Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1887)
- Date
- 1887-03-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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452 Ecken anzünden, mcderbrenncn, plündern, und rlcth nochmals dringend zur Flucht. Ich kauu Euch zu Eurer Beruhigung versichern, daß zu solchen Befürchtungen nicht der allergeringste Grund vorliegt. Tie Franzosen sind unsere Feinde, aber man muß auch den Feinden Gerechtigkeit widersahren lasse», und muß cs gestehen, daß die Franzosen tmtcr Napoleon noch nie in solcher Weise vorgingcn. Wir haben ja vor vierzehn Tagen die Franzosen schon als Feinde in unserer Stadt gehabt, und wir konnten ihnen das Zcugniß nicht versagen, daß sie gute MannSzucht gehalten. und sich keine Unregelmäßigkeiten zu Schulden kommen ließen. Ter vor Schrecken und Angst ganz oder halb verrückte Bürgermeister. behauptete aber, die Franzosen wären gegen unsere Stadt ungewöhnlich erbittert, weil sie hier von den Russen übersatten und geschlagen worden wären, und diese die Nüssen, nämlich, hierbei von einem österreichischen Sfsizicr, der die Stadt und deren Umgebung genau kennt, aus den kürzesten Weg hierhcrgesnhrt worden wären; — aber daS ist ein Unsinn! Ein österreichischer Sssizier, der gegen die Feinde seines Kaisers kämpft und unseren Verbündeten, den Nunen den vorthcilhastcsten Angriffspunkt zeigt, hat nur seine Pflicht erfüllt, und die Franzosen selbst sind zu tüchtige Soldaten, um das nicht cinzusehen und werden das einer wehrlosen . Stadt nicht entgelten lasten, und jeder Vernünftige l in der Versammlung sah ein, daß nur, ich und Narh Weckclsbach, der mir zustimmtc. Recht haben. — Einer der furchtsamsten unter den Zuusworstehern hat endlich vorgescklagen eilte Deputation möge dem französischen (General bis an die Grenze des Weichbildes der Sradt cutgegengehen und diese seiner .\>nlb und seinem Schilpe empfohlen. Da ein solches Entgegenkommen in keinem Falle schaden. immerhin aber von Nutzen sein könnte, wurde dieser Antrag einstimmig zürn Beschlüsse erhoben .Meine lieben Mitbürger! Ihr wüßt cs. ich bin Euer aufrichtiger und uneigennütziger Freund! Ich mische mich nicht gerne in Dinge, die nichr meines Amtes sind, und folge auch heute nur dem Drange unabweislichcr Nothwendigkeit, weil unser Bürgermeister ein gar zu feiger, miserabler Lump ist; — aber ich will von einem Abwesenden nichts lieble? sprechen, ich halte mich an das gute, lateinische Svrüchwort: dt* mortibns et abscutilus nil nise. bene; — ich will Euch auch keinen Rath, noch viel weniger einen Befehl ertheilcn; aber es erscheint mir als eine Pflicht Euch zu sagen, daß ich cs für das Beste halte, wenn die Bevölkerung den Franzosen gegenüber, Zuversicht zu deren Grvßmuth offen zur Schau trägt, ihnen entgegengehl und sie freundlich aufnimmt: namentlich bei dem Empfang der feindlichen Truppcnabtheilung sich zahlreich betheiligt.... tlixi!^ Ancrbruck sprang nun von dem Steine, der ihm als Redncrdühne gedient hatte, herunter, und schritt durch die Reihen seiner Zuhörer, welche ihm mit stiller Bewunderung nachblicktcn: und alle Anwesenden, hierzu auch von ihrer Neugierde getrieben, nahmen sich fest vor. dem coram popolo erthcilien Ralhe zu folgen und bei dem Einzüge der Franzosen zu erscheinen. Alle diese Mittheilungen vcranlaßten Sara, nun möglichst rasch ihrem Ziele, dem jüdischen Friedhöfe znzuschrciten. Derselbe lag eine kleine Wegstunde von der Stadt, und etwa eine» Büchsenschuß seitwärts der Hceresstraße, auf welcher die feindlichen Truppen anrückeu sollte». Sara pflegte, wenn sie die Gräber ihrer Lieben besuchte, lange dort zu verweilen; sic wollte den Rückweg nicht oltzuspät antrcten. Sie mochte bei diesem, weder den nach der Stadt ziehenden Franzosen, noch den ihnen cntgegcngehcnden Bewohnern begegnen. «Fortsetzung folgt.) .Ter Israelituidaiiu RÖdrcmlid: zweimal, MoutagS und ToaucrstagS» irdesmal in mindestens 2 Bogen. PieiS d<S Jahrgang» für T eurjchland und Oesterreich 12 Reichs Marl, jür's Ausland 1« Reichs Marl, Man adonnrrt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buch'..audlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch ften Puchhanärl ju bestehen bei k. f. Htriuarber. Lripstg. 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