Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 78-79 (30.9.1902)
- Date
- 1902-09-30
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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1684 Es folgt nun als zweiter Punkt der Tagesordnung der Bericht Über die Verhandlungen des letzten Verbandstages, erstattet vom Delegirten Apt-Emden. Vor Entgegennahme des Berichtes erbittet Herr Dr. Mannheimer das Wort und erklärt, daß er aus naheliegenden Gründen während dieses Punktes das Versammlungslokal verlasse. Dieses geschieht. Darauf verbreitet sich Kollege Apt zunächst über den Empfang und die freundliche Aufnahme, die er wie alle Kollegen in der alten Hansestadt gefunden, und schildert dann die Eindrücke, die er durch die dort gepflogenen Verhandlungen gewonnen habe. In einem besonderen Vortrage sucht er nachzuweisen, wie er als Delegierte des ihm ertheilten Auftrages sich entledigt und zu den verschiedenen Fragen der Tagesordnung Stellung genommen habe. — . % Die Besprechung, die sich daran knüpfte, wurde als eine streng vertrauliche bezeichnet, daher wird dieser Theil des Besprechung durch daT Protekoll nicht „veröffentlicht". Folgende Resolution gelangt einstimmig zur Annahme: „Der Verein jüdischer Lehrer in den Rabbinatsbezirken Emden-Oldenbnrg-Vremen erklärt, treu zum Verbände der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche zu stehen, wünscht indessen, daß das Verbandsorgan im Interesse .des Friedens und der Eintracht in Zukunft eine volle Objektivität in allen Fragen wahre." Währenddessen haben auch die Rechnungsprüfer ihre Arbeit vollendet und durch Namensunterschrift bezeugt, daß gegen die Rechnungslage nichts zu erinnern sei, worauf dann dem Vorsitzenden, als dem Rechnungsführer, / von der Konferenz Entlastung ertheilt wird. Nachdem nun noch der Vorsitzende die inzwischen eingegangene..telegraphische Antwort des Landrabbiners Dr. Löb mitgetheilt hat, erhält Kollege Löwenstein das Wort zu seinem Referat über das Verbandsthemä: Die Psalmen im Religionsunterrichte. Der Referent bemerkt einleitend, daß ihm, da bereits fast, alle dem Verbände angehörenden Vereine das Verbandsthema in ihren Konferenzen behandelt hätten und die Berschte darüber im Verbandsorgan veröffentlicht seien, eigentlich wenig zur Ergänzung übrig bleibe, und es dqher für unsere heutige Versammlung wohl genügen dürfe, wenn er in knapper Form seine Ansichten über .den in Rede stehenden Gegenstand entwickele. Referent wirft nun zunächst einen kurzen geschichtlichen Rückblick, auf den Religionsunterricht in früherer Zeit und schssdert den Entwickelungsgang dieser Disziplin bis in hie Gegenwart.. Er betont, daß der seit einem Jahrhundert dem Lehrplan der jüdischen Religionsschule esngesügte systematische Religionsunterricht nicht im Stande sei, alles dasjenige zu ersetzen, was' wegen Zeitmangels ausfallen mußte, um das Kind zu einem vollen Juden zu erziehen. An die jüdische Schule trete darum die Frage heran, welches wohl die geeignetsten Mittel seien, um in dem jüdischen Schüler die Anhänglichkeit an die angestammte Religion zu erwecken und zu erhalten. Da seien es denn in der That die Psalmen, die durch ihre zu Herzen gehende Sprache uns um einen Schritt weiter an das Ziel bringen würden. Der Werth der Psalmen sei auch von den Alten erkannt worden, das zeige ganz deutlich die Einrichtung unseres Gebetbuches mit der trefflichen Auslese dieser Herzensergüsse. Die nun in der Tefilla enthaltenen Psalmen vorzugsweise zum Gemeingute unserer Jugend zu machen, sei Aufgabe der heutigen Religionsschule. Doch könne der Unterricht in den Psalmen immerhin nur ein anlehnender sein. Auf Mittel- und Unterstufe seien dieselben beim hebräischen Leseunterricht mit besonderer Sorgfalt zu berücksichtigen, und durch fleißige Uebung müßten es selbst die Kleinen zur Bekanntschaft mit einigen dieser Lesestücke bringen; auf der Oberstufe aber sollen die Psalmen beim Unterrichte in der biblischen Geschichte, beim Uebersetzen der Gebete und beim systematischen Religionsunterrichte Verwendung finden. Nachdem der Referent noch einige methodische Winke für die Behäudlungsweise der Psalmen und ihre Einordnung in den system. Religionsunterricht gegeben, schließt er seinen anziehenden Vortrag, für welchen der Vorsitzende den Dank der Versammlung ausspricht. Aus der nun. folgenden Debatte, an der sich die Herren Dr. Mannheimer, Meyer-Leer, Selig, Wolfs, Klein und Vernheim betheiligen, geht hervor, daß die Ausführungen, des Referenten im allgemeinen die Zustimmung der Konferenz finden. Dies zeigt sich auch, bei der Annahme der aufgestellten Thesen, welche lauten: : - lj Die Psalmen, ein wesentlicher Theil der Bibel, sollen auch einen wesentlichen Theil des Religionsunterrichts bildem - 2) Beim hebr. Lesen, beim Uebersetzen der Gebete'. bei . der biblischen Geschichte und beim syllem. Religionsunterrichtesind sie zu verwenden.. . Die Konferenz fügt zu diesen beiden Leitsätzen noch folgende Forderung hinzur -; - : „Die Psalmen sollen in den Religionsbüchern mehr. Berücksichtigung als bisher finden." V ' Wegen vorgerückter Zeit wird im Einverständniß mit dem. Herrn Referenten Punkt 4 von der Tagesordnung abgesetzt und als erstes Thema der nächstjährigen Konferenz zugewiesen, deren Anberaumung dem Vorstande überlassen wird. Der Vorsitzende wird sodann beauftragt, den Verbandsvorstand zu ersuchen, das Verbandsthema in Zukunft so zeitig bekannt zu geben, daß es dem Referenten in der Konferenz für die nächste Jahresversammlung mitgetheilt werden kann. Zu diesem Zwecke wären im Dezember dieses Jahres zwei Themata zu bestimmen. Darauf erbietet sich Kollege Weinberg zur Uebernahme des Verbandsthema fiir's nächste Jahr. Dieses Anerbieten nimmt die Konferenz mit Befriedigung entgegen. - Ferner wird beschlossen.