Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1921)
- Date
- 1921-02-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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----- Wummer 8 ----- 3. Nev r « a r 19S1 ----- VII.. Jahrgang S«. K ch e v a t S«81 lWchoxM h e r a u s g e g e b c u v o in Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und dÄ Iugend-Grganisation der Agudas Zisroel für Deutschland. Inhaltsübersicht. 1. An unsere Leser. — 3. Zum IS. Schrwat. — 3. Registratur. — 4. Aus unserer Bewegung. — S. Spendenliste. — 6. Inserate. An unsere Leser! Um unsere „Blätter" einem größeren Leserkreis zugänglich zu -machen, haben wir uns entschlossen, dieselben ab heute als „Jsraelitbeilage" erscheinen zu lassen. Diejenigen Mitglieder der deutschen Agudaruppen, die nicht auf den „Israelit" abonniert nd, bitten wir sofort ihre Adresse ihrer zuständigen Ortsbezw. Jugendgruppe aufzugeben. Die Ortsbezw. Jugendgruppen belieben uns schnellstens die Anzahl der Ntchtabormentsn mitzuteilen, damit der Versand der „Blätter" keinerlei Störung erleidet. Ein Abonnementspreis für die „Blätter" wird nicht erhoben. Für sämtliche in den „Blättern" veröffentlichte Arbeiten trägt die Unterzeichnete Redaktion die alleinige Verantwortung. Alle Zuschriften (Aufsätze, Berichte, Abonne« mentSbestellungen re.) sind an unser Bureau, Frankfurt a. M., Röderbergweg 7111., zu richten. Die Redaktion: Rabbiner Dr. P. Koh n. S. Ehrmann. I. Sänger. Am iS. Schewat.! Am 15. Schewat ist 2"1 ist „Neujahr! der Bäume". Das Mische Gesetz, ladet uns stets zum Merken auf die Gesetze und Gänge der Natur und führt uns stets aus der Natur ins Menschenleben hinüber, um uns zu zeigen, daß zwischen Natur und Menschenleben innige Beziehungen bestehen, da ja Natur und Menschenleben aus des Einzigen Schöpferhand hervorgegangen. Aus der Betrachtung der ewigen Naturgesetze lernen wir vielleicht auch unsere Bestimmung begreifen, denn in allem waltet ein Gesetz, ein Wille und ein Plan.' Die Natur ist einerseits eine fortwährende 'Mahnung an die Vergänglichkeit alles Irdischen, aber zugleich führt sie uns auch beständig das erfreuliche Bild der Verjüngung vor Augen> Der schwarzen Nacht folgt die lächelnde Morgenröte mit dem Hellen Tagesgestirns. Die reizenden Frühlingsblumen verwelken, die grünen Aue verdorren, die Früchte des Sommers schüttelt der Herbst, durch die entblätterten Bäume pfeift der kalte Wind und über die verödeten Fluren legt I der eisige Winter das Letchenkleid. Aber nicht I immer verharrt die Natur im Schlafe und |tn der Erstarrung. Durch den milden Hauch des I Lenzes angeweht, wacht sie wieder auf aus ihrer I todesähnlichen Ruhe, öffnet die Augen, wirst ihr | Nachtgewand fort und beginnt mit neuer Lebens- I luft und Emsigkeit in allen Werkstätten ihre I Arbeit. Ohne Rast ist sie tätig mit allen Kräften, I die während'des langen scheinbaren Schlummers I zu neuem Wirken und Schaffen sich gesammelt l und gestärkt haben. „Blicke hin auf die Beispiele »der göttlichen Macht!" ermahnt ein alter Denker. I„Der Tag erstirbt in Nacht und wird begraben »in Finsternis. Die Schönheit der Welt verschwindet und jedes Ding wird verdunkelt. Alles lentfärbt sich, versinkt in Schweigen und Erstarrung, Überall ist Trauer und tiefe Ruhe. So wird das verlorene Licht beklagt. Und doch lebt es unversehrt wieder auf mit seiner ganzen Herrlichkeit und Wonne und tötet seinen Tod, die Nacht, und sprengt sein Grab, die Finsternis, bis endlich die Nacht wieder heraufzteht. Denn auch die Sterne werden wieder angezündet, die von der Morgenröte ausgelöscht waren/ die abwesenden Gestirne, die der Zelttmmterschted hinwegnahm, werden ebenfalls zurückgeführt, und des Mondes Spiegel, den der Monat abgenutzt, wird neu ergänzt. Winter^ und Sommer, Frühling und Herbst mit ihren eigentümlichen Früchten und Gaben kehren wieder/ denn auch der Erde ist von oben das Gesetz gegeben, die beraubten Bäume neuerdings zu kleiden, die Blumen zu färben, Kiime und Kräuter hervorzubrtngen und denselben Samen, den sie verzehrt, wieder darzuvteten unh zwar nicht eher, als bis er aufgezehrt ist". „Wunderbare Weisheit, die entwendet, um zu erhalten, wegnimmt um wiederzugeben, zerstört, um zu bewahren, verdirbt, um zu erneuern, vermindert, um zu vermehren! Reicher und schöner stellt sie her, waS sie vernichtet, macht in Wahrheit wieder gut mit Reichtum den Raub, mit Zinsen das Unrecht, mit Gewinn den Schaden. Ein für allemal sage ich: Die ganze Schöpfung wird wiederhergestellt / was immer du antriffst, es war schon, und was du verloren hast, ist noch immer da. Alles kehrt in seinen Stand zurück, nachdem es ihn verlosten hatte, alles beginnt wieder, nachdem eS aufgehört, es endigt, dmrlt es werde. Nichts geht verloren außer zum Heile. So ist der ganze Kreislauf der Dinge ein Zeugnis von der Auferstehung der Toten. Früher hat sie Gott durch seine Werke als durch seine Worte ausgesprochen,- früher durch die Kräfte der Natur als durch die Buchstaben der Schrift. Die Natur hat er zur Lehrerin dir vorausgesandt, damit du als ihr Schüler der Offenbarung, die er Nachfolgen ließ, leichter glaubst und sie sogleich annehmrst, wenn du hörst, was du bereits gesehen, und damit du nicht zweifelst, daß Gott, den du als Wiederhersteller aller Dinge kennst, auch des Leibes Auferwrcker sei." Doch das „Neujahr der Bäume" lehrt uns noch eine besondere Wahrheit. Bei der Erschaffung der Bäume trug sich nach dem Worte der Weisen folgendes rätselhaftes Ereignis zu. Gott sprach zur Erde, daß sie einen Fruchtbaum hervorbrtnge Mb ,17212 '"12 22 dessen Geschmack dem der Frucht gleiche, sie hat aber einen Baum hervorgebracht, M2 ,17212 22 besten Geschmack von dem der Frucht verschieden war, 1211- 12 218 51P23722 .1312 12 8'.1 EU 11P23, darum als Adam verflucht wurde, ward auch sie des Fluches teilhaftig." Zwischen Natur und Menschheit sollte nach dem Misrn Schöpfungsplaue Gottes vollständige Harmonie herrschen. Ist doch die ganze Natur nach einem Worte der Weisen nichts weiter als das Kleid der Menschheit. Wie das Kleid sich den jeweiligen Formen des Menschenkörpers anbequemen muß, so sollte auch die Natur sich den jeweiligen Gestaltungen des Menschheitskörpers anpaffen. War also im ursprünglichen Plane der Schöpfung der Gedanke vorherrschend, daß der Mensch im Stande der Unschuld verharre, daß er diesseits „von gut und böse" bleibe, daß er kampflos das Gute übe, daß er gleichsam ein M2 172'2 '12 22 ein süßer Baum sei, der nur süße Früchte hervorbringen könne, daß er ohne jede Anstrengung, ohne jeglichen Kampf gut sei, so sollte auch die Natur süße Krächte hervorbringen, die ihre Süßigkeit nicht;bcr besonderen Pflege des Baumes, sondern seiner natürlichen Cüßigkeit verdanken sollen. Als aber Gott gesehen/ daß der Mensch kraft der ihm von Gott verliehenen Freiheit fallen, daß er die Kenntnis des Bösen sich anetgneri, daß er nicht mehr kampflos das Gute üben wird, daß er ein bitterer Baum werden wird, dem die süße Frucht nur durch besondere Pflege durch unermüdliche Arbeit, durch rastlose Tätigkeit und durch planmäßige Erziehung abgewomlen werden kann, da ward zu seinem Heile auch die Natur geschwächt. Auch sie sollte fortan nur bittere Bäume hervorbringen, die ihre süßen Früchte nur als Preis einer fortwährenden Pflege, einer rastloftn Arbeit und unermüdlicher Sorgfalt geben soll. Die anstrengende Tätigkeit zur Gewinnung seiner Nahrung, der sortwährenve Kamps ums Dasein sollten dem Menschen den Kampf ums sittliche Dasein erleichtern, sie sollten ein Ablenkungsmittel sein, daß der Mensch nicht immer auf die verführerische Stimme des nun einmal gekannten, aber nicht erkannten Bösen höre, daß er nicht ständig den Einflüsterungen der erwachten Sinnlichkeit ausgesetzt sei, daß die^ Arbeit ihn vor sich selbst schützen möge, daß er durch den Kampf für den Kampf erstarke, daß der Reichtum der Natur, die Ueppigkeit und verschwenderische Fülle ihrer Erzeugnisse, ihn nicht verweichliche. Doch noch immer erwies sich die Natur als zü üppig. Der Träger des Natur-Kleides 8212 KM Kl 18172' 2232 vertrug die Ueppigkeit des ihm von Gott zugewtesenen Bodens nicht. Es fand nicht genügende Ablenkung, es sank von Stufe zu Stufe, unerhörte Frevel besudelten den Stempel der Gottesnatur und die Gotteserde ward eine Stätte der Sünde. Das Volk mußte daher den üppigen Boden der Heimat verlosten und das Land und der Boden wurden geschwächt. Das Land, das von Milch und Honig überfloß, ward Einöde, ward steril. Die Erde, die uns getragen, die so freigiebig mit ihren Schätzen war, mußte die in Folge ihrer Ueppigkeit eingetretrne Entartung ihrer Söhne mitbüßen, sie ward nnfruchtbar, als sie ihre Kinder verloren. Auf diesen Zusammenhang zwischen Erde und Menschheit wollen unsere Weisen Hinweisen, wenn sie uns sagen: 1ö bv nWTß KT 2"v22l .118723 .17 121 pK.I .1128 28 2272 12 M 1281 ,1721'21 N"2s>.1 8272 12 'lim Warum ging auch die Erde zugrunde, warum ward auch der Boden der H'imat unfruchtbar, als die Heimat von den Kindern verlassen werden mußte, das war die Frage, die nur vom Schöpfer des Bodens und seiner Bewohner beantwortet werden konnte. Der Boden ist nur Kleid der Menschheit und paßt sich der jeweiligen Menschheit an. Innerlich freie Menschen erhalten eine ihrer Freiheit angemessene segenspendende Erde, Sklavenseelen einen dürren Boden, damit sie die Arbeit erlöse und innerlich frei mache. Der 15. Schewat, der Neujahrstag der Bäume, lasse uns durch die Entstehungsgeschichte der Bäume die Wahrheit erkennen, daß eö nur an uns liegt unseren Boden zu erlösen. Unser heiliges Land ist steril, es kann die alte Kraft, die alte Fruchtbarkeit, die alte Fülle erst wieder gewinnen, wenn wir uns für sie erlöst haben. pK.1 2183 Crlösung des Landes, Befreiung der Erde von deru auf ihr lastenden Fluche, erreichen wir am ehesten auf dem Wege der Gelbsterlösung. Haben wir fern von der Heimat gelernt, durch das Unglück