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Der Israelit · 1887-07-21 · Heft 56 (21.7.1887) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 56 (21.7.1887)
Date
1887-07-21
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1022 Wenn man bedenkt, mit welchen Schwierigkeiten die Herren zu kämpfen hatten, daß die Kurgäste zu rasch wechseln, daß viele von ihnen glauben, doch vielleicht nie wieder noch Wildbad zu kommen, so muß man sraunen, wenn man in den Betsaal tritt, wie es möglich war. in so kurzer Zeit die Mittel zu beschossen, denselben in so geschmackvoller Weise auszuttütten. Tic offizielle Einweihung des Bctsaals hat noch nicht stattgefunden und zwar deshalb, weil der Rabbiner Tr. Buchholz aus Emden, welcher sich ebenfalls für die Sache sehr interessirte und auch in diesem Sommer hierher kommen wird, bis jetzt nicht gekommen ist. Sobald derselbe ankomrnt, wird er die EiuwcihungSfcier veranstalten und solches vorher öffentlich bekannt gemacht. Um aber selbst den ersten Gottesdienst nicht ohne einige anregende und dankende Worte abzulialten, bat der oben genannte Hr. Scligmann aus Hamburg durch Bitten sich bewegen lasten, eine kurze Ansprache zu hallen und zwar verstand derselbe in so beredten Worten seine Aufgabe zu erfüllen, dast er nicht allein allgemeinen Beifall fand, sondern dast fast alle Anwesenden zu Thronen gerührt, demselben ihren Tank abstattetcn. Mit dem Thema: „Wenn Gott nicht bauet das Haus»- beginnend, schilderte derselbe die Entstehung des Bctsaals, die allgemeine Begeisterung, die er überall gefunden und schloß mit dem Wunsche, daß dieser Bctsaa! eine Stätte der Andacht, Gott zum Tank und Lob für hier erhaltene Genesung, eine Stätte zur Erstehung des Segens und Heils für die menschlifche Gesellschaft, zum Glück und Segen der Stadt Wildbad und zur Erstehung für daS Wohlergehen deS Landeesürsten nebst allen Familienangehörigen, welcher gleiches Rech: für Alle auf seine Fahne geschrieben, für alle seine Minister und Räthc :c. Alsdann wurde ein stilles Gebet verrichtet, womit der Gottesdienst beschlossen wurde. Holland. Amsterdam, im Juli. Tie kaiserliche Regieruug von Japan läßt eine große Quantität Teppiche in der rnhmliLst bekannten Fabrik unseres Glaubensgenossen, dcS Herrn MauritS PrinS in Tinrparlo. unfertigen. Herr Br ins, der mehr als -100 christliche Arbeiter beschäftigt, hält seine Fabrik am Sabbat und Feiertagen streng geschlossen. Qestcrr. - Ungar. Monarchie. Wien. Ein ehrsamer Wiener Mechaniker christlicher Eonscssion hatte kürzlich zwei Lchrjungen ausgenommen, einen Christen und einen Juden, und meldete dieselben bei dem Vorstände seiner Genossenschaft an. Der Vorstand stellte dem Manne vor, daß es doch nnthunlich sei, einen Juden als Lehrjungen zu engagiren, als aber der Lehrherr darauf bestand, daß er ausnehmcn dürfe, wen er wolle, verlegte sich der Vorstand aus die Menschenliebe und warnte den Mechaniker, indem er ihm klarmachte, daß der Lehrjunge ihn dereinst, wenn er hcrangewachsen sein werde, rniniren würde. Nur dem festen Willen des trefstichen Manne? ist e? zu danken, daß der jüdische Lehrjunge endlich eingetragen wurde. Es zeugt jederrfalls von merkwördrger Menschenliebe, daß man einem jüdischen Knaben die Wahl eines schweren Berufes, welcher redliche Arbeit mit der Kraft der Hände erfordert, unmöglich machen will. Lbmana der Mechamkergenossenschaft ist aber auch der Mechaniker Schneider, der clerical-antisemitische Gegenkandidat des Prof.Sueß und Mitarbeiter des »Vaterland." Italien. Rom, 4. Juli. Am zweiten Tage des Schabuoihfcstes fand die Ziehung der Namen jener glücklichen Töchter unserer Gemeinde statt, die Heuer einen Beitrag zu ihrer Mitgift auS der Easse der Ehcbrah „Compratori «lei generi nsati (Käufer abgetragener Tinge, also: Trödler»" bedacht werden sollten. Tiefer Feier wohnten sclbstversrändlich auch viele Tamcn und Mädchen und schließlich auch unser verehrter Rosch-Hakahal, Eommcndatore Samuele Alatri, der erst vor wenigen Tagen sein Krankenlager verlassen hatte, an. Ein Mitglied der Ehcbrah trug die letzte Bilanz derselben vor, die im eben zu Ende gegangenen Vereinsjabre ein Activnm von 1100 und ein Passivum von 883 Lire auszuwciscn harre. Bon letzterem Betrage wurden 466 Lire als Unterstützungen an erkrankte BcreinSmirglicder ausgezablt. TaS Vercinsvcrmögen beträgt jetzt 3627 Lire, das in der hiesigen Sparkassa fruchtbringend angclcgr ist. Hierauf dankte da? erwähnte Mitglied allen jenen edlen Männern unserer Gemeinde, die auch im vergangenen Jahre diesem humanen Vereine Geldspenden haben zukommcn lassen. Hierauf fand die schon crwähme Namensziehung statt, die es neuerdings vier Töchtern unserer Gemeinde ermöglichen wird, in den Ehestand z» rrercn und sich ein eigenes Heim zn gründen. Dieselben erhalten zwar blos einige hundert Lire alS Bcirrag zu ihrer Ausstattung, da aber hier die Lira einen größeren Werth hat, als die Mark im deutschen Reiche, so ist' dies immerhin eia mnnenswer-

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