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Der Israelit · 1924-06-19 · Heft 25 (19.6.1924) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 25 (19.6.1924)
Date
1924-06-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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w;*i Der Aufruf der Arbeit. (Nach Aboth II, 20). Von David Pineas in Frankfurt a. IR. 1. Was du mußt tun, das tu' sofort, Und tu' es rasch, ohn' Säumen! Die Sonne rückt von Ort zu Ort; Was willst du steh'n und träumen? DerTagistkurz! 2. Und schau um dich: es heischt dein Gott, Dein Volk, der Staat, die Lieben! „Tu' eines jeden Tags Gebot! Sei Meister deinen Trieben! Des Werkst st viel! 3. Und trau, den andern nicht zu sehr, Daß sie-das Werk vollenden. Wenngleich;an Zahlein ganzes Heer — Sind trag sie in Kops und Händen. Die Arbeiter sind faul! 4. Und doch — die fromm geübte Pflicht Und Tat, wie birgt sie Segen! Die Goitesnäh', den Frieden — nicht Erfühlens je die Trägen. Der Lohn ist groß! 5. Und was die Stunde fordert, schieb' Picht auf von Tag zu Tage. Was einst an Tun dir übrig blieb, Man hälts dir vor als Klage-- Der Weltenhausherr drängt!! I-'L i? »J iit«1 5 I. Die Geschichte einer verlorenen Hoffnung. Von 5. Schachnowih. (Fortsetzung.)? 3. > Das erste Treffen. Sabbatai Wi^f nach dieser Nacht lange in den Morgen hhreim Ery heiler Frühlingstag lachte über die pMfferi.roten Dächer in die enge Judengasse von^Smyrnä' hinein.. Ein Sonnenstrahl schlich sich ins Schlafgemach des Hauses von Mordechai.Zvii und spielte auf des Knaben Antlitz, als wollte er es in ewigen Träumen verklären.;«*■ ,,,; - Mord^glIHWlMMBettz-seines jüngeren Sohnes, bestürmt 'Mh^heglückt zugleich. Vielleicht war der fremde Pabbi«<ein Heuchler, der des Geldes wegen seinem väterlichen Stolze schmeichelte, aber wenn etwas daran wäre, welches unaussprechliche Glück und welche gewaltige Verantwortung für ihn, den Vater . . .! Der ernsterfahrene Jskaffa hatte dem Rabbi aus Gaza zugehört und dessen. Worten scheinbar Beachtung geschenkt. - Es schauderte Mordechai Zewi. Der Sonnenstreifen spielte über des Knaben Gesicht und verlieh ihm, wie es Mordechai schien, Heiligenschein. ^Sabbatai erwache und entsteige deinem Lager, daß die Zeit für das Morgengebet nicht verstreicht." Sabbatai wischte sich den Schlaf aus den Augen und erhob sich langsam. „Daß die Zeit nicht verstreicht . . murmelte er noch schlaftrunken. O i . Er kleidet^ sich rasch an, verrichtete, ebenso rasch das Morgengebet und ging, nachdem er von der « Morgensuppe kaum gekostet, auf die Straße hinaus..- Aus den Gärten und Hainen, jenseits der Gasse dräng Lieblicher Duft, vom Meere her kam. Leises. Rauschen, Vögel strömten singend in großen Scharen dem Walde zu. -? ... «Sabbatai hob die Augen in die Höhe und folgte ihrem Zuge. So in kühnem Fluge mochte auch er hinauf und hinaus, immer höher, immer weiter. Aber immer voran, den Zug anführend ... Eine Schar gleichalteriger Knaben kam lärmend und singend des Weges. „Seht mal her," rief einer, „Sabbatai auf der Straße,. . Sabbatai der Stubenhocker und «Psalmensänger in der Sonne . . .". „Er sieht sie heute zum erstenmale, die!SoNne, die Vögel-, spottete ein anderer. „Er lehrt die Vögel Psalmen fingen", scherzte wieder einer, - „Jungen,« geht Ähr nicht ins Lehrhaus?", würdigte Sabbatai gegen seine Gewohnheit die Schar einer Anrede. „Seht mal her,, er weih nicht einmal, daß hssüte . aMz! dreipuddreihigsten im Omer, das Lehrhaus geschlossen ist", riefen mehrere Knaben mit großer Verachtrmg. . „Er lebt ja im Himmel, und dort wird nicht Omer gezählt." Alle lachten laut und ausgelassen mit der ganzen Fröhlichkeit der vom goldenen Frühling erfaßten, jungen Herzen. „Sabbatai, gehst du mit uns?" Es sollte nur-eine übermütige Herausforderung sein. Sie wußten, Sabbatai ging nicht mit ihnen. „„Wohin?", fragte Sabbatai wider Erwarten. „Nach dem Strande." „Nein, in den Wald", schrien andere. -,-„An den Strand", bestanden die ersteren. „Vor dem Walde sind türkische, und armenische Hirtenjungen auf dem Weideplatz, die über uns herfallen und uns mit Steinen, bewerfen." „Und am Strande lauern uns die christlichen Schiffsburschen auf", warnten die anderen. „Wenn Sabbatai mitgeht, dann gehen wir mit ihm auch in den Wald", lenkten die ersteren ein. „Ja, wenn Sabbatai mitgeht, dann unseretwegen auch an den Strand", gaben die anderen nach. „Ich gehe mit Euch!" Diese Worte des sonderbaren Knaben, der nie mitmachte, lösten Jubel aus und flößten den Jungen Mut ein. Sie unterordneten sich willig seinen Weisungen. Bald war ein ansehnlicher Zug formiert, der sich, ausgerüstet, mit Pfeil und Bogen aus gebogenen Halbreifen unter Führnug Sabbatais auf den Wald zu begab. Sabbatai stimmte die Stufengesänge der Psalmen an, und die Jungen im gleichen Schritt und Tritt hinter ihm fielen nach jedem Satze mit einem dröhnenden Halleluja ein. So kamen sie bis zum Weideplatz vor dem Walde. Ein Peitschenknall, Pfiffe und darauf Hundegebell, unterbrachen den Gesang. Die Knaben blieben ängstlich stehen. „Aus, Freunde, mir« nach, die tuen uns nichts", ereiferte Sabbatai den Zug an. Die Hirtenjungen steckten am Waldrande die Köpfe zusammen und betrachteten mehr neugierig denn feindselig die jüdische Knabenschar. ,-Salem!", begrüßte Sabbatai die jungen Türken. ii , i;i: i „Ww haben, heute Fest und wollen in den Wald. Gebt, Freunde, den Weg frei!" „Was für Fest", fragte ein kleiner Türke. „Wir zählen die Tage vom Feste des Auszuges bis zum Feste der Gesetzgebung, und die Zähltage sind Trauertage wegen eines großen Nk. 25 Sterbens unter den Hungern eines * großen Meisters.,. Am, dreiunhdreißigsten Tag des Zählens hörte das Sterben auf, und wir feiern ihn -gern im Freiere im Walde." . Die. T.ürkenjyngen hielten'stillen Rat ab, ohne Hie Wegeingänge in den Wald freizugeben. Endlich sagte einer: - . *; •: „Wir lassen Euch durch, weil Ihr-Fest habt, aber, nicht eher, als bis dieser — sie zeigten auf Sabbatai —uns ein paar seiner Lieder vorgesungen hat/- t; „Wir wollens!" „Tue es, Sabbatai!" «„«Dollen sie hören, was du kannst, die Jschmeelim . . . Uyd Sabbatai begann: Mn den Strömen Babylons Dort sahen wir und weinten, Da wir Zions gedachten. An die Weiden dortfelbst Hingen wir.unsere! Harfen. Denn dort heischten unsere' Eroberer Von uns Gesang, unsere Bedränger, Freude: Dinget uns von den Zipnsliedern! Wiesollten wir aber singen Gottes Lied auf fremdem Boden?" Der--Knabe fang und Zorn leuchtete -aus seinen Augen. „Ich"mag nicht!"- Und „Wie sollten. wir auch?!" Aber er brachte es singend mit bezaubernder Stimme heraus, dieses „Ich inag nicht!" Und drohend ruhte fein Blick auf der Fremden-Schar, als er die-letzten Sätze mit Wucht ( und fast überfchlagender Stimme hervorstieß: „Gedenke Edoms Söhnen den Tag Jerusalems! — — — fye'ii dem, der Dich erfaßt und Deine Säuglinge zerschmettert an dem Felsen!! . . ." Die Türkenjungen hörten aufmerksam zu, fast ergriffen, ob sie auch kein Wort vom Texte verstanden. Einige, die anfänglich versuchten, mit rohen Worten den Gesang zu stören oder ihn mit Pfiffen zu begleiten, hielten ein und standen gefesselt von der an- und absteigenden, in Zorn aufwallenden und sich einschmeichelnd senkenden Melodie still. Die jüdische Schar war ihrerseits tief bewegt, und es hätte nur eines Wortes Sabbatais bedurft, und sie hätten sich allesamt, ohne die Uebermacht zu fürchten, auf die Türken gestürzt. Diese aber gaben den Weg von selbst frei, und ihrer mehrere schlossen sich dem Zuge an. Sie durchstreiften den Wald, kletterten auf Bäume und spielten dieses und jenes. Sabbatai führte an und war guter Dinge wie nie zuvor. Und die Türkenjungen machten mit, als gehörten sie dazu und hätten sie ebenfalls den dreiunddreihigsten im Omer zu feiern. Spät am Nachmittag traten sie den Rückweg in Reih und Glied an und bogen gesteigerten Mutes an den Strand ab. Dort empfing sie gleich ein Steinregen, der von den christlichen Schifferjungen ausging. Die Juden , setzten sich zur Wehr und mit ihnen die. Türken, die wütend über die Schifferjungen herfielen, mit denen sie noch allerhand alte Rechnungen auszutragen hatten. Es entspann sich .eine regelrechte Schlacht zwischen Hirten und Schiffern, Türken und Christen. Indes gog^ Sabbatai mit seiner Schar singend in die Stadt zurück. Ein ruhmgekränter Sieger, hex. mit des Mundes Hauch die Feinde gemeistert hatte.... Es war ein schöner Tag für die Jugend der Smyrnaer Judengasse. (Fortsetzung folgt.)

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