Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 21 (14.3.1904)
- Date
- 1904-03-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Zionisten ad absurdum geführt. Man muß diese Aufsätze lesen, um wahren, hebräischen, köstlichen Witz, gepaart mit edler, religiöser Begeisterung zu genießen. Eine hebräische Uebersetzung von Gräh, „Geschichte der Juden," wird recensirt. Auch das geschieht mit einer Objektivität und Gründlichkeit, die nichts zu wünschen übrig läßt. Die Grätz'schen Ausstellungen werden an einigen Stellen widerlegt, dem Uebersetzer aber, der stch auf Kosten des Autors überheben will, wird durch interessante Enthüllungen heimgeleuchtet. — Die talmudisch-historische Forschung nach Art des „Dorotb-Horischonim" ist hier sehr ausgiebig vertreten. Unter der Ueberschrift iw nnM wird auf vierzehn Seiten die Periode der ndmzn ns» ausführlich behandelt und an der Hand des talmudischen Schriftthums die leichtfertigen Kombinationen der Weiß, Frankl'schen Schule blosgesiellt. Diese wissenschaftlichen Aufsätze verdienen die weiteste Verbreitung, und es wäre ein großes Verdienst, einzelne Theile derselben auch in die deutsche Sprache zu übersetzen. In einem Schlnßartikel referirt der gelehrte Redakteur selbst über die Entstehung und Bedeutung des Rabbinerkongresses in Krakau. Bekanntlich fungirte der Verfasser als Schriftführer bei diesem Kongresse und ist gewiß berufen. die bisher erschienenen Schriften über den Kongreß mit seinen Wahrnehmungen zu ergänzen. — In der Rubrik. reeom ra&ana' werden auch die wichtigsten jüdischen Ereignisse kurz resümirt. Dem Vernehmen nach wird diese herrliche Monatsschrift demnächst in ein Wochenblatt verwandelt werden. Das Ministerium des Innern hat dem Redakteur auch die Herausgabe eines Tageblattes gestattet. Und es wäre zu wünschen, daß dieser Plan möglichst bald verwirklicht werde. Bezeichnend ist, daß die zionistischen Organe, voran „die Welt", und sämmtliche hebräischen Tagesblätter, den „Hapeles" bei jeder Gelegenheit beschimpfen. Dieses wüthende Treiben gegen eine orthodoxe Monatsschrift erinnert an das alte Wort: cxsn p'sa hi-d. Allerdings ist es den „Aufklärungen des „Hapeles" zu danken, daß nach dem ersten zionistischen Rausch in weiten jüdischen Kreisen Ernüchterung eingetreten ist. Dem wackeren Redakteur rufen wir zu: .rc« bv 2211 n^s. ZettrrttgsrrachrZHLen rmd Correspondenzen. Deutschland. '' Berlin, 6. März. Am Anfang des zu Ende - gehenden Wintersemesters wurde hier eine „Vereinigung "jüdischer Akademiker" begründet mit der Absicht, einen Zusammenschluß gleichgesinnter gegenwärtiger Studirender und ehemaliger Akademiker, die auf gesetzestreuem Boden ,.eqen. herbeizuführen. Die Vereinigung zählte achtzehn Mitglieder, von welchen vierzehn immatriculirte Studenten waren. Es fand allwöchentlich eine Sitzung statt, in welcher über jüdische wissenschaftliche Themata Vorträge gehalten wurden und Geselligkeit gepflegt wurde. Aus den ehemaligen Studirenden wurde zum zweiten Vorsitzenden Herr Dr. Meier Hildesheimer gewählt. Erster Vorsitzender im Wintersemester war Herr cand. med. S. Möller und wird im Sommersemester Herr cand. phil. R. Prager, Kaiser Wilhelmstraße 39, sein, an welchen auch Anfragen zu richten sind. Berlin. Wie aus Petersburg berichtet wird, schlagen dortige judenfreundliche Blätter vor, daß alle verheiratheten jüdischen Soldaten in Rußland, welche in den Krieg ziehen müssen, einen Get (Scheidebrief) beim Rabbinat hinterlegen, damit ihre Frauen, falls die Männer „vermißt" werden und ein Todesnachwei? nicht zu erbringen ist, wieder heirathen können. Der Oberrabbiner von Lodz fruss. Polen) hat ebenfalls bereits diese Vorsorge getroffen. Diese Gitin al tenai wurden auch in früheren Kriegen gegeben. Frankfurt a. M., 10. Marz. (Jüdische Kunstdenkmäler.) Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler hielt vor einigen Tagen in der Frankfurt-Loge unter Vorsitz von CH. Hallgarten ihre zweite ordentliche Hauptversammlung ab. Die Mitgliederzahl ist gestiegen. Im abgelaufenen Jahr wurde im Rotizblatt Rr. 2 ein reichillustrirtes Doppelheft der Mittheilungen über Kultusgegenstände in Synagoge und Haus herausgegeben. Der Verein bedarf größerer Beträge und Zuschüsse, um seine Ziele fordern zu können. Man will übrigens dem Gedanken nähertreten, die bereits erworbene Sammlung von Photographien, Aquarellen, Kupferstichen, Radirungen, Holzschnitten, Büchern, Pergamentmanuskripten und Originalgegenständen, zu einer Ausstellung zu vereinigen. Direktor Frauberger-Düsseldorf hat durch wiederholte Reisen nach Paris. Brüssel. London, Amsterdam. Wien, Budapest, Prag, Dresden, Berlin, München. Straßburg und Basel einen Ueberblick über die Fortschritte der Gesellschaft gewonnen. Sein Pericht brachte interessante Einzelheiten. Der Kassenbericht weist eine Einnahme von 4320 M. und eine Ausgabe von 4356 M. auf: der Kassenvorrath betrug Ende vorigen Jahres 2896 M. Hamburg, 10. März. Soeben erhalte ich die von Herrn Dr. Ehrentreu. Schwiegersohn des Herrn Oberrabbiner Hirsch- Hamburg verfaßte Broschüre, welche das vor mehr als Jahresfrist von Herrn Oberrabbiner L e r n e r in der Zeitschrift veröffentlichte Gutachten über Exhumirung und Afchenurnenbeisetzung in einer Weise beleuchtet, die im Interesse der Wahrheit und der rnrnpn lirrs» eine Erwiderung herausfordert.