Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 41 (26.5.1887)
- Date
- 1887-05-26
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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Adler lies seine (Gemeinde in die Svnagoge rufen, und man betete in heißer Andacht für das Leben der geliebten Fürstin. Die Gebete fanden Erhörung, die Herzogin war gerettet.*) Der Vicc-König überschickte dem Rabbincn ein Dankschreiben und eine Börse mit 100 Friedrichsdor. Tr. Adler schickte das Geld mit der Bitte zurück, cs an die Armen verthcilcn zu lauen. — Als im Jahre 1537 die Königin Victoria den englischen Thron bestieg, hörte die Personalunion auf, da nach dem in .Hannover gültigen salischcn Gesetze Frauen von der Regierung ausgeschlossen sind. In Hannover bestieg Ernst August, bis dahin Herzog von Eumbcrland, den Thron, nnd der Herzog von Cambridge kehrte nach London zurück. Im Jahre 1545 starb der Oberrabbiner von London, Rabbi Salomon Herschel Berliner, und die Vorsteher der Gemeinde sahen sich nach einem Nachfolger dcS Verewigten um. AlS der Herzog von Cambridge davon hörte, fuhr er zu den Vorstehern, um ihr Augenmerk auf den Mann zu lenken, den er in Hannover fo hoch hatte schätzen lernen. Wir wollen nicht sagen, daß diese hohe Empfehlung maßgebend war; vielleicht haue cs derselben gar nicht bedurft, denn die Gelehrsamkeit und Frömmigkeit der Hannoverischen Landrabbincn wurde» überall gerühmt. Im Jahre 1846 trat Rabbi Ralhan Adler sein Amt in London an. Zn den ersten drei Jahren durfte er noch in deutscher Sprache predigen; aber schon früher hatte er die englische Sprache derart erlernt, daß ihm das Predigen in derselben keine Schwierigkeiten mehr bereitete. Seit 40 Jahren nun steht Rabbi Nathan den religiösen Angelegenheiten der englischen Juden vor, allgemein verehrt und beliebt. Auf wistenschaftlichem Gebiete hat sich Rabbi Rathan Adler durch sein Eommcntar auf den Targum Onkelos, •isb nrro, ein bleibendes Denkmal gesetzt. In der Führung der Rabbinats - Geschäfte steht ihm sein zweiter Sohn, Dr. Herrmann Adler, zur Seite. — «>9* Aus de» „(örfdjirijtrn der Att-Gfr«lkr-(6aIfe". <§$-*■ Bon Adolph Hertzla. Ein I-reund der Ir!^cr ^cbfJcr "Pltt" (armer Gast) war Rcb J. Schimclc.Mrokc (Simon Krakauer), ein klcines Männchen und doch ein großer Mann. Er steckte in seinem polnisch-orientalische» Malta», wie ein Kind im Schlafrock des Vaters, und wenn man ihn mit feinem großen spanischen Rohr von ferne kommen sah, so pstcgte man zu sagen: Ta kommt der Stecken mit Red Schimclc Mrokc. Doch der kleine Körper barg einen großen nnd viclnmfastcndeu Geist: er war Oricnlrciscndcr und brachte von seinen Reisen die zur Feit gesuchten Säckchen heiliger Erde mit, er verkaufte außerdem die kn Icrusüiem verfertigte ^Zizcs und Tnlin: feine Spccialitäl bestand jedoch darin, daß er die ganze „Milch" mit „Lulcfs und Esrogim" für das Lauhüttenfest versah. Ter Lulcflicscrant hatte auch die Specialität, daß er sich alles vorausbczablen ließ, da er, wie er sagte, immer Ncberstuß an Geldmangel habe. Einmal war das Laubhüttcnfcst schon nah hcrangcrückt, doch von Red Schimclc und von seinem großen Stock war noch nichts zu sehen. Tic Milch befand sich in großer Auflegung; entweder blieb der, im •) Tif dolir Atou Itbt beule noch und Nrhr gegenwänig im SO. rebensjahre. ") Nachdruck verdolen. lmitie ^!oLl)schitd.**> voraus bezahlte Lieferant ganz aus, oder er kam mit seinen Esrogim nach „Silkes" an. Die reichen Leute kauften den rituellen Lulcf in Pest, indem sie sagten: „Bester zwei Lulcfs als gar keiner.- Endlich am Vorabend des Sükcsfcstes kaut der große Stock mit dem kleinen Rcb Schimclc spät, aber dennoch an. Ta wir am Abend die Ehre hatten, den hohen Reisenden in unserm Hanse zu bewirthc», so fragte mein seliger Vater, warum Red Schimch mit den Esrogim so spät gekommen sei. Rcb Schimch erwkcdcrrc: Ich wäre dieses Mal beinahe gar nicht gekommen, ich Hab' wichtige Geschäfte mit den Rothschilds gehabt. Mein seliger Vater lächelte und fragte, welcher Art die Geschäftsverbindungen Red Schimch Mroke's mit dem Haufe Rothschild wären: er fragte auch, wann und wie Rcb Schimch diese schöne Bekanntschaft gemacht habe. Darauf sagte Rcb Schimch: Bekanntschaft, wie heißt Bekanntschaft, ich bin ein Freund von den Rothschild. Bei meinem letzten Aufenthalt in IcrufärolaiM dm ich mit cincin großen Pascha bekannt geworden, der hat mir irn Vertrauen nrirgetheilr, daß der rürkifche Großhcrr den großen Tales habe, und daß man ganz Icrufchalaim mir noch ein paar Dörfern für einen Pappenstiel haben könnte. Ta Hab' ich gleich