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Der Israelit · 1922-07-27 · Heft 30 (27.7.1922) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 30 (27.7.1922)
Date
1922-07-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette S. »kr. 16 »«lütter.« 27. J«lt 1823 levvisk Agency und Agudas ZiSroel Mit allen jüdischen Parteien hofft „Acxudas Jisroel", daß rn diesem Augenblicke der Bölkeround-Rat trotz den zwischen Frankreich und England noch immer vorhandenen Schwierigkeiten das Palästina-Mandat endgültig in Englands Hände gelegt haben und damit einem politischen Schwebezustand ein Ende bereitet haben wird, der sich als Nährboden der gefährlichsten Beunruhigung im Lande selbst erwiesen hat und unmöglich länger andanern kann. Tie politischen Delegierten der „Agudas Jisroel", deren Aufgabe es in den letzten Wochen war, beim Völkerbünde in Genf und in London wie bei den einzelnen Mächten die bekannte Forderung aus Umbildung der Jewish Agency erneut zu vertreten, haben von vorneherein, ihrer Instruktion gemäß, keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie jeden Anfschnb der Mandatbestütigung, selbst wenn er der sofortigen Durchsetzung ihrer Forderungen günstig wäre, für verhängnisvoll halte,! und ihn aus höheren Erwägungen verwerfen. Auf Grund der geführten mündlichen Verhandlungen ist den im Rate vertretenen Mächten in präziser Formulierung der Antrag überreicht worden, die Jewifh Agency aus Vertretern aller an den, Aufbau Palästinas interessierten und zur Mitarbeit gewillten jüdischen Weltorg a n i s a t i o n e n z u s a m m e n z u s e tz e n. Die innere Berechtigung dieser Forderung, die das zionistische Monopol als schwere Kränkung des historischen Judentums und als.ebenso schwere Gefährdung des wirklichen __ Ansbaus, grundsätzlich bekämpft, ist von den meisten Mächten anerkannt worden. Man darf heute schon anssprechen, daß die G erechti g feit auf bem M arsche ist und die vom Zionismus jahrelang weidlich aus gebent e t e Anonymität des g e s chi ch t l i ch e n, orthodoxen I u d e u t u,n s auch in der Weltpolitik a l l m ä h 1 i ch der richtigen Erkenntnis von der wahren Struktur der Jndenheit, der Erkenntnis vom wirklichen Charakter des j n d i sch eit Volk cs Platz machen wird. Angesichts dieser Feststellung fühlten sich die Aguda-Bcrtreter in London umsomehr berechtigt und verpflichtet, der kritischen Situation, die vorige Woche infolge der politischen Schwierigkeiten im St. James? Palast cingerretcit war, Rechnung zu tragen und aus freiem Entschlüsse eine dem Bedürfnis des Augenblicks dienende jüdische Einheitsfront zu schassen. Sie erklärten sich, um die glatte und sofortige Annahme des Mandates nicht zu gefährden, mit der vorläufigen Beibehaltung d e s Mandat-Textes in ß 4 einverstanden und forderten nur eine Erklärung des Völkerbund-Rates, die die srühmöglichste Rekonstruklion der Jewifh Agency unter Beseitigung des zionistischen Monopols in Aussicht stellt.' Ob nicht dessen u „geachtet aus den oben angedeuteten politischen Gründen die Ratifikation des Palästina-Mandates wiederum h i n a n s g e s ch o b e u w ird, steht im Augenblick dieser Niederschrift noch nicht fest. Sollte die Genehmigung erfolgen, so wird das Mandat zweifellos ohne Aenderung des anstößigen § 4 Rechtskraft erlangen und es wird somit eine der wichtigsten Ausgaben der organisierten Orthodoxie bleiben, für i h r R e ch t ans E r e z Jisroel, das Recht der j ü dischen Gesamtheit, vor den Völkern der Welt den Kamps weiter zu führen. Je mehr „Agudas Jisroel" dabei ihren, positiven Erez Jisroel-Programm getreu bleibt, ohne Verärgerung und ohne Schwäche ihr e Positionen in Erez Jisroel mit dem Einsatz aller Kräfte im Geiste der ewigen SW mstö p« geduldig zu stärken sucht, desto sicherer wird es ihr gelingen, die verhängnisvolle politische und geistige Herrschaft des z i o n i gischen Wahns nach innen und sein Monopol nach außen zu brechen und auch die misrachistischen Brüder eines TaM zu der Erkenntnis zu bringen, daß man das große allbeherrschende Thoraideal des jüdischen Volkes nicht in dem Winkel einer Parteifraktion lebendig erhalten kann. - Der Zentralrat der „Agudas Jisroel" wird wohl nicht säumen, nach völliger Klärung der politischen Situation seine Stellungnahme zu der nun beginnenden neuen Aera der Erez Jisroel- Politik in ebenso klarer programmatischer Entschiedenheit wie bisher zu verkünden. Wir gebei'l im folgenden einen Bericht der „Times" vom 19. Juli wieder, der einige interessierende Einzelheiten über die Beratungen des Völkerbundes und das Mandat bringt. Die „Times" schreibt: Eine geschlossene Sitzung des Völkerbund rates soll heule Vormittag ftattsinden. Es wurde gestern nicht angekündigt, ob das Palästina-Mandat heute zur Tiskussion kommen werde, aber es wird allgemein angenommen, daß es behandelt wird. Die Aussichten eines glatten Turchgehens des Mandates haben sich beträchtlich verbessert. Es wird berichtet, daß der Marquis Jmperiali, der italienische Vertreter im Rate, gestern eine Aussprache mit Kardinal Bourne hatte.. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Opposition des Vatikans gegen den umgearbeiteten Artikel 14 des Mandates nicht aufrecht erhalten werden wird, da nun entschieden worden ist, daß der christliche Vertreter in der Kommission durch die Ueberwachung der heiligen Stätte römisch-katholisch sein soll. Die Dauer der Kon,Mission wird unbeschränkt sein, und es wird erwartet, daß dank der vielen und komplizierten Fragen, die sie beschäftigen werden, ihre Arbeiten jahrelang dauern. 8 4 des Mandat-Entwurfes für Palästina bestimmt, daß die zionistische Organisation als die jüdische Agentur für Palästina anerkannt werden soll. Die „Agudas Jisrvet", die internationale Organisation der orthodoxen Jndenheit, weist darauf hin, daß die zionistische Organisation nur einen Teil des jüdischen Volkes repräsentiere. Tie jüdische Agentur sollte daher aus Vertretern aller jüdischer Welt- Organisationen gebildet werden, die an dem Aufbau Palästinas interessiert sind. Die „Agndas Jisroel". von der gestern mehrere Vertreter in St. James-Palace anwesend waren, begünstigt die Ratifikation des Palästina-Mandates, aber sie wünscht, daß vom Völkerbund eine Erklärung abgegeben werden sollte, dahingehend, daß die orthodoxe Jndenheit die Gelegenheit haben soll, auf legalein und öffentlich-rechtlich anerkanntem Wege in voller Gleichberechtigung mit anderen Organisationen an dem Werke des Wiederaufbaues Palästinas teilzunehmen. (Uebcr die inzwischen erfolgte Genehmigung des Mandates siehe den Nachrichtenteil des „Israelit"). Gesellschaftsreise der Agudas Zisroel uachMez Jisroel im Elul-Tischri 5682/83. Die deutsche Paläftinazentrale der „ A gudas Jisroel" hat sich auf vielseitige Anregung hin entschlossen, eine Gesellschaftsreise nach Palästina zu arrangieren und hat die Vorbereitungen dazu bereits getroffen. Die Reise ist unter Benützung eines Dampfers des „ L l o y b T r i e st i n o " ab Trieft geplant. Hauptvorteile gegenüber Einzelreisen sind die Reduzierung der Reisekosten und die rituelle Verpflegung aus dem Schiffe. Voraussichtlich werden die Teilnehmer Gelegenheit haben, die Jo,„in, „auroim und das Sukkohfest in Erez Jisroel zu verbringen. Es wird bei einem 3—4 wöchentlichen Aufenthalt mit einem Gesamtkosteuauswand von 50—60 Lst. zu rechnen sein. Die Gelegenheit, die Verhältnisse in Erez Jisroel persönlich kennen zu lernen und den heiligen Boden des Landes unserer Vergangenheit und unseerr Zukunft zu betreten, wird sicherlich gern von einer Reihe Agudiften wahrgenommen werden. Teilnehmer wollen sich baldmöglichst bei der Palästinazentralc der Agudas Jisroel, Frankfurt a. M., Eschenheimer A „ läge 31 melden. Sine wichtige Aufgabe der Orts¬ und Zugendgruppen. Schon in dem einleitenden Referat, das bei der Gründung unserer Aguda in Kattowitz erstattet wurde, ist aus die ausschlaggebende erzieherische Kraft des Milieus, der Umgebung für die Seele der Jugend hingewiesen und auf die provtdentielle Aufgabe der „Agudas Jisroel" in der Schaffung günstiger Milieu-Bedingungen nachdrücklich. hingewtesen worden. Cs gibt aber neben - der großen, überseeischen Wanderung, die solche Hülfe der Aguda besonders notwendig macht, auch eine Btnnen-Wanderung — von Dorf und Kleinstadt in die großen Zentren des großstädtischen Lebens —, die mit ihrem plötzlichen Milieuwechsel nicht minder gefährlich ist und unsere Orts- und Jugendgruppen vor besondere Aufgaben stellt. Unausgesetzt, insbesondere, an jedem Vterteljahres-Ersten, kommen zahlreiche jüdische junge Leute fremd in die großen Städte, um dort Erwerb oder Ausbildung zu suchen. Es bleibt zumeist dem Zufall überlassen, in welchen Kreis sie geraten und welche geistigen Faktoren auf sie einwtrken werden. Die Eltern daheim sind manchmal zu wenig einsichtig oder zu gleichgültig, um einen geeigneten Gesellschaftskreis für die jungen Menschen zu suchenmeist fehlt ihnen sogar jede Möglichkeit dazu, weil sie keine Beziehungen in der Stadt haben und keine gewinnen können. Hier wäre es nun Ehrenpflicht aller Orts- und Jugendgruppen: 1) durch ein Meldesystem von Ort zu Ort die Adressen die Ankömmlinge zu ermitteln,- 2) durch enge Kühlung mit allen am Sabbath geschloffenen Geschäften> dieses Adressenmaterial zu ergänzen,- 3) die neu Angekommenen liebevoll heranzuziehen und aufzunehmen, ihnen Eingang in Familien zu verschaffen und sie zur Teil»ahme am Vereinsleben anzuregen. Die Art und Weise des Vorgehens bedarf natürlich genauester Anpassung an die örtlichen Bedingungen. Jedenfalls muß jede Gruppe eine besondere Commission für diesen Zweig ihrer Arbeit bilden, denn die Aufgabe erfordert sorgfältittgesNachdenken, Geschick und Energie. Die Frankfurter Jugend gruppe hat zur Bearbeitung der Angelegenheit bereits eine Kommission gebildet, an deren Spitze Herr Ernst Adler, Baumweg 53 und Frl. Hanna Flörsheim, Uhlandstraße 23 stehen. Anregungen und Bereitschaft zur Mitarbeit wolle man den Genannten Mitteilen. Zionismus und MrüchiSmus. Bon Rabbiner Benzio» Beerrrrarm in Frankfurt a. M. Ter ' Zionismus weift neben vunklen Schatten auch Lichtpunkte auf, und diese leuichiteitDeit Punkte blitzen in der dunklen Nacht der zionistischen Gedankenwelt umso glänzender auf, so wie jedes Licht in der Dunkelheit Heller flammt, als beim Licht des Tages. Diese Lichtstrahlen leuchten nicht nur, sie wärmen auch, sodaß wir bei all unserer Gegnerschaft doch gezwungen sind, das Vorhandensein warmen Lebensodems im Zionismus zuzugestehen. Dieser Lebensatem legt Zeugnis dafür ab, daßj in dem innersten Wesen seiner Träger doch noch eine jüdische Seele lebt, die ihrem Urquell nicht völlig entfremdet ist. Wenn man die Kälte und Erstarrung in der Außenwelt konstatiert, so weitet das jüdische Herz sich doch freudig, wenn e§' die Bewegung und das Leben im zionistischen Lager wahrnimmt. Diese Bewegung ist ein Symptom, das den Beobachter auf kurze Zeit vergessen läßt, daß er im Kampfe steht mit den Zionisten. Fast möchte dein Herz sich in brüderlicher Liebe zu ihnen hirrgezogen fühlen, bis die rauhe Wirklichkeit dir ins Antlitz schlägt, dich aus deinem schönen Traume weckt und dir den ungeheuren Abgrund zeigt, der zwischen dir und ihnen gähnt. In der Tat — wir sind in gewissen Beziehungen nicht Feinde, sondern Freunde. Es gibt einen gemeinsamen - Gedanken, der die

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