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Der Israelit · 1887-09-12 · Heft 71 (12.9.1887) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 71 (12.9.1887)
Date
1887-09-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Miß, „ach längerem Krankenlager in seinem «5. Lebensjahre an Altersschwäche. Der Verstorbene, welcher in der hiesigen Gemeinde durch volle 50 Jahre seines heiligen Amtes waltete, gehörte der streng orthodoxen Richtung an. Er erfreute sich der Biederkeit und Unbestechlichkeit seines EharakterS, seiner wahren iingehcnchclten Frömmigkeit und seiner tiefen nmsasscnden Gelehrsamkeit wegen auch der Achtung und Verehrung selbst derjenigen, die seine religiösen Anschannngcn und llcberzeiigungen nicht theilte». DieS ersah man auch aus der allgemeinen tiefen Trauer und Theiluähiiic, die sich bei dem am lk>. August.erfolgten Leichenbegängnisse kimdgab. Von Nah und Fern strömte Alles herbei, inn dem seltenen Manne den letzten Zoll der Liebe und Verehrung darznbringen. Säiiimtliche Gemeinden dcS Trenesiner-EomitalS sandle» ihre Vertreter, die Nabbinc» an der Spitze, und auch in nichtjüdischcii Kreisen zeigte sich eine ungewöhnliche Bethcilignng. Zn der Sguagogc, wohin die Leiche gebracht wurde und wo auch die Vertreter der Behörden mich, die Geistlichkeit sich cinfandcn, hielten sechs und auf dcni Friedhöfe drei Rabbiner Trauerreden. R » st l and. Zur Bestrafung von Ilnrnhestiftcrn hat der Gouwrneur von Rischni-Nowgorod, Geiicratmajor Baranow, dieser Tage folgende Mastrcgcl in Auwcndniig gebracht. In Kiiiiawino hatte ein Hausbesitzer , der verabschiedete Unteroffizier Skuduew, in dessen Hanse viele Wohnullgeii au Jude» vergeben waren, sich Erpressungen gegen seine Einwohner und sogar Mißhandlungen derselbe» zu Schulden kommen lassen und sich schliestlich noch erlaubt, einen vor seinem Hause sich aiisammeliidcii Vvlkshanfen ausznfvrdcr», eine Iiidcnhctzc in Scene zu.setzen. Er wurde hierbei durch den Bauern Massleunikow nach Kräften unterstützt, doch gelang es der Energie und Umsicht eines Polizeibeamten, hie Unordnimg im Zkeiiiic zu ersticken und die Schuldige» festzuiichine». Nachdem dir Untersuchung geführt und die Schuld der beitchMMuannten dargelhau war, liest sie der GouveriMk angesichts der Zeugein welche dem Auftritt vor Hkudnew's Hanse dcigcwoyitt hatten, tüchtig mit Ruthen streichen, um ihnen die Lust, Judeiihetzen zu iusceniren, für die Zukunft zu benehmen. In einem Tagesbefehle an die Polizei machte der Gouverneur Mitthcilung von der von ihm ungeordneten Bestrafung der Schuldigen-und schlost den Tagesbefehl mit folgenden Worten: „Schon zum fünften Male die Verwaltung über die Messe führend, habe ich durch Anwendung der schärfsten Maßregeln wiederholt bewiesen, daß Raubanfälle, Versuche von Gewaltthat und Brandstiftung, sowie Storung der öffentlichen Ruhe nicht »nbcstrast bleiben. Auch jetzt halte ich für nothig, zum Voraus zu erklären, daß ich auch fernerhin vor Ergreifung der schärfsten Maßregeln/nicht zurückschrecken werde, wenn es gilt, die/vffentliche Ordnung aufrecht, zu erhalten. Gen/-Maj. Barauow." ■ > / M i-^t t e l - A s i e /t. Khiwa. (Schluß.) Und dabei ist d/e Miichtarwürde sowohl in unserem Khanate, wie auch in Bokhara nur äußerst schwer zu erlangen, denn sowohl hier wie dort gibt cs einige Familien, die sich zu den menre ninoiPD (bevorzugten Familien) zählen und in Venen die genannte Würde faft schon erblich geworden ist. Diese lassen dieses Amt um keinen Preis mehr aus den Händen, da eS ihnen und ihren Anverwandten Ehre» und Gewinnst bringt. Es wäre daher immer besser, wen» unser Oberrabbiner zum Oberrichter aller Inden deS Khanats und zugleich auch zu unserem Stellvertreter und Fürsprecher dem Fürsten gegenüber ernannt würde. Wir verlangen keine» Laien zum Vermittler zwischen uns und dem Fürsten. Was wir vorausgesche», beginnt nun auch schon cinzutreffc». Die nun bis Ächardschui am Amu-Darja schon crvsfnetc TranSraSpibahn ruft nämlich in Mittelasien eine Bölkerwanderuiig hervor, da Alles min jene» Gegenden.und Städten zuströmt, welche von dieser Bahn durchzogen oder berührt werden, weil Letztere den Handel und Verkehr ungemein begünstigt und man so leichter und eher zum Wohlstände gelange» kann. Auch fühle» schon die Bewohner Mittelasiens, daß die Lokomotive lins nicht nur die Kunstcrzengnisse des Abendlandes sondern auch dessen schöne Sitten und Gebräuche, besonders aber die hiimauen und toleranten Gesinnungen des hochgebildeten und aufgeklärten Europa zuführt. Sie ziehen cs daher schpn bei weitem vor, de» schrillen Pfiff der Locomottve als das Gejohle und das Wuthgeschrci faiiatisirter Horde» cmzustvren. Nächstens werden nun aiis unserem Khanate, wo. die Anzahl der Juden ohnedies keine graste ist, nrchrcre jüdische Familien nach Russisch- Turkemenieu, so nennt man jetzt das zwischen dem Kaspisec und dein Amu-Darja gelegene russische Gebiet, auswandern, um sich mm dort in Merw oder anderen Ortschaften anzusiedeln. Alle. Kehiloth gehen langsam ihrer Auflösung entgegen," während an bisher gänzlich unbekannlen Orten neue entstehen. Aber auch uns, die wir Khiwa und die Gräber .unserer Eltern.nicht verlassen wollen, bringt

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