Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1924)
- Date
- 1924-05-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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29. Mai 1924 Der I s raeltt Nr. - 22 Sette 13 Frankfurter Berichte. Synagogengemeinde «Israelitische Religionsz gefellfchast-., Die am 19. d. M. stattgehabte öffentliche Sitzung des Gemeinderates hatte ein ziemlich zahlreiches Publikum angezogen, wobei dahingestellt fei, ob der Reiz der Neuheit öder der Gegenstand der Tagesordnung — Beratung des Schuletats — die Hauptursache des starken Besuches bildete. Gleich zu der ersten Einnahmeposition wurden aus dem Schoße des Gemeinderates eine ganze Reihe von Wünschen geäußert, die teilweise zu ausgedehnten Erörterungen führten. Der Vorstand wurde gebeten, wie in früheren Zeiten wiederum ein Schulprogramm alljährlich herauszugeben, in dessen Anhang für die Stiftungen der Gemeinde Propaganda gemacht werden soll. Ferner wünscht man die Veranstaltung öffentlicher Schulprüfungen in den hebräischen Disziplinen. Auf eine Anfrage erklärten die Vorstandsvertreter, daß eine Erhöhung desSchulgeldes auf mindestens 37,50 Mark vierteljährlich vom 1. Juni an unvermeidlich sei, weil starke Gehaltserhöhungen bevorständen. Wenn die Gemeinde auch nach wie vor darauf gefaßt fei, aus den allgemeinen Steuereingängen eine sehr erhebliche Summe für den Kopf jedes Schulkindes zuzuschießen, so habe doch das Anziehen der Steuerschraube seine Grenzen und es seien kräftige Erhöhungen, sowohl der Schulgelder als auch der Sessel mieten unabweislich. Die Ankündigung der Schulgelderhöhung löste bei einem Teil der Gemeinderatmitglieder scharfe Opposition aus, während von anderer Seite die Erhöhung als gerechtfer ti gt und unvermeidlich bezeichnet wurdet Schließlich wurde die weitere Beratung dieses Gegenstandes bis zur Einbringung einer speziellen Vorlage durch den Vorstand vertagt. Mit der Ausarbeitung eines-Lehrplanes für d i e h e b r ä i sch en F ä ch e r, der die 4 jährige Grundschulzeit für ,einen vertieften jüdischen Unterricht nutzbar machen soll, ist ein pädagogischer Ausschuß der Gemeindeschulkommission beschäftigt. Ein Gemeinderatsmitglied wünscht für den hebräischen Unterricht von unten an ohne Rücksicht auf die Kosten eiine Einteilung der Kinder in kleine Gruppen, damit die Befähigteren und von Hause aus besser vorbereiteten Kinder zu dem Höchstmaß der Leistungen im Thoralernen gelangen können. Von andererSeite wurden noch weitergehende Wünsche geäußert, die aber auf eine völlige Umwälzung der Lehrerverfassung hinauslausen und in absehbarer Zeit wohl kaum Aussicht auf Verwirklichung haben. Im übrigen sagten die Vorstandsvertreter die Erwägung der gegebenen Anregungen zu, von denen der Antrag auf Veröffentlichung eines Schulprogramms zum Beschluß erhoben wurde. Lag boaumer-Feier in der A. I. Jugendgruppe. Eine Lagboaumer-Feier im eigentlichen Sinne war es nicht, aber ein echter jüdischer Abend, etwas improvisiert, und dennoch bestens gelungen, soweit man den Anlaß, die Grundsteinlegung der großen Jeschiwa in Lublin, im Auge behielt. Rach dem Maariwgebete kündigten Klavierklänge den Beginn der Veranstaltung an., Als Vorsitzender der Ortsgruppe begrüßte Herr Leopold Oppenheimer die Versammlung in einer Rede, die mit ihren geistreichen Erklärungen von Bibel- und Talmudstellen dem Lagboaumer sowohl Me dem Lubliner Ereignis gerecht wurde. Der Hauptredner des Abends, Herr Dr. Salomon Ehrmann, hielt dann wohl keine Festrede, aber ein gründliches geschichtswissenschaftliches Referat über die Bedeutung Lublins als Zentrale der Vierländerfynode im Mittelalter und der großen Lehrer von Lublin, von deren Leben und Wirken er auch interssante Episoden zu erzählen wußte. Diese Vierländersynode war die natürliche Vorläuferin der Agudas Jisroel und war von aller Welt als höchste Autorität in Fragen der jüdischen Religion und des jüdischen Kulturlebens anerkannt. Der Vortrag fand bei dem historisch interessierten Teile -des Publikums große Aufmerksamkeit. Herr Redakteur S. Schachnowitz, lebhaft begrüßt, erzählte auch seinerseits, welchen bezaubernden Klang das Wort Lublin in früheren Jahrhunderten in Deutschland, und speziellin Frankfurt, hattet. Die Frage, warum die Jeschiwoh in der Stadt des Maharscho und Maharam Mter aufgehört hatte, so daß sie heute nach hundert Ähren Neu errichtet werden müsse, beantwortet Schachnowitz mil einem kleinen Ueberblick über die Entwickilung der Dinge im Osten seit Entstehung des Chassidismus, die eine Teilung zwischen Litauen und Polen brachte, anstelle der Jefchiwoh' das Chafsidimstübl treten neß. Der Ausgleich setzte aber schon um die Mitte des r-origen Jahrhunderts mit der Einführung des Dcuslarsystems auf den litauischen Jeschiwaus ein, während das chaffidifche Polen jetzt seinerseits zum Lernen fiA'ps, zur Gründung von Jeschiwaus zurückkehrt. Damit sei die Einheit, .wie sie in der Aguda geraffen war und in der Kenessio Gedaulo ihren herrllchsten Ausdruck fand, hergestellt. Darin sieht der Redner die eigentliche Bedeutung der Lubliner Gründung. . , . Der gesellige Charakter der Veranstaltung war gegeben durch einen zu Anfang von Herrn Manfred Neuderger wirksam vorgetragenen Vorspruch, von dem Vortag eines Gedichtes, und vielen schönen Jargonliedern aes Herr Ludwig Frank,. Rezitationen des Herrn Gabel und mehreren -ausgezeichneten Klavier- und Liederoortragen des Herrn Julius Peiffa ch o witsch. Es war ein jüdischer Abend, und des Anlasses durchaus' würdig. Synagogale Musik. Der Abend im Kleinen Saalbau am Donnerstag, den 22. Mai war ein Ereignis für die -kunstsinnigen und musikliebenden Kreise der Gemeinde. Herr Max Neumann sprach über den synagogalen Gesang in seiner historischen Entwicklung und damit verbunden führte er uns in Gemeinschaft mit Herrn Oberkantor Groß die alte Institution des Meschorarimchores vor. Der Vortrag stellte eine fleißige wissenschaftliche Arbeit dar, das Gebiet von der Tempelmusik in Jerusalem bis zu den letzten Entwicklungsphasen des Chassonus und Synagogengesanges umfassend. Die Brücke zwischen Alt und Neu in der gottesdienstlichen Musik der Juden ist für Neumann nicht gegeben. Viele Synagogenmelodien, von heute, die erhabenen Texten dienen» seien profanen Liedern italienischer und deutscher Provenienz entnommen, ja sogar lustigen Zecherliedern. Wir wollen und können Herrn Neumann darin nicht widersprechen, aber es sei doch gesagt: selbst wenn dem so wäre, haben doch Jahrhunderte des Leides und des Sehnens diesen Melodien, in denen dieses Leid und dieses Sehnen ihren Ausdruck fanden, eine Weihe verliehen, die wir ihnen schlechthin nicht mehr nehmen möchten. Vorbehaltlich dieser Feststellung wird man Herrn Neumann für Vieles, was er uns in seinem erschöpfenden Referat mitteilte, aufrichtigen Dank wissen. Dank und Anerkennung aber vor allem für die herrlichen Proben, die er uns in Gemeinschaft mit Herrn Groß mit seinenherrlichen Chören gab und die mehr als eine Illustration musikgeschichtlicher Entwicklungen war. Sie boten einen Kunstgenuß für sich, und zwar erlesenster Art. Der Gesang beschränkte sich aus Stücke aus der Liturgie der Hohen Festtage, und es kamen mit je zwei Piecen Sulz er, Naumboürg und Lewandowski zu Wort. Oberkantor Groß, der mit seinem lyrischen Bariton, der in modulationsreicher Innigkeit zu malen und zu unterstreichen weiß, ist ein idealer Interpret dieser Altmeister des Chasonus. und des Synagogengesanges. Und ihm zur Seite standen ein Männerchor, ein gemischter Chor und ein Terzett, die unter der sicheren Leitung Reumanns auf der Höhe ihrer künstlerischen Aufgabe blieben. Der gemischte Chor bestand aus ausgewählten jungen Kräften unseres Synagogenchores. Der Männerchor setzte sich zusammen aus den Herren Ving, Virnstein, Vornstein, Gerlich, Levy, Wohl, Asbel und Kaufmann. Die letzteren zwei Herren fangen zusammen, mit Herrn Oberkantor Groß die zwei Terzette von Naumbourg. Alle Gesänge waren von Beifallsstürmen begleitet. Iubiläumsfonds des Mekor Chajim. In Anbetracht des 50 jährigen Jubiläums der-s Mekor Chajim ist in den Kreisen der Mitglieder die Schaffung eines Jubiläumsfonds angeregt worden. Einem von dem zu diesem Zwecke gebildeten Komitee versandten Zirkular entnehmen wir darüber folgendes: „Was wir, Hörer der Vorträge und Schiurim, dem Vereine, der uns täglich Gelegenheit bietet zu lernen, der uns und unseren Kindern den Lebensquell der Thora andauernd offen hält, schulden, darüber zu sprechen, erübrigt sich vollkommen. Es obliegt uns aber die Ehrenpflicht, unsere in fünf Jahrzehnten angehäufte Dankesschuld an den Verein in irgendeiner Form bei diesem Anlaß abzutragen. Vor fünfundzwanzig Jahren, als der Verein das erste Vierteljahrhundert seines Bestehens feierte, wurde aus den Kreisen der Mitglieder und Freunde dem Vereine eine Sefer Thora mit kostbarem Behänge überreicht, die dem Vereine in den späteren fünfundzwanzig Jahren die Möglichkeit gab, zu gewissen Zeiten n^sni min zu verbinden. -Auch heute, nachdem sich der Verein ein weiteres Vierteljahrhundert in doppelt segensreicher Weise bewährt hat, dürfen wir nicht zürückstehen, unserer Freude und Dankbarkeit auch äußeren sinnfälligen Ausdruck zu verleihen. Die Unterzeichneten haben_es übernommen, an die Gründung eines Jubiläumsfonds heranzugehen, zu dessen Durchführung hiermit alle Mitglieder und Freunde des Vereins aufgefordert werden. Es wird jedem zur Genugtuung und inneren Befriedigung gereichen, mit seinem Obolus —^wir verschmähen auch die kleinste Gabe nicht — seinen Dank zum Ausdruck zu bringen. Die Summe, aus dem Willen, der Liebe und der Dankbarkeit der Mitglieder heroorgegangen, soll als Ehrengabe dem Vorstand überreicht werden und zum Ausbau des Vereins und seiner heiligen Zwecke dienen." — Spenden sind auf Postscheckkonto des Herrn Hugo Rothschild, Nr. 42 934 zu überweisen. Das Rundschreiben ist unterzeichnet von einem Komitee, dem die Herren Joseph Bender, Isidor Benjamin, Sally Goldschmidt, Leopold Heidingsfeld, Julius Lewin, Franz Mainz, Maier Mosbacher, Hugo Rothschild, Fritz Strauß, Moses Weiskopf, Jof. Wohlfarth und A. I. Wolf angehören. Schowuauslernen. Wie alljährlich, wird auch dieses Jahr in der ersten Schowuausnachi im „Mekor Chajim", Langestraße 18, in üblicher Weise gelernt. Das Lernen beginnt 11,15 Uhr nachts. Der Beitrag ist für Mitglieder 1.50 Mark, für Nitchmitglieder 2.— Mark. Meldungen sind rechtzeitig beim Vorstande des Mekor Chajim erbeten. Bereinskatender. (Wegen Raummangels verkürzt.) Seret« Mekor tzyastm. Samstag vorm, nach Schütz der Synagoge „©tntm“; Herr Rektor F alk, —12'7* Uhr in der Frauensynagoge der Klaus rvoa *>p-iD; Herr Professor A. Weyl. — nachm. 474 Uhr (Hörsaal) „Mikro"; HerrDr.W.Hofmann. — 1 Stünde vor Nacht „M t d r a s ch"; Herr B. Rachels oh n. Sonntag und Mittwoch nach Schlutz der Synagoge cwn rmtD; Herr Red. Schachnowik. § Sonntag vorm. 974Uhr undDienstag 1 Stünde vor ..Mincho' „Gemoro"; HerrR. A.G.Posen. Montag und Mittwoch abend 7Uhr „Gemoro", Herr Rabbiner Dr. Josef Breuer. Donnerstag abend: Dortrag des Herrn Rabb. Dr. Jof. Breuer „Aus der jüdischen Gedankenwelt". Dienstag und Freitag morgens nach Schlutz der Synagoge „Mifchna"; Herr Rektor Falk, an anderen Tagen Mitgliederlernen. - Allabendlich abends 83/4 Uhr Schatz-Lernen; Herr Herz Halp ern. Kgrrdas Iisroel-Zugendgruppe. Allabendlich 1h Stunde vor Nacht Omerlernen. Sämtliche Veranstaltungen finden im Dereinslonal, Hanauerlandstratze 17, statt. Lirvjath Hhen-Werei«. Samstag nach Mincho im Hörfaale „Midrasch"; Herr Red. S. Sch ach n ow itz. O"V-Aerei«.^ ...... Alltäglich von Sonntag bis Donnerstag abends 7*7 Uhr: no)D *dd; Herr Rabbiner S. W eb er. Aeshamidrafch, Hstendstraße 18. Samstag 7« Stunde vor Nacht halachifcher Vortrag; Herr B. Ra ch elsohn. Sonntag vorm, von 8—7*10 Uhr, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag abends von 7-9-10. Uhr: „Gemoro" aDp a±i; Herr Rechtsanwalt Dr. Breuer. Alltäglich zwischen NMO und : Dia^n und am Sabbat 12 Ahr mittag Chumisch mit Raschi, Herr Rosenzweig. Tatmud-Hyora-Kerei«. Vereinslokal: Gemeinde-Synagoge Dörneplatz. Samstag, 11—12 Uhr: „Schulchan-Aruch"; Herr S. Unna. — 374 Uhr: Raschi zum - Wochenabschnitt": Herr Rabb.-Ass. Liptnsky. .. Alle übrigen Schiurim wie gewöhnlich. S Heöetzeiterr. :; ■»npns rat? F reitag abend 7.35. j Samstagmorgen 7.45 ■ Samstag nachmittag 5.—. Samstag abend 9.20. U)ocheng ottesdi eilst: Morgens 6.15. Nachmittags 7.15. Tefilin-Legen am Mo rgen 2.40. Löst Blumen ab zu Gunsten unterernährter Kinder. Jüd. Frauen Vereinigung. E.P. »Hansa 2825. Postscheckkonto 42258. Familiemlachrichteu. Barmizwo. Naftali. Sohn des-Herrn Jacob Nothmann, Kl: Obermainsttäße 4. Synagoge Friedberger Anlage 6. Von ärztlicher Seite wird -Uns geschrieben: . . Ich. muß leider bei meiyer Anwesenheit im bayrischen Hochgebirge feststellen, daß die herrliche Gegend auffallend von Juden gemieden wird..? ' Wenn dies in Anbetracht der antisemitischen Vyränge in den größten Städten Bayerns eigentlich verständlich ist, so glaube ich im Interesse der, WahrheitMfentÜch darauf Hinweisen zu sollen/ daß kein Grund.vorhanden ist das bayerische Hochland in diesem Jahre zu'meiden. Seit 14 Tagen halte ich mich in eiüem Badeorte von Wf auf und ich muß sagen, daß. öffentlicher. AntiseryitisMs nirgends zutage tritt. •; ,% Ein /HümbÜrger/Ärzt?!