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Der Israelit · 1887-08-18 · Heft 64 (18.8.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 64 (18.8.1887)
Date
1887-08-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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I 1 II; ii :z •') - i!i 4 M-j *9X&-2 1163 „Guten Morgen, Frau Heiligcnfels." sprach das junge Mädchen, nahe an sie herantrctend und ihr die Hand reichend, „wie gehl es Ihnen?" Die Kranke erwiderte kaum merklich den Händedruck, ein Acchzcn war ihre einzige Antwort. „Frau von Lilienfeld läßt Sie vielmals grünen," fuhr Marina fort, „cs war ihre Absicht, Ihrem Wunsche entsprechend. Sie heule zu besuchen. Aber sie isr selbst nicht ganz wohl; doch so bald cs ihr möglich sei» wird, wird sie sich daS Vergnügen machen." Tie Kranke erwiderte abermals nichts. „Frau Heiligcnfels weist cs bereits, dast Frau von Lilienfeld unwohl ist," sagte die Wärterin halblaut, „der Lanilätsrarh hat cs erzählt, und da er auch erwähnt hat. dast der Sohn der Frau von Lilienfeld gestern gckommeu ist, so hat Frau Heiligcufcls mich zu diesem geschickt und ihn bitten lasten, sic besuchen zu wollen." Marina neigte sich hastig zur Erde, um das Tuch, das ihrer Hand entglitten war, aufzuhcbcn, sie halte sich kaum wieder aufgcrichtct, als auf ein leises Klopfen an der Thür die Wärterin diese öffnete und Herr von Lilienfeld grüstend in das Zimmer trat. Leisen Schrittes nahte er den: Ruhebette. „Mein Name ist Lilienfeld — Sie wünschten mich zu spreche» —" „Dank — dast Sic gckommeu sind." sprach sie mit sichtlicher Anstrengung „bitte — setzen Sie sich." Herr von Lilienfeld liest sich ans dem Sestcl nieder, den die Wärterin ihm bor. Tie wenigen Worte, die die Kranke gesprochen, schienen sic jedoch übermäßig angestrengt zu haben, ihr Alhcm ging rascher, ihre Hände zitterten. Marina nahm die blau cktr ouloxna-Flasche, die auf dem Tische neben dem Ruhebette stand, und rieb d-cr Kranken Puls und Schläfen. Tiefe arhrnctc tief auf. „Dank Ihnen," sprach sie leise, „Sie wissen Immer — was gm thut. — Wenn Sie die Wärterin — hinausfchickcn wollte» — und selbst hier bleiben wollten — während ich — mit dem Herrn spreche." Marina neigte zustimmcnd das Haupt, bedeutete darrn der Wärterin, dast sie sich entfernen Uiöge. und seyle sich selbst gegen das Fnstcndc dcS Ruhebettes, von wo ans sic die .Kranke beobachten konnte. Tiefe wandte sich nach kurzer Panse zu -verrn kvon Lilienfeld, der seinen Sessel möglichst nahe zu ihr gerückt haue. „Sie sind Israelit — nnd sind ans Er bejahte beides. „Ich bin auch ausL.... und — und — o!" fuhr sie ausschluchzend fort, „ich bin so — so — unglücklich!" „Liebe Frau Heiligcnfels," bat Marina, „strenges Sie sich nicht nnnöthigerwcise an, Herr von Lilien» seid weist bereits, welch' schweres Unglück Sie getroffen hat." Tic Kranke schüttelte heftig den Kopf, während sie die faltigen Hände vcrzwcisiuugSvoll rang. „Nein!" schluchzte sie, „nein! — daS weiß Niemand! — denn — denn — ein Kind verlieren — das geschieht Vielen — aber zu wissen — dast inan'S selbst — verschuldet hat —" Thronen erstickten ihre Stimme. „Sie regen sich allzu sehr aus," sprach Alexander freundlich, „wenn ich Ihnen in irgend welcher Beziehung dienen kann, bin ich gern bereit. Aber ich fürchte, daS Sprechen strengt Sie augenblicklich zu scbr an; wenn Sic wünschen, komme ich später." Sic schüttelte heftig den Kopf, Marina hatte denselben ein wenig gehoben und bot ihr einen crsrischendc» Trunk, den sie in langsamen Zügen schlürfte, dann sank sie wieder in die Kissen. „Tank," siüftcrte sie, indem sie die Hand des jungen Mädchens drückte. Sich wiederum zu Alexander wendend, fuhr sic etwas ruhiger fort. „Ich werde mich nicht aufrcgen — im Gegcnthci! — vielleicht wird mir leichter — wenn Sie mir helfen wollen — das Einzige zu thun — was ich thun kann — thun muß —" „Was ich vermag, will ich gern thun," cntgcgnete Alexander, sich noch näher zu ihr neigend. Aach abermaliger kurzer Pause fuhr sie mit plötzlich seltsam veränderter, heiserer Stimme fort, während cS in ihrem Angesicht unablässig zuckte. „Ich bin aus L— war — ISraclilin — und vcrheirarhct — an einen braven Ma»m — ich war seine zrvcitc Frau — von der ersten — hatte er ein Mini) — ein schönes kleines Mädchen —" In ihrer Brust arbeitete cs nlächtig, sic mußte einen Augenblick imic halten, doch gleich darauf fuhr sie sott: „Mein Mann war krank — lange — wir hatten wenig — da — da — Hab' ich sein Kind verkauft — hab's taufen lassen," fügte sie mit nahezu krächzender Stimme hinzu. Marina war aufgesprungen, von nnncnnbarcm Entsetzen erfaßt starnc sie mit gcisterblcichem Angesicht aus die Sprechende. Das Geräusch, das ihre Bewegung verursacht, zog Alexanders Blick auf sie. „Um GotteS willen, Fräulein, was ist Ihnen V" rief er, sich gleichfalls erhebend, indem er auf sie mm ■

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