Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 26 (31.3.1887)
- Date
- 1887-03-31
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XX vm. Jahrgang. Zwerte Beilage zu Nr. 20 ües Zsrlleltt. Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen. Deutschland. Aus Hessen. Es wird für die Leser des .Israeltt" nicht ohne Interesse sein, 311 erfahren, welche Stellung die angesehensten Persönlichkeiten in den Greifen Rlarburg-Kirchhain-Frankcnberg zu der Wahl des Herrn Dr. Böckcl — der inzwischen im Reichstage die ersten wohlverdienten Lachsalven cingecrntet hat, — nehmen. In einer am 17. März er. abgehalienen Versammlung des nationallibcralcn Vereins zu Marburg svrach der ehemalige Reichsragsabgeordnetc Herr Professor Tr. Paafchc auch über das Wahlrtfnltar in unserem kreise. Wir entnehmen darüber der konservativen „Lbcrhessischcn Zeitung" das folgende: Ter Redner wandte sich kurz, und wie er selbst sagte, nur ungern der hiesigen Wahlbewegnng zu. weil cs hier einer rücksichtslosen, alle niedrigen Leidenschaften des Volkes ambekeuden Agitatwn gelungen sei, einen Mann durchzubringen, denen ganzes Auftreten bewies, wie wenig er sich der schweren Verantwortung bewußt sei, die mit der Vertretung des Volkes, selbst mit einer Wahlagitation verbunden ist. Ter sei kein wahrer Volksfreund, der jedem zu Munde redet, jedem etwas verspricht, der die niedrigsten Leidenschaften, Hast. Rcid und Vcgehrlichkcit aufregr, und für unbestreitbare Schäden (?) kein anderes Mitte! kennt, als Hast gegen unsere Mitbürger und Verfassungsänderungen, die er n icmals durchbringe« könne und wohl zu klug sein werde, überhaupt im Reichstage anzurcgcn." Roch viel derber spricht sich heule die kom'crv. „Lberhes. Ztg.", die eine genaue Fühlung zu den leitenden Persönlichkeiten der drei Ätrcife unterhält, über Tr. Böcke! aus. Sie schreibt (.cm 22. März er.): „Ter Fasching der Marburgcr Rcichstagswahl, bei welcher die Rarrcupcitschc so fröhlich geschwungen wurde, setzt sich — wie man ans Verliucr Zeitungen ersieht — dort munter fort. Ter Held des Lustspieles hat bei seinem ersten Auftreten im Reichstage einen so gänzlichen Mangel „an Begriffen" bei den Fragen, die er zu besprechen sich erlaubte, bewiesen, dag seine Tiradcn („Unterschätzen Sie die Tragweite der Briefträger nicht" und dcrgl.) sammt dem Mann ausgelacht wurden. Abends darauf suchte sich Tr. Vöckel in der Versammlung der „religions- und parteilosen" Antisemiten in Berlin über die erlittene Blamage zu trösten. Dr. Böcke! sagte, daraus mache er sich nichts, daß er ausgelacht werde im Reichstage, „eine Dornenkrone stehe auch einem Abgeordneten qm!" (hierzu bemerkt das ttonscrvailve) „Kasseler Journal". statt Dornenkrone hieße es besser „Schellenkappe). Der Mann pries feine Agitationsweise und stellte 2V Wahlsitze für die nächste Wahl in Aussicht! Tie Sache hat jedoch — und darum ergreifen wir die Feder — eine recht ernste Seile, und es wird dem Wahlkreise norh rhun, sich auf die Folgen zu besinnen, wenn dieser Rarrenranz noch weiter getrieben wird..... Dr. Böckcl ist von der Studentenverbindnng Germania ausgcstoßen worden, weil er sich geweigert harte, an dem Toast auf Seine Majestät Theil zu nehmen. Er har eine Reibe von unreifen Poesien vcrösscntlicht, welche den glühendsten Haß gegen ^llle Bcsivendenathmen (wir honen, die Motive dieses Hages bald den Lesern des „Israelit" enthüllen zu können, d. E.); die Grundsätze seiner Reden sind soclaldcmokratische mil der größten Eonsequenz gegen die Juden (die vernünftigerweise nicht jeden Fasellanten ernst nehmen, d. E.). Tr. Böckcl rühmt sich der Versprechungen, mit denen er seine Wühler für sich gestimmt, in össemlichcn Versammlungen — obgleich er zngibr, daß dieselben niemals von ihm erfüllt werden können. Tie Aufregung, der Haß gegen alle besitzenden Klasse», der in unserem Kreise durch die Agitation gcsäct ist, das ist die große Gefahr für die Zukunft, welche das rvirthschaftliche Leben vergiftet und den minderbemittelten Klagen den größten Schaden thut. Wir mußten diese ernste Gefahr aussprcche», um der Bevölkerung die Augen zu öffnen — wir honen, nicht allzu oft mehr auf diese Tinge zurückkommcn zu mögen, welche dem Kreise das traurige Vonecht i:n ganzen deutschen Vülcrlande gegeben, der einzige zu sein, der sich durch seine Wahl so dlosgcstcllt hat. — Tr. Böcke! hat bekanntlich in seiner Rcichstagsrcde die össcntlichc Meinung zum Richter über das Gelächter der Reichsragsabgeordneten angerufen; sie antwortet ihm jetzt im „Kladderadatsch" mit folgendem Verse: Urn ein Unheil Heu Xu mich grbclen. Und ich ged' es rinfach Tir und schlich!: Ruhe sansr, Xu Hatz in ihren geUrttn, Und in Zukunft rede lieber nichts