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Der Israelit · 1921-02-03 · Heft 5 (3.2.1921) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 5 (3.2.1921)
Date
1921-02-03
Page
– (sequence 15)
Language
German
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z. Kebruar 19ül. lätte r." Ar. 8. Sette 3. über die zahlreichen KriegSwatsenhäuser, die Llej Äguda in Polen, Litauen und Oesterreich ge-' gründet hat und über den Plan, ein grandioses Waisenhaus in Erez Jisroel zu bauen, der seiner Verwirklichung nahe sei, und dem namhafte Beträge zur Verfügung stehen. Er ist glücklich, daß die Preßburger Konferenz es vermochte, die Fehler der Zürcher Konferenz zu korrigieren und die schwankende Meinung, die sich in der Aguda Bahn brechen wollte, durch Einlenkung nach rechts zu beseitigen und somit die richtige Grundlage für eine erfolgreiche Arbeit geschaffen hat. Diesen Berichten folgt eine lebhafte Debatte. Herr E. Heymann-Basel und H. Krupernik betonten, daß der in Preßburg angenommene Kurs der Aguda nicht geeignet fei, die Sympathien aller orthodoxen Kreise zu gewinnen. H. Heymann drückte fein Befremden darüber aus, daß die westeuropäischen Rabbinen, die die Majorität der Konferenz bildeten, einem Beschluß ihre Zustimmung geben konnten, nach welchen solche Thora-Lehranstalten, in welchen auch profanes Wissen gelernt wird, von der Aguda nicht subventioniert werden dürfen. Herr Rabbiner Dr. Lew enstein und Herr Eiß erwiderten auf die verschiedenen Angriffe und bemerkten, daß obiger Beschluß vom rabbintscheu Rate, dem viele Gedaule hatauro angehören, auSging. Alsdann ergriff Herr Botschko-Basel das Wort zum Referate über den gegenwärtigen Stand der Aguda. Herr Botschko sprach zunächst über die großen Erfolge der Aguda, die auf organisatorischem Gebiet zu verzeichnen find und über die großen Aufgaben, die die Aguda in der Diaspora, insbesondere in Erez Jisroel, zu erfüllen hat. Alsdann bespricht der Referent verschiedene Mängel an der Leitung der Aguda. Er wundert sich, daß die Aguda es für gut finde, alle ihre politischen Aktionen der Oeffknllichkelt vorzurnthalten. Die Aguda muß den Mut besitzen, für alle ihre politischen Interventionen aufkommen zu können und liegt es im Interesse der Aguda selbst, für alle ihre Unternehmungen vor der jüdischen Osffentlichkeit Rechenschaft abzulegen. Er teilte sodann mit, daß das Londoner Zentralbüro der Agudas Jisroel kurz vor Schluß der Völkerbunds- Versammlung in Genf ben telegraphischen Auftrag erteilte, daß die Herren Rabbiner Dr. Cohn- Basel) Rabbiner Dr. Lewenstein-Zürich und der Referent sich als Delegation der Agudas Jisroel nach Genf begeben sollen, um beim Völkerbund wegen den Grausamkeiten gegen die jüdische Bevölkerung im Osten vorstellig zu werden. In Genf wurde dem Referent bekanntgegeben, daß gleichlautende Memorandums bereits von verschiedenen jüdischen Organisationen dem Rat des Völkerbundes überreicht wurden. Grandrabbi Gtnsburger in Genf gab ihm ein von den Herren Paderewski und Prof. Aschkenasy unterzeichnetes Schriftstück zur Kelmtnis, worin die völlige Gleichberechtigung der Juden in Polen garantiert und die. strengsten Maßnahmen der polnischen Regierung gegen allfäüige Judenexzeffe zugefichert werden. Aus diesem Grunde nahm die Delegation von einer weiteren Intervention in dieser Angelegenheit Abstand. Herr Botschko kam dann auf die von Sokolow der Misracht-Delegation in Basel bezüglich der Agudas Jisroel gemachten Aeußerungen zu sprechen. Herr Sokolow gestand endlich ein, daß seitens der zionistischen Organisation gegenüber der Aguda Fehler begangen wurden und fordert die Aguda zur Mitarbeit auf, allerdings erst dann, nachdem die Aguda ihre Klage vor Die Oeffentlichkeit brachte und nachdem die Zionisten ihre Ohnmacht einsehen, das große Werk des Aufbaus von Erez Jisroel selbst durchzuführen und die fortwährende wachsende Kraft der Gesetzestreuen konstatieren. Schon mehr wie einmal wurde die Orthodoxie von zionistischen Versprechungen getäuscht. Trotz vielfacher Zuficherungen der Orthodoxie gegenüber unterstützten die Zionisten immer moch mit breiter Hand ein dem Tyorageist feindlich gesinntes Gchulwerk. Wir können nicht solchen Leuten, die gestern noch das orthodoxe Judentum als Fremdkörper im jüdischen Volke betrachteten, Heutes nachdem sie wahrscheinlich aus irgendwelchen politischen Absichten, der Orthodoxie rin paar gute Worte spenden, ohne jede Reserve unser Vertrauen hergeben. Die einzige Bürgschaft für die Wahrung .-der orthodoxen Interessen in Palästina liegt nur in einer äußerst machtvollen Entfaltung und Konzentration der grsrtzestreuen Kräfte der ganzen Welt. Auf welchem Wege kann die „Agudas Jisroel"! aber ihre umfassenden Pläne in die Wirklichkeit umsetzen und wie kann sie sich eine kräftige Position in Erez Jisroel sichern? Redner schlägt vor, die Agudas Jisroel möge die Initiative ergreifen, eine orthodoxe Weltkonferenz, einschließlich des Misracht, einzuberufen. Wohl find schon manche Versuche gemacht worden, emen Frieden zwischen den beiden Organisationen herzustellen, die aber an dem einen oder anderen Punkte scheiterten. Was am grünen Tisch zwischen den Führern selbst nicht zustande gebracht werden kann, ist aber bet einer öffentlichen Konferenz und freier Aussprache möglich. Wer auf dem Boden der Wahrheit steht, hat die Oeffentlichkeit nicht zu fürchten. Die Zionisten sind im Begriffe, einen jüdischen Weltkongreß einzuberufen. Bei diesem Kongreß wird die Stimme der Orthodoxie wohl wenig Widerhall finden. (Beweis Karlsbad!) Es ist daher eine der ersten Aufgaben der Orthodoxie, den Zionisten zuvorzukommen und in Form einer großen mächtigen Organisation auf dem Kongreß zu erscheinen. Die Agudas-Jisrnel tue ein Unrecht, wenn sie vom Misracht verlange, daß er sich von den Zionisten trennen soll und sich der Aguda völlig anzuschließen. Denn es ist eine Utopie, so lange der Misracht nicht selbst die unbedingte Notwendigkeit einer solchen Trennung einfieht, als Basis für Verhandlungen den Austritt des Misracht aus der zionistischen Organisation zu fordern. Die Aguda kann sich mit Recht auf die hinter ihr stehenden großen orthodoxen Maffen stützen, stehen doch 80% der Rabbinen des Ostens und Westens auf ihre Seite, dagegen besitzt der Misracht zahlreiche organisatorische Kräfte in Amerika und in Erez Jisroel, die der Aguda maigeln. Diese beiden Faktoren müssen sich einander ausfüllen und ergänzen. Herr Botschko macht daher den praktischen Vorschlag, einen orthodoxen Block zu schaffen und auf dem Gebiete des Erz'ehungswesens und in allen Dingen, wo die Religion in Frage kommt, einheitlich mit dem Misracht vorzugehen. Jedoch stehe es dem Misracht frei, in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht mit der zionistischen Organisation zufammenzuarbeiten, wenn er dieses für besser finde. Dem Mtsrachi wird jegliche Trennung von den Zionisten wohl schwer fallen, weil er sich die materiellen Mittel aus der zionistischen Tasche holtwenn ihm aber das Ideal der Thora höher als alle Prinzipien gilt, so muß es in erster Linie das Opfer bringen auf das „materielle Prinzip", das ihn mit den Zionisten auch kulturell verbindet, verzichten. Die Aguda verfügt einstweilen nicht über große Geldmittel, besitzt aber eine unerschöpfliche Quelle geistigen Reichtums, das doch dem Mtsrachi viel wichtiger sein sollte und bei guter Organisation wird auch das andere nicht ausbleiben. Der Referent kam dann auf die ^Aguda-Konferenz in Preßburg zu sprechen und zieht eine Parallele zwischen den beiden Konferenzen tu Zürich und Preßburg und stellt mit Bedauern fest, daß die Preßburger Konferenz die Kluft zwischen Aguda und anderen Organisation sehr erweiterte und einen viel zu extremen Weg nach rechts eingeschkagen hat, zu einer Zeit, wo wir den Frieden so bitter nötig haben, es sei aber die Hoffnung berechtigt, daß mit dem Bettritt der orthodoxen Massen Englands ein neuer versöhnender Geist hereinströmen und einen Weg zum Frieden ebnen wird. Anderseits polemifierte der Redner gegen den Mtsrachi, der die Aguda beschuldigt, sie habe die Beschlüsse der Zürcher Konferenz nicht in die Tat umgesetzt, währenddem doch der Misracht selbst zur Zeit eine starke Kampagne gegen die Zürcher Konferenz eröffnete und sich alle Mühe gab, die Zürcher Konferenz vor aller Welt zu dtßkreditteren und ihren ausführenden Organen - - -der politischen Kommission — Steine in den Weg zu legen. Niemand anders als der Misracht selbst führte die Aguda von Zürich nach Preßburg. Am Schluffe referierte Herr Botschko über die Lage der Schulen und Thoralehranstalten in der Dtaspora und Erez Jisroeler schilderte deren schreckliche Lage und deren hohe Bedeutung für das gesetzestreue Judentum in der Gegenwart und in der Zukunft und ließ den dringenden Appell ergehen, überall Komitees einzusetzen, die für die Mittel um deren Erhaltung'besorgt sein sollen. Er fordert die Aguda auf, den in Zürich gefaßten Beschluß, eine Akademie für Thora und jüdische Wissenschaft unter dem Namen „Jabneh" in Erez Jisroel zu gründen, praktisch durchzuführen. Es fand darauf eine lebhafte Debatte statt, an der sich die Herren: Rabbiner Korn fein, Eiß, Gutglück, Mannes und Krupernik beteiligten und es wurden folgende vom Referenten etngebrachte Anträge angenommen, die lauten: 1. Gründung eines Thora-Komitees für die Jeschiwos und Lehranstalten, 2. Errichtung eines ständigen Sekretariates für die Schweiz, 3. Erhöhung der Beiträge um 50 bis 100 V Ins Komitee für die Jeschiwos wurden gewählt die Herren: Rabbiner Dr. Cohn-Basel, Rabbiner Korn fein-Zürich, Rabbiner Brom- Luzern und die Herren H. Lang-Zürich und E. Botschko-Basel. Mit der Leitung des Sekretariats wurde Herr eand. med. Krupernik betraut. Die Anträge, in Bern wegen der Schechita zu intervenieren, sowie dem Zentralrat die Einberufung einer allgemeinen orthodoxen Konferenz vorzuschlagen, wurden auf eine weitere Sitzung verschoben. Als Vertreter der schweizerischen Aguda in den 45 gliedrtgen Zentralrat der Aguda mit Sitz in Wien, wurde Herr Botschko einstimmig gewählt. Herr Mannes -Zürich, sprach sein Bedauern aus, das Amt als Präsident der Landesorganisation nicht mehr weiter behalten zu können und nachdem die Basler Delegierten die Uebernahme der Leitung nach Basel ablehnten, wurde Herr Rosenzweig als Präsident des Landeskomitees gewählt, sowie die Herren Schter en bu ch-Basel, Mannes-Zürich, Botschko-Basel, Krup e rn ik-Zürich, in den engeren Ausschuß des L. C. Es möge der neuen, vom Geiste des Friedens beseelten Leitung gelingen, ihre edlen Bestrebungen im wettesten Sinne auszuführen. (Anmerkung der Redaktion: Wir werden in der nächsten Nummer eingehend auf die auf der Schweizerischen Landestagung an den Preßburger Beschlüssen geübten Kritik zurückkommen.) Nerv-Hork, 5. Januar. Das New-Aorker' „Morning Journal" schreibt: „Die AgudaS Jsroel ist in Amerika nicht sehr bekannt, trotzdem unter Leitung von Rabbtyer S. A. Joffe eine Aguda-Abteilung in New-Aork besteht, aber im Osten Europas ist AgudaS JtSroel eine große und tüchtige Organisation. Cs ist keine Kleinigkeit in unserer Zeit, bespielswetse in Polen in hunderten von Ortsgruppen mehr als 100000 Mitglieder zu bekommen und taufende von Schülern in Chadortm und Jeschiwos zu versorgen. An sich ist eS schwer, den orthodoxen Durchschnittsjuden in eine Organisation hinein zu bekommen, aber er bleibt dafür auch ihr sicherlich treuer als andere Kreise. Wir sehen auch in Amerika, daß der Wettbewerb zwischen den den einzelnen Chewraus rc. viel größer ist, als unter den nichtreligiösen jüdischen Verbänden, aber wenn eine „Schul" einmal organisiert ist, dann bleibt sie durch Jahrzehnte aufrecht. Nun

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