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Der Israelit · 1887-07-21 · Heft 56 (21.7.1887) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 56 (21.7.1887)
Date
1887-07-21
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXVlir. Jahrgang. Zweite Beilage zu Ur. 56 des Zsraelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Cassel. Unser Hetzagirator Böcke! ist zu neuer Berühmtheit gelangt! Er steht auch hierin hinter Stöcker nicht zurück. Der Handelsmann Zadock Rothschild harte einen Ackersmann Böcke! genannt. Ter Mann glaubte sich hierdurch verhöhnt und klagte. Das Schöffengericht erkannte gegen Rothschild auf eine vierzchntägige Gcsäugnißstrafc, und auch die hiesige Strafkammer erachtete eine Beleidigung für feststehend, nur ermäßigte sie die Strafe auf eine Geldbuße von 30 Mark. (Üratz, 21. Tamus. Leider haben widcrr wie einen schweren Verlust zu beklagen. Einer von dcu bewährten Stützen des orthodoxen . Judenrhum«, die immer weniger werden, verließ uns, indem er zur ewigen Ruhe cinkchrte. Herr M. M. Hcrzfcld, gleich groß an ralmudischcr Gelehrsamkeit, wie an echter, ungchcnchcltcr Frömmigkeit, hauchte gestern seine reine Seele aus. 2» selbstlosester Weise versah der Verewigte seit mehr denn 30 Jahren das Amt eines Rabbinats-Asscssors in unserer ('Jcuiciiibc und hatte so reichliche Gelegenheit seine ausgezeichnete Friedensliebe, fein mildes Wesen und seinen klugen, praktischen Sinn zu bewähren. Als Svnagogen- Vorstchcr wirkte er zugleich mir gleichem Eifer und Lpferfrcudigkeit fast ein Menschenalter hindurch. Tie Wohlhabenheit, deren er sich erfreute, benützte er zur Unterstützung Hilfsbedürftiger von Rah und Fern und fremdes Leid preßten ihm oft Tbränen des tiefsten Mitgefühls aus. Am rührendsten aber war feine wahrhaft kindliche.Liebe zur 'jrnpr. ^-rrn. So lange er gehen konnte, versäumte er nie den täglichen -.>•*=* und selbst krank und siech, schleppte er sich noch ins -rz^Ti'z und noch auf seinem Slran*. kcnlager lernte er den *rrmir und bat er möge ihn nur noch den bevorstehenden z‘.'z erleben lassen, was auch in Erfüllung gegangen ist. Zn welch außerordentlichem Maaße er sich ällgemciner Liebe und Bcrchrung erfrcucte, bekundete die ungewöhnlich große und warme Thcilnahme an seinem Leichenbegängnisse. Seil dem Tode dcs^berühmten Rabbi E. Gunmacher ist i» hiesiger Gemeinde noch kein Lcichenbegängriiß so feierlich begangen worden. Alle Ehren cincS ernlirenden Rabbiners wurden ihm zu Theil. Tie Leiche wurde in der Synagoge in der Nähe des m» aufgcbahrt, wo der Gemeinde-Rabbiner Herr Tr. Friedmann selbst aufs tiefste ergriffen, einen ergreifenden hielt, in welchem er die Größe und Bedeutung des Verewigten im gedrängten aber markirten Zügen schilderte. Er würdigte den Verlust, den nicht uur unsere Gemeinde, sondern den mit uns das gesammte Iudcnthunl durch den Hintritt eines solchen ManncS erlitten, auf den das Prophctenwort buchstäblich Anwendung sindet 2X 'Z 'r zrrrb 2-n ab 'i r.N y.zzb. Rach Nichts empfand er solchen Heißhunger, wie nach nsryn otto ihr lag er ob Tags und NachrS, in ihr ging er förmlich auf, sic war sein Ergötzen, sie der Mittelpunkt seines ihatcnrcichcn Lebens, und hob hervor, wie schmerzlich ein solcher Verlust jeden wahrhaften ~vrr namentlich in unserer thoraarmcn Zeit berühren muß. Am Grabe hielt Herr Rabbiner Dr. Fricdmana abermals eine kurze Rede, in der er ergreifenden Abschied von dem Freund und Kollegen nahm. Möge r>"' rn uns und des Verewigten hochgeachtete Kinder, die in ihres großen VarcrS Fußtapfcn zu wandeln bestrebt sind, trösten. Das Andenken dieses Frommen aber wird in unserer Mine stets segensreich fortlcbcn. rii'2'Vy'n Wildbad hatte am 9. Juli d. ). ein Erekgniß zu verzeichnen, welches schon seit Jahren sehnlichst erwartet wurde. Eine nicht geringe Anzahl von .Kurgästen, die alljährlich Wildbad besuchen, gehören der isracl. Religion an. Von vielen wurde cs mit Bedauern bemerkt, daß hier, wo für alle andern Eonfefsioneu gesorgt, für ihre Glaubens-Genossen kern Bctsaal cxistirc doch wagte Niemand, in Anbetracht der Schwierigkeiten, die Sache in die Hand zu nehmen. Zn der vorigen Saison fanden ' sich auf Anregung eines Herrn Scligmann. Bankiers aus Hamburg, einige Herren veranlaßt, die Sache in die Hand zu nehmen und traten sofort an's Werk. Besondere Verdienste um die Sache erwarben sich die Herren Oppenheimer aus Ncckarbischofshekm, I. N. Tonltschinsky aus Kiew (Rußland) . und Herr Hermann Mauer auS Stuttgart. Ter lctzgcnannrc Herr har die Sache derart gefördert, daß in einem eigens dazu gcmiethetcn Lokal ein Vcrfaal bergestellr und an. Sonnabend dcu 9. Zuli der erste Gottesdienst darin abgehaltcn wurde.

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