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Der Israelit · 1921-05-05 · Heft 18 (5.5.1921) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 18 (5.5.1921)
Date
1921-05-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Der JSraelit. No. 18 «ette 5 8. «al 1SÄ niederträchtigsten Ausfällen gegen die Juden überreichen Rede die Beschlüsse der Studenten und zog sich wiederholt den Ordnungsruf des Vorsitzenden zu, weil er von den Juden in einer das Gesamtjudentum verletzenden Form sprach. Griechenland. Kn klllualmorSmüräien ln Saloniki. Athen, 21. April. In der Kammer beantwortete Ministerpräsident GunartS eine Interpellation deS Abgeordneten Ziakkt, betreffend einen griechischjüdischen Zwischenfall in Saloniki dahin, daß dieser Zwischenfall ohne Bedeutung gewesen und durch schnelles Eingreifen der Polizei beigelegt worden sei. Die Fabel, die den Zwischenfall veranlaßt habe, sei eine verabfcheuungswürdige Verleumdung gegen ein Volk, das so viele Verdienste nm die Kultur besitze. Die Verleumdung, daß die Juden christlichen Kindern Blut entziehen, errege in dem Gewiffen jedes anständigen Menschen Empö rung. „Wir kennen", sagte der Ministerpräsident, „die Israeliten als loyale und arbeitsame Bürger. Ihr sanfter, friedlicher und ruhiger Charakter widerspricht der ihnen zugemuteten Grausamkeit vollständig. Wenn einige durch Vorurteile verblendete Leute gegen die Juden eine Haltung rtnnehmen, die jener der großen Mehrheit ihrer griechischen Mitbürger entgegengesetzt ist, so werden sie es mit der staatlichen Macht und der vollen Strenge der Gerechtigkeit zu tun haben." Die Sabbafruhe In Saloniki. Saloniki, 15. April. Der hiesige Oberrabbiner, Benzion Usiel hat dieser Tage die jüdischen Direktoren der hiesigen Großbanken zusammen gerufen, und ihnen eindringliche Vorhaltungen wegen des Ueberhandnehmens deS Chillul Schabbos in Bankkrrisen gemacht. Die Versammlung hatte einen überaus erfreulichen Erfolg. Die Banken, deren Vertreter ein geladen waren, beschloffen, von nun an ihre Bureaus an Sabbat und Festtagen zu schließen und ihren Angestellten vollkommene Gabbatruhe zu gewähren. NcUäMna. Tleb! mula. S-rrrfatem, Erew Peßach. EWA JWö THE Heute vor einem Jahre haben hier die Pogrome begonnen! Die Wallfahrt Rebi Musa (Prophet Moses) beginnt soeben wieder. Tausende Moslims durchziehen die Stadt. Trotz der allgemeinen Beruhigung, die unter der Herrschaft von Sir Herbert Samuel Platz gegriffen hat, war man doch die ganze Woche beängstigt, daß die Schrecken des vorjährigen Peßach sich wiederholen könnten. Der Oderkommiffar sagte mir gestern, daß die jüdische Bevölkerung vollkommen beruhigt sein dürfe. Die Unruhen würden sich nicht wiederholen. Um dieser Versicherung Nachdruck zu verleihen, erzählte' er mir noch folgendes: Die Moslims baten den Oberkommiffar, er möchte die Nebi Musa-Feier — die drei Tage begangen wird mit -einem Besuche beehren. Der Oberkommiffär bedauerte, die Einladung ablehnen zu müffen, mit der Begründung, daß er wegen deS Peßachfestes nicht mithalten könnte. Rasch beeilte man sich, eine Peßachküche, versehen mit Mazzot, in Nebi Musa zu improvisieren und der High Commissioner wird am ersten Tag Chol hamoed den nach arabischen Traditionen geweihten Gedenktag des Propheten MoseS mit vielen Tau« senden Moslims zusammen feiern. Die begeisterte Schaar hat soeben die. Thore Jerusalems in gehobener Stimmung verlassen, und unsere Glaubensbrüder strömen zu Tausenden beruhigt zur Klagemauer, um dem Gedenken an Seder Korban Peßach in wehmütiger Andacht zu huldigen. Morgen, am ersten Peßachtage, wird Sir Herbert Samuel mit seiner Familie an dem Gottesdienst in der großen Churba-Synagoge in der Altstadt teilnehmen. Ein Bruder unter Brüdern. Dur Gerer Rebbe in üerufaiem. Acrusakem, 25. April. Ergreifend in ihrer schlichten Einfachheit waren die Empfangsfeierlichkeiten, die in Jerusalem zu Ehren des Gerer Rebbe veranstaltet wurden. Schon in aller Frühe begaben sich Delegationen der Aguda und verschiedener Institutionen in Begleitung von großen Scharen aus den Bahnhof. Die Demonstration umfaßte nicht nur die chassidischen Anhänger des Rebbe und die Aguda-Kreise, sondern alle Teile der Bevölkerung, ohne Rücksicht auf Landsmannschaft und religiöse Richtung. Selbst Jemeniten, Bucharen und Grusinier nahmen an dem Einpfang teil. Als der Zug in die Halle einfuhr und der Rabbi aus dem Wiagen stieg, wurde er von den grüßenden Massen empfangen und bis zu dem Wartesaat geleitet, wo sich die Rabbiner und die Aeltesten Jerusalems zum Empfang feierlich aufaeftellt hatten. Als der Rabbi das ihm zur Verfügung gestellte Auto bestieg, konnte sich ,der Wagen nur mit großer Mühe durch die Menge Bahn brechen. Der rauschenden Ovation schlossen sich die Schüler der orthodoxen Schulen mit religiösen Liedern an. Hinter dem Auto her fuhren etwa ‘50 Wägen, in denen die ersten Männer der Stadt den hohen Gast begleiteten. Den Höhepunkt erreichte die Kundgebung vor dem Jaffaer Tor, wo der Rabbi ausftieg, um im Hause des Rabbi David Cohn Wohnung zu nehmen. Wie berichtet wird, hält der Gerer Rebbe andauernd Konferenzen ab, um den Frieden zwischen Kuck und Sonnenseld-Diskin herzustellen. Famlliennachrichten. Barmizwohfeier. Theo, Sohn der Frau P. Ullmann Wwe., Würzburg, Reibeltsgaffe 18. Frankfurter Kerichte. Krau Raööiner Sr. Salomo« Aireuer n"p- Nach einem achttägigen Krankenlager wurde Frau Rabbiner Dr. Breuex im Alter von 69 Jahren in den Tagen des PessachststeS zum ewigen Leben helmgerufen. Innig war die allgemeine Teilnahme, die hoffend und bangend ihr Krankenbett umgab, und lief ist nunwehr und aufrichtig die Trauer, die den weiten KreiS unserer Gemeinde erfüllt ob des Heimgangs dieser seltenen Frau, der treuen, aufopferungsollen und verständnisvollen Lebensgefährtin unseres verehrten Rabbiners. Wer Worte suchen möchte, um in kurzen Zügen ein Charakterbild dieser echten 5'n Ptt?K zu zeichnen, in deffen Seele mutz der alten Weisen Wort von dem Adel und der Würde und dem weitreichenden Einfluß der jüdischen Frau — bei aller Zurückgezogenheit und stillen Art ibreS LebenSberufeS lebendig gegenwärtig sein. Unsere Zeit hat einen neuen Typus der Frau geschaffen. Unsere Alten aber sahen in der jüdischen Frau die Seele deS Hauses, die Stütze ihres Mannes, die Beflüglerin seines Wirkens, die ihn über die Schwere der Tage mit ihrem klugen Sinn, mit ihrem Gottvertrauen hinwegzuheben versteht und ihm die Kinder so erzieht, datz sie vor allem mit Liebe und unstillbarem Durst zur unversiegbaren Quelle deS göttlichen Wortes zeit ihres Lebens wallen möchten. Zog auch bas Haus dem Schaffen der Frau die Grenze, so „überschreitet ihr Geist doch die Mauern ihres Hauses" und wirkt durch Mann und Kinder in der O« ffemlickkeit. Solcher Art war Frau Rabbiner Breuer n"v. Sie hat den hohen Werr des Segens zu schätzen gewußt, den unsere Weisen den Frauen verheißen, die da geduldig ihrer Männer harren, bis fie aus dem V11LN kommen? sie hat in unvergleichlicher Weise die hohe Pflicht begriffen, die wiederum unsere Weifen den jüdischen Frauen inS Herz redeten, ihre Söhne zur min yinzusühren. AlS Tochter unseres Heimgegangenen großen Rabbiners Samson Raphael Hirsch y'jft hat fie eine mipn P-m und eine n»i» in sich ausgenommen, dieunverrückbar sie durchs Leben mit all seinem Wechsel von Leid und Freud' geleiteten und die ihre Häuslichkeit mit einer Weihe erfüllten, die jedem sich miiteilte, der in ste eintrat. Ihr an dem Thoragetst gestählter Wille kannte nur eine Aufgabe, nur ein Ziel und dawar: Hingebung, aufopferungsvolle Hingebung an da» Glück der anderen. So war fie, tm Elternhaus noch, derart von m 2* um pund erfüllt, datz kein Geringerer als ihr eigener Bater ihr in seiner Traurede den innigsten Dank für ihre weihende Kindesliebe aussprach. Tief zu eigen hatte ste ftch die Lehren und Anschauungen ihres Elternhauses zu machen gewußt, und es war erstaunlich und ein Genuß zugleich, wenn man aus ihrem Munde die Gedanken vernehmen durfte, zu denen das Psalmen- oder Prophetenwort ste anzuregen verstand. Die Lehre der Liebe war auf ihrer Zunge, und den Bedrückten war ste rastlose Helferin. Ein Kind unserer Schule, hatte ste die moderne Bilduna in hohem Matze in sich ausgenommen, in ihrem Wesen waren p» DJ? min innig vermählt) aber als oberster Matzstav galt ihr das Wort und der Geist der min, und ihr btldungsfreundlicher Sinn wußte abzulehnen, was dem Thoragetst wesensfremd war. So erschien eS ihrem glühenden jüdischen Sinn alS eine besondere omn }ö ivn, datz ste einem Mann alS Gattin zur Seite treten durste, der als 21 und Leiter einer N2'S" sein Leben der min weihte und nichts Höheres kannte und kennt, als Geschlechter heranzuerziehen,, die, durchdrungen von Liebe zur min, sich mit Lust ihrer Erforschung hingeben und immerdar auS ihr schöpfen. 14 Jahre lebte ste in Papa in Ungarn an der Sette ihres Mannes. Wie die Sprache deS Herzens überall verstanden wird, so überwand ihr jüdisches Herz daS Trennende der Grenzpfähie; ste fühlte sich in den ganz anders gearteten Berhältniffen glücklich und heimisch durch den Klang des Thorawortes, der auS der mW zu ihr drang, und staunend wußten die großen ’toiV min Ungarns die tiefe NSI'I mm,i rv.irr dieser auS Deutschland stammenden Rabbinertn zu velehren. Ueber 30 Jahre weilte fie seitdem, wieder in die Heimat zurückberufen, an der Seite ihres verehrten Gatten in unserer Mitte. Wer dem mutvollen, unbeirrbaren Auftreten unseres Rabbiners gefolgt ist. wer die hohen Anforderungen kennt, die er in dem Wort seiner Lehre und von der Kanzel herab an die jüdische Pflichterfüllung stellt, wie er immer und immer wieder von der Wethe deS Hauses, von der Eiziehung der Kinder zur Thora in flammendem Wort spricht und alS höchste jüdische Lebensaufgabe immer und immer wieder daS „Lernen" verkündet, und wie er endlich noch am jüngste« i^i:n P2tP, anlehnend an die Worte j?ii» UWI nnc pk den Frauen die hohe Bedeutung aus Herz redet, die ihnen bet der Anleitung und Erziehung der Kinder zur Thora und Gottesfurcht als Ausgabe zufällt, wer gedenkt da nicht unwillkürlich der Heimgegangenen Rabbinerin, deren treues Wirken, deren hingebungsvolles Schaffen an feiner Seite ihm deu Mut und daS Recht gaben, also sprechen zu können. Zu schildern, wie sie diese Aufgabe alS mütterliche Erzieherin erfüllt hat, würde den Rahmen dieses kurzen Charakterbildes weit überschreiten. Man mutz eS auS ihrem Munde gehört haben, wie fie mit innigem, ruhigem Worte ihren Kindern beim ersten Erwachen ihres ausnehmenden Bewußtseins den Ahnenstolz, den Stolz auf ihre große Ahnen einzuprügrn suchte, wie fie sie als das höchste lehrte, in der Welt als großer mir p angesehen zu sein. Und wie sie den auf die Universitäten htnauögezogenen Söhnen auS der Ferne das tägliche Lernen ans Herz redete. ^2np nr'2 ro^n "vvk. Sie war die Wä'clnerin -er Gänge ihrer Hauses und das Brot der Trägheit hat sie nie gegessen. Si^ ging ganz aus in der Sorge um ihren Mann, -essen Wirken sie verständnisvoll begleitete, und es war ihr Stolz, datz er berufen war, üuö Werk threS BaierS ms dessen Nachfolger fortzusetzen und zu vertiefen. — Wer die ideal gerichtete LLbensanstassung ihvrS Hauses zu würdigen versteht, der wird ahnen können, welch hohe Pflichten ihr als Hausfrau bet den kleinen und großen Sorgen des Lebens und seiner Bedürfnisse erwuchsen. In ihrer Se!bstv-rges,:nheit und Anspruchslosigkeit hat sie Hohes vollbracht und bet allen Lasten und Kämpfen, die jed^s Leben und besonders das eines in der Ocffentlichkeit wirkeichen Mannes mit sich bringt, war sie die mrtige, willerrsstarke Frau, die glücklich sich beschiel», wenn sie ihr Haus nur versorgt wußte. Bon ihrem Wesen ging eine P2e»-Weine-und -Ruhe aus, und das P2S» Licht brannte in ihrem Zelte von einem zum andern p:*>. Glücklich war sie, datz daS Streben ihres Mannes, die Liebe zum Thaurolernen zu vertiefen, hier an Boden gewann und sie lebte des Bewußtseins, datz ihr Bater dieses Schaffen mit seinem Segen begleite. 5abvat--Inka»g «na Hingang. mriK row* Ort: Anfang Datum AuSgang Uh.s ortn. 1"21| 5681 Ubr vitn. Frankfurt a. M. 7 18 0. SV. Nitzan S 4* Berlin .... — — Mai — München . . . 7 1»! * IS Gtraßburg . . — — — — Stuttgart. . . — ' — — Posen .... — — i — Nürnberg - - 7 - 8 »7 Hamburg. . . — — — —

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