Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 52 (7.7.1887)
- Date
- 1887-07-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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940 lag Bagdad gerade gegenüber und zwar an derselbcn Stelle, wo hcute die Kaleat (Fort Eastcll) Feludschä liegt, während Mora-Prachta an derselben Stelle lag, wo hcute das Fort Romadhi mit Le»t gteichnamigcn Torfe, welche« die erste Station von Bagdad nach Syrien ist. steht. Mata-Prachta, wird auch hie und da Anbar (^:x, genannt. Dagegen befindet fich an der Stelle, wo einst Rahardeah lag, heute keine menschliche Wohnstätte, höchsten«, wenn man einige Nohrhnttcn, welche die Hirten sich dort am Flussuscr.-zu. erbauen pflegen und einige Zelte der dort uolnädifircndcn Beduinen als solche bezeichnen will. Piruz-Schabur war zur Zeit der byzantinischen Kaiser noch eine starte Festung, und lag c« am westlichen Ende jener Mauer, welche die mylhenhafte babylonische Königin ScmiramiS zwischen Euphrat und Tigris harre erbaue» laste», uni sc da« südliche Mesopotamien, welches das eigentliche babylonische Reich bildete, gegen die räuberischen EinsäUc der nördlichen Barbaren, zumal der Astyrcr und Aramäcr zu schützen. Tie Mauer, welche ungemein breit uud zugleich auch mit Brustwehren und Thürmcn versehen war, wurde auch von den babulonischcn Königen als HccrcSstrasse benutzt, auf der fic Truppen an den Tigris und zurück an den Euphrat werfen konnten. Tic Mauer mit den auf ihr Tag und Nacht Wache haltenden Bogenschützen, die jeden dritten Tag abgclöst wurden, stand unter dem Eommando eines besonderen General«, der unter den griechischen Kaisern den Titel: „Hegemon" führte. Derselbe hatte mitten auf der Äaücr in einem castellartigen Thurmc sein Standquartier und unter diesem Thurme befand sich ein Thor, durch welche« gewöhnlich die babylonische» Heere nach dem Norden zogen. Zcnscik« der Mauer lag wieder Mata-Prachta, das, wie schon sein Name darauf hkndeuter. die Bestimmung hatte, jede« von Norden her hcranrückcndc feindliche Heer un't Wastengcwalt zurnckzutreibcn und bildete cs so ein vorgeschobene« Bollwerk der groben Mauer. (ES wäre sehr interessant zu erfahren, ob dieser Mauer, von der noch heute einige Uebcrrcste vorhanden sind und die fich noch bi« ins3. Jahrhundert der allg. Ztg. im gutem Zustande befandim Talmud und in bcr Midraschim Erwähnung geschieht Anm. de« Eorrcspdl.) Bon Mata-Prachta bi« Nahardcah führte die Strasse zwischen Palmcnhaiucn hindurch, von denen noch heute Sptlrcn vorhanden find. Zn Nahardcah, da« wahnchcinlich von den Juden und zwar von den (dadylonischen Verbannten) erbaut wurde, bestand auch ein Observatorium. (Tie Ehaldäcr pflegten bekanntlich mit besonderem Eifer die Sternkunde und haben sie nicht nur mehrere astronomische und mathematische Hilssmaschinen erfunden, sondern auch den Saros-Cyclus ausgestellt, demzufolge sich binnen ncunzehneinhalb Jahren alle Himmelserscheinnngen wiederhole» müssen) und dürste dasselbe auch der Amora Samuel, wenn er die HimmclSpfade erforschen wollte, benützt haben. Mehrere griechische Kaiser, darunter auch Julian der Apostat, der bekanntlich den Tempel in Jerusalem wieder ausbaucn lasten wollte, haben, wenn sie gegen die Panhcr (Perser) in den Krieg zogen, ihren Weg über Nahardcah, Mata-Prachta und Piruz-Schabur genommen, um von dort nach dem anr Tigris gcgcnübcrgelcgenen Sclcukia, wo gewöhnlich zwei bis drei Legionen standen» zu ge« taugen. Zn Piruz-Schabur befand sich auch, wie griechische Historiker erzählen, eine Station der griechischen Kriegsflotte auf dem Euphrat. Eine Hochstrasse verband diese drei Städte mit dem südlicher gelegenen Babylonien. Mit dem Zerfalle des byzaurinischen Reiches begannen auch die blühenden^ und industriercichen Städte am Euphrat und Tigris ihrem Verfalle cmgcgenzueilcn, die bald nachher nach dem Einfalle der Scldfchukcn (Türken) in Mesopotamien gänzlich in Ruinen gelegt wurden. Wo nun einst grosse und gcwerbreiche Städte standen, dort erheben sich hcute nur noch Trümmerhaufen und so wie zwischen den Ruinen Babels so streichen heute auch zwischen den Ruinen Nahardcahs Schakale und sonstiges Wild umher, während die Flussufer mit Schilf bedeckt sind, in dem Schlangen und Lrrern Hausen. Amerika. Ncw-4)ork, 19. Juni. Seit einigen Wochen 'itM'chr in dem hiesigen orthodoxe» Judcuthume eine frenbig gehobene Stimmung. Herr Tr. Trachman, früher Rabbiner der orrhodorcn Gemeinde in Newark, hat in Folge seiner Berufung an das hiesige neugegründere Rabbinerscmiuar seinen Wohnsitz hierher verlegt und auf Einladung der betr. Vorstände an mehreren auf einander folgenden Sabbaten in den orthodoxen Synagogen der obere» Stadt gepredigt, zuerst in der er>2n der 50. Strasse, dann in der ncuerbautcn prächtigen Synagoge der 72. Strasse, hierauf in der bekannten orthodoxe» Synagoge der 57. Strasse und gestern wieder i» der 72. Strasse. (Zn allen diesen Synagogen wird nach altherkömmlicher Weife gcbercr. ohne die sonst beliebten Kürzungen oder Acnderungcn, auch verzichten diese Gemeinden daraus, die Andacht durch Orgeltöne zu unterstützen.) Herr Tr. Trachman beherrscht die englische und deutsche Sprache voll-