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Der Israelit · 1903-12-07 · Heft 97 (7.12.1903) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 97 (7.12.1903)
Date
1903-12-07
Page
– (sequence 19)
Language
German
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>«WWWW DMWDWNMWMMWWWWMH ^HMMWKMKWWHWEDBMM MM zergliedern und runde, prononzirte Charaktere zu entwickeln. Keine komplizirte Komposition, lauter kleine Vorwürfe — alles in Beobachtung. Charakteristik, Stimmung aufgelöst — kleine Ausschnitte aus dem Leben ..vus par le, teniperameut“. wie Zola sagt. „Amieke" und „Ein Iu denstreich?" sind geniitz die tiefempfundensten und zartesten dieser Novellen: das innere Weh einer erblindeten, blutjungen Frau, die in eifersüchtiger Sorge die frische Schönheit des Dienstmädchens heraustastet in dem einen, das schwer errungene Eheglück eines jüdisch-christlichen Paares, zwischen das zuletzt doch entfremdend der beschworene Schatten des Konfessionsunterschiedes tritt, im andern. An feiner, psychologischer Ciselirung und kräftigem Humor ist die Skizze des jüdischen „Begräbnisses" reich, die tiefe Tragik eines jungen Mannes, dein eine unheilbare Krankheit nach scheinbarer Genesung das Glück einer tiefen, heißen Liebe vernichtet, ergreift in der „Heirath" das mitempfindende Herz. Von kunstreicher, feiner Zeichnung ist die kleine Novelle „Das Mädchen", wo die zärtlichen und Zornigen Leidenschaften eines jungen Paares aus Rücksicht auf die Blamage vor dem Dienstmädchen „immer unter dem Eise sieden." „Bep, der thörichte Junge," flieht aus Furcht, für seinen Bruder, einen Mediziner, ein interessanter Fall zu werden und stirbt auf dem Meere. — Auch diesem neuesten Werke Heijermans ist die weiteste Verbreitung zu wünschen. In Bezug auf Ausstattung reiht sich dieses Buch dem im gleichen Verlage erschienenen Srizzenband würdig an. Timon Eichelkatz und anderes. Von Ulrich Frank. Breslau, Schottlaender. 1903. Die beiden Erzählungen „Simon Eichelkah" und „Zwei Sabbatnachmittage" sind von einer Echtfärbigteit des Kolorits, die an Vernstein's und Kompert's preußisch-polnische und böhmische Judengcschichtea erinnert, dabei aber entbehren sie des Distanzgefühls nicht, in dem sich der Unterschied der Zeit kundgibt, wie es auch an dem Erzähler selbst nicht spurlos geblieben. Von der heutigen Wirklichkeit her sieht sich das Ghetto anders an, als vor fünfzig Jahren, und der heutige Erzähler steht nicht mit der ersten Hälfte seines Lebenslaufes selbst und leibhaftig im Ghetto, wie es bei Bernstein und Konipert der Fall war. Ulrich Frank ist das Pseudonym einer Frau, die, wenn wir nicht irren, von Geburt eine Oberschlesierin ist, bereits eine Anzahl tüchtiger und gern gelesener Romane veröffentlicht hat, und nun ins unvergessene Hekmathsnest zurücklangt, um Erinnerungen der Jugendzeit zu erneuern und künstlerisch zu gestalten. Durch diese nachträgliche Eroberung des oberschlesischen Ghettos erfährt das Gebiet der Ghettogeschichte eine Erweiterung, um derentwillen allein schon, auch von ihrem rein litterarischen Werthe abgesehen, diese Erzählungen Ulrich Frank's mit freundlichstem Interesse zu begrüßen sind. Dieser alte, weise Simon Eichelkatz ist eine echte Ghettofigur, oder sagen wir lieber, eine echte Figur der Ghettogeschichte, wie der alte, nachdenkliche, philosophierende Bauer eine echte Gestalt des Dorfes und der Dorfgeschichte war und ist. Aber freilich will es uns ein wenig zu modern scheinen, die Weisheit des Simon Eichelkatz, dessen Sohn ein berühmter Vertreter von Nietzsche's Philosophie geworden ist und seine Konfession verändert hat, in einem wenn auch dem Alten im Ghetto unbewußten-Zusammenhang mit der Uebermenschen- und Umwerthungslehre zü bringen. Zweifellos haben sich auch aus dem Ghetto Fäden zur übrigen Welt hinübergesponnen, aber daß die beiden Enden eines solchen Fadens der Professor Friedrich Eichner und Simon Eichelkatz sind, dünkt uns doch eine etwas künstliche Konstruktion, eine Konstruktion expostzu sein. Wäre dies nichts so würden wir von der Geschichte des Simon Eichelkatz rückhaltlos rühmen können, daß sie ein Meister- und Musterstllck der Gattung sei. Treu in der Farbe, warm und herzlich in der Empfindung, klug nud wahr, in der Charakteristik und ohne aufdringliche oder selbstgefällige Tendenz. Auch die Geschichte „Zwei Sabbatnachmittage" ist gut und ergreifend erzählt: auch hier, aber weniger künstlich, schildert Ulrich Frank den Zusammenhang zwischen der Ghetto- und der Nachghettozeit mit seinen Unstimmigkeiten und Konflikten. Die Erzählung hat sogar in dieser ztveiten Geschichte einen besseren, glatteren Fluß, als in der ersten mit ihrer Tagebuchrelation, die doch immer wie das Weitererzählen von Erzähltem wirkt. Wenn man nun Ulrich Frank der Reihe anfllgt, welcher Verthold Auerbach und Leopold Kompert angehört, so ist dieser neuesten Erzählerin von Ghettogeschichten, dieser Schehezerade des Ghctto's. verdiente Anerkennung gewahrt. Man kann sie herzhaft neben jenen loben; sie ist. soviel uns bewußt, die einzige Ghettodichterin, jedenfalls die einzige. die man litterarisch ernst zu nehmen hat. TaS Grab am Rhein. Roman yon Gustav Adolf Müller, Verfasser der „Nachtigall von Cesenheim." Verlag von L. v. V a n g e r o w, Bremerhaven. 203 S. ' In diesem den Leser in steigender Spannung haltenden, ergreifenden Roman, der sich auf der Hohe der wiedererstandcnen Römerfeste Saalburg zwischen einer blonden Germanin und einem jungen römischen Offizier abspielt, gibt Gustav Adolf Müller, der sich mit seinen Epen „Die Nachtigall von Sesenheim", „Der Pfeifer von Dusenbach" und seine Romane und Novellen („Brautnacht", „Braut von Fwkensholt") einen festen Leserkreis geschaffen hat, keine phantastischen Schilderungen, sondern er stellt die Erzählung, wie sie sich am römischen Grenzwall abspielte, auf den

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