Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 54 (14.7.1887)
- Date
- 1887-07-14
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXYM. Jahrgang. Zweite Beilage zu Ar. 54 ües Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Oesterr.» Ungar. Monarchie. Wien. Herr Adolph Ignaz Mautner, Ritter von Markhof hat in einem an den Bürgermeister gerichteten Schreiben die Erklärung abgegeben, daß er Willens sei, zur Erinnerung au seine verstorbene Ganin jein Stiftungskapital von «0,000 fl. in Notenrentc der Stadt Wien zu widmen. Das Er» trägniß der Stiftung soll derart Verwendung siuoen, daß daraus jährlich vier katholischen, zwei protestantischen und zwei israelitischen Waisenmädchcn ein Ausstattungsbctrag für den Fall ihrer Verehelichung auSgcfolgt werde. Ter Erlag des Kapitals erfolgt nach Annahme dieser Stiftung seitens des Wiener Gemeinderathes. Görz, im Juni. Auf Initiative der Gattin unseres Vorstehers, Frau Paula Dörfler, und der Gattin unseres Vicerabbiners, Frau Prospera Bolaffio, hatten die Frauen unserer kleinen Gemeinde eine Eollekle unter sich veranstaltet, um so die Kosten für die Anschaffung von passenden Vorhängen für die Fenster unserer Synagoge und die Fraucngallerie daselbst aufzubringcn. Frau Luigi Luzzatto, Gattin des hiesigen Advokaten Tr. Morpurgo, hat für den Tempel ein mit Goldstickereien reichlich verziertes blaues Sammt-Parocheth gespendet. Im Spiegel des Parocheth befindet sich auch der Name der edlen Spenderin cingewirkl. Tie llcbcrgabc dieses Parocheth an den Tempel fand am ersten Tage des Schabnothfestes statt, aus welchem Anlässe das Gotteshaus wie in einer Festnacht beleuchtet war. — Vor einigen Tagen verschied hier der Vater unseres verehrten Vorstandes, Herr Jonas Dörfler, ein Mann von biederem und edlen Charakter. An seinem Leichenbegängnisse nahmen auch unser Bürgermeister mit dcni Gcmeindcrathe, die Handelskammer mit ihrem Präsidenten und viele angesehene Bürger unserer Stadt und Umgegend Thcil. Was des religiöse Leben in unserer kleinen Gemeinde anbelangt, so ist dasselbe immerhin ein befriedigendes, da Rabbinat und Eultusvorstand mit vereinten Kräften bestrebt sind, die religiösen Institutionen hier zu erhalten und wird dabei auch ein großes Augenmerk auf die Schechita und den Fleischverkauf gerichtet. Auch der jüdische Religion-' unterricht wird mit Sorgfalt gepflegt und ist der« selbe auch gewissenhaften und im Hebräischen tüchtig gebildeten Lehrern anvcttrant. Rußland. Petersburg. Die „Now. Wr." meldet gerüchtweise, daß den im Bezirk der Stadthauptmannschaft Tagaurog, in der Stadt und dem Kreise Rostow lebenden Juden, da diese Gegenden dem Gebiet des Tonischen Kosakenheeres zugetheilt sind, eine bestimmte Frist anberaumt werden wird, bis zu deren Ablauf sie ihre Handelsgeschäfte zu beenden haben. Nach Ablauf dieser Frist werden die Juden sich den Anordnungen fügen müssen , welche ihnen das Leben im Gebiet des Tonifchen Heeres untersagen. Mesopotamien. Bagdad, 2. Juni. Wir hatten dieser Tage das unerwartete Vergnügen, eine deutsche Forschungs- E-rpedition in unserer Stadt begrüßen zu können. Es war dies die vom königlichen Museum in Berlin nach Mesopotamien abgcschickte Mission, um hier ethnographische und archäologische Studien zu machen und dabei auch Antiquitäten. Münzen und Waffen anzukaufen. Die Mission kam aus dem Süden unserer Provinz, wo sic die Momefik-Araber besucht und daselbst auch große Kunstschätze erworben halte, hieher. Die Montrsik-Araber, im Süden unserer Provinz, bilden einen Sraat im Staate, da sie von ihren eigenen vom Stamme selbst gewählten Scheikhs und nach eigenen Gesetze» regiert werden. Dem Sultan zahlen sic blos Tribut, aber oft auch dieses nicht. Ihre Tracht und Lebensweise sind noch heute dieselben wie zur Zeit des Propheten Mohamcd und lohnt es sich daher schon der Mühe, diesen Wüftensöhnen, welche auch durch ihre Pferdezucht berühmt sind, einen Besuch adzustatten. Die deutsche Mission, welche auch einen Photographen mit sich führt, brachte auch eine beträchtliche Menge von Lichtbildern, die sie unter den Montefiks abgcnommcn hatte und unter denen sich auch die Bildnisse fast aller Scheikhs der genannten Bcduinenstämme befinden sollen, mit hieher. Leider war es nicht möglich, auch nur eine dieser Photographie» zu erlangen, da dieselben, wie die Mission versicherte, ausschließliches Eigenthum des königlichen Museums