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Der Israelit · 1921-07-14 · Heft 28 (14.7.1921) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 28 (14.7.1921)
Date
1921-07-14
Page
– (sequence 14)
Language
German
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14. Juli 1981. Seite 2. Nr. 30. Solidarität der Juden in erster Reih^ eigentlich in dieser Beziezung gilt; denn der Satz, auf welchem das Solidaritütsprinzip beruht: „Kol Jisroel arawim seh losch" besagt zunächst iveitet nichts, als daß Religion nicht Privatsache ist, als daß jeder einzelne und die Gesamtheit oer Juden für das religiöse Verhalten des anderen verantwortlich ist. Alan muß schon der Wahrheit die Ehre geben und zugestehen, daß damit ein gewisses Recht zur Generalisierung ausgesprochen ist. Wir sind überzeugt, daß auch dieses, an und für sich drückende System der Generalisierung leicht zu ertragen wäre, wenn ein für allemal dem Unfug ein Ende gemacht werden würde, daß der eine mehr, der andere weniger und schließlich doch fast jeder die Religion als Privatsache betrachtet. Die furchtbare Tragik, die aus dem vergossenen Blute des Zacharias strömte und die die Auswirkung religiöser sittlicher Verkommenheit auch den späteren Geschlechtern klar vor Augen führt, sollte wirklich nicht bloß als episodischer Eirrsall des stolzen Eroberers gellen, sondern sollte gewertet werden nach den letzten Worten des sterbenden Propheten Secharia. Diese innere Erkenntnis muß unabhängig davon sein, daß man in einer Generation lebt, welche sich religiöse Mahnungen dummstolz und dreist verbittet. Im Gegenteil, die oben geschilderte Tragik lastet dann umso schwerer aus dem Einzelnen und dem Ganzen und es ist Hauptziel der Agudas Jisroel. ihre Glieder so zu beeinflussen, daß sie sich an die Erkenntnis gewöhnen, daß weder ihr eigenes religiöses Leben, noch das religiöse Leben der anderen Privatsache ist. Soweit mein Erlebnis. — Es will uns bedünken, als ob daraus für Agudas Jisroel eine sehr ernste Aufgabe erwächst, eine Erziehungsausgabe ersten Ranges! Wir möchten darüber hiermit die Diskussion eröffnen! ' Kopi. Zusammenstellung der Veschlüffe der Wiener ZenttalratSfitzung. Ter Gruppenverband Halberstadt stellte zur besseren Einsicht dir Beschlüsse der Wiener Zentralratssitzung vom 90./31. März und 3»/4, April 1921 auf mehrfach geäußerten Wunsch nochmals in eineni Rundschreiben an die Ortsgruppen zusammen, das »vir nachstehend zum Abdruck bringen. A. Organisatorisches. 1. Zentral rat.! Der Zentralrat 'ift konstituiert. Der Sitz des 1 „glätte r."_ Zentralrates ist Wien. Er setzt stch «ns den von den Landesorganisationen entsandten Mitgliedern und einigen von ihm ,elbst zugewählten Mitgliedern des früheren pcoviirischen Komitees zusammen und ernennt sein Präsidium aus Rabbinen und Laien. Der Zentralrat ist die oberste Beschlußbehörde der Agudas Jisroel. Nach außen tritt er lediglich durch Vermittlung des Exekutiv-Komitees in London in Erscheinung. Der Zentralrat soll jährlich mindestens einmal zu einer ordentlichen Sitzung zusaminengerufen 1»erben. Seine Ausgaben sind: 1. Die Vorzeichnung der Richtlinien für die Gesamttätigkeit der Agudas Jisroel. 2. Die Ausstellung des Finanzvoranschlages für die Gesamtorganisation und die von ihr betriebenen Büros und Sonberinititutionen. 3. Die Beschlußfassung über die Deckung des Finanzbedarfes. II. Gesch ästssüh render Ausschuß des Zentralrates. Der Zentralrat wählt den Geschästssührenden Ausschuß. Von den Mitgliedern des G. A. sollen je 6 und je 3 womöglich an einem und demselben Ort wohnen (6 in Wien und 3 in Frankfurt a. M.) und alle 9 sollen in stetiger enger Fühlung miteinander arbeiten. Es ist die Ausgabe jeder der beiden Gruppen des G. A., mit den ihnen erreichbaren Mitgliedern des Zentralrates bei wichtigen Angelegenheiten in Beratung zu treten. Die Mitglieder des Präsidiums des Z. N. können an den Sitzungen des G. A. stimmberechtigt teilnehmen. In den G. A. sind gewählt worden: In Wien Nabb. Tr. P. Kohn, Wolf Pappmheim, David Schreiber, A. Hornstein und je ein Vertreter der tschechoslowakischen und polnischen Landesorganisationen, beide mit ständigem Sitz in Wien. In Frankfurt: Jacob Roseuheim. Jacob Strauß, Leo Wreschner. Als Ersatzmitglieder, die bei der ressortmäßigen Verteilung der Geschäfte mitherangezogen und allen Sitzungen des G. A. beiwohnen sollen, aber nur in Vertretung von abwesenden G. A.-Mitgliedern stimmen dürfen, wurden gewählt: Tr. Ehrmrann, Rechtsanwalt Tr. Breuer. Dr. Jonas Simon. III. Exekutiv - Komitee London. Seine Aufgaben sind: 1. Vertretung der Gesamtorganii'ation nach außen, sowohl in der Presse wie vor Behörden. 2. Schaffung und Ueberwachrng der Landesorganisationen b) in finanzieller Hinsicht, a) in organisatorischer Hinsicht, a) In organisatorischer Hinsicht übt das Londoner Exckutiv-Komitee seine Befugnisse durch Vermittlung des Zentralbüros Ost in Wien ans, soweit es sich um die östlich von Deutschland bezw. Oesterreich liegenden Länder Europas und um Erez Jisroel handelt. b) In finanzieller Hinsicht übt das Londoner Exekutiv-Komitee in allen Ländern seine Befugnisse direkt aus. Es ist insbesonoere dafür verantwortlich, daß die Ortsgruppen die ihnen obliegenden finanziellen Leistungen den Landesorganisationen gegenüber und die Landesorganisatiynen der Gesarntorgauisation gegenüber nach den Beschlüssen des Zentralrates pünktlich erfüllen. 3. Tie Bearbeitung der politischen Erez Jrsroel-Ang elegenheiten. 4. Tie Initiative zur Veranstaltung von Sammlungen für Thora-Zwecke oder soziale Zwecke, sowie Hilfsaktionen politischer oder sozialer Art. IV. Dem Exekutiv-Komitee untersteht das Ce ntral Office of Agudas Jisroel in London. Das Budget des Central Office ist in den Gesamt- Voranschlag der Agudas Jisroel einzustellen. Hinsichtlich der allgemeinen Prinzipien reiner Tätigkeit ist es an die Beschlüsse des Z. R. gebunden. Es soll sich, soweit wie technisch nur irgend durchführbar, auf dem Wege der Korrespondenz und häufiger persönlicher Aussprache in stetiger Fühlung »mit dem G. A halten. Dieser bestimmt, an welches von seinen Mitgliedern die Korrespondenzen zu richten sind. V. Dem G. A. des Zentralrates untersteht das Zentralbüro Ost mit dem Sitze in Wien. Seine Aufgaben sind: 1. Tie organisatorische lleberwachung sämtlicher östlicher Landesorganisationen in Vertretung des Londoner Exekutiv-Komitees. 2. Tie Herausgabe des Haderech. 3. Ter Betrieb des Emigrationsgentrale der Agudas Jisroel. 4. Die Ausführung der vorbereitenden Arbeiten zur Einberufung der Kenessio geocmlo. 5. Die Ausführung der vorbereitenden Arbeiten zur Bildung des Rabbinischen Rates. 6. Ter Betrieb der österreichischen Palästinatmtrale der A. I. re Errichtung und der Betrieb des Jngerwamtes der A. I. VI, Ter Zentralrat wählt eine Finanzkommission von 5 Mitgliedern mit dem Sitz in Wien. In diese Finanzkommission wurden gewählt die Herren Siegmund Bondi, Kallmann Pappenheim, David Schlesinger, Lippe Türkei, Nathan Kohlmann. Z. Finanzgebahrung. I. Die Deckung des z. Zt. vorhandenen Defizits von ungefähr 250 000 Mk. übernehmen das bisherige provisorische Komitee und der deutsche Gruppenverband. H. Tie Finanzierung sämtlicher in Men konzentrierter Institutionen (Zentralrat, Zentralbüro Ost, Emigrationszentrale, Haderech, Jugendamt, österreichische Palästinazentrale) übernimmt di? Mener Aguda bis zum 31. Dezember 1921 mit etwa 3 Millionen Kronen. III. Für den Bedarf des Londoner Zentralbüros sind 200 Lstrl. monatlich für die nächsten sechs Monate von den Landesorganisationen wie folgt aufzubringen: T-euZchland 30 000 Mk., Tschechoslowakei 40000 Kr., Schweiz 4000 schweizer, grcs., Holland 3000 fl., Belgien 5000 Frcs., Skandinavien 3000 Kr., Bessarabien 40 000 Lei, Erez Jisroel 5000 Mk., Polen 100 000 Mk., Argentinien 40 000 Mk. Ein Drittel der Beträge soll sofort, zwei Drittel am 1. Juli 1921 zahlbar sein. Dem Londoner Exekutiv-Komitee wird die Eintreibung der Beträge und die Abführung nach London überantwortet. Zehn Geeote für die Mitglieder der Orts- und Jugendgruppen der A. I. 1. Besuche keilte Versanlmlungen. 2. Wenn Du kommst, so komme zu spät. 3. Wenn das Wetter schlecht ist, so komme natürlich nicht. 4. Wird eine Versarrrmlurrg vorbereitet, so erkläre die vorbereiteten Arbeiten des Vorstandes und der anderen Mitglieder für verkehrt. o. Nimm nie ein Amt an, da es leichter ist zu kritisieren als selbst Arbeit zn leisten. 6. Trotzdem sei gekränkt, wenn Tn zur Mitarbeit im Ausschuß nicht aufgefordert wirst. Ist dies aber der Fall, so gehe nicht zu den Sitzungen. 7. Wenn der Vorsitzende Dich um Deine Meinung fragt, so sage, Du habest nichts zu bemerken. Nachher erzähle allen, wie es hätte gemacht werden müssen. 8. Tu nur das absolut Notwendigste. Wenn aber andere Mitglieder selbstlos Zeit und Arbeit für die Sache einsetzen, so klage über Cliquenwirtschaft. 9. Bezahle Deinen Beitrag möglichst spät, oder überhaupt nicht. in. Kümmere Dich möglichst wenig um Werbung neuer Mitglieder. Latz dies andere tun. Der Wein- und Frnchtmarkt Palästinas. Die Palästinazentrale der A. I. übcrjan^te uns folgenden Bericht über Erez Jisroel, >?.t der Voss. Ztg. entnommen ist: Palästina ist in weitaus größerem Ausmaß als die übrigen Mittelmeerländer sin ausgesprochenes! Gartenland. Auf den breiten Streifen zwischen dem jndäischen Gebirge und dem Meer, der von Zahlreichen perennierenden Bächen durchzogen wird und dessen leicht hebbares Grundwasser in geringer Tiefe liegt, gedeihen Orangen und Zitronen in einer sonst unbekannter! Güte. Die palästinensische Orange ist ein Primeurobst. Wein gedeiht in demselben Gebiet. Aber der fälligen Süße, die die Sonne der Staube gibt, entspricht nicht überall des Bouquets, das seiuen ganzen Reichtum erst in den Sorte;: des judrischen Gebirges erhält. Oel und Mandeln gedeihen im ganzen Lande. Im Gebiet des Tiberiassees werden neuerdings Tomaten als Frühgenrüse erfolgreich gezüchtet. Die Bananenkultur, die bisher ausschließlich in El Arisch an der ägyptischen Grenze gepflegt wurde, macht kräftige Fortschritte. Kirschen gedeihen im Lande nicht. Tie bisherigen Apfelsortcn waren ohne Qualität. Seltsamerweise ist die Anpflanzung von Nußbüumen noch nicht ernsthaft versucht worden. — Der jüngst erschienene Bericht des Direktors der Commerce and Jndustrh Departements gibt nähere Angaben über die Ausfuhr einiger Fruchtsorten: Es wurden ausgeführt im Jahre 1919—20 : 635 040 Kisten Orangen im Werte von 161104 Pfd. Sterl. Im Berichtsjahr haben diese Zahlen eine Steigerung um etwa 15—20 pCt. erfahren; die genaueren Eingaben liegen noch nicht vor. Die Ware ging vorzugsweise nach Aegypten und England: neuerdings konnte sich die Jafsaorange auch in Nordamerika durchsetzen trotz der erheblichen Transportkosten und der kalifornischen Konkurrenz. Der Export von Melonen aus dem Gebiet von Tulkerem (etwa 15 000 Pfd. Sterl.) erreicht nur Aegypten. An Wein wurden etwa 25 000 Hektoliter produziert, wovon nur etwas mehr als die Hälfte vorzugsweise (nach Aegypten) ausgeführt wurde. Ein Hauptabnehmer, Nordamerika, ist wegen der Abstinenzgesetze ausgetreten. Die Herstellung von Alkohol aus Traubenrestcn ist noch in den Anfängen. Immerhin ist die Produktion 1920—21 aus 890 Hektoliter gegenüber 390 Hektoliter 1919—20 gestiegen. Tie Technik ist noch ganz auf ausländische Zufuhren eingestellt/ Ebenso ist die Fabrikation von Essig aus Weinrückständen kaum über die ersten Anfänge hinausgekommen. — Wesentliche Fortschritte macht das Verpackungswesen für Orangen. Tas Kistenmaterial ist vorzugsweise (mittelbar) in geschnittener Ware aus Teutschland gekommen. Neuerdings schiebt sich Finnland als Lieferant ein. Es sind jetzt ans Amerika Maschinen geliefert worden, die die Orangen sortieren nnd waschen werden Versuche sind im Gange, Eßtrauben und die Feigen aus Samaria für den Export rationell zu packen. Freilich geht noch ungeheuer viel von diesen edlen Früchten verloren, da nur die schlechtweg idealsten Exemplare ausgeführt werden. Uebecraschend bleibt, daß bisher trotz aller Anregungen und der neuerlichen Anforderungen des Departements Jam (Marmelade) und Fruchtkonserven im Lande nicht hergestellt werden, ^.er Jnlandsverbrauch (einschließlich der Aegyptens) würde allein schon die Fabrikation rentabel machen. Gleiches gilt für die Essenzensabrikation; bleiben doch die duftigen Blumen des Landes, das im Frühling einem edlen Teppich gleicht, die Blüten der überall als Schutzhecke angepflanzten Akakia mimosa, vor allem die vielen Millionen Zitronen, die feit dein Verlust des russischen Marktes unverkäuflich sind, ungenutzt. -

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