Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 66 (25.8.1887)
- Date
- 1887-08-25
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXVIII. Jahrgang. IrveLtr Beilage zu Nr. 66 des Israelit. Zeituugsuachrichteu und Correspondenzen. Ocsterr. - Ungar. Monarchie. Pefth. Unter den an hiesiger Universität sich befindlichen 3212 Studenten gehören 1416 dem jüdischen Bekenntnisse an. Frankreich. Paris. Die vor Kurzem mit der Ehrenlegion dekoriere Frau Furrado-Heine hat auf ihre Konen in Pcn-Brac ein Hospital für scrophulösc Kinder errichtet. Das Gebäude, welches Raum für fünfzig Pensionäre har, wird demnächst feiner Bcstimn:ung übergeben werden. Rußland. Ter „'4M. Zig." wird aus Warschau gemeldet, daß ausländische Juden, die nicht die gesetzliche Erlaubniß zum Handel im russischen Reiche haben, um sich die nölhigcn Handelsdokumente auszuwirkcn. den Beweis beibringcn müncu, daß sie zur christlichen Religion übergctrctcn sind. Hierbei har nun laut einer Verfügung des Ministeriums der Finanzen und des Innern ausschließlich das Zcugniß Giltigkeit, daß die bcrr. Person nach dem Ritus einer der im russischen Reiche geduldeten fremden christlichen Konfessionen gelaust ist; eine Bescheinigung über die Zugehörigkeit zur sog. freien chrittkaihölischen Gemeinde wird demnach fernerhin als ungiltig betrachtet. Wie erinnerlich, sind vielfache Fälle dieser letzteren Art vorgekommen. Warschau. Vor Kurzem fand dahier gegen eine jüdische Familie ein Prozeß statt, der berechtigtes Aufsehen erregt und eben nur in Rußland möglich ist. Ein Offizier wußte die schöne Tochter eines Juden durch Liebesbetheuerungcn derart einzunehmen, daß sie das elterliche Haus verließ und zum Ehristcnlhum übcnrat. Tie Muner und zwei andere Verwandte dcS Mädchens, welche mit ihm auf der Straße zusammentrafen, ermahnten danclbe vergeblich, zum väterlichen Glauben und in daS elterliche Haus znrückzukchrcn. Daraufhin trat der Offizier klagend gegen diese Verwandten auf. Ter Prozeß endete mit der Vernnheilung der Angeklagten. Tie Mutter dcS Mädchens wurde ru drei Jahren, der Onkel und ein anderer Verwandter zu drei Jahren und drei Monaten Kerker und schwerer Arbeit verunheilt. Amerika. New-Dork. Am 27. Juli starb in Brooklyn Harris Hir»ch, bekannt unter dem Namen Rabbi Hirsch, im Alter von 107 Jahren. Seinem Sarge folgte seine 09 Jahre alte Frau Rachel, sein Sohn und eine große Anzahl Enkel und Urenkel. Rabbi Hirsch war in Pnatorskowi bei Warschau 1778 geboren; seine Eltern hauen 21 Kinder, darunter 16 Knaben. Er hcirathclc früh, und als Napoleon 1812 nach Moskau kam. war er der Vater eines fünf Jahre alten .Knaben. Hirsch hatte den ^kleinen Korporal" oft gesehen, und noch kurz vor seinem Tode gab er eine genaue Beschreibung desselben. Acht seiner Brüder wurden von Napoleon gewaltsam conscribirt, er entging demselben Schicksale dadurch, daß er sich,mit seiner Familie längere Zeit in einem Walde versteckte. 1850, also schon über 70 Jahre alt, wandcrte er nach Amerika aus, wo er kräftig an Körper und Geist bis 1882 ein schwungvolles Geschäft betrieb. Er war eine überall gern gesehene Persönlichkeit. Afrika. Professor Georg Sclikovirsch, welcher bei der englischen Expedition nach dem Sudan als erster Dolmetsch der arabischen und nubischen Sprache füngiere, erzählt in dem in Philadcphia - erscheinenden „Jewish Exponent" folgende Begebenheit: Eines Abends wurde ich in Abau Klcah, einem etwa drei Tagereisen von Karrhum entfernt, in der heißen Sandwüste liegenden Torfe, von einem Eingcborucn nach dem Hause eines Juden Namens Mausia (Moses), der am Tode lag, gerufen. Der Sterbende, welcher aus Eorfu stammte und mit einem andern jüdischen Eompagnon seit Jahren daselbst ein Geschäft betrieb, ersuchte mich, ihm einen Dienst — eine Ehcsed schel Einer — zu erweisen. „Wenn ich todt bin", sagte er, „hüllen Sie meinen Körper in ein Tality und mein Eompagnon und Sie oder noch andere Personen jüdischen Glaubens, wenn solche in der englischen Armee sich befinden, mögen mich begraben." Wir willfahrten der Bitte; dem Eompagnon und mir schloß sich noch Lieutenant^!?. (ebenfalls Jude) an; wir trugen die in ein Talith gehüllte Reiche auf unseren Schultern nach einem von zwei Sudanesen gemachten Sandgrab inmitten der traurigen Wüste. mtmtffiirinmr