Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1921)
- Date
- 1921-11-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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E MvMbex Ml ----- VN. Jahrgang D- 9. Marcheschwan 568? he rau s g e g e b e uv o m '17 s s Gruppenverband, der Patästina-Aentrale und der Jugend-Organisation der Agudas Jisroel für Deutschland. Inhaltsübersicht. Bon der Jewish Agency. — England und dte Orthodoxie. — AgudäS Jisroel in Amerika. — Neue Agü da-Ltteratur. — Wirtschaftliche Erez Itsroel«Arbeit. — Keren Hajischuw. — ArbeitsteUung innerhalb Deutschlands. — Die soziale Frage. — Angestellten, 'w FMyrge. — Aus der Bewegung. — Von der Jewish Agency. Der geschäftssührende Ausschuß des Zentralrats der A. I. versandte nnternr 2. i'tov. folgende Mitteilung an die agudistische Presse: Die im Frühjahr von der Wiener Konferenz der Agudas Jisroel beschlossene politische Aktion, die auf eine Untbildung der Jewish Agency nach Artikels des Palästinmnandates rm Sinne gleichberechtigter Heranziehung der Orthodoxie gerichtet war, hat einen unmiircl-- baren Erfolg nicht erzielt. Die seit dem Juni dieses Jahres mit den: Colonial Office in London geführten mündlichen und schriftlichen Verhandlungen ergaben zwar, daß die englische Regierung den gerechten Forderungen der Orthodoxie nicht ohne Verständnis gegenübersteht, indessen erklärte sich Mr. Churchill schließlich durch Schreiben vom 21. Oktober außerstande, unter den gegenwärtigen Umständen (in present <;ircuni8taiice8) die der Zionistischen Organisation durch den Mandatentwurf bereits eingeräumten Rechte daneben noch auf eine andere Körperschaft auszudehnen. Agudas Jisroel wird sich durch diese vorläufige Ablehnung ihres in erster Linie gestellten Antrages weder in ihrer praktischen Erez Jisroel-Arbeit beirren, noch voll der energischen Fortsetzung ihres Kampfes unr die politische Geltung der Orthodoxie in und für Erez Jisroel abhalren lassen. Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß eine lediglich durch die zionistische Partei dargestellte Jewish Agency keinerlei Recht zur Vertretung der jüdischen Volksgefaintheit besitzt, wird Agudas Jisroel vielmehr vor allen maßgebenden Instanzen weiterhin gegen die Monopolisierung der politischen Einflußnahme ans Erez Jisroel durch eine einzelne, der Thora neutral gegenüberstehende Partei- Verwahrung einlegen und die unveräußerlichen Rechte des Volkes der Bibel gegellüber jener einseitigen Parteiherrschaft nachdrücklich vertrete.ll. Sie ist sicher, dabei auf die kraftvolle Unterstützung der thoratreuen jüdischen Massen auf'denk Erdcnrunde zählen zu dürfen. England undHe Orthodoxie: Vielleicht klingt diese Ueberschrift stolz, aber doch nur für den, der in der Politik nur die Aeußerungen brutaler Machtverhältnisse diskontiert. Das ist Englands Art nicht. Im Gegenteil, wer nach greifbaren Erklänlngerk für Englands Größe sucht, wird sie darin finden, daß tu bewundernswerter Weise die englische Politik „Io hiniach dowor. koton“ auch die noch so fern liegenden im Lebear der Völker aufs. genaueste beobachtet und in den politischen Ealcul eingestellt hat. Umso mehr sind nur verpflichtet," nach beit Motivee§chp.^ England bewegen, „für. deM Hlugenblick", tzozess das Colonial Office selbst schreibt, sich ' in jüdischen Fragen im jüdischen' Palästina lediglich'.der zionistischen Organisation bedienen' Zu wollen. Da sind viele Möglichkeiten gegeben. Zunächst eine außenpolitische. Je mehr England und der High Commiffioner gehalten sino, den Wünschen, der Araber Rechnung zu tragen, umso ungefährlicher ist es, als Eompensanon den Versuch zu machen in der innerpolitischen ' jüdischen Position die zionistische Partei zu stärken. Wenn die Zionisten damit zufrieden sind, das, was ihnen gegenüber den Arabern versagt bleiben mußte, gegenüber den Juden erreicht zu haben, so wäre das ein sehr billiger, und gerade deshalb in seinen Konsequenzen pchr - teurer Triumph. Es wäre eben, wenn nur dieses Motiv bei Herbert Samuel gesprochen hätte, eine Wendung in der englischen Pamstinapolitik, die in diesem Falle feierlich darauf verzichtet hätte, Palästina zu einer Heimstätte für das jüdische Volk zu machen; die Balfourerklärung hätte die so lange ersehnte Interpretation definitiv erhallen und in ihren Auswirkungen eine rein zionistische. Deutung gewonnen. Salt Reino wäre parteipolitisch ausgentünzt. Man härte lediglich sich höflich dafür zu bedanken, das; oer arabische Gegensatz sich autijüdisch gebärdet, wäh-.„ rend ihm doch lediguch eilt parteipolitisches Wollen als Objekt entgegengestellt ist. Wäre diese Klarheit von vornherein gegeben gelvesen, es wäre um vieles besser bestellt. Allein wohin verlieren wir uns? So kurzsichtig und widerspruchsvoll kann Englands Politik nicht fein; sie kann so ihren besten Traditionen nicht natrcil werden. Es eröffnet sich deshalb die weitere Möglichkeit, daß man in Downing Street der in Ziffer 4 des Mandatsentwnrfcs vorgesehenen Jewish Agency (Jüdische Agenturnicht diese überragende Bedeutung beimißt. Und lutr können es Churchill nicht verargen, wenn er die jüdische Psyche darin nicht kennt, daß solvohl bei den jüdischen Massen ein ungeheurer Respekt vor jedem mit behördlicher Kompetenz ausgestattetem Glaubensgenossen vorhanden ist, als auch anderseits eine gewisse Neigung zur Ueberschrcilnng der in dem behördlichen Auftrag gesteckten Grenzen nicht geleugnet werden kann. Es kann zwar ans Seiten der zionistischen Partei das "Bewußtsein leben, auf Gedeih und Verderb mit England verbunden zu sein, aber sicher ist doch auf Seiten Englands das nicht der Fall. Wir glauben vielmehr, daß England ivirklich neben der politischen Seite der Balfonrerklärung von dem Gedanken getragen war, einem ideellen Ziele zu dienen, den Juden helfen wolltlpüM will, lind angesichts dieser für England -ehrenvollen Annahme kann man es nur bedauern, daß hier eine nicht ganz zutreffend? Konzeption über Wollen und Werden der-Judenheit vorzuherrschen scheint, freilich auch hier ohne Schuld Englands. Tenn wenn es die Inden widerspruchslos geduldet haben, daß man die Identität von Judenheil und Judentum bewußt gestört, ja geleugnet hat, was sollen dann englische Politiker denkeil und glauben? Schließlich wäre auch der Erwägung Raum zu geben, daß man in England glaubt, die Liebe znm heiligen' Lande wäre in jedem jüdischen Herzen so stark, daß man selbst um den Preis vollständiger Entrechtung des Judenturns, selbst uw' '^-dEDreis “dfifäp ÄMtenste'llunq des religions- -.MiceN Teltes^Mr pzudenheit den letzten Heller in - den Dienst des Wiederaufbaues Palästinas stellen würde. Da möchten wir in aller Geradheit und in aller Klarheit folgendes sagen und wir glauben, daß dies England frommt und dein Judentume zur Ehre gereicht. Gewiß, die Orthodoxie kann und >vird sich mit dem Gedanken absinden, daß in Palästina unter oer Wucht der Jewish Agency das Goluth Schechina, das- .ExiüdesuJdealen, -eine grausame Fortsetzung fiWkps'Miß.düA.M De>n'1 Vdrherrsche>r der Parteipolü^ felM 'öas materielle Galuth in erschwerter Form Platz greift. Wir habeil schort Schwereres erduldet und überstanden. Es hat anders nicht fotlcit sein. Aber es schmerzt uns um Englands willen. Der Jude diskontiert in feinem Dank das W ollen, und es wird dem britischen Reich unvergessen bleiben, daß es diesen grandiosen Versuch historischer Gerechtigkeit in die Wege leitete. Woran es lag, daß inan dabei nicht eilimal all Vespasians Staatsklugheit anknüpste, der ein Jab ne erstehell ließ, woran es log, daß moderne Politiker nicht nebelt cinenl Cyrus und Darius in die Tafeln der Geschichte eingegraben werden bi'ti*feu — das iijag man in London untersuchen. Gelviß trieb Cyrus weitblickellde Politik, aber er hätte diejenigen von seiner „Jewish Agency" nicht ausgeschlossen, die den Tempel des Ewigell bauen wollten! Und letzten Endes hatte die persische Politik llicht zu bedauern, daß sie beu r e. ligiös e n Wiederaufbau Palästinas als ersten Faktor in ihr Wollen und ihre Kundgebung aufnahm. Es war die Pflicht der Orthodoxie, Dankespflicht »gegen England, Ehrenpflicht gegen sich selbst, England die Möglichkeit zu bieten, Palästina zu einem heiligen Land, zu einer Heimstätte der Bibel zu machen. Wir haben dieser Pflicht genügt. Saget nicht, das, was mir gesagt, sei vermessen und stolz. Das ist cs lvirklich nicht. Aber ehrlich ist es. P. K. Agudas Jisroel in Amerika. Einen erfreulichen Gruß hat die neilbelebte amerikanische „Agudas Jsroe!" den Brüdern und Genossen diesseits des Ozeans zum Neue;: Jahre gesandt: Die ersten Nummern des zu Rosch-- haschonoh erstmals erschienenell Organes der anrerikanischen Landesorganisarion: „Der jüdische Weg". Das Blatt, das vom Zentralbüro der Agudas Israel in Nelv-Pork-City 673 Broadway herausgegeben und von beu Herren Rabbiner Dr. Leo Jung, Dr. B. Drachmann und Herbert Goldstein redigiert wird, umfaßt einen jiddischen und einen englischerr Teil und macht auch äußerlich in seinem stattlichen Großanartformat einen vornehmen Eindruck. Um unseren Lesern ein Bild von deni gegenwärtigen Stande der Bewegung in Amerika zu verschaffen, möchten wir im folgenden einiges ans bem Inhalte des Heltes wiedergeben. ‘ ’ Der Ehren'ekretär der Neiv-Porker Agnda, Ronli Lunzer, schreibt n. a. folgendes: „Ein Bericht über die Tätigkeit der Agnda in diesem Lande ist arifs engste;nit den Arbeiten der europäischen Delegierten verknüpft. Dennoch muß war allem unserer NewDorker Downtowngrnppe Anerkennung gezülltwerden, die lange v o r der Ankunft der Delegations entstmid. Kurz vor Schwuans kamen die Pioniere, die die Ideale der Agnda in Amerika verbreiten sollten, in diesem Lande an. Rabbiner 11r. Hildesheimer war vor deni Miege für bie ^fgiiDtt zusammen mit dem seligen Rabbiner Wolkin lpep gewesen, aber infolge des Krieges war von