Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1921)
- Date
- 1921-08-11
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450138-2450169--69149-2526315- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2. Nr. 22. . schaumigen wir oben dargetan haben, nicht ihren Kindern' schädlich sein könnte? Fühlt der Verfasser die Berantivortnng, lvenn er uns da« jüdische Fühlen durchweg absvricht, heute, ivo uns die (der Agndo und Esra gemeinsamen) Gegner umgeben, d'ie stolz auf ihre jüdisch fühlende Brust schlagen? Ich wünschte dein Verfasser, er hätte bcm Fuldaer Führertag beigeivohnt unb hätte auch nu r einen Moment auf das jüdische Ken Here der Teilnehmer und der ganzen Tagung einen Blick geworfen. Ich wollte, er hatte das Urteil der anwesenden Vertreter der Thauro veruourmen, hätte gehört, wre die Worte der Thauro geworden sind NN Mund unserer Führer. Er Hütte anders gedacht. Er wäre mit eingestimmt in das Wort eines anwesenden Rain, den die Begeisterung hinriß, mitten in den „drei Wochen" die Brochoh zu sprechen: nn jan umrrc? -pm Bundesvorstand der Esra. Louis L e v i n g e r, Zum Selegiertentag der Ortsgruppen der Agadas Moel anr 18. Arv (22. August.) in Frankfurt a. M. II. Tie Besprechung des Frankfurter Programmentwurfes wird wohl im Mittelpunkt unserer Tagung stehen. Ist doch hier eüt Weg gewiesen, welcher dem beschämenden Zustand ein Ende machZen soll, daß gewöhnlich die Geistigkeit innerhalb der Aguda ihre Zuflucht nur bei den Jugendgruppen findet, während die Mitglieder der Ortsgruppen mit mehr oder mit minder Verständnisinnigkeit sich damit begnügen, die. Publikationen der Aguda und ihrer Gegner zu lesen und zu glauben, daß alle Kräfte lediglich für lokale Angelegenheiten zu verwenden seien. Daß im tiefsten Grunde der Anschluß an den Klall fördernd und befruchtend micf) auf die Kehillo wirkt, ist ein Gedanke, der jetzt allmählich in einzelnen Ortsgruppen Platz greifen läßt. Daß bei dem heutigen Ringen um die Seele eines jeden Einzelnen, der öetbeu großen Bewegungen innerhalb der deutschen Judenheit (arcligiöscr Nationalismus und Thoravolk), es nötig ist, daß jeder Einzelne mit dem geiftigen Rüstzeug vertraut wird, welches ihnr ermöglicht, seine Stellungnahme sich ■ selber und anderen gegenüber vertreten zu können, ist eigentlich der Ausgangspunkt für die Notwendigkeit eines geistigen Programmes der Ortsgruppen. Nachdem numnehr doch schon ein gut Teil der früheren Jugend zu Baale-Battim geworden sind, steht zu hoffen, daß es dem Telegiertentag gelingen wird, den Vertretern der Ortsgruppen, die Ueberzeugung beizubringen, daß es eine unabweisbare Pflicht einer jeben Ortsgruppe ist, sich systematisch sowohl mit den Ewigkeitsfragen des Judentums ivie auch mit den Zeitfragen der Gegenwart auseinanderzusetzen. Ob das Frankfurter Programm oder ein anderes hierzu die geeignete Grundlage ist, wird der Delegiertentag zu entscheiden haben. Unsere Stellungnahme zu den Palästinafragen wird weiterhin einen breiten Rau in in den Verhandlungen einnehmen. Es ist erfreulich, daß die Palästinazentrale schon vor der Delegiertentagung eine Zusammenkunft von Vertrauensmännern veranstaltet. Es wird hier vor allem darauf ankommen, nicht dasjenige zu unterstreichen, das schon längst durch die Wiener und Preßburger Beschlüsse festgclegt ist, daß. die Aguda nämlich ans kulturellem Gebiete selbständig in Palästina arbeiten muß und daß sie auf wirtschaftlichen und politischen Gebieten nur dann mit anderen Organisationen zu arbeiten imstande ist, wenn sie dabei nicht Gefahr läuft, U)it Prinzipien preisgeben zu müssen, sondern es wird vor allem darauf ankommen, festzustellen, ob die in der Aguda geeinte Orthodoxie sich dessen bewußt ist, daß die Gegnerschaft gegen ' __„glätte t“ den Zionismus nicht identisch ist mit der Gegnerschaft gegen Erez Jisroel. Daß vielnrehr das Recht, den Zionismus zu bekämpfen, erst erworben wird durch möglichst positive Tätigkeit für Jischuw Eres Jisroel. Es sollte allmählich für grennd und Feind darüber kern Zweifel bestehen, daß die Aguda es als ihre heiligste Pflicht entpjinbet, neben il)ren Diasporaaufgaben die Konsequenzen daraus zu ziehen, daß die politische Lage es heute gestattet, Mizwas Jischuw Erez Jisroel in weit ausgedehnterem Maße zu erfüllen, als wie es in den letzten 2000 Jahren der Fall gewesen ist. Wenn nach Ansicht der Aguda andere Organisationen diese Mizwoh falsch aussassen, so ist es doppelte Pflicht der Aguda, ihrerseits das Ideal des Gottesvolkes im Gotteslande mit Aufbietung aller ihrer Kräfte zu fördern und jedem einzelnen ihrer Mitglieder das Gewissen hierfür zu schärfen, daß es nicht angeht, mit Schwarzseherei und Pessimismus sich der Verpflichtung zu entschlagen, sein Teil dazu beizutragen, nur die materiellen und ideellen Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß die Blfourdeklaration sich als ein Instrument zur Förderung des altjüdischen Erez Jisroel-Jdeals erweise. Alle theoretischen Programme aber, alle Besprechungxn über die Aufgaben der Ortsgruppen, werden nur bann Wert und Bedenutung haben, wenn der Delegiertentag auch dafür sorgt, daß die Organe in der deutschen Landesorganisation vorhanden sind, welche für die Verwirklichung bei zu fassenden Beschlüsse sorgen. Es müßten unseres Erachtens nach für die einzelnen Arbeitsgebiete (soziale Tätigkeit, geistige Bereitstellung, Erez Jisroelarbeit, Finanzsragen) in jeder Provinz unb in jeder Ortsgruppe eigene Gremien gebildet werden, die im engsten Zusammenhänge mit dem Gruppenvorstande ihre Tätigkeitsgebiete nach lokalen Verhältnissen einteilen. Es urüßte vor allem auch dafür gesorgt werden, ote unzweifelhaft vorhandenen Kräfte, welche bisher unausgenützt sind, in den Dienst der Aguda zu stellen. Es müßte beispielsweise ein leichtes sein, die Privatinitiative agudistischer Kaufleute zur industriellen Betätigung in Palästina anzuregen und dergleichen mehr. Nur dann, wenn sich oie geeigneten Menschen in den Dienst der Aguda stellen und der Delegiertentag allen Gruppen den Ansporn dazu gibt, Uierterzubanen. fortzrcschreiten, Wärme und Begeisterung in den einzelnen Ortsgruppen zu verbreiten, wird die deutsche Landesorganisation den Platz in üer Aguda entnehmen können, den sie kraft ihrer historischen Bedeutung verdient; denn es ist kein Zufall, daß von Deutschland aus die Anregung zur Gründung gegeben wurde. Am eigenen Leib hatte es die deutsche Orthodoxie gespürt, wie die Organisation der Gleichgesinnten dazu vient, das Gefühl der Isolierung dem Einzelnen zu nehmen. Fast überall in den deutschen Provinzen sind Verbände der Gesetzestreuen (Rheinlano, Bayern, Westfalen, Württemberg, Baden) und außer der „Freien Vereinigung" haben wir noch den „Bund deutscher gesetzestreuer Gemeinoen". Es müßte auch hier Aufgabe der Landesorgauisation sein, eine gemeinsame Basis zu finden, welche alle diese Verbände umschließt und so den Agudagedanken in inrmer Weiterem größerem Maßstabe zur Verwirklichung bringt. Die Tagung wird zeitlich unter dem Zeichen des reu stehen. Wenn ihre Teilnehmer den Ernst der Stunde begreifen, so wird sie den Charakter der echten jüdischen nom tragen, welche nicht durch Redeil, sondern durch Taten unsere zerstörten Heiligtümer wieder anfbauen will. Ihr Wahrspruch sei daher:! mm nwi tora -no« Aus Oer Vewegung. Frankfurt a. M., 29. Juli 1921. Die Palästinazentrale schreibt uns: Aus Anlaß des bevorstehenden Tischo B'aw erlauben wir uns die Anregung zu geben, daß die Mitglieder der Orts- und Jugendgruppe > . .11. August 1021. den Betrag, den sie durch das Fasten ersparen, unseren! Erez Jisroel-Fonds zufließen lasseil mögen. Während wir an diesem Tage über die Zerstörung unseres Heiligtums und über die Vernichtung unserer staatlichen Selbständigkeit trauern, helfen wir gleichzeitig durch diese unsere Spende den Grundstein zu einem neuen Geineinwesen in rix legen. . . Frankfurt a. M, 8. August. Die Frankfurter Jugendgruppe veranstaltet Donnerstag, ben 25. August, 8 Uhr abends, einen Sijum auf Traktat Makkoth. Freunde der Jiigend- 'gruppe, die an dieser Dhorafeier teilzunehmen wünschen. können Teilnehmerkarten a 10 Mk. beim Verwalter der Jugendgruppe erhalten. Lodz, 15. Juli. In der nüchtern-trockenen, vom Materialismus durchtränkten Atmosphäre voll Lodz, machte sich plötzlich eine gehobene Stimmung, die nichts mit dem alltäglichen Kleinkram Gemeinsames hatte bemerkbar. Am Bahnhof von Lodz herrschte Dienstag lebhaftes Treiben, eine große Menschenmenge erwartete mit Ungeduld jeden aus Warschau kommenden Zug. Präzise 6 Uhr ist der ersehnte Gast, der Gerrer Rabbi, angelangt, von einem begeisterten Hausen stürmisch bewillkommt. Der Rabbi ist in der Wohnung seines Bruders „Dreb Nachmi" abgestiegen. Bis Mitternacht dauerte vor dem Hanse ein lebensgefährliches Gedränge. Ter Rabbi hat eine kurze Versammlung im Hause des Herrn Abraham Eimer abgehalten. Mitttwoch um 12' Uhr mittags erschien der Rabbi bei einer Sitzung im Agndalokar. Bor dem Lokale bemühten sich die „Zerre Enmna Israel'' mit der Polizei, die Ordnung ausrecht zu erhalten. Im Saale feierliche Stille. Herr Ratmann eröffnete die Sitzung. Herr sMnzberg erklärte die Notweudigkeit die Aguda zu verstärken, berührte die Cheder und Bad-Frage. In ehrfurchtsvoller Andacht lauschte die Versammlung den folgenden Worten des Rabbi. 'Sille wissen (sagte er), wie sehr er mit der Aguda shmpatisiere. Es sei die moralische Pflicht jedes Juden dem Wähle der Allgemeinheit zuliebe sich in der Aguda zu betätigen. Jeder Jude solle Zeit erübrigen ein Blatt ,,Gomoro" und „Mischnajit" zu studieren, ferner dre „Zeire Limud" zu unterstützen besonders die Zeirim die sich in der Aguda beschäftigen und ihre Zeit dem Thorastudium widmen. Kein Jude darf sich entziehen, man muß sich der Witwen und Waisen, der vielen Obdachlosen erbarmen. Der Rabbi gab seinem Wunsche, ein Komitee für die ukrainischen Flüchtlinge zu bilden, Ausdruck. Der Rabbr spendete eine beträchtliche Summe für die Opfer worauf die Anwesenden seinem Beispiele folgten sodaß in kurzer Frist eine Viertelmillion zusammengebracht wurde. Das Schlußwort hielten die Herren Ratmann und Ginzberg, sie legten allen Anwesenden ans Herz, in ihren Bekanntenkreisen Propaganda für die Sache zu machen. Nachmittag ist in der Wohnung des Herrn Bialer, der unlängstaus Palästina zurückkehrte und einen fertigen Plärr für den Bau eines orthodoxen Unternehmens in Jaffa mitbrachte, eine geschlossene Sitzung rni engen Kreise, an der der Gerer Rabbi teilnahm, abgehaltten worden. Es wurde die Durchführung einer großen Aktion in Palästina behandelt. Die angesehensten Lodzer Orthodoxen haben bereits das ihrige'dazu beigetragen. den Plan zu realisieren. Noch am selben Tage hat der Rabbi Lodz verlassen. Spendelisten: Erez-Jisroel-Fonvs: P n isingen: Teil der Sammlg. bei der Hochzeit Hedi Löwenstern ff. Ad. Kahn Barsingen durch Tr. M. Kahn Mergentheim 100. Frankfurt a. M.: Otto Fischer 57 S. Kleinplatz 3. Gurhagen: Joel Speier I 20, Jos. Katzenberg 5. H a l b e r st a d t: Agudas Jisroel 1233,30. Ansbach: Distriktsrabbiner Rausch Chaudesch- Spenden 238. H n l b c r st a d t: Weichselbaum 5, Rausch Chaudesch- Spenden der Orts- und Jugendgruvpen Halberstadt 2081, R. R. 5, Jacob Oppenheim 5 zrrs. 2099. Kiel: H. Nagelberg (R. M. b. H.) 100. Lurserrthal: M. Schönstadt 5. Mannheim: Durch Sigmund Würzburger: Ungen. 5. do. 50, Alfred Kalter dankt Frau Jsaac Sohn Wwe. Freudenheim für Eier 4 oers. gratuliert z. Verlobung v. Johanna Lefsmann Mannheim mit Karl Engelstein-Kitzingen 10zus. 69. S i eg bürg: Durch Joseph Strauß, div. Ausruf- Spenden 108. B rcsl a u: Kurt Salomon 30, Alfred Freund 20, Benno Sklarz Dank f. Gefälligkeit d. E.B. 10, Frl. Nissensohn wegen Siegsr. Grünmandel 20, M. M. Maskirgeld 10, Simon Dreher 5, Siegfried Fulda 2, Alfred Freund 10, N. N. Synagogenspende 10, dal. 30, dt. N. durch D. 50, A. F. 10. Zürich: durch A. W. Rosenzweig für Schweiz. Laudesorganijativn 887,50.