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Der Israelit · 1923-12-06 · Heft 49 (6.12.1923) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 49 (6.12.1923)
Date
1923-12-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 49 Seite 7 6. Dezember 1923 und Früchte treiben und spenden. Hier kam er in das Haus von Rabbi Wolf V'xr und seiner ebenbürtigen Gattin und fand dort Geist und Lehen seines Elternhauses wieder. Hier hatte feit 1861 die Talmud Tauroh den Boden der jungen, jüdischen Gemeinde in jüdischem Sinne urbar zu machen, begonnen. Es wurde allabendlich gelernt und die kleine Jugend schar am Tage zur Tauroh geführt. Aber der Fähigkeit der Mitglieder entsprechend mutzte leichte Kost gespendet werden. Es waren nur wenige Zuhörer, die einem liefern Eindringen hätten folgen können. Da kam Michael Munk, dessen Wurzeln in Altona getränkt waren, dessen Stamm in Halberstadt seine Pflege erhalten hatte, und brachte ihn in Köln zur vollen Erhaltung. Den Taurohquellen, welche von den geistigen Höhen flössen, grub er ein Bett mit der Schaufel, die seine mitgebrachten Gemeindetraditionen von inrr (Altona, Hamburg, Wandsbeck) und Halberstadt geschmiedet hatten. Er hatte in den letzten Jahren seines Lebens die Befriedigung, den anfänglich schmalen Bach zu einem breiten Strom dahinflietzen zu sehen, der seine Ufer befruchtete und auf ihnen Taurohpflanzungen und jüdisches Leben hervorbrachte. 1981 führte Michael Munk die Tochter von Rabbi Wolf y'xt als Gattin heim und gründete mit ihr ein Haus, dessen Segnungen jeder empfand, der auf seinen Wegen Köln berührte und am vav von den Strapazen der Woche Erholung und Erfrischung suchte. Kein Gast war zu viel, keine Stunde zu spät und zu früh unter dem gastlichen Dach des Munkfchen Hauses. Keine Mahlzeit ohne nim-Rede wurde eingenommen. Jeder fand Ersatz für sein Heim und trug den Namen Michael Munk in Verehrung und Dankbarkeit in die Welt. Auch in Zeiten, in denen ihm schwere Prüfungen auferlegt waren, ließ er seine nnx» sich nicht nehmen. Sein pnoa hielt ihn aufrecht und mit dieser einzigen reellen Grundlage des Lebens, wenn sie nicht Phrase, sondern bewährte Lebensmarime ist, siegte er. Von allen Möglichkeiten des Religionsgesetzes, die Heiligung des nav im geschäftlichen Betriebe — sagen wir zu umgehen, wollte er nichts wissen und wohl der grötzte'vVN tf-np seines Lebens ist es gewesen, als er ohne religionsgesetzlichen Grund eine Stellung des vav wegen quittierte, lediglich um auch den Schein zu wahren. Auch da verlieh ihn sein Vertrauen nicht, und der, zu dessen Ehre er den Schritt getan, verlieh ihn und die Seinen nicht. In diesem Augenblick, in dem die Welt glaubte und auch er sich dessen bewuht war, vor dem Nichts zu stehen, begann sein Aufstieg, und die innerlich und äußerlich glücklichsten Jahre seines Lebens nahmen von hier ihren Ausgang. Ebensowenig konnten ihn gesundheitliche Gebrechen entmutigen, und so hoffte man, dah auch seine letzte Krankheit überwunden werden würde. Der Allgütige hatte es anders beschlossen. Er nahm den P'hx zu sich. An seinem siebzigsten Geburtstag berief er Michael Munk, der naiv nava mit Hinterlassung von Kindern, deren Häuser alle in seinem Sinne aufgebaut und geführt sind, am tznp na»/ der ihn stets so ganz erfüllt hatte, von hinnen schied. Es klagt um ihn die nähere und weitere Familie, deren denkender und sorgender Daker er allezeit in Liebe und Treue gewesen war. Es klagt um ihn die Talmud Tauroh, deren Leiter, ständiger und pünktlicher Besucher er 40 Jahre war, die Adaß Jeschurun, die ihren rrnip ^a früheren Vorsitzenden und jetzigen Repräsentantenvorsteher, ihren pünktlichsten Teilnehmer an v'nnv nhsn verloren. Das Jüdische Lehrerseminar beklagt in ihm seinen pflichtbewußten Kurator und Förderer, der Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands seinen Mitbegründer und Vorsitzenden. Die Jawne (Realgymnasium und Lyzeum) ihr Schulratsmitglied, dessen Herz und Hand, dessen Rat und Tat ihr reichen Segen spendete. Auch dem Ausschuß der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums und dem Vorstand des Bundes gesehestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands gehörte Michael Munk an. In der Woche vor seinem Geburtstag hatte er unter der ausdrücklichen Bedingung, dah ihm keine Ovationen gebracht würden, allen diesen Körperschaften bedeutende wertbeständige Stiftungen überwiesen, als wenn eine Fügung wahr machen wollte: ipnx daß seine guten Taten ihm vorauf gehen sollten, wenn er den Einzug in das ewige Lehen hielt. Das Trauergefolge und die Beteiligung kn den Trauertagen, die sich überbietenden Klagereden und Trostesworte bewiesen, dah, wer bei den Menschen beliebt ist, auch bei Gott beliebt ist. Hochachtung und Liebe aus dem Lager selbst der sachlichen Gegner bezeugten seine ernste Sachlichkeit und zeigten die Lücke, die der „frommste Mann" Kölns, die Geschlossenheit seiner abgellärten Persönlichkeit, hinterlassen hat. Seine Leistungen .sind durch andere zu ersetzen, die sein Beispiel nachzuahmen sich entschließen mögen, seine Persönlichkeit mit dem Zauber ihrer Milde und Güte, ist unersetzlich. Doch vertrauen wir — gleich ihm — der Erfahrung der Geschichte ni>. — Das Leben geht weiter und am leuchtenden Beispiel der Vergangenheit entzünden sich die Lichter der Zukunft. Das ist der Sinn des Wortes: nanai> p'ax r> Ara« Tina Kauder Frankfurt a. M., 1. Dezember. Aus dem v. Rothschildschen Altersheim gehen uns noch folgende Worte des Nachrufes auf Frau Lina Ränder n"s zu: Wer die teure Entschlafene gekannt und je Gelegenheit hatte, dieser hochstehenden Frau näherzutreten, wird _Der Israelit_ den herben Verlust zu würdigen wissen, von dem neben den Familienangehörigen auch die Damen des v. Rothschildschen Altersheims schwer betroffen sind. Als im Jahre 1902 von Frau Baronin W. v. Rothschild das Altersheim gegründet wurde, ist die verewigte Frau Lina Kander an führende Stelle in den Verwaltungskörper berufen worden. Mit der ihr eigenen starken Initiative widmete sie sich seitdem vornehmlich den Sorgen um das Altersheim. Da galt es, diese Anstalt nach allen Forderungen der Neuzeit einzurichten, damit die Insassen jede Behaglichkeit einer wohlgeordneten Häuslichkeit genießen konnten, wobei aber Küche und Tisch nach den strengsten Forderungen des Religionsgesetzes zu führen waren. Ihre bedeutende Persönlichkeit stand ganz im Dienste dieser segensvollen Stiftung, und es ergab sich von selbst, dah ein starkes Freundschaftsband sich knüpfte zwischen der leider viel zu früh uns Verstorbenen und den Damen, denen sie ihre ganze Fürsorge widmete. Als später Leiden und Krankheiten sie befielen, Hemmungen ihr edles Tun erschwerten, bekämpfte sie heldenhaft alle Störungen, blieb ihrem Grundsätze treu, zu helfen, zu sorgen, wo und wie sie nur konnte. Körperliche Beschwerden nicht beachtend, kam sie oft ins Altersheim, selbst bei Wind und Wetter und sie brachte stets wie Sonnenglanz und Wärme, wenn sie kam; jede der Damen konnte ihr Herz vor ihr ausschütten; für alle hatte die teure Entschlafene ein kluges Verständnis, warmes Empfinden für die kleinen und großen Sorgen des Tages. Auf ihren Lippen lag immer ^as schöne Wort Frieden, so mag sie sanft hinübergej-stummert sein zu ewigem Frieden. Wir werden unsere teure, geliebte Frau Kander nie vergessen, sie wird in unserem Andenken voll Dankbarkeit fortleben. Briefkasten. Vve. ©. M. M. 20 Frs. eingegangen «nd Bestimmungsort zugeführt. Schr. in S. Brief erhalten. Von den können wir zwei bringen und ist auch die deutsche Uebertragung mit kleinen Abänderungen out brauchbar. Verbindiichen Dank für all Ihre Mühe und Ihr warmes Interesse! E. M. Wien. Betrag eingegangen und schulden Sie noch nach Abzug dieses Kr. 20-000 fürs vierte Quartal. frankfurter Berichte. Kirre Achtzigerin. 80 Lebensjahre zu' vollenden, ist kein Verdienst, aber wir pflegen es als eine Gnade anzusehen, die den auszeichnet, dem sie zuteil wird. Wenn aber mit dieser Auszeichnung das Verdienst sich eint, ein langes Leben in Hilfsbereitschaft und Hingabe an die Menschen, in Gläubigkeit und Dankbarkeit gegen Gott gelebt zu haben, dann darf einem Kreise der nahen und fernen Freunde der 60. Geburtstag zum willkommenen Anlaß werden, Dank und Ehrung abzustatten. So ist es der Fall bei Fräulein Lina Regensberg, die am .TJ-ün /NN ihr achtzigstes Lebensjahr vollendet. Ein Frauenleben unserer Kreise pflegt reich genannt zu werden, wenn es innerhalb des fraulichen Wirkungsfeldes sein Bestes geleistet hat. Das Seltene in Fräulein Regensbergs Leben war, daß sie, die nie im eigenen Hause, im eigenen Familienkreise walten durfte, ihr ganzes Tun erfüllt hat mit einer tiefen Mütterlichkeit, die jedem galt, der ihrer bedurfte in seelischer Not und materieller Bedrängnis: nxvn npts -paa na'v msan nnvs. Was sie in 57 Jahren dem Hause leistete, dem in erster Linie die Arbeit und Mühe ihrer Tage, die Wärme und Hingabe ihres Herzens galt, dem Hause des bekannten, allverehrten Rabbi Michael Fürth in Hanau, das gehört nicht der Oeffentlichkeit. Aber was sie außerhalb dieses Hauses und seiner Glieder, die alle in Verehrung und Liebe zu ihr aussehen, gewirkt hat sowohl in Hanau als seit zwei Jahrzehnten in unserer Gemeinde durch persönlichsten Liebesdienst an Armen und Kranken, was sie als eifriges Mitglied der «v'np man, deren Mitgliedschaft für die Unverheiratete eine besondere Auszeichnung war, geleistet, was sie mit ihrer Güte und ihrer sonnigen Lebensfreudigkeit all denen gegeben, die mit ihr in Berührung kamen, dessen gedenken heute in Dankbarkeit die vielen, die diesen Tag wie einen Festtag in der eigenen Familie begehen. Hlow Livjatß Kherr-Aerem. Herr Professor Dr. A. S u l z b a ch, der über 50 Jahre als Dozent in diesem ältesten Lernoereine unserer Kehillo - gewirkt hatte, ist aus Alters- und Gesundheitsrücksichien zum größten Bedauern des Vorstandes und der Mitglieder zurückgetreten. Wer die tief wissenschaftliche und zugleich von den wärmsten jüdischen Impulsen getragene Lehrmethode des Herrn Professor Dr. Sulzbach kennt, wird es begreifen, mit welcher Liebe und Verehrung die Mitglieder — es ist eine ganze Generation — und Hörer des Liwjath Ehen an „ihrem Professor" hingen und hängen. Es sei auch an dieser Stelle dem verehrten Lehrer heißer Dank ausgesprochen, verbunden mit der Hoffnung, uns noch lange an den gesprochenen und geschriebenen Worten des jugendlichen Greifes, imirvi iw \ erfreuen zu dürfen. Zum Nachfolger des Herrn Professor Dr. Sulzbach wurde vom Vorstande des Liwjath Ehen Herr Redakteur S. S ch a ch n o w i tz als Dozent des Vereins berufen. Die Vorträge finden vorerst je am Samstag nachmittag nach Mincho im Hörsaale der Synagoge, Friedberger Anlage, statt. Diefesmal in Anknüpfung an Midrasch über „ C h a n u k a ". Größere Teilnahme (auch vou Nichtmitgliedern) erwünscht. tzßsnnknfeier im Körte für jüdische Mädchen. Im Mädchenhorte für jüdische Kinder, den di» Jüdische Frauenvereinigung vor 10 Jahren gegründet, fand Dienstag Nachmittag in der überfüllten Aula der Volksschule eine Ehanuckah-Feier statt, die jeden, der daran teilnehmen durste, tief bewegte und mit Optimismus erfüllen mußte. Frau Besthoff, die Seele des Ganzen, deren rastloser, opferfreudiger Tätigkeit es gelang, in den Hort, der vor 10 Jahren mit 40 Kindern gegründet wurde, nach und nach 100 Kinder auf» zrlnehmen, leitete die Feier mit einer Ansprache ein. In warmen, eindrucksvollen Worten schilderte sie die vorbildliche Tätigkeit der Hortleiterinnen, Frl. Falk, L a n t o s und C t t l i n g e r , die mit unendlicher Geduld und Liebe die ganz reizenden Aufführungen der Hortkinder geleitet hatten. Sie dankte dem Vorstande des Mädchenhorts und insbesondere den Damen der Jüdischen F r a u en Vereinigung, die durch unermüdliche Sammeltätigkeit und eigne Gaben 100 Kinder mit reichhaltigen, wertvollen Paketen, mit Kleidern, Wäsche, Schuhen, Strümpfen und herzerfreuenden Kleinigkeiten beschenken konnten. Nicht minder Dank gebührt den edlen, hochherzigen Spendern aus der hiesigen Geschäftswelt, die der Bitte der Sammlerinnen gern und in so reichhaltiger Weise entgegenkamen. Wer die lieben, strahlenden Kindergesichter bei der Entgegennahme der Geschenke und später um die mit Kakao und ganzen Kuchenbergen reichgedeckten Tische beobachtet hat, der fühlte sich für seine Arbeit reich belohnt und konnte mit dem Bewußtsein scheiden, daß die außerordentliche Not auch gesteigerte Hilfsfreudigkeit, durch die allein dieses Wunder vollbracht werden konnte, zeitigt. Arbeitslose meldet Krtch! Der Angestellten-Ausschuß der Agudas Jisroel- Jugendgruppe Hanauerlandstr. 17, p. schreibt uns: Mit Rücksicht auf die ungünstige wirtschaftliche Lag« haben wir unsere Tätigkeit erweitert, insbesondere sind wir bemüht, durch Beschaffung von billigen und unentgeltlichen Mittagstischen, sowie von Lebensmitteln zu ermäßigten Preisen das Los der arbeitslos werdenden gesetzestrenen Angestellten und Arbeiter zu erleichtern. Um eine Uebersicht über die Zahl der bereits Arbeitslosen und der am 1. Januar arbeitslos werdenden zu erhallen, bitten wir alle in Betracht Kommenden sich entweder schriftlich oder mündlich in der Sprechstunde Sonntag 11—12 Uhr vorm, und Mittwoch 8.30—9.30 Uhr abends bei uns zu melden. Wir ersuchen auch alle Arbeitgeber, uns durch Ausgabe von Vakanzen — handle es sich auch nur um Aushilfsarbeiten. — zu unterstützen. Mazzssaktisn der AgkdLsIisroek-A«gendgr«Ppe. Der Vorstand der A. J.-Jugendgruppe versendet soeben folgendes Zirkular an seine Mitglieder: „Nach langen Verhandlungen ist es dem Organisationsvorstand der Agudas Jisroel-Jugendorganisation gelungen, einen Abschluß auf eine größere Menge Maxaus zu tätigen. Die Mazzaus kosten 45 Goldpfennige pro Pfund und sind vorzugsweise für unsere weniger finanzielle leistungsfähigen Mitglieder und deren Familien bestimmt. Wir bitten Mitglieder, die Mazzos wünschen, uns Bestellungen bis Sonntag, den 9. Dezember schriftlich zugehen zu lassen. Die Zahlungen sind wie folgt zu leisten: 50 o/o also 221/s Pfg. pro Pfund am 9. Dezember zwischen 11 und 12 Uhr vorm, im Büro Hanauerlandftraße 17 p., 20 o/o also 9 Pfg. pro Pfund bis 10. Jan. 1924, 30 o/o also 13 »/a Pfg. pro Pfund bis 1. März 1924. Wir behalten uns vor, die bestellte Menge zu reduzieren." Vereinskalender. Derei» Wekor Hyajirn. Freitagabend nach Schul,Mikrovortrag" Herr Emanuel K a u s m a nn. Samstag vorm, nach Schluß der Synagoge im Hörsale „Dinim"; Herr Rektor Falk, — nachm. V*4 Uhr Dpv py im Vereinslokale: Herr Red. S. Schachnowitz. Sonntag vorm. 9 Uhr und Dienstag abend 6 Uhr im Dereinslokale Memoro", Herr R. A. G. Posen. — abends 61/» Uhr int Dereinslokale Langeftratze 18, Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Jof. Breuer über „Die Chanuka des Goluthaltars." Montag und Mittwoch abend7Uhr„Gemoro', Herr Rabb. Dr. Jof. Breuer. Donnerstag abend 7 Uhr im Vereinslokale »Mischna"; Herr Rektor Falk. Allmorgendlich nach Schul Mischnalernen bezw. Dinim im Hörsale. Allabendlich 83h Uhr im Vereinslokale O"V-Lernen, Herr H. Holpern. Jahrzeit Stiftungen: ' Dienstag, Recha Löwenstein geb. Kahn-Stiftung.

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