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Der Israelit · 1887-12-22 · Heft 99 (22.12.1887) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 99 (22.12.1887)
Date
1887-12-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVM. Jcchrgang. Erste Beilage zu Nr. 99 -es Israelit.' Leitender Artikel. Aas israetiLilchc Hemeindeteöen in IÜnnänien. LrsrÄr Adchkilung: Re me dien tXl—5). i:cn Bp. X. Filj Ke« ('oriuan. (Lchtux.) * Ich werde bei den geschätzten Lesern dieser Blätter sicher nicht mehr in Verdacht kommen, daß ich die rumänischen Israeliten schädigen oder zu Unrecht anklagen will. Meine Korrespondenzen und Artikel dis jetzt sind denselben zu bekannt, um mir eine andere Absicht zuzuschreiben, als die, in jeder nur möglichen Weise den rumänischen Israeliten uneigennützig zu dienen und auszuhclfcn. Allein der Wahrheit die Ehre. Die ich schon in dem ersten Thcil dieser Aufsätze im Allgenlcir.cn ausgedrückt, ist einer der mehreren Gründe, in Folge welcher ein Vereins-, oder Gemcindelcbcn scheitert in der, geradezu gesagt: Verrücktheit zu suchen „Präsident", „Ausschuß", „Baal-Taxe", „Epitrop", „Gabbm" oder sonst was in der Gemeinde, Synagoge, Verein sein zu wollen, oder wie man im rumänisch-jüdischen Jargon sagt: „sich zu „kühlen" (von Kahal-Kuhl, in der K'hilla eine Nolle spielen, synonym mit „Wichtigthun"). Gerade ein solches Zusammcnspannen von Vorständen verschiedener Synagogen — es sind, genau genommen, nur Bctgcmeinschaften — und Präsidenten verschiedener Vereine, deren Zwecke meistens von den Präsidenten selbst in einer schlaflosen größenträumerischen Stacht eben blos dazu ausgchcckt wurden, um sich dann als „Präsident" u. s. w. „kühlen" zu können — gerade ein solches heterogenes Gcmcngsel ist das Verderben der Gemeinden, wenn sie cristiren und die absolute Unmöglichkeit eine Gemeinde hcrznstellcn. wenn sie seit 1866 zürn hundertsten (oder soll ich gleich sagen: zum tausendsten?) Male avseinandergegangcn ist. Schon bei der ersten Anregung ein „Ächdns" herzustellc», heißt cs: die Synagoge der Hausircr oder Schuster n. s. w. will sechs oder wieviel Mitglieder zur Gemeinde v o r st a n d s ch a s t stellen. Ter Umstand allein, daß man sich nicht als Israeliten, sondern als Schuhmacher rc. ungcbcrcn zum „Negiereu" meldet, ist nicht nur hochkomisch, sondern vor Allem der Erisapfel. Der Hausircrz. B. ist allerdings ein Mensch, wie jeder andere und bei der uralten. durch ihre gemeinsamen Leiden nur gestärkten thcodcurokratischen „Kol - Iisroel chavLrim" zu Allem berechtigt; allein er verkennt sicher feine Stellung in der Gesellschaft, wenn er sich gerade zum Negieren tauglich und berufen fühlt. Die Unbescheidenheit ober die darin liegt, ist für Andere verletzend und hat sogleich zur Folge, daß cia Ladenbcsttzcrlvon der „Laapsker — Leipziger, fast sämmtliche Manufakrur-Waaren wurden früher aus Leipzig importirt. daher der Name „Leipziger für „Manufakturisten-" oder „Ssochrischcn Schul'" also) mit einem Hausircr, d. h. Kaufmann letzter Klaffe nicht im Vorstand sitzen will. Und so macht sich der „Jichus" iinmcr breit unter denjenigen, die in dem Bestreben ein ..Achdus" herzustcllen „einig" sind. Ob die Mitgliederzahl, welche diese oder jene Synagoge bezw. Verein stellen „Will", das E?ged« nitz eines Eem'us ihrer Mitglieder ist oder nicht, ob sie zugleich die Absicht kundthun an Z.B. direkten Einzahlungen mehr dcizutragen, um dadurch das Verlangen einer größeren Vertretung zu rechtfertigen; dies und daß viele Hunde des Hasen Tod sind, wird nicht erwogen. Es ist eben blos das ..Kuhlen", welches die Einen zum unberechtigten Fordern und die Anderen zum oft unberechtigten Abwcisen veranlaßt. Noch schlimmer ist es, wen» Privarvereine — selbst, wenn sic der allgemeinen Wohllhätigkeit dienen. — Dclcgirte stellen wollen, oder auch nur sollen. Was ein Vcreiusdclegirtcr als solcher in der Gcmeindcvorstcherschaft zu suchen hat, ist schwer zu errathen. Als ob die Gemeinde nicht alles umfaffcn könnte, was zu den Lcbcnsänßcrungc» einer Mehrheit von Menschen gehört! Als ob innerhalb einer noch so wohlorganisirtcn Gemeinde nicht auch Privarvereine cxistiren dürfen, die zu ihrem eigenen Vergnügen den lieber» flnfj ihrer Mitglieder an leidende Menschen verthellcu, ohne daß diese Thätigkcit just Sache der Gemeinde sein soll'. Sticht anders sicht diese Art eine Gemeinde, vcrtrclnng znsammenzubringcn aus, als, wie die rumänischen Israeliten selber noch unter mittelalterlichem Truck stehen, sie sich in diese anderwärts länstvergarrgcne Zeit so hineingelebt haben, datz sie in ihren Gemeindevertretungen die Parodie der „Landstände" des mittelalterlichen Rcgicrungssystems deizubehaltcn müycn glauben! . Wie man sicht, ist eS nicht der rechte Weg gleich von vornherein alle die Elemente zu einer

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