Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1922)
- Date
- 1922-12-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum psags^a Begründet non Dr. Lehmann in Mainz sssssa _ .. . , 14. Dezember 1922 Sranhfurt a. M.. Öen-°- 63. Jahrgang. 24. Kislew 6683 I »Mi WA Will Abonnement pro Vierteljahr: Deutschland für das vierte Quartal M. 60.— Grundgebühr. TeuerungSzuschläge: Oktober M. 30.-, November M. 60.—, Dezember M. 130 — Xschecho. Slowakei Kr- 15.—, Ungar« Kr. 150.— viertelj., Deutsch Oefterreich M. 350.—. Polen (nur in deutscher Reichsmark) M. 500.— viertelj., Rumänien 18 Lei, Holland fl. 1.85, Skandinavien Kr. 8.60, Schweiz fs. 1.80, Frankreich und Belgien Fr. 6.—, England l sh. 9 p., Amerika 0,50 Dollar vierteljährlich. —Einzelnummer 40— Mk. — Der Israelit erscheint jeden Donnerstag >, Inserate Mk. 40.—, für Stellensuchende Mk. 30.—, für die sechsgesp. Col.-Z. elnschl.TeuergSzschl.; AuSl.-Jns. Mk 150.- pro Zeile. Rab. n. Tarif, »ei lanf.Jnseratanftr.tarifm. Preiserhöhung jederz: vorbeh. Jnferatenannahme durch den Verlag des Israelit G.m. b. H.. Frankfurt a.M.« Gr. Eschenheimerstr. SS, Del. 5843, Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. 1 Blavvorschriften ohne Verbindlichkeit. |{!| Zahlungen außer direkt an den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. M. No. 18802 - erfolgen au: Postsparkasse Wien No. 78 885 Postsparkafsenamt Budapest No. 18 424 I Postscheckamt Zürich Jir. Till 7254 Postscheckamt Amsterdam No. 24 868 Böhmische Unionbank in Prag Für Frankfurter Geschäfts««zeigen alleinige Jnseraten-Annahme bei Julius Schmidt. Langestraste 3. I Banea JllarmaroBch Blank A €0. ln Bncart>al Filiale deS Wiener Bankvereins in «gram. Der liadidrudi 9er Tlrtltiel unö Correfpon9en?en 9es „Israelit“ ifl nur unter genauer Quellenangabe, un9, foroeit es fldi um größere Huffflfee kanöell. nur narfi norhertger Genehmigung geffattet. Bücher-Preife. Schlüsselzahl (gemäß Festsetzung deS Börsenvereins der Buchhändler in Leipzig) ab 1. Dezember: 40«. Der j iae Verkaufspreis ergibt sich durch Multiplikation der Schlüsselzahl mit deur Grundpreis. Grundpreise; Ladenpreis Prämienprcts für Abonnenten fitrsch, verrücke (Choreb) geb. 8.— 6.— „ örtere (Tefillo) geb. 12.- g.— drosch Cef) mann, Zamnei fta-nagfd .... |.gg Schacfmowttz, merelaika.1.50, Euftmenicbcn. . . . 1.50, geb. 2.50 2.50 2.50 .» Jenrejstt (vergriffen) " 3m Iuäenrtaal der Ldarsren ..... 1.30. 2.50 3udSur.ver»ss!rcbemvonMitdelKtsdr 1.30. 2.50 Ausland: Westländer 200°lo, Tschecho-Slowakei l20°!o, Rumänien 100 °/o Valutaznschlag. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen sowie direkt vom Verlag zuzüglich Versandspesen unter Nachnahme. Frankfurt a. M. Verlag des Israelit G. m. b. H. Inhaltsübersicht. 1. Leitartikel: Zwei Uebersetzungen und ihre Folgen. — 3. H 0 m i l e 1 i k: Dr. Felix Kanter, Zwittau: Zu2L",. — 3. Kleines Feuilleton: Das Chanuka. fest in kalendarischer Beleuchtung. — (Ein Fest auf einem Dampfer). — 4. Familiennachrichten.— o. Wochenrundschau: Die Ostjuden in Deutschland. — Jüdisches Geld und jüdischer Hunger. — 8. Aufsätze: B. Cohen, Berlin: Staatliche, kirchliche und Mische Gemeinschaft. — 7. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin (Die Ostjudendebatte im &anfc tage). — Berlin (Der Herr Oberregierungsrat und die Ritualmordhetze). — Nürnberg (Heeresstatistik). — Wien (Protest der Wiener Kultusgemeinde gegen die antisemitische Hetze). — Warschau (Eine eigentümliche Friedhofsgeschichte). — Warschau (Die jüdische Koa. liüon). — Warschau (Eine große Aufgabe für die „Mische Fraktion" im Landtag). — Kowno (Judenverfolgungen in Sowjetrutzland). - New.York (Mischehen im New.Aorker Judenviertel). — Jerusalem (Verfolgungen in Armenien). - Jerusalem (Eine MtsfionSzeitung in Palästina). — 8. Literarische Warte: Zur Theorie der Ueberlieferung. — 9. Bücherbesprechung. — 10. Personalien. — 11. Briefkasten. — 13. Frankfurter Berichte. — 13. VereinSkalender. — Gebetzetten. — 14. Feuilleton-BeNage: Spanische Chanuka vor 400 Jahren. — Fanny Baumel in Mediasch: Menvrah. — 15. Kinde recke: Aus dem Leben eines Großen. — Sara Bondi: N2vn«Prolog. — m»n.. —16. Blätter- Beilage: An alle Freunde unserer Schulen in Palästina. — Dr. Raphael Breuer: Das wahre Gesicht des Keren Hajefsod. — Spendenlisten. Zwei Liebersetzungen und ihre Folgen. Kirre geschichtliche parallele. Als um einige Jahrhunderte vor der üblichen Zeitrechnung/ mehr der Not gehorchend als dem eigenen Triebe, die erste griechische Bibelübersetzung unter dem Namen Septuaginta hergestellt worden war, war die erste Wirkung eine verschiedenartige: Jubel und maßlose Begeisterung auf der einen- Trauer und Bestürzung auf der anderen Seite. In Alexandria feierte man Freudenfeste, in Palästina setzten die Alten und Frommen einen Fa stt a g ein. Das eine konnte ebenso grundlos oder übertrieben erscheinen wie das andere, aber in Wahrheit rechtfertigte der alexandrtnische Jubel die palästinänsische Trauerstimmung. Man wußte gleich auf beiden Seiten, woran man war. Es war keine bloße Bibelübersetzung, es war der Anbeginn einer neuen Aera, diedie Alten sofort erfaßten und von der sie das Schlimmste. befürchten mußten. Es zeigte sich bald genug, wie richtig sie gesehen hatten. Die nächste Generation steht unter dem Zeichen und unter der Herrschaft des Hellenismus. Verschiedene Faktoren, nicht zuletzt materielle und politische, haben an seiner Entstehung mitgewtrkt. Aber geistig nimmt er doch von der Stebztgübersetzung seinen Ausgang. In Palästina sowohl wie in der Diaspora. In Judäa, wo mit dem griechischen Worte der griechische Geist mit Gewalt eindringt, das heilige Vätererbe verdrängend, erleben wir den radikalsten Abfall. Er ist hier, wo man, territorial geeinigt, den nationalen Rahmen auch bei einer äußersten nationalen Assimilation gewahrt wähnt, durch keine Rücksicht auf Vergangenheit und Zukunft gemildert. In Alexandria gibt sich der Hellenismus etwas positiver und ist sympatischer. In erster Reihe deswegen, weil dort der griechischen Kultur vorher schon die Bahn geebnet war und das griechische Bibelwvrt nicht mehr mit dem alles Alte htnwegfegenden wilden Sturm in die Herzen dringen mußte. Dann aber ist er hier mitten in einer fremden Umgebung aus nationalem Selbsterhaltungstrieb gezwungen, die letzten Schutzmauern der Tradition noch aufrecht zu erhalten.-— Und dennoch kamen hie wie dort die Makkab ä er. Wir meinen nickt die ruhmgekrönten Makkabäerhelden auf den Schlachtfeldern zu Modln, sondern wir meinen die Geistesheroen aus der Schule von Nttat und Joiua ben Prachia, Schemaja und Awtalion, Hillel und Schamai bis zu Rabbi Jehuda Hanassi und den Großen in Sura und Pumpedita und noch weiter hinab bis zu den Geisteshelden aller Zeiten, die den heiligen Tempel der Tradition reinigten und ihn auch in seiner Reinheit, Größe und Kraft uns zu' erhalten wußten.- Nach fast 2000 Jahren bringt der Wellenschlag der jüdischen Geschichte eine ganz gleiche Erscheinung hervor: die Mendelssohnsche Bibelübersetzung. Die Parallele mit der Septuaginta ist schon deswegen berechtigt, weil es fick da wie dort nicht um eine bahnbrechende explosive Erscheinung handelt, sondern vielmehr nm die Schaffung eines Sammelbeckens, wohin sich die bereits vorhandenen Ideen und Gedanken ergießen konnten. Wie in Alexandria damals, so lag im Berlin des 18. Jahr- Hunderts bei den der großen Revolution vorangegangenen Hochspannungen die Aufklärungstdee geradezu in der Luft. Mendelssohn und seine Schule, sie bilden nur den jüdischen Bezirk mitten im Gären und Sehnen der Zeit. Darin unterschied sich Mendelssohn auch wesentlich von dem großen deutschen Reformator. Luther hat in der Tat neue Bahnen geschaffen, er war die Reaktion auf den Druck der kranken Zeit. Mendelssohn aber har nur den Kreis gewiesen, der zum Brennpunkt all dessen wurde, was zu neuem Lichte strebte und das Herz der mit der Zeit stürmenden Jugend bewegte. Was zu Dergleichen zwischen Luther und Mendelssohn die Literaturhistoriker (siehe Karpeles und Andere)