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Der Israelit · 1924-02-07 · Heft 6 (7.2.1924) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 6 (7.2.1924)
Date
1924-02-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
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Nr. 6 Seite io 7. Februar 1924 ~ Der Israelit Uinderecke. WWWZMWM Der gerechte Ausgleich. Von Heinrich Einstadter. In dem unmdlichen Palast, den man Welt nennt, ist ein Botenzimmer, das eine endlose Ausdehnung besitzt. Denn unzälilige Voten des Höchsten, gewöhnlich Engel geheißen, halten sich darin auf. Sie sind jedes Winkes ihres Herrn gewärtig und erfüllen sein Geheiß mit größter Pünktlichkeit und Genauigkeit. Da ihrer aber so viele sind, die Menschen sie gar nicht alle - ahnen, geschweige denn beobachten könnem so vermögen sie auch nicht, ihr Tun zu überblicken und den Plan zu erkennen, nach dem das höchste Wesen seine Welt regiert. Vieles bleibt ihnen lange, manches sogar für immer verschlossen und unverständlich. Unter den Engeln ist einer, der ständig gibt und nimmt. Wem er mit der einen Hand Ioas entzieht» den entschädigt er mit der deren. In einer Nacht wurden dem Kaufherrn leibgut zwei Söhne geboren, die er Bela und rretz nannte. Schon nach einigen Jahren gte es sich, daß Bela schwachen Geistes war. ihrend Peretz außergewöhnliche Talente besaß. Der Engel nahm und gab. Die Eltern freuten sich ihres aufgeweckten Jungen., Wenn sie aber den armen Bela sahen, schnitt Wen sein Anblick ins Herz. Da waren sie bestrebt, wenigstens aus ihrem Peretz etwas Tüchtiges zu machen. Schon sehr bald mußte er mit dem Lernen beginnen: denn er sollte mehr erreichen als gewöhnliche Kinder. Gar lvenig freie - Zeit wurde ihm gelassen. Arbeit wechselte mit Arbeit. Sein Zwillingsbruder hingegen verlebte eine glückliche Jugend. Er wurde mit Geschenken überhäuft und konnte dem munteren Spiel soviel Stunden widmen, wie er wollte. Den armen Knaben anzustrengen, hätte ja doch keinen Zweck gehabi. — Der Engel nahm und gab. — Peretz erwarb sich durch seine Leistungen viel Anerkennung. Das Lob, das ihm gespendet wurde, schmeichelte seinen Eitern. Aber auch viele Neider erstanden ihm, und viele tadelten, daß bei ihm der Verstand zu gut, das Herz zu schlecht weggekornmen sei. Waren nun auch die Ellern stolz auf ihn, und betrübte es sie ^andererseits, daß ihr Bela überall nur mit Blicken des Mitleides angeschaut wurde, so wandten sie doch ihre Liebe und Sorge dem „unglücklichen" Kinde in ganz besonderem Maße zu. Es wurde treulich gehegt und gepflegt und hatte reichlich Zeit und Gelegenheit, alle Seiten väterlicher Fürsorge und alle Falten mütterlicher Güte kennen zu lernen. Ein Feind erstand ihm nie: jeder gute Mensch erwies ihm gern Gutes. — Der Engel nahm und gab. — Der talentierte Sohn widmete sich einem geistigen Beruf, der unbegabte beschränkte sich auf kleine mechanische Dienstleistungen im Hause. Jener errang Erfolge, erlitt Fehlschläge: diesem blieben beide fern. War für Peretz das Leben ein Kampf, so bedeutete es für Bela fast ungetrübten Frieden. Ihm blieb zwar die Freude des Siegers unbekann-, aber auch der Schmerz des Unterlegenen. Er halte keine Ahnung davon, was Streben und Hoffen bedeutete: dafür gab es für ihn aber auch keine tieferen Sorgen. Schwere Zeiten berührten ihn nie, weitgehender Befürchtungen war er nicht fähig. Dagegen hatte er ein richtiges Gefühl für empfangene Liebe und eine beglückende Empfindung, wenn er sich bewußt war, gut und brav zu sein. - Der Engel nahnr und gab. Wörtchen und Deutungen. n-nrn 7 emi v'-mx inbvH nssön „Wer eines andern Tisches harrt, dem ist es finster ans der Welt." (Talmud Beza 32.) Nachdruck ist aus .is^ori zu legen. Unsere Synagogen sind am Freitag abend so hell beleuchtet, daß man eine Nadel auf dem Boden und das geringste Stäubchen sehen würde. Nur eines sieht man nicht: den armen Durchwanderer, der vor der Türe steht und vergeblich darauf harrt, daß ihn jemand mit zu Tisch nehme, vmnninl-ivl»nvxvnWer dergestalt warten und harren muß, dem nützt die große Helligkeit inl Gotteshause nicht: man übersieht ihn dennoch. nra oi>v- Für ihn bleibt die Welt finster .. . Nabbi Abraham Binjamin Soffer (idid ana) war glänzender Mathematiker und hat eimnal in einem neuen mathematischen Werke eines berühmten Professors schwere Fehler nachgewiesen. „Wie ist das möglich." staunten die Schüler, „daß der Nabbi von der Mathematik mehr weiß, als der Professor, der diese Wissenschaft zum Lebensstudium gemacht hat?" „Ganz einfach," erwiderte der Nabbi. „Er baut fein ganzes Wissen und Forschen auf „Regel" (die Regel), ich auf „Nosch" ... Rabbi Chajim Woloschiner kam nach Petersburg, um Geld für die Jefchiwoh zu sammeln. Man bereitete ihm in der großen Synagoge einen herrlichen Empfang und der 'Andrang der Menschen, die alle den Gefeierten sehen wollen, wurde lebensgefährlich. Rabbl Chajim hielt eine Drafcha und erklärte den Zweck seines Kommens. Da nahm der Andrang ab und. die Leute verliefen sich ... Der Rabbi sagte: „Nun ist mir die Thorastelle über den halben Schekel klar: Wollte Moses zählen, der Andrang hätte zur Lebensgefahr geführt. Da sprach er: „Gebt Geld — und die Gefahr war behoben . . Literarische Notizen. Im „Jüdischen Verlag" sind in zweiter vermehrter Auflage Mar N o r d a u s Zionistische Schelft c u erschienen. Den Hauptinhalt bilden Nordaus berühmt gewordene Kongreßrede», die ästhetisch aus eine'» hohen Niveau stehen, wenn sie auch nicht das lästerliche Wort von deni „neuerstandenen Jrmijahn" rechtfertigen. Nein, er war kein Prophet in Israel, der Vvllblut- West-Europäer, der aus allen diesen Reden und Zcitungsaufsähen zu uns spricht — kein Strahl aus den Höhen des llebersinnlkchen hatte ihn je geküßt: aber ehrlicher Stolz, einer alten historischen Rasse zuzugehören, ein ins Stammesgefühl erweitertes S e l b st g e f ü h l, die waren es, die ihn zum Zionisten machten und i» der Vorstellung Glück und Trost finden ließen, daß mm das jüdische Volk endlich selber seines Glückes Schmied sein werde. Aber auch ein Atheist oraucht Götter, wenn er alt wird. Nordau hat in dem Heimgegangenen Freunde Theodor Herzl seinen göttlichen Heros gefunden, dem man in der „mystischen Form des Glaubens" huldigen tann, weil „er nicht in die Lage kam, die Wunder vollbringen zu müssen, die wir von ihnr erwarteten." Ar meine rituell. Metzgerei uche per sofort' bei guter "ezahlung relig. tüchtigen Ge Hilfen, rer selbständig arbeiten und wch Fleisch aushacken kann. 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