Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 68 (1.9.1887)
- Date
- 1887-09-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449765--27116-2516977- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXTJIL Jahrgang. Zweite Beilage zu!lr. 68 ües Israelit. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Ocsterr. - Ungar. Monarchie. Aus Ungarn. 24. Augnst. Aufsehen erregen einige bedeutsame Aeußerungen, welche der t^roßwardcincr Bischof D r. schlauch anläßlich seiner heutigen feierlichen Installation gethan. Gcstcm empfing er die Deputationen der protcstanti- 'chcn Geistlichkeit und der israelitischen KnltnSgemcinde. Ersterer versicherte er, das; er den religiösen Frieden nie stören werde: alle Eonfessionen, sagte er, besitzen im Vaterland den gemeinsamen Brennpunkt, zu dessen Gedeihen sie beitragen müßten. Tic Liebe sei das charakteristische Merkmal eines jeden.Katholiken und er stehe fremd jeder Strömung gegenüber, welche diesen Gedanken verleugnet. Bei der heurigen kirchlichen Feier bekannte er sich in einer ungarischen, an die Gläubigen gerichteten Rede als Katholik in jeder Faser, als Ungar in jedem Schlage seines Herzens, während er in der darauf folgenden larcirrifchen Rede an die Geistlichkeit zuerst Treue dem König und daun erst huldigende Ehrfurcht dem Papste lehne. Beim Fcstdincr trank er auf das Wohl des Papstes, des Königs, der Regierung und auf die Eintracht zwischen den Konfessionen und Rationalitäten. 9k u ß l a n d. Ter Unrerrichlsminister D c l j a n o w har folgendes Rundschreiben an die TistriktSschulbchörden erlassen: Besorgt um die Förderung der Ltudirenden in den Gymnasien und den Progymnasien, halte ich cS für erforderlich, die Zulassung zu diesen Anstalten auf diejenigen Kinder zu beschränken, deren Bürger genügende Bürschaft dafür leisten, daß ihre Büegebefohlencn zu Hause einer genügenden Aufüchr unterworfen sind und die Mittel zur Verfolgung ihrer Studien besitzen. 2» genauer Befolgung dieses Grundsatzes werden von jetzt an die Gymnasien und die Progymnasicn die Aufnahme der minder von häuslichen Dienstboten, Köchen, Wafchsranen, Kramladenbcsitzern und in ähnlicher Lage befindlichen Personen verweigern, deren Kinder — vielleicht mir Ausnahme besonders begabter — nicht aus dem Kreise cmporgehobcn werden sollten, dem sie angehören, weil sie dadurch, wie eine lange Erfahrung lehrt, leicht verleitet werden könnten, ihre Eltern verachten, mit ihrem Loose unzufrieden und gegen die unvermeidlichen Ungleichheiten der bestehenden gesellschaftlichen Einrichtungen aufgebracht zu werden. Tie russische Presse äußert schwere Bedenken — natürlich mit der nothrvcndigcn Vorsicht — über diesen Erlaß. Tic „Briskcwy.a Wjed" weisen darauf hin, daß die Gyumasialdircktorcn freien Spielraum für ihre Sympathien und Antipathien erhalten, da» keinerlei Appellarrorrsiustanz existrrt und daß das Ministerium überhaupt nicht das Recht hat, eine solche Maßregel anzuorduen. Tie Wochenschrift „R'edcljö" bemerkt, daß früher die Gymnasien als Anstalten bezeichnet worden seien, in denen man eine ^abgeschlossene- Ausbildung erhalten könnte; nunmehr aber sollen sie nur VorbcreitnngSschulcn der Universitäten sein. Wo wären aber dann die mittleren Schulen, die eine abgeschlossene Bildung gäben? Tie Realschulen etwa? Aber I) seien ihrer sehr wenige und daher 2) seien sic überfüllt; 3) aber seien sie ja auch nur, und noch weit mehr, als die klassischen Gymnasien. VorbercitungSschnlen für eine spätere Spezialausbildung. Wenn also die klassischen Gymnasien nicht für Jedermanns Kinder sei» sollen — so könnten denselben somit auch nicht Realschulen empfohlen werden. — Der Nnterrichtsminister hat auch an die Schulbehörden einen Erlaß gerichtet, durch welchen die letzteren angewiesen werden, bei den Schülercinschreibungcn von dem demnächst beginnenden Schuljahre angcfangen daraus Bedacht zu nehmen, daß die Zahl der israelitischen Schüler in den Mittelschulen im Bereiche des Grenzranons 10 Proccnt der Gcsammtzahl der Schüler, außerhalb dieses 9kayons 5 Prozent der Gcsammtzahl, in St. Petersburg und Moskau 3 Prozent nicht überschreiten dürfe. Briefkasten der Redaction. rtrSal. 2R. B. in A.: Sit vir grhon haben, verhall sich die Cache so, wie sie Ihne« mirgrrheür wurde.