Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 51 (4.7.1887)
- Date
- 1887-07-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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«SSSMESSSSSEML 925 fcn und so die Bewohner za zwingen, Hunderte von Meilen weit zu wandern, um die Hauptstadt ihrer Provinz mit den in derselben befindlichen Amtsstellen zu erreichen. In den nächsten Tagen beginnt in Mesopotamien die große Wallfahrt zu dem Grabe von Gsra HaßofcrS in Amarc am Tigris, die in diesem Jahre jedoch in Folge der Thencrung und der damit verbundenen HungerSnoth, die nun in unserer Provinz herrschen, keine desoudcrs lebhafte zu werden verspricht. Die Reise nach Amare wird nnn von hier aus mit deu von hier nach Bafforah verkehrenden englischen und französischen Dampfschiffen gemacht. Are tzonverlitin. Bon Friedrich Rott. (Fortsetzung.) 20. Kapitel. Es war in den späteren Abendstunden, auf dem Gute herrschte bereits die Stille der Nacht. Alles schien in tiefem Schlummer. um am Morgen bei Zeiten wieder frisch an der Arbeit zu sei«. Stur die Fcnster in des Gutsherrn Zimmer waren noch hell erleuchtet. Alexander dachte noch nicht an'S Schlafen; die L-srfällc des heutigen Tages hatten ihn mächtig erregt Mir verschränkten Armen, wie dieses feine Gewohnheit war, schritt er sinnend auf und nieder, die Stin' in tiefe Falten gezogen. — Jetzt blieb r .i einen Gilde des Tisches sieden und blickte träumerisch hinüber gegen das andere Gnde dcffclbcn, und vor fernem inncrn Auge tauchte wiederum jenes liebliche Mädchenantlitz auf, das dort am Morgen zu ihm cmporgeschaut, ihm war, als vernehme er wiederum ihre sanfte, schüchterne Stimme, die, so oft er sie vernahm, ihm das Herz erbeben machte, und jedes Wort, das sie gesprochen, er glaubte cs nochmals zu hören. Wie war sie doch 'rschön, (;* gut und so einsichtsvoll! — O. daß gerade sie. Las einzige weibliche Wesen, dem sein Herz;e wärmer entgr. ageschlagen, einer fremden Nation entsprossen. — Mit Heftigkeit preßte er beide Hände gegen die Brust, er mußte und wollte es bezwingen dieses — Wieder schritt er eine Zeit lang lm Zimmer auf und nieder, dann blieb er vor einem Bücherschrank stehen, wühlte ein?»: der dort ausgestellte» Folianten und setzte sich an den Tisch um zu „lernen." Anfangs mußte er sich allerdings dazu zwingen, aber er zwang sich und schon nach sehr kurzer Zeit hatte er al'rs Uebrige vergessen und sich vollständig in eine talmudische Abhandlung verlieft. Mitternacht nahte, Herr von Lilienfeld gewahrte es nicht, er lernte. Gr bernerkte auch nicht, daß draußen im Freien die Stille der Nacht durch einzelne Laute unterbrochen ward. Doch plötzlich drang durch das geöilnctc Fenster wüstes Lärmen und Johlen und Turchcinanderschrcicn. Geschreckt sprang Alexander auf und wollte hinenscilen, da stürzte die Haushälterin in das Zimmer; athemlos mit geisterdleichem Angesicht berichtete sie, daß einer der Knechte ihr so eben gestanden, dtß es in dieser Nacht über die Juden losging, jetzt eben werde mit dem Bräuntwcinpächtcr der Anfang gemacht. Während sie noch fvrach, stürzten die übrigen Hausbewohner ebenfalls in das Zimmer. Alexander suchte r: mit wenigen Worten zu beruhigen, sie sollten iämuitliche Fensterläden schließen, und die HanSlhür verrammeln. Dann griff er nach einem «ichrläufigcn Revolver, den er in der Brusttasche barg, und ilte fort, obgleich seine Leute himmelhoch zu ihm flehten, er möge sie nicht verlaffen. Gr rief ihnen zn, sie sollten seine Befehle vollsühren, so hätte:: sie vorläusig nichts zu befürchten, er hoffe Hilfe zu schaffen. Das Schreien und Johlen von der Schänke her dauerte fort und ward stärker und stärker. Alexander wandte sich zur entgegengesetzten Seite und eilte in raschem Lauf der Wohnung de- Torfgcistlichen zu. Laut pochte er an die Hausthür und als ihm nicht rasch genug geöffnet ward, eilte er zu dem Fenster des ebenerdigen Zimmer-, in dem der Pfarrer schlief und drückte es ein. „Herr Pfarrer! Herr Pfarrer!" rief er laut, „wachen Sie auf: sie Bauern plündern die Juden! — helfen Sie!" Der würdige Geistliche, der in sanftem Schlummer gelegen, fuhr et,chrcckt empor und rieb sich noch schlaftrunken die Augen. „Wer ist da?" „Der Lilienfeld ist's," rief Alexander. „Helfei Sie, Hochwürdcn, die Bauern plündern die Juden, sie sind jetzt in der Schänke."