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Der Israelit · 1903-10-05 · Heft 79-80 (5.10.1903) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 79-80 (5.10.1903)
Date
1903-10-05
Page
– (sequence 19)
Language
German
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für Lehrgeld, Unterricht und Werkzeuge 1206.60 Mk. verausgabte. An Stipendien wurden während der letzten zwei Jahre WO Mk. gewährt. Die Gesämmtausgo.be für die verflossenen drei Jahre betrug 7162.13 Mark: das Vereinsvermögen ist auf 42,817.83 Ml. angewachsen. Die Abrechnung wurde als richtig anertannt und dem Kaffirer Decharge ertheilt. Bei den alsdann vorgenommenen Vorstandswahlen wurden die ausscheidenden Herren Dr. Ferd. Gobert, Joseph Jkl6 und D. Braasch durch Zuruf wiedergewählt, ebenso wie die Herren Jakob Nordheim und Egen Lion als Revisoren. Posen. In den „Histor. Monatsblättern für die Provinz Posen" macht I. Landsberger aus den Akten des Posener Staatsarchivs einige interessante Mittheilungen über die „Emanzipationsbestrebungen am' Ende des 18. Jahrhunderts zu Gunsten der Posenschen Juden." Derselbe schreibt: „Sogleich nach der Erwerbung Südpreußens (1793).ließ es sich die Negierung sehr angelegen sein, die Lage der dortigen Ju-' den zu verbessern, weil sie, wie der Minister v. Boß schon in einem Reskript vom Januar 1794 aussprach, der Ansicht war, daß im Ganzen genommen der südpreußische Jude ein kultivirterer Mensch sei, als der Bürger in den kleinen Städten und der Bauer auf dem platten Lande. Der Minister wollte daher der Industrie der Juden aufhelfen, zugleich empfiehlt er der Erwägung des neuernannten Oberpräsidenten von Süpreußen, v. Buchholz, ob jenen nicht die Anlegung von Ackerwirthschaften verstecktet werden könne. Noch weiter ging der Minister für Schlesien, Graf Hoym, zugleich Nachfolger Boß' für Südpreußen, der in einer Denkschrift vom März 1795 aussprach, die Juden müßten, um sie zu glücklichen Mitgliedern der bürgerlichen Gesellschaft zu machen, vollkommen gleiche Rechte mit den übrigen Unterthanen erhalten. Hierin stimmte denn freilich die Posener Kriegs- und Domänekammer, die sich über jene Denkschrift des Ministers gutachtlich zu äußern hatte, Hoym nicht ganz zu; immerhin war sie so weit mit dessen Ideen einverstanden,'daß sie sich dafür aussprach, die Juden sollten in allen den Punkten, die nicht genauer festgesetzt seien, in der Regel nach dem Recht der christlichen Bewohner der Provinz behandelt werden. Aber Hoym wollte entschieden weitergehen; er verlangte in seinem Reskript an die Kammer vom August 1795 gewisse Nachweise, um darüber Beschluß zu fassen, wie weit den'südpreußischen Juden ein ausgedehnterer Haüdel, Betrieb der Handwerke, sowie der Ankauf städtischer Häuser und Grundstücke zugestanden werden könnte u. dgl. m. Dann erklärt das Aktenstück weiter, der König sei „gesonnen, die jüdische Volksklasse ln Südpreuhen den Wohlthaten und Gerechtsamen der dortigen christlichen Bürger und Unterthanen möglich nahe zu führen, um in dieser Provinz, wo der Zunftzwang.wenig Hindernisse in den Weg legen wird, ein Beispiel aufzustellert, daß der jüdische Staatsbürger, sobald er seinerseits seinen Verbindlichkeiten nachkommt und selbige ebenso wie die christlichen Einwohner erfüllt, auch in seinen Nations- und Religionsverhältnissen dem Staat durch gehörige Einschränkungen nicht schädlich werden kann, keineswegs . wegen seiner Religion in Druck gehalten, sondern in gute und möglichst gleiche Nahrungsverhältnisse mit allen Einwohnern im Staat, nach Maßgabe feines Standes und Gewerbes, gesetzt werden muß." Diese ~ schönen, löblichen Grundsätze konnten.denn freilich nicht auf einmal in's Leben geführt werden; immerhin gewährte nicht nur das General-Judenreglement für Posen vom 17. April 1797 den Juden sehr wesentliche Verbesserungen ihrer Lage, sondern wir sehen auch nach dessen Erlaß die leitenden Kreise bemüht, die Juden der christlichen Bevölkerung anzunähern; als letztes Ziel dieser ganzen Judenpolitik nämlich wird — in einem Reskript vom Dezember 1797 — bezeichnet „die politische Einheit dieses Volkes zu vernichten, die Juden also in die deutsche Nation aufgehen zu lassen." Ungarn. Budapest. (Der israelitische Gottesdien st in der k. u. k. Kriegsmarine.) Wie von wohlunterrichteter Seite gemeldet wird, wird seit einer Reihe von Jahren, dank der Fürsorge der hohen Behörde, in Pola für unsere Glaubensgenossen, die' ihre Präsenzdienstzeit bei der k. u. k. Marine ableisten und in Pola stationirt.sind, am Passah-Feste, arn Neujahrs- und Versöhnungstage im Sinne des Dienst- Reglements ein Gottesdienst abgehalten, an welchem nach Maßgabe des Dienstes die israelitischen k. u. k. Marinesoldaten freiwillig theilnehmen. Es ist dies der einzige, jüdische k. u. k. Marine-Gottesdienst in ganz Oesterreich-Ungarn. Bedauerlicherweise erfüllt' dieser Gottesdienst aber nicht seinen Zweck, zumal der von der Triester Kultusgemeinde entsandte Funktionär, obwohl ein ganz tüchtiger und stimmbegabter Chasan, seitens der israelitischen Marinesoldaten, die fast ausnahmslos aus Ungarn, Böhmen etc. sich rekrutiren und an den aschkenasischen Gottesdienst von Haus aus gewöhnt sind, deßhalb nicht verstanden wird, weil er nach sephardischem Ritus vorbetet. Dazu kommt noch, daß fast kein einziger der Soldaten mit einem Festtagsgebetbuch (Machsor) versehen ist, sich ein solches auch in Pola nicht verschaffen'kann. In Anbetracht dieses Umstandes glaubt^Schreiber die-, ses an die löbliche-Israelitische Allianz zu Wien, die doch die jüdischen Interessen unserer Gesammt-Monarchie vertritt und auch eine Filiale in Triest besitzt; die Bitte richten zu sollen, sie möge, etwa im Wege der Triester Kultusgemeinde bewirken, daß ein tüchtiger, aschkenasischer Vorbeter nach Pola entsandt und jedem Soldaten ein Festtags-Gebetbuch — womöglich über-

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