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Der Israelit · 1903-04-09 · Heft 28-29 (9.4.1903) · page 38

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 28-29 (9.4.1903)
Date
1903-04-09
Page
– (sequence 38)
Language
German
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Dich treten, wenn nicht als ein anderer Mensch. Ich schwöre es beim Angedenken meiner Mutter!" Dieses Mal klang die Stimme fest und überzeugend. Leopold Schwab stand plötzlich dicht vor seinem Sohne, srine Augen bohrten sich förmlich in das Gesicht des jungen Mannes, als wollten sie dessen innerste Gedanken bis.auf den Grund seiner Seele erforschen. Und als dieser die Augen nicht niederschlug, sondern standhaft diesen unergründlichen Blick aushielt, da trat ein Glanz in Leopold Schwab's Augen, fast wie damals in jenen guten Tagen von Frco's frühester Kindheit. Lange stand er dann abgewendet am Fenster, still vor sich .hinsinnend. Dann, wie in plötzlichem Entschluß sich umwendend, sagte er mit fester Stimme: „Wohl es sei!. Du hast nicht umsonst in diesen schwersten Stunden meines Lebens an die entschwundene Theure erinnert! Ihrem Andenken und dem Andenken dieses ehrenwerthen Jud'en (er zeigte mit erhobener Hand aus das Bild des Urahnen), und dann, es klingt stolz, aber es ist kein Stolz, sondern meine wahrhaftige Ansicht, dem ganzen Stamm will ich noch einmal dieses letzte Opfer bringen. Du siehst mich verständnißlos an ob der letzten Bemerkung. Nun. wenn der Sohn, eines der Reichen in Israel Schmach auf sich häuft, so ist der Jude und nicht der Mensch der Wechselfalscher. Aber bedenke, nie mehr will ich Dich sehend wenn nicht anders, gebessert! 'Kaltblütig wurde ich Dich untergehen lassen, wenn Du ein zweites Mal vergessen solltest, wessen Namen Du trägst! Und merke? Ich selbst bringe-Pich aufs Schiff, wenn eins Dich bessert, so ist es die Luft drüben und die Angst dieser Stunden!" .. v' : - ”'r" 7 Zwei Tage spater hatte Leopold Schwab persönlich seinen Sohn auf einen der großen, prachtvollen Lloyddampfer gebracht. Festen Fußes betrat er eben wieder das Land, während. Fred als einer der Passagiere abschiednehinend herüberwinkte. :;7 Hüben und drüben Schluchzen, ein Winken, Rufen. Nur Leopold Schwab steht unbewegt, hoch aufgerichtet, die Augen Mit der Hand beschüttend, und blickt hinüber. Da wurde mit vielem Geräusch der Anker aufgewunden, die Räder setzten sich, unter Erzeugung ungeheurer Schaumwellen in Bewegung, und unter den lustigen Klängen einer.Mustkkapelle stach das gewaltige Schiff in See. Änd als nun majestäüsch dahmrauschte, ine Personen allmählich verschwommen, , und selbst der stattliche Dampfer schließlich nur noch-als ein riesiger, dunkler Punkt sich vom Horizont abhob, da erst wandte sich Leopold Schwab landeinwärts, während, heiße. glüheNde Thränen unaufhaltsam seinen Augen entströmten. . _ . / ::N Zeitgemälde von I. I. Krsszewski in autorisirter Übertragung. Vater Simon, stets ein Spottvogel, begann mit einem Händedrücken, aber schon bei der Begrüßung kam er auf Spässe. . „Nun? : Wie steht's?" fragte er. „Ohne Beleidigung! Kehrst Du uns zurück als Akiba, oder als Atheist?" / : .;: „Als keins von beiden!" erwiderte Jakob. „Als ganz derselbe, wie vordem, nur ein wenig besorgter um die Zukunft!" „Darum^ brauchtest Du nicht erst zu reisen!" rief Vater Simon. „Das hättest Du auch zu Hause haben können! Ltbcr Du kommst gerade zur rechten Zeit. Wir machen hier Revolution!" ' „O, damit scherze' nicht, Vater Simon!" sprach Heinrich. . 1/ - „A bah! Ich scherze durchaus gar nicht!" fuhr der Spötter fort. „Ich stifte das erste Regiment aus Judemunaen und werde es selbst anführen, in der Sänfte! Es fragt sich nur, was man als Waffe in die Hand nehmen soll?" - ■ . •. ' .: „Scherz bei Seite," sprach'Tilda's Vater. „Aber weißt Du, Herr Jakob, daß hier in der Thai etwas bevorsteht?" /; . ' - „Leider!" flüsterte der Ankömmling. „Täglich mehr überzeuge ich mich davon!" ' : 7/ „Ich sehe aus Deinem Ausrufe, daß Du es nicht billigst. Und ich freue mich darüber!"? -7 - ’ „Wer könnte dies billigen!" > . „Aber man kann sich dagegen stemmen!" rief Mann mit rauher Stimme. „Das sind, mit Erlaubniß, Rappelköpfe, Rasende. Mit ihnen spricht man, wie mit den Wänden. Man muß an sich denken und seine Moneten retten!" - 7 •//;./: - „Ja! Den Rockschoß in die Hand und dann — wieder nach der Tradition — die Beine!" rief Vater

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