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Der Israelit · 1920-10-23 · Heft 38-39 (23.10.1920) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 38-39 (23.10.1920)
Date
1920-10-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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-WrM»? ... i'iiiimi i inli|rthitHiJr:'ljl—i-h IHaiiB CSSSCS-a Gl, Jahrfl&ntf «L!'SL» MaMMmcntom Xranhlurlf a. ITT., Den 23. September 1920 12rSifdjtf5681 J 38 u. 39 «Sonneurent pro Vierteljahr r Deutschlandbei den Postämtern ' ke Lei direkt. Bestellung u. Rechuungserteil. durch d.Verlag M.6.— ctelj. f. Lehrer u.Kultusbeamte (n. direkt)M. 3.—vierteljl-.monatl. t^Pfg. Bestellgeld. Deutsch-Oesterreich Kr.30.— viertel;.; Xschechn- Glowakei Kr. 12.—Ungar« Kr.36.— Viertels., Polen(nur in deutsch. Reichsmk.)M.9.vtertelj., Holland fl.1,TkandinavierKr.2, Schweiz, Frankreich u. Belgien Fr. 1.60, England 1 sh. 6 p., Amerikv0.50 ’ Doll. Viertels. Einzelnumm. 60 Pfg. Durch d. Buchhandel wie b. Berl. wrflgBflW» Der Israelit erscheint jede« Donnerstag Anserate: Mk. 1.50 für die secßsgespaltene Colonel-Zeile einschl. Teuerungsznschl.;Au8land-Jns.Mk. 3.—pro Zeile Rav. nach Tarif Bei laufenden Jnseratanftr. tarifm. Preiserhöhung jederz. vorbeh. Jnferatenannahme durch den Verlag des JSraelit G. m. b H., Arankfurt a. M., Gr. Efchenheimerftt. 23 Tel. 5843, Amt Hansa, sowie sämtl. Annoneen-Exped. des In- und Auslands. Ulairvorrchrifjen ovne ^>erbwdlichkktt. «t »> ‘ Zaylnnge« außer direkt an den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. M. No. 19 803 — erfolgen an: Conto Sei der Postsparkasse Wien No. 7SÄ0X Conto bei dem Postsparkaffenamt Budapest No. 18434 Conto beim Postscheckamt Zürich STr. VIII 7354 Conto beim Postscheckamt Amsterdam No. 34869 Conto Sei der Böhmische« Unionbank, Prag und deren Filialen, ver NsckSruck 8er NrMe! und Correfpondenjen des „Israeüf“ if! nur unter Genauer Quellenangabe, und, foroelf es fleh um größere Mäfee handelt, nur nack vorheriger öenehmlgung geffatfef. Jutzaltsuvrrstcht. 1. Leitartikel: Gemeinschaft. — 2. Homiletik: -. Felix Kanter: Einige Gleichnisse für Lie hohen >iertagk. — Don Lee Gottesfurcht. — 3.Kleines F e u i l l e t o n: Hie Frankfurter Misse in alten Dächern. 4. Wo,chenründschau: Ein Nachklang zur Preßburger- Konferenz. — Ein neues Austrittsgesetz. — Die „Kultur der Melamdim." — 5. Aufsätze: — Das Urrhalten des Bolschewismus;um Judentum. — Jakob Teßler: Don der jüdischen Heimstätte. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin. — Berlin, (Der Fall Löwenstein). — Hamburg. — München, (Ein mannhaftes Wort zur rechten Zeit). — Kattowitz, (Antisemitismus in Oberschlcfien). — Danzig, (Die jüdische Auswanderung). — . Wien, (Die orthodoxe Jugendbewegung). — Warschau, (Zu den Vorgängen in Plozk). — Warschau, (Die polnischen Schandtaten). — Warschau, (Milderung in der Sonntagsruhe): — London, (Gegensätze im Zionismus). London, (Eine Krisis im Zionismus?) — Jerusalem, (Die Einberufung der „Delegiertenversammlung" und die Lage in Erez Jtsroel. — 7. Literartsche Warte: Rabbi Chajim Nathan Dembitzer. — Dr. Felix Kanter: Der Chassidismus. — Zum Alter des hebräischen Akzentzeichen. — Büchervesprechung. — 8. B e r m i s ch t es. — 9. S p r e chsaal. — 10. Frankfurter Berichte. — Gebetzeiten. — . Bereinskalender. — 11. Feui l let o n B ei l age: Kund. ' -?^Mas<Geschmeide, K>! nd ere ck e: Heinrich Mnstädter: DteDütte deN Friedens. -7> Hermann Seckbach: Der jüdische Fürst. Gemeinschaft. Sind wir ein Volk, eine Nation, eine Religionsgemeinschaft oder sonstwas? Wenn gemeinsames Erfahren und Empfinden, gemeinsames Lieben und Leiden und Sichfreuen eine Nation zur Nation machen, so kommen unsere Fest- und Fasttage, die zur seelischen Erhebung bestimmten und die zur Trauer eingesetzten, als Zeugen dessen, daß wir niemals und nirgends mehr Gemeinschaft und Einheit waren und sind als zu den Zeiten und in den Orten, wo man die Schlagworte von Nationalität und Konfession noch nicht kannte und kennt. Welch ein grandiöser Gedanke, daß mit dir Millionen auf dem Erdenrunde zur gleichen *■ Stunde zwischen Nacht und Morgen durch den Nebel wandern, zu den Slichaus. - Zerstreute Schaaren, deren iede die Sprache ihres Landes spricht und die Art ihrer Umgebung verrät, %s, stehen gleichen Sinnes und geeinten Herzens und i lauschen auf den gleichen Naturlaut des W'.dderhorns, der seit Sinais Zeiten die Generationen geweckt und erschüttert hat. Im Fasten und Beten find wir „von Abend bis zum Abend" mit einer Welt vereint in all ihren Teilen, wo jüdische Herzen auch nur noch leise schlagen. Und mit den unsichtbaren und ungeheuren Massen auf Gottes weiter Erde schwingen wir den Feststrauß, stimmen wir, die Thora im Arm, in ein Freudenlied ein, das ungezählte Geschlechter vor uns und unzählbare Millionen um uns in den ganz gleichen Tönen und Worten gesungen und singen - Wer nach Art und Tat, mit Gesinnung und Pflichterfüllung in diese Chöre der Generationen und Millionen nicht mit einstimmt, hat kein Recht, von Nationalismus zu sprechen — auch nicht, wenn er abseits, den Chören willfährig und wohlgefällig Beifall zollt ... Soll aber der Gedanke von der jüdischen „Zusammengehörigkeit in Freud und Leid", soll der harmonische Zusammenklang der gleichgestimmten jüdischen Seelen blos auf die festgelegten Gedenktage beschränkt bleiben, soll mit dem roten Blatte an unserem Abreißkalender am Festesausgang auch das jüdische Gemeinschaftsgefühl verschwinden, bis zum nächsten Feste? Das hieße doch Geist, Zweck und Wesen unserer Feste vollkommen verkennen. - An jedem unserer Wallfahrtsfeste bringt die Thoravorlesung zum Abschiede das Gesetz der „Verzehntung des Ertrages" und, Hand in Hand damit, die Pflicht, dem Bruder betzustehen, der „neben dir verarmt ist", Witwen und Waisen, Lewiten und Fremdlinge mit zu erfreuen. Das will sagen: Trage als des Festes letzten bleibenden Gewinn in die Werktättgkeit das Gemeinschaftsgefühl, das dein Herz allezeit warm halten soll für die Not wie die Freude des Bruders -—- Ein östlicher Rabbiner, dessen feurige und rationelle Art, jüdische Fragen zu behandeln, wir letzthin in Frankfurt zu bewundern Gelegenheit hatten, machte uns in öffentlichem Vorträge auf eine Stelle in M a i m o n t d e s aufmerksam, wonach man den Proselyten, der zum Judentum kommt, unter anderen Gesetzen auch über das der „Nachlese und der Ecken des Feldes" (nKöl nnstP topb). belehren muß. Von 613 Ge- und Verböten die wesentlichsten und grundlegenden und unter diesen ausgerechnet das! Arm eng setz! Der Fremde, der zu uns kommt, muß nämlich wissen, daß Zusammen-! gehörigkeit mit zum Grundwesen des Judentums zählt, daß es im jüdischen Staate keine Enterbten und Enteigneten gibt, solange einer sich seines Besitzes freut, daß der B-rr^,e sich nicht vor des Reichen Türe demütigt, sondern wie dieser aufs freie Feld hinausgeht, wo an einer bestimmten Ecke der Weizen auch für ihn blüht, auf dem Boden, an dem auch er teil hat. Und der Sohn der fremden Nation und Kultur hat sich zunächst auch auf diese Grundlehre der jüdischen Gemeinsamkeit gebührend einzustellen. Wir aber w issen, daß uns die Gemeinschaft gegeben ist, seitdem uns das göttliche Band des Wplfo "l? DAX umschlingt, seitdem Er uns „in Liebe Feste zur Freude, Feiertage und Zeiten zur Wonne" gegeben hat, und in der Werkstatt der Geschichte mit Hammer und Zange und Feuer dieses Band eisern und unzerbrechlich um uns geschmiedet wurde. Unsere Gebete um Tau und Regen, unsere Hauschanauslieder, in denen wir „Wasser der Quelle" und „Wachstum der Ecde" erflehen, strömen aus allen Richtungen der Windrose auf dem heiligen Boden zusammen, zu dem wir alle betend und hoffend Hinblicken. Jedes Land hat seine eigenen Sorgen, seinen eigenen Segen, wir aber müssen auf den Schwingen des Gebetes einem Ziele zustreben. D^as ist Gemeinschaft. Was diese in früherer Zeit bedeutete, dafür nur noch ein Beispiel: die ergreifenden Slichaus und Kinaus bilden den Schlauch der Tränen, die das d e u ts ch e Judentum in den Nöten drrKrevzzüge und später geweint hat. Diese Gebete werden aber, mit noch stärkerer Inbrunst, in ganz gleichem Wortlaut heute noch auch in Polen, Rußland und Galizien verrichtet. D e r O st e n weint über die Leiden des Westens von vor tausend Jahren. Wie stellen wir uns im Westen zu den unsäglichen Gegenwartsleiden des Ostens?-- Wie sich auch die jüdische Zukunft gestalten mag, unter welchen Formen wir auch unser künftiges Haus, bis zum Dache bauen werden, di>: Grundpfeiler werden, wenn das Haus von Bestand sein soll, im Boden des mmp, der jüdischen Zusammengehörigkeit verankert sein. Als man einen Rabbi des vorigen Jahrhunderts (siehe im Buche E'2-i ro "WV

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