Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1924)
- Date
- 1924-03-20
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 16 Nr. 4 20. März 1924 In Frankreich hat Grandrabbin Will-Colmar ein Komitee für die Arbeit des Keren Hatauro gegründet. das unter seiner Leitung in ganz Frankreich tätig ist. Bisher worden bereits erhebliche Zuwendungen dem Keren Hatanro gemacht. Zn Ungarn, Sopran (Öebenöurfl) fand im Tebeth das Lhanukath Habaith eines neuen Talmud- Thora-Gebäudes statt. Neue modern eingerichtete Schulen werden der ganzen Gegend große Dienste leisten und viel zur Verbreitung der Thora beitragen. In Polen hat die Abteilung des Zentralrates für Chinuch und Chisuk und Limud Hatauro besonders viel geleistet. Der erste Sijum des Das Jaumi trug den Charakter einer großen Volksfeier. Zum Zwecke der Legalisierung der Chadorim haben die orthodoxen Abgeordneten und Senatoren im polnischen Sejm, bei den zuständigen Orts- und Schulbehörden entsprechende Schritte eingeleitet. Die Interventionen haben ernen günstigen Verlaus genommen. Ferner bereisten die orthodoren Mandatare alle jene Ortschaften, wo den Chedarim Hindernisse in Lehr- und Lerntätigkeit gemacht wurden, und behoben dieselben. In Censtochowo wurde eine Jessaudo Hatauro-Schule gegründet, in Länderen Städten bereit; bestehende Schulen reaktiviert. Ferner hat die von der Agudas Jisroel gegründete Mädchenschule, Beth Zacob in Krakau ein großes, modern eingerichtetes Gebäude erworben, in dem tausend Mädchen Unterricht erteilt wird. Außerdem wurden in der Schule praktische Kurse zur Ausbildung von Schneiderinnen, Weißnäherinnen, Modistinnen Mw. errichtet, die besonders gut prosperieren. In Ausführung des Beschlusses der Kenessro Gedaulo betreffs der Schaffung einer höheren Zeschiwo in Polen, hat die Chinuchkommission unter Leitung von Sejmabgeordneten Oberrabb. Schapira-Sanok die vorbereitenden Arbeiten zur Gründung ' und Bau einer großen Zeschiwo in Lublin beendet. Diese Zeschiwo, die eine ungeheure Lücke im Leben der orthodoren polnischen Zudenheit aussüllen wird, ist bereits im Entstehen. Der Platz, sowie ein Teil des notwendigen Baumaterials sind vorhanden. Zu Beginn des Frühlings wird mit dem Bau begonnen werden. Bis zur Fertigstellung des Gebäudes wird die neugegründete Zeschiwo in einem gemieteten Hause untergebracht werden. Die jüngste Konferenz des Zentralrates der Agudas Zisroel in Polen hat den formellen Beschluß der Gründung einer Keren Hatauroh-Zentrale für Polen gefaßt und die Richtlien der Tätigkeit derselben festgesetzt. An die Spitze dieser Zentrale wurde Oberrabb. Schapira berufen. Die Lage der Lehrstätten in Litauen ist weiterhin eine katastrophale. Dort droht trotz der bisherigen Bemühungen die Gefahr, daß eine Zeschiwo nach der anderen aufgelassen werden muß. Die Keren Hataurozentrale bemüht sich, unter Anspannung aller Kräfte diese Gefahr aus der Welt zu schaffen. Die bisher geleistete Hilfe konnte selbstverständlich diese Gefahr nicht bannen. Die großen Zeschiwos benötigen große Mittel. Um jedoch durch eine einheitliche Aktion die notwendigen Subventionen zusammenzubringen, wurden sämtliche Anstalten einem gemeinsamen Komitee unterworfen, das für den Fortbestand der Schulen zu sorgen hat. Zn einem gemeinsamen Aufrufe, der von sämtlichen Autoritäten des litauischen Judentums unterfertigt wurde, wandte sich dieses Komitee an das jüdische Volk in der ganzen Welt mit der Aufforderung, den Keren Hatauro mit allen Kräften zu, unterstützen, da im Florieren dieser Institution die Gewähr liegt, daß die große Katastrophe abgewendet wird. Hl. Crez Jisroel. Die Reise des Gerer Rebben der in Begleitung der Rabbbeim von Sokolow, Bendzkn sowie einer großen Anzahl von Industriellen aus Polen, bildet einen Wendepunkt der Agudaarbeit in Erez Jisroel. Der Zweck der Reise ist neben der Förderung privater Initiative im heiligen Lande, auch die Förderung der offiziellen Arbeit in Lrez Jisroel. Die uegcuucr.e Arbeit des Binjan Hooretz wird soweit als möglich betrieben werden, ebenso die Verträge der auf dein historischen Boden von Bneh Brak befindlichen Siedlung Ba'is Wenachalo rati.iziert. Die Reise des Gerer Rebben nach Erez Zisroel ist ein Beweis, wie wichtig die Führer der Aguda die Arbeit in Erez Jisroel halten. Im Krankenhause der Aguda - Marpeh Kloli in Jaffa wurde eine neue Ambulanz errichtet, die einem großen Bedürfnis entspricht und sehr viel in Anspruch genommen wird. Vor kurzem wurde in Jerusalem das 50 jährige Jubiläum des großen Stadtviertels Meah Schearim gefeiert. Dieser Stadtteil wurde im Jahre 5684 auf Initiative von Rabbi Salmen Ben Lewi und Rabbl David Julius begründet. Zusammen mit dem Stadtviertel wurden auch ein Beth Hamidrasch und ein Armenasyl errichtet, die jetzt ebenfalls ihr Jubiläum feierten. Für die Orthodoxie ist das Fest von besonderer Bedeutung, da es eine Institution des alten Zisch.:w ist, die vom Anfang an ihr Entstehen und ihre Entwicklung dem Alten verdankt. Besonders gut entwickelte sich in der letzten Zeit die Lodzer Industrie in Erez Jisroel. Die ersten Versuche mußten fehlschlagen, da sie von unerfahrenen Leuten ausgingen, denen alle Fachkenninis und alle Voraussetzungen gefehlt haben. Es sind zur Zeit großzügige durchgreifende Unternehmungen im Gange, die beste Erfolne versprechen. Eine große Aktiengesellschaft Lodzer Industrieller und anderer Interessenten zur Verbreitung Der B Israelit l ä t t e r der Lodzer Industrie m Erez Jisroel ist in Gründung begriffen. Die Aktiengesellschaft zur Gründung der Gartenstadt Reweh Zisroel hat Fortschritte zu verzeichnen. Os wurde eine größere Anzahl von Häusern gezeichnet, ferner beabsichtigt, die' Gesellschaft auf t>em Boden von Reweh Jisroel ein großes Gebäude für die änLsmmen-i den 'orthodoxen Chaluzim zu bauen. In Oe st erreich hat die neugegründete Palästinazentrale eine rege Tätigkeit entwickelt, die zur Gründung einer österreichischen Kolonie in Bneh Brak führen soll. Das zur Gründung einer tschechoslovaktschen Kolonie notwendige Kapital ist fast zur Gänze vorhanden. Aus dem Rahmen der polnischen Aguda haben einige Verehrer des Chofez Chajim den Beschluß gefaßt, eine Kolonie aus den Namen des verehrten Führers in der Nähe von Haifa zu gründen. Taufend Dunam Boden find bereits gekauft. Im Frühling wird mit den Anbauarbeiten begonnen werden. Es besteht ferner der^ Plan, in dieser Kolonie eine große Lehrstätte zu errichten. Zn Newyork fand unter Vorsitz des Oberrabb. Philipp Klein eine Konferenz der Letter der Aguda in Amerika statt, in welcher beschlossen wurde, sich in großzügigster Weise des Keren Erez Jisroel anzunehmen und die Agudaarbeit für Erez Jisroel unter der amerikanischen Zudenheit zu propagieren. IV. Soziale Fürsorge. Die Aktion für die Notleidenden in Deutschland, die vom Jüdischen Hilfswerk der Agudas Jisroel eingekeitet würde, hat bis jetzt die Summe von Kronen 579,924.544 erbracht. Die Gelder wurden hauptsächlich für Lebensmittelsendungen verwendet. Sämtliche 'Landesorganisationen der Agudas Jisroel haben außer der Aktion der Zentrale des Jüdischen Hilfswerkes. in ihren Ländern separate Aktionen veranstaltet, die erfolgreich verlaufen sind. Die deutsche Jugendorganisation der Agudas Jisroel hat eine erfolgreiche Aktion abgeschlossen, die den Minderbemittelten ermöglicht, ein Pfund Mazzos zu 45 Eoldpfennigen pro Pfund zu erhalten. In Berlin wurde nach dem Muster des Jüdischen Hilfswerkes der Agudas Jisroel unter Leitung von Dr. Falk Schlesinger die Zentrale des Sozialen Hilfswerkes der Agudas Zisroel in Deutschland gegründet, die bereits eine große Tätigkeit auf allen Gebieten der Sozialen Fürsorge eingeleitet hat. Die Kinderaltion des Jüdischen Hilsswerles ist mit großen Erfolgen durchqeführt worden. Die meisten Transporte wurden nach einem sechswöchentlichen Aufenthalt bereits nach Deutschland zurückbeordert. Bei allen Kindern ist durchschni't^ich eine Gewichtszunahme von 4—6 Kilogramm zu konstatieren. Im Monate Kislew begab sich Redakteur Volk im Aufträge des Jüdischen Hilfswerkes nach Amerika, um dort für das Hilfswerk tätig zu fein. Der in Gemeinschaft mit den Fürforgeinstitutionen veranstaltete große jüdische Sammeltag in Wien verlief bei starker Beteiligung der jüdischen Bevölkerung sämtlicher Schichten programmäßig. Der Erfolg des Sammeltages war zufriedenstellend. Die endgültige Summe der Spenden steht zur Zeit noch nicht fest. . V. Presse. Die polnische Landesorganisation gründete, um dem Mangel an Verlagsanstalten für talmudische Werke in Polen abzuhelfen, einen Verlag unter dem Namen „Agudas Jisroel". Dieser Verlag hat bereits Gemarath Schabbos in vollkommener buchtechnischer Ausführung herausgegeben. Die große Popularität des Daf Jaumi hat einen kolossalen Mangel von Sefarim erwiesen, den zu beheben die Aufgabe dieses Verlages ist. Ebenso erschien in diesem Verlage ein Luach, der sich in allen Kreisen der Orthodoxie bereits eingebürgert hat. Sekt einiger Zeit erscheint das Zentralorgan der polnischen Jugendorganisation „Diglejnu". In Wien wurde eine Erposil'ur für jüdische Presse und Literatur errichtet, die die Vermittlung sämtlicher orthodoxen Zeitungen und Bücher innehat. Zm Verlage „Hermon" erscheint in nächster Zeit eine neue Auflage des Werkes „Chofez Chaiim". Zu Beginn des Monates Februar beginnt in Wien das Zentralorgan der Agudas Jisroel in hebräischer Sprache „Haderech" in modernisierter Form und vergrößertem Umfange zu erscheinen. Die Berichte des Agudas Jisroel-Prefsebüros erfreuen sich allgemeiner Beliebtheit. Die Zahl der Abonnenten ist ständig im Wachsen begriffen. Der Abünnrmeulsprcis beträgt einen halben Dollar pro Jahr. Anmeldungen find an das Agudas Jisroel-Pressebüro Wien H, Malzgasse 12 a zu richten. Aus der Bewegung. Berlin, 26. Febr. Die hiesige Ortsgruppe der Agudas Jisroel hielt am 25. ds. Mts. eine öffentliche, von mehreren hundert Personen besuchte Versammlung ab, kn der Dr. Meier Hildesheimer über die Halberstädter Delegiertentagung Bericht erstattete. Einleitend wies Referent nach, wie sich in den letzten Jahren besonders nach der Kenesiio Gedaulo der Schwerpunkt der Aguda, der ursprünglich zweifellos in Deutschland gelegen hat, so stark nach dem Osten verschoben hat, daß zwar ein großer - Teil der geistigen Führer nach wie vor ihren Sitz in Deutschland haben und diese naturgemäß von dem Anschauungskreis der deutschen Orthodoxie beeinflußt wurde, daß aber letztere, wenn sie einen' Zusammenschluß der Weltorthodoxke aufrichtig wünsche, ihre Vorstellungen Änd Methode« zu Gunsten der vornehmlich im Osten wirksamen «mgestalten müsse. Diese grundlegende Umstellung der Gesamtaguda hat, wie aus den am ersten Tage erstatteten Generalberichten hervorging, die ganze Arbeit feit der Kenefsiö beeinflußt, und sie Muß auch die deutsche Landesorganisation beherrschen: Die großen gemeinsame« Gesamtheitsaufgaben müssen immer stärker hervortreten, unter ihnen in erster Linie die Sorge für Erkräftigung der Taürohliebe und des Tauröhstudiums und ebenso die Arbeit für Erez Jisroel, während noch so wichtig erscheinende, aber von höherer Warle aus doch kleine und kleinliche örtliche Auseinandersetzungen zurücktreten müssen. Rach diesen grundsätzlichen Darlegungen ging Referent aus die eigentliche Tagung über und schilderte deren Verlauf an Hand der gefaßten Beschlüsse, die er in fünf Gruppen teilte. Eingehender und mit Nachdruck wurden diejenigen behandelt, die sich um „ K e r e n hatauro" gruppieren, weil er in ihm den Zentralpunkt aller Agudatätigkeit sieht, die ihr auch von keiner Seite und keiner Organisation streitig gemachtwird. Die Menschen, die Geister und — das Geld der Orthodoxie der Welt hierfür mobil zu machen, müsse die erste und letzte Aufgabe jedes Agudisten werden. Wichtiger freilich könnte manchem die Zukunft und Gegenwart Palästinas erscheinen. Aber da politische und ökonomische Rücksichten Agudas Jisroel dort z. Zt. nur auf ein verhältnismäßig kleines Arbeitsgebiet drängen, nämlich aus Häuserbau und Begründung von Industrien und da Agudas Jisroel auf diesem engen Gebiete zu leisten versuche, was ihm möglich sei, bleibt die Fürsorge für Taurohpflege und alles, was mit ihr zusammenhängt, d. i. den Keten hatauro, das Wesentliche. Außer diesen beiden allumfassenden Beratungspunkten find, wie Referent mitteilt, auch einige nur die deutsche Abteilung der Aguda angehende Angelegenheiten behandelt worden. So die des „Vorortes", d. h. des Sitzes des Gruppenverbandes, der der „Landesorganisation", wie sie sich in Anlehnung an das Grundstatut von jetzt ab nennt, ferner die stärkere Eingliederung der Jugendgruppen in die Gesamtarbeiten der Ortsgruppen und schließlich einige mißverstandene oder unrichtige Auslegungen des Grundstatutes, die offenbar vielseitig verbreitet sind, weil sie zur Gründung der „Achduth" wesentlich beigetragen haben. Referent weist aus den einzelnen Paragraphen des Statutes die Berechtigung zweier Resolutionen nach, die auf dem Delegiertentag beschlossen worden waren, von denen die eine den Mißverständnissen allgemein entgegentritt, die andere die Gründung von Achduth bedauert. An das etwa anderthalbstündige Referat schloß sich eine sehr lebhafte Debatte, in der von den meisten Rednern die Notwendigkeit, für das Taurohstudium zu sorgen, betont wurde und Vorschläge nach dieser Richtung gemacht wurden. Auch das Verhältnis von Agudas Jisroel und Achduth wurde mehrfach berührt, und schließlich auch einige interne Fragen der Ortsgruppe besprochen. Warschau. (A. I. P. B.) Verehrer des großen Führers Chofez Chajim, Mitglieder der polnischen Aguda haben den Beschluß gefaßt, in der Nähe von Haifa eine Kolonie zu gründen. Es wurden bereits tausend Dunam Boden gekauft. Zu Beginn des Frühlings wird mit der Anbauarbeit begonnen. Es besteht ferner der Plan, in dieser Kolonie eine Thoralehrstätte zu gründen. Lublin. (A. I. P. B.) . Am 29. Schewat fand in Lublin in Anwesenheit der Oberrabbiner Klazkin, Lublin, Leiner, Radzin, und Oberrabbiner Sejmabgeordneter Schapiro, Sanok, die feierliche Eröffnung des Arbektsoüros der gegründeten Weltjeschiwoh in Lublin statt. Die bei dieser Gelegenheit erössnete Aktion hatte gleich in den ersten Tagen einen großen Erfolg.' Es wurden ca. 50.000 Dollar gezeichnet. Am 25. Adar II. findet in Lublin die feierliche Grundsteinlegung zu den großen Gebäuden, in denen die Weltjeschiwoh untergebracht sein wird, statt. Gleich hierauf wird mit den Bauarbeiten begonnen werden. Newyork. (A. I. P. B.) Die Jugendgruppen der Agudas Jisro?l in Amerika haben für den 12. Adar eine Konferenz der orthodoxen Jugend in Amerika einberufen. Hamburg. (A. I. P. B.) In . Anwesenheit Dr. Deutschländers vom Keren Hatora wurde hier eine große Aktion zu Gunsten des Keren Hatora veranstaltet. In den ersten zwei Tagen wurden 500 Pfund gespendet. Berichtigung. In dem Normal st atut für die Ortsgruppen Nr. 3 der „Blätter", Seite 4, sind kn § 9 einige Zeilen irrtümlich ausgefallen. § 9 muß richtig wie folgt heißen: Wahlberechtigt sind alle männlichen Mitglieder vom 16. Lebensjahre an. Wählbar sind alle männlichen Mitglieder vom 16. Lebensjahre an, deren Gesinnung und Lebensführung anerkanntermaßen der Thora entspricht. In strittigen Fällen entscheidet der Rabbinische Landesrat, dessen Entscheid durch die Landesorganisation anzurusen ist. «erantwortlicher Schriftleiter: T. Goldschmidt in Halberstadt-