Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1921-02-10 · Heft 6 (10.2.1921) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 6 (10.2.1921)
Date
1921-02-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2446951-2450138-2450144--68724-2525852
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

W8f^ Ein Eentratorqan Hir das orthodoxe Mutern flfiBB inMUl salipiiodetmBr.LsbnmIofflainzcsasasa \\\Hri SS Jahrgang, s^s» Sranftfurf a. m.. Ben —--Ar^E NSovueweut pro Vierteljahr t DeutfchlanLLei den Postämtern sowie bei direkt. Bestellung«. Rechnungserteil. durchd.Berlag M.7.S0 viertelt, f. Lehrer u. Kultusbeamte (n. direkt) M. S.ßv vierteljährlich, Deutsch-Oefterreich Kr.50.— vierteltährlich; Dschecho-TIowokei Kr. 12.— Ungarn Kr. 60.— vierteljährlich, Polen (nur in deutscher ReichSmk.) M. 10. viertelMrl., RnmSnien 10 Lei, Holland fl. 1, Dkandiuav. Kr. 2, GchweizfS.1.50,Frankreich u.Belgien Fr.8.60, England 1 sd. 6 p.. Amerika 0.60 Doll, Vierteljahr!. Einzelnummer SO Pfg. Durch den Buchhandel wie beim Verlag. Der Israelit erscheint icbctc Donnerstag Inserate: Mk. S.— für die sechsgespaltene Colonel-Feile einschl. TeueruugSzuschl. :AuSland-Jns.Mk.4.—pro Zeile Rab. naS Tarif Bei laufenden Jnseratauftr. tarifm. Preiserhöhung jederz. vorveh. Jnseratenannahme durch den Verlag der Israelit G. m. b H., Frankfurt a. M., Cr. Eschenheimerstt. L3 Tel.' 8848, Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. Platzvorl'chrtfrrv ohne UerdtuvltHkeii. M 6 Zahlnnge« außer direkt an den Verlag VostschKkkonio Fraukfurt a. M. Bo. ISS«» - erfolgen an: Postsparkasse Wien No. rv«, Postfparkasteuamt Budapest No. 18^4 Postscheckamt Zürich Uv, VIII t*54 Postscheckamt Amsterdam No. *486» Böhmische Unioubank tu Prag Baacft Bfarmarosclt Blank ft Co. in Bmoaront Filiale des Wiener Bankvereins in Agram._ Der llsÄSruck Ser Nrllkel unS evrrelponSenzen Ses wIsreeüffe ff! nur unter genauer Quellenangabe, unö, foroelt es fleh ura größere fiuffflfce hanöelf, nur nach norheriger eenehmlgung gefiattet . InbaltsSvrvstchr. l. Leitartikel: Wahlbündnis oder Parteibildmrg? — 2. Homiletik: Dr. M. L. Bamberger: v'2SiV. — 3. K l e t n e s F e u t l l et o n: Mochenhast und Sabbatrast. — (Deutsche Forschung am Sinai.) — 4. Wüchenrundschau: Die Haltung des Misrachi. —' Die vierte Internationale. — 5. Aussätze: Das Palästina-Mandat. — 0. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, (Die politischen Parteien zur Judenfrage). — Berlin. — München, (Eine „jüdische Bolkspartei" irr Bayern). Wien. — Budapest, (Die Ausweisung der Galizianer). — Budapest, (Bor neuen Judenausweisungen in Ungarn). Bukarest, - Warschau, (Die jüdischen Schulen im Warschauer Siadtrat). — Warschau, (In den Jnterrrierungs- U gern). — Warschau, (Die jüdischen Kleinhändler). — Warschau, (Eidesverweigerung am Sabbat). — Lodz, (Aus der Gemeinde Lodz). — Wilna. — Helsingfors, (Trostloses aus Sowjet-Rußland). — London, (Gegen jüdischen Sselenfang). — New-Dork, (Ein Konritee zum Schutze der MinderhetiSrechte). - New-Aork. (Die litauische Anleihe und die Juden). — 7. Personalien., — 8. Vermischtes. — 9. Sprechsaal. — 10. Frankfurter Berichte: Frau Klibanski n"y. — Familtennachrtchten. — Bereinskalender. — Gebetzeiten. — 12. Feuilleton Beilage: Der bärtige Held. — S. Brückheimer: Kehrer« elend. — 13. Kinderecke: König Kalama und Königin Kaba. — Jüdische Sprichwörter. — Mhlviin-tiis oder parteiMung? Wir haben in der letzten Nummer über die s Wahlbündnisse berichtet, die unsere bayrischen Gesinnungsgenossen mit den Zionisten und den Neotogen bei den Wahlen zum neuen Gemeinde- Verb and eingegangen sindgerade in der Tatsache, daß man auf orthodoxer Sette in München und Nürnberg mit den Zionisten gegen die Liberalen, an vielen anderenOrten mit den Liberalen regen die Zionisten in den Wahlkampfeintritt, glaubten wir ein relativ erfreuliches Symptom dafür erblicken zu dürfen, daß auch die bayrische Orthodoxie trotz der bei der Veibandsgründnng gezeigten Schwäche sich ihrer prinzipiellen Eigenart bewußt ist und in den Wahlbündnissen nur eine rasch vorübergehende Konstellation erblickt, die man für den Augenblick je nach Bedarf schafft und wieder beseitigen kann. Inzwischen wird aber aus München gemeldet, daß Man, offenbar nicht blos als Instrument für' die bevorstehende Wahl, sondern in der Absicht dauernder Beetnfluffung des jüdisch-politischen Lebens eine neue Partei unter dem Namen „Jüdische Volkspartet in Bayern" ins Leben zu rufen im Begriffe stehe. Das Programm samt den Unterschriften finden unsere Leser an anderer Stelle dieser Nummer. Den kritischenBemerkungen, die unferMünchener Berichterstatter hlnzufügt, können wir uns zumeist, aber nicht in allen Einzelheiten anschlteßen. An und für sich besteht gar keine Veranlassung, den unsittlichen Grundsatz „der Zweck heiligt die Mittel" ohne weiteres als Wesensmerkmal aller Politik zu betrachten und darum die Politik aus dem Bereiche des Judentums auszuschließen. Alles bewußte Wirken im öffentlichen Leben ist Politik, und insofern es ein jüdisches öffentliches Leben in Verbänden, Gemeinden und sonstigen gesellschaftlichen Gebilden überhaupt gieöt, können die religiösen und ethischen Ideale nur mit den Mitteln der Politik verwirklicht werden. Eine Parieigründung an sich scheint uns keinem Bedenken zu unterliegen. Nur muß die Politik der Orthodoxie, auch die Parteipoltttk, jüdisch sein, das heißt, sie hat ihre Grundsätze sowohl wie ihre Methoden, die ersteren ausschließlich, die letzteren hauptsächlich, aus der r eltgtösen Ueberlieferung, aus der schriftlichen und mündlichen Lehre deö Judentums zu schöpfen. Daß die hier erstrebte neue Partetbildung, unserer Ueberzeugung nach, diesem grundlegen - . den Prtnzjpejüdischer Politik nicht entspricht, das tst's, was wir ihr vor allem zum Vomvurf machen müssen. Das Programm der „Jüdischen Volkspartei" erblickt das Wesen des neuen Gebildes in dem Zusammenschluß aller vom „jüdischen Bewußtsein" durchdrungenen Kräfte. Dieser Begriff bildet gewissermaßen, die geistige, die prinzipielle Grundlage, auf der sich dann als wesentlichste praktische Forderungen die Demokratisierung der Gemetndeverfastung, die Gleichbere chtigung der ostjüdischen Gemeinde- Mitglieder, die Erhaltung der „altüberlieferten Einrichtungen" auch für eine Minderheit und die jüdische Schule aufbauen. Schon die den Gründern gegenwärtige und ihnen geradezu als Leitmotiv vorschwebende Tatsache, daß sich hier Männer der verschiedensten religiösen Ueberzeugungen vom äußersten kritischen Radikalismus bis zur Orthodoxie zusammenfindeW-sollen, um sich gegenseitig das Zeugnis auszustellen, sie seien durch daS gemeinsame „jüdische Bewußtsein" geeint, beweist mit unwiderleglicher Klarheit, daß sich hier trotz aller gewollten Traditionsfreundlichkeit ein Werk von geradezu umstürzlerischem Charakter vollzieht: die Ausschaltung der jüdischen Religion als Gesetz und Lehre auS dem Begriffe: „jüdisches Bewußtsein." Dieser Umsturz ist keine neue Erscheinung — er ist unbewußt vorbereitet worden von neutralen Verbänden, Jugendvereinen, Logen, jüdischen Geschichtsvereinen, hat unter dem Druck des Judenhaffes die religiös Entfremdeten als geistig bestimmende Faktoren dem alten Stamm wieder zugeführt und schließlich im religiös-neutralen Nationalismus und Zionismus seinen klarsten und bewußtesten welthistorischen Ausdruck gefunden. Der Zionismus, bester der Nationalismus, handelt daher logisch und ztelbewußt, wenn er eine Jüdische Volkspartet auf der Grundlage des die Religion entthronenden „jüdischen Bewußtseins" gründetlogisch und zielbewußt nicht nur in staatspolittscher Hinsicht (worauf wir noch zurückkommen), sondern auch im Hinblick auf seine Weltanschauung und die grundlegenden Prinzipien seiner Kultur. Ihm ist ja die Summe der zum Volke sich bekennenden Volksgen osten mit allem, was zufällig in ihren'Seelen als jüdisches „Bewußtsein" lebt, zugleich Schöpfer und Gesetzgeber der sittlicheu Lebensnorm für Individuum und Gesamtheit jeder Zeit. Die „Orthodoxie" aber, bester ausgrdrückt: die Gesamtheit der das BW W Anerkennenden, denen ewige Norm der Erkenntnis und der Tat, lediglich Gotteslehre und Gottesgesetz ist — sie treibt eine Politik deS geistigen Selbstmords, wenn sie sich „auf Gedeih und Verderb" (wie es in einem orthodoxen Wahlartikel heißt) mit dem auf gegensätzlicher Weltanschauung ruhenden «religiösen Nationalismus zu einer politischen Partei verbindet. Wenn sich „Liberale", überzeugte Bekenner der „Richtlinien" auf eine solche Partetbildung mit dem Nationalismus einlasten, so begehn sie zwar eine kapitale politische Dummheit, aber keinerlei Verrat an ihren religiösen Grundsätzendenn es ist ja auch vorn Stand-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.