Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 71 (12.9.1887)
- Date
- 1887-09-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1309 ci:i) einen Baal-Tenlah (Vorbctcr) bestellen oder sogar einen Ehacham auftreiben, der während der hohen Feiertage die kleine OJcmeinbc, die das ganze Zabr hindurch auf eine Teraschah verzichten muß, belehre, ermahne und erbaue, alles Gegenstände, für drc die genannte Stadt mit ihren jüdischen Buchhandlungen, Lothe-Midraschim und zahlreichen Synagogen den Hauptmarkt bildet, wo man sich das Aörhige auch zu einem beliebigen Preise ninca r*x rr, fö wie die Mittel des Einzelnen oder der Gernemdcu es zulaffeu, sich am'chaffen kann. Auf -rameelen und Pferden, auf Dampf- und Segelbooten, zu Fuß oder beritten, einzeln oder mit Len Karawanen eilen mm die Juden Mesopotamiens oder mit den Talmudlehrern zu sprechen, der 7za n;~a (Provinz Label) nach der einmaligen Khalrsenstadt, um dort die zur Erfüllung ihrer religiösen Pflichten und Obliegenheiten nöthigen Personen und Gegenstände zu bestellen und sic daun mit sich heim zu bringen. Zwar kann mau auch in Mossul und Hileh gute und billige Gebetbücher. Talessim und Schofaroth kaufen und zwar 7.1 beliebigen Preisen und in beliebiger Auswahl - die jüdischen Buchhändler MossnlS stehen mit >lo:maminopel, Smyrna und Jerusalem in direkter Verbindung — aber der strengreligiöse Jude ist nicht nur in seinen religiösen Anschauungen, sondern Allcm.'was mit seinem heiligen Glauben znsammenbängt. streng conscn'aliv, und da er schon seit jeher gemahnt ist und meist, dag cS auch seinen Eltern nndBorelrern so gethan haben, die religiösen Behelssmittel cu-i-Lagdad zu beziehen, so bleibt er, wenn er nur immerhin kann, dieser Stadt noch weiter treu und (Uhl ihr mir seiner Kundschaft nicht weiter. Zumal übt das in der Geschichte so berühmte und w»J den arabischen, persischen und türkischen Tichtcru so verherrlichte Bagdad mit seiner großen Iudengsiiieinde, seinen zahlreichen Synagogen und Bothe- Aidraschim, seinen bunten und interessanten jüdischen Birgen und Legenden noch heute auf die Juden Lorderasiens denselben Nerz auS, wie etwa Prag auf die deutschen Inden und da Bagdad auch eine proste Harrdelsstadt ist, und Tank seiner vielen Tümpsschin-i-linien auch mit Indien. Persien, Äraren. Egypten, Konstantinopel, Triest, Marseille m:d London in Berbindung steht, so zieht es der mewporamische Jude jeder anderen Stadt vor, 'cldü^wenn die 5!eise dorthin ihn etwas mehr Geld mW Strapazen kostet und wenn er das Gewünschte ^-rr «was thenercr bezahlen muß. Am eisten Tag Selichoih steht man in den '&3H genannten drei jüdischen Gemeinden, welche -re tonangebenden Mesopotamiens sind, schon um zwei Uhr Morgen? auf, um in das GottcShanS zu eilen. Wie im Abendland so gehen auch in Mesopotamien die Schamoschim (Syn'agogendiener) die Leute Ivcckcn", wobei sie andre kleinen GlaSsensterchen, die großen Glasscheiben sind dort noch fetten und thener, der Häuser klopren. In Bagdad, wo nahezu -10,000 Inden wohnen, ist das Zudenviertel zu diesem Zwecke in mehrere Rayone getheilt, und in einem jeden dieser Rayone weckt ein anderer Schameß die Leute zu Sclichoth. Rach einer uralten Sitte sind die jüdischen Frauen Mesopotamiens vom Sclichothgcbete gänzlich dispcnfirt. Die besonders Frommen stehen indeß statt erst um zwei schon um Mitternacht ans, um vor dem Synago« genbesnche noch rxn (Klagen über Zerstörung Jerusalems) machen zu können. Tie Mittclfrommcn begnügen sich indeß damit, daß sie in der Synagoge selbst da? Klagelied: rb'b' car ra» ♦Vrvi 7j? ab« singen. Run stimmt der Hasan die Selichoh: zv 2yxt L-p 2N77! 7n an und mir derselben hat nun die erste heilige Zeit ihren Einzug in unsere Synagogen und Herzen gehalten. Da in den zwanzig Synagogen Bagdads die Kohanim jeden Tag zum Tuchenen (Segenertheilnug) gehen, so machen die Selichothtage selbstverständlich keine Ausnahme von dcr Regel, nur daß sich die Leuten während dieser heiligen Tage mehr beeilen und befleißen, deS Priesters Segen theilhaftig zu werden. Am Erew Rosch-Haschanah besucht man auch in Mesopotamien die Gräber der Eltern, Boreltcra und großer Männer, um sich auf dieser durch die Pietät geweihten Erde ein glückliches neu.? Jahr zu erflehen. Uulerdesseu besuchen die Frauen und Mädchen den Fischmarkt, der auch in Bagdad und Mofful, welche zwei Städte am Tigris (7p-rn) liegen. als auch in Hilleh, an dessen Mauern der Euvhrat vorbeifließt, an Mannigfaltigkeit der Gattungen und an dcr Bortrcfflichleit seiner Waare nichts zu wünschen übrig läßt. Man kann daher auch auf den Ruinen Babels und Rinivchs gltt gesottene Karpfen und sein gebratene Hechte essen. Zu Mittag begnügen sich die meisten Leute, da sie noch in den Bazars und Magazinen beschäftigt sind, und schnell ihre Arbeit vollenden und ihre Eorrespoudenzcn erledigen wollen, mit einem Stücke Brot und einer Handvoll Datteln. (Schluß folgt.) Wochen - Kalender. IG. L<t-icmdrr. 27. (rflul. Lamstäg, 17. dtpumbtr. 2S. (HIul C"2»J Labbsr-ÄuSgang 6 Uhr 55 Win. (Wainzrr Uhr).