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Der Israelit · 1887-06-09 · Heft 44 (9.6.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 44 (9.6.1887)
Date
1887-06-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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787 kann, mache ich einen Abstecher dorthin und besuche Herrn Aronowirsch, um seine Tochter kennen zu lernen.- .Tann ist die Lache so gut wie fertig, denn daß Ihr Beide einander gefallen werdet, das unterliegt auch nicht dem leisesten Zweifel. Mein Vetter wird sich her^ich freuen, wenn ich ihm Deinen Besuch in Aussicht stelle.- Alexander murmelte einige ihm vielleicht selbst nicht ganz verständliche Worte, erwähnte dann, daß er im Eomptoir erwartet werde und verließ grüßend Las Zimmer. Marina hatte indessen ihren Borsatz ausgesührt, hatte an die Eomtcne geschrieben und den Brief des Geistlichen beigclegt und empfing in den Frühstundcn des kommenden Tages folgende Antwort. .Meine liebe gute Marina! Tein liebes Schreiben nebst Beilage habe ich erhalten. Pfui! ist da» — Nein, ich will'» lieber nicht schreiben, was das ist. E» freut mich, daß Tu Dich unter meinen Schütz ytficui hüsl, denn ich kann und werde Dich schützen. Beichte Tu nur, bei wem Tn willst, nur nicht bei dem. — Und zu fürchten hast Tu gar nicht». Mama ist zwar noch sehr aufgebracht, aber sie ist gegenwärtig sehr schwach und da läßt sic sich, wie Tu lvcißt, von mir lcnlcn. Pater Ansclmo, der leider wieder ganz mobil ist, hat keine Macht über Tich. Sollte er Dich noch einmal belästigen, so schicke mir nur wicdcrunl seine Epistel, dann wende ich mich an den Prior feines Kloster», der ist ein Ehrenmann durch und durch. Und nun lebe wohl, liebes Herz! und fürchte Tich nicht, ich schütze Tich. Deine wohlgeneigte Gönnerin: Valerie Grüsin Walewska.- 15. Kapitel. Einige Monate waren verstrichen. Iran von Lilienfeld hatte mit ihren Kindern ein ziemlich entferntes Gut bezogen, in der Nähe der russischen Grenze, wo sic den Hochsommer zuzubringcn pflegte, um dann im August wieder ein Seebad zu besuchen. L.y bot im Juni und Juli den angenehmsten Aufenthaltin dem prächtigen Gancn, der Wohnhaus und Winhschaftsgcbände umschloß, duftete cs von zahllosen Rosen, die hier in den mannigfachsten Spielarten gepflegt wurden. Tie Kinder fühlten sich außerordentlich behaglich; den weitaus größten Thcil ihrer Zeit verbrachten sie im Garten, denn auch den Unterricht enbeiltc Marina ihnen in einer der schattigen Lauben, die sic scherzweise ihre Studirlaube nannten, während sie einen kleinen Pavillon als Speisesalon bezeichneteu. — Frau von Lilienfeld fühlte sich jedoch in jüngster Zeit oft leidend, sie behauptete der Roscndust überreize ihre Nerven, wollte jedoch trotzdem ihren Landaufenthalt nicht abkürzen. Es war gegen Abend, . Marina lustwandelte mit ihren Schülerinnen in den kiesbcstrcuten Obstaücen des Gartens. Gabriele erzählte so eben in französischer Mundart eine Erzählung, die sie gelesen, Marina sprach ihr ihre Zufriedenheit über ihre corrcktc Vortragsweise aus. Josefine konnte jedoch der etwas lanaathrniacn Erzählung kein Jutcrcffc abgewinnen, sie sprang davon, indem sie der Schwester zurief: .Jang' mich Gabi!- - Im Nu war Gabriele hinter ihr drein, und wie ein Paar leichtbeschwingte Sommervögel flohen sic dahin durch die viclvcrschlungcittn Pfade der freundlichen Anlagen, lachend und jauchzend. Marina blickte ihnen lächelnd nach, die Kinder waren ihr an'» Her; gewachsen wie sie ihnen. Auch sie fühlte sich hier, fern von der Hauptstadt des Kronlandes, weit behaglicher, weil sicherer. Trotz des ihr .zugesicherten Schutzes der Eomtesse hatte sie dorr häufig in Angst gelebt, die Gräfin oder Pater Ansclmo könnten sich ihrer bemächtigen utib sie in» Kloster sperren lassen, namentlich wenn es ihnen bekannt würde, das; sie nicht nur nicht in die E.... Kirche, sondern überhaupt weder zur Beichte noch zur Messe ging. Und ob die Eomtesse, trotz ihrer vcrhältnißmäßig freiern Richtung, sie noch I fernerhin ihres Schutze» würdig halten würde? — I Frau von Lilienfeld hatte bereit» überlegt, ob j e» nicht gerathen wäre, der Gräfin Walewska einen Besuch abznstattcn, und ihr mitzutheilen, daß sie ihrer Gouvernante keinerlei Hinderniß in den Weg lege, zur Messe und zur Beichte zu gehen, so oft sie wolle. Alexander hatte ihr jedoch zu bedenken gegeben, daß die Gräfin darauf hin, wenn es in ihrer Macht stände, die Gouvernante sofort aus ihrem Hause cutferucn würde, wodurch ihren Kindern ein wirklicher Nachlheil entstehen würde. Ta» hatte ihr eingeleuchtet, dem wollte sie um jeden Preis Vorbeugen und hauptsächlich aus diesem Grunde hatte sie sich bestimmen lassen, L....Y einige Wochen früher als sonst zu beziehen. Alexander jedoch hätte auch ohne diese egoistische Erwägung cs zu verhindern gesucht, Marina'» -Sicherheit zu gefährden. Ta» schutzlose, kaum dem Kiudcsalker entwachsene, junge Mädchen, das trotz jener Drohung, die sie so sehr in Angst gesetzt hatte.

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