen Jugend spricht Herr M. Knoblewitsch: Eine ganz besondere Veranlassung haben wir ostjüdische Jugend den Jubilar zu ehren und ihm zu danken, weil er uns, das größte und wertvollste Geschenk gegeben hat. Er gab uns Stolz und Selbstbewußtfein dadurch, daß er uns den Weg aus dem „Golus bei Juden" zeigte, indem er uns darauf aufmerksam machte und inder er beweisen konnte, daß das bekannte und gefährliche „Bei uns herrscht Finsternis, draußen Licht" bloß eine leere, lügenhafte Phrase fei; daß in Wirklichkeit draußen Finsternis herrscht und bei UNS Licht . Mit der Versicherung, ihm bei der Ausführung kmrr Aufgaben treu zur Seite zu stehen, schloß er seine Rede. Nachdem Herr Oberkantor Bürger Zadik Katömor gesungen hatte, betrat der Jubilar selbst das Podium. Er wird vom ganzen Auditorium mit einer rauschenden Ovation begrüßt. Wie er tief bewegt mit seinem patriarchalischen, Aussehen vor uns steht, macht er selbst auf seine nächsten Bekannten einen mächtigen Eindruck. Cr sagt: Den Ausspruch unserer Weisen: Bmokaum schebaale Tschuwo aumdim, ejn Zadikim gmurim jchaulin laamaud, kann ich nur so verstehen, daß das Glücksgefühl, das den Baal-Tschuwo beseelt, von einem Zadik gomur nie nachgefühlt werden kann. Die Freude und das Glück eines Königssohnes, der alle feine Jahre nicht ahnt, daß er ein Prinz sei und dies erst nachher erfährt, kann sich ein Königssohn, der als solcher aufgewachsen ist, nicht vorstellen. Wir wissen aber, daß es keinen Gerechten auf Erden gibt, der nur Gutes tut, ohne zu fehlen und daß selbst die Frommsten unter uns viel oder wenig gutzumachen haben, so können auch sie einen Teil meines Glückes und meiner Freude mitfühlen. Dies Glück will ich ihnen mitverschaffen helfen. Mit dem vom Chor vorgetragenen 160. Psalm fand die Feier, die bei jedem Teilnehmer einen unvergeßlichen Eindruck hinterlassen hat, ihren Abschluß. Vermischtes. Frankfurt a. 2R., 24. Juni. Das Büro des orthodoxen Rabbinerverbandes in Deutschland teilt uns mit, daß der Name von Herrn Dr. Silberberg-Berlin versehentlich unter die Liste der Mitunterzeichner der Erklärung gelangt ist. Flehlngen (Baden), 23. Juni. Am ersten Tag Schewuos feierte die Gemeinde das SO jährige Bestehen der Synagoge. Aus diesem Anlaß wurde das Gotteshaus neu renoviert. Die hierzu erforderlichen Mittel sind hauptsächlich durch die Bemühungen des Vorstandes aufgebracht worden. Der Festgottesdienst wurde von Herrn Lehrer Lehmann abgehalten; der mit dem durch ihn eingeübten Kinderchor schöne Synagogengesänge zum Vortrage brachte und die Festpredigt hielt. Vom Vorstande gab Herr Ackermann einen kurzen Rückblick über den Werdegang der Erbauung der Synagoge und sprach allen Spendern den Dank der Gemeinde Briefkasten. T. T. in U. und viele Andere. Wir haben Ihre Bemerkungen dem Autor des Artikels zugesandt, der Darauf zurückkommt. M. H. in M. Besten Dank für die Zusendung der B. P. Der Aussatz enthält in seinem objektiven Teile Allbekanntes und in seinem Beiwerke viel Phantastisches, der Tradition nicht ganz entspricht. Ab. in Fr. Wir nehmen gern Notiz davon, daß man über Bananen die Brocho hoiHft ns N*m (und nicht pn) sagt. E. H. B. 65. Raschi ist 1040 zu Troyes in der Champagne (Nordstankreich) geboren und starb 1106 daselbst. In jungen Jahren war er in Worms, später lehrte er als Rubbiner in seiner Daterstadt Troyes. Lehrer F. Sie fragen, warum zwar unsere Machsorim mit dem Abendgebet beginnen,".die gebräuchliche Tefilloh dagegen mit dem Morgengebet. Vermutlich kommt dies daher, daß letzteres sich von vornherein als die logische Anordnung darbietet, während an den Festtagen das erste Gebet, zu dem man das Machsor benutzt, das Abendgebet ist. frankfurter Berichte. Synagogememde „Israelitische Religionsgesellschaft.- In der -Gemeinderatssitzung vom 2. Juni 1924 hatte der Gemeinderat zunächst die Genehmigung zur Aufnahme eines Bankdarlehens zu erteilen, aus welchem Anlaß ein Mitglied die Auszahlung der rückständigen Subvention für die Thoralehranstalt reklamierte. Aus der Mitte des Gemeinderats wurde angeregt, diejenigen. Steuerzahler, die durch Verzögerung ihrer Leistungen für die Notwendigkeit der Darlehensaufimhme verantwortlich seien, künftig mit Steuerzuschlägen zur Deckung der Darlehenszinsen zu belegen. Den Hauptgegenftand der Beratung bildete die Vorlage des -Vorstandes wegen Erhöhung der Beamtenbesoldungen ab 1. Juni d. I. um 4000 Mark monatlich. Zur Deckung des dadurch sich stark erhöhenden Defizits schlägt der Vorstand eine neue Skala für die Platzgebü h r e n in der Synagoge und eine Erhöhung der Schulgelder vor. In der lebhaften Diskussion, die sich an diese Vorlage knüpfte, wandte sich ein Mitglied des Gemeinderates entschieden gegen die vorgeschlagenen Gebührenerhöhungen, insbesondere gegen die Steigerung des Schulgeldes, fand jedoch mit seinen Einwendungen, da ein anderer Weg zur Deckung der laufenden Ausgaben nicht angegeben werden konnte, bei der Mehrheit keinen Anklang. Der Vertreter des Finanzausschusses wies an einem ziffernmäßigen Vergleich zwischen dem gegenwärtigen Budget der Gemeinde und demjenigen der Vorkriegszeit nach, daß damals nur 20 Prozent des Aufkommens durch Steuern, alles andere durch Gebühren, Zinsen und Geschenke aufgebracht wurde, während heute die Hälfte des Budgets auf dem Steuerwege, also unter Entlastung des Mittelstandes, eingezogen werde. Schließlich wurde die Vorlage des Vorstandes mit kleinen Modifikationen in folgender Form angenommen: Für die Synagogenplätze wird grundsätzlich eine Gebühr festgesetzt, die 33^/Z Prozent über die Friedenssätze hinausgeht. Von dieser Gebühr soll jedoch für das nächste Vierteljahr nur 75 Prozent, d. h. also entsprechend den Friedenssätzen erhoben werden. Die in den drei vorderen Mittelschiffen befindlichen Männerplätze werden einheitlich mit 100 Mark, die Eckplätze mit 120 Mark berechnet. An den Seitenemporen der Frauensynagoge werden die Gebühren der 2. und 5. Reihe denjenigen der Plätze auf der Westgalerie angeglichen. Die Gebühr für einen Synagogenplatz soll 1 Prozent des Einkommens des Mitgliedes nicht übersteigen. Das Schulgeld beträgt vom 1. Juli d. I. ab 50 Mark vierteljährlich, wird jedoch für steuerzahlende Mitglieder der Gemeinde mit Rücksicht auf ihren steuerlichen Anteil an den Schullasten auf 37,50 Mark ermäßigt. Jedes 2. Kind des gleichen Haushaltes genießt von nun an, einerlei ob es sich um Mitglieder oder Nichtmitglieder handelt, eine Schulgeldermäßigung von 25 Prozent des Normalsatzes, das 3. Kind eine solche von 50 Prozent. Der Rest der Sitzung war durch eine Beratung über die Frage ausgesüllt, in welcher Weise der notwendige Betriebsfonds für die Gemeinde beschafft werden könne, um die ohne einen solchen Fonds von Monat zu Monat notwendig werdende Ausnahme von Bankdarlehen zu vermeiden. Ferner wurde ein Antrag angenommen, den Vorstand um Einsetzung einer Sonderkommission zu ersuchen, welche die Frage der Neuerschließung von Einnahmequellen, sowie eine Revision des Steuersystems prüfen soll. Aufstieg und Niedergang der jüdischen Geschichte. Ueber dieses Thema sprach Donnerstag abend auf Einladung der A. I. Ortsgruppe in der Aula der Realschule Am Tiergarten Herr Oberrabbiner Dr. Altmnnn aus Trier. In formvollendetem einstündigem Vortrage wies er an Hand von geschichtlichen Tatsachen nach, wie sich aus tiefster Gesunkenheit der jüdische Genius immer zu neuem Leben erhob. Er reihte sechs Perioden des Tiefstandes aneinander (die Einteilung scheint uns nicht ganz genau und ließe sich auch anders machen), deren jede mit dem Erstrahlen eines neuen Lichtes am jüdischen Horizonte abschließt, worauf schon das Talmudwort vom Vergleich mit „Sternen und Erde" deutlich hinweißi. Redner entwirft ein klares Bild von der Lage der Gegenwart, wie sie sich seit der Kriegszeit nach innen und außen herausgebildet hat. Die Hilfe in der Not unserer Zeit wird von der Jugend kommen, die, wie sie auch heute noch geartet ist, Gott sucht und jüdischen Wegen zustrebt. Auch Samuel mußte von Gott dreimal gerufen werden, bis er, von Eli belehrt und unterstützt, den wahren Gottesruf erfaßte. Die Jugend sollte sich an die Elis der Zeit galten. Und der gesetzestreuen, insbesondere der Agudajugend, fällt die Aufgabe zu, die suchende Jugend vom anderen Lager ür die jüdische Sache ganz zu gewinnen. Der Vortrag and lebhaften Beifall. Der Vorsitzende, Herr Leopold Dppenheimer, der eingangs den Redner begrüßt hatte, sprach ihm jetzt den Dank der Versammlung aus. hermon, Verlags-Aktiengesellschaft. Die Aktionäre der Gesellschaft werden nochmals auf die Sonntag, den 29. Juni, vormittags 11 Uhr, im Sitzungssaale der Deutschen Effecten- und Wechselbank, Kaiserstr. 30, stattfindende ordentliche Generalversammlung hingewiesen. AngesteMenausschüsse der Agudas-Jisroel Iugendgruppen. - Heute fand hier eine gutbesuchte Versammlung der Angestelltenausschüsse der Agudas Jisroel-Jugendgruppen stati. Dem vorgelegien Geschäftsberichte entnehmen wir: Auf dem Nürnberger Delegiertentag der Agudas Jisroel-Jugendgruppen im Jahre 1921 wurde auf Grund eines Referates von Dr. Max Cohen, betitelt: „Die oziale Tätigkeit in den Jugendgruppen" allseits die Schaffung einer Angestelltenorganisation gefordert. Unmittelbar nach der Tagung schritt der O. V. an die Ausführung des Planes, jedoch die Zeitumstände waren diesem Vorhaben nicht günstig und so waren alle Veruche von vornherein zum Scheitern verurteilt. Erst als »folge der Stabilisierung der deutschen Währung die wirtschaftliche Lage eine Aenderung erfuhr, stellte es sich als unbedingt notwendig heraus, sofort eine gesetzestreue Angestellienfürsorge zu schaffen. Es war Ende November des vergangenen Jahres, da der O. V. die Stellenvermittlungszentrale der A.J. I. O. mit dem Sitz in Frankfurt a. M. schuf, die am 2. Dezember desselben Jahres mit ihrer Tätigkeit begann. Die erste Tätigkeit der Zentrale war die Schaffung von Angesteelltenausschüssen. Es enstanden solche in Berlin, Breslau, Köln, Fulda, Fürth, Frankfurt, Halberstadi, Kassel, Hamburg, Mainz und Nürnberg. Ueber die einzelnen Arbeitsgebiete wird berichtet: Seit dem Tage, da die Reichsmark in Zerfall geriet und hierdurch eine Scheinkonjunktur eintrai, war eine noch nie dagewesene Nachfrage nach Arbeitskräften oingetreten. Wahllos — ofyne sich nach der Vorbildung des Arbeitnehmers zu erkundigen — wurde engagiert.

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