Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1887)
- Date
- 1887-03-24
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XXTHI. Jahrgang. Zweite Beilage zu Nr. 24 ües Israelit. Zeitaogsvachrichteu und Correspondenzen. England. Manchester. Seit Anfangs März erscheint dahier von Herrn Dionysius Joseph Bogliaco ein neues jüdisches Blatt unter dem Titel „Th« Jewish Record*; Dasselbe ist besonders den Sntcrciicn der jüdischen Gemeinden in der Provinz gewidmet. Mittel-Asien. Bokhara. (Schluß.) Ter vergangene 7. November war ein epochemachender Tag für die Bewohner unseres Khanats. An diesem Tage wurde nämlich in Ermanglung eines Amtsblattes in allen Moscheen, Mcdresscn und Bazars ein Teeret unseres Emu» Abdnl-Ahad verlesen, welche» allen Sklaven des Landes die Freiheit gibt und ihnen zugleich gesranct, sich nun im Khanate selbst ansässig zu machen oder in ihre betreffende Heimath zurückzukchren. Zugleich wurde allen Bokharcscn bei Todesstrafe verboten, in Zukunft Sklaven zu kaufen oder mir denselben Handel zu treiben. Für die Juden Bokhara» harre dieser Teeret insoscrnc kein Jntcrcpc, al» cs ihnen schon sei! ewigen Zeiten vcrborcn war, Mohamedancr als Sklaven zu erwerben. Tic Dienerschaft in den hiesigen jüdischen Häusern bcffchr daher faü durchwegs au» Juden oder ans solchen Moslini», die in der Frühe zur Arbeit gehen und am Abend wieder bcimkchrcn. Aichr»dcftowcniger waren auch wir über den Inhalt dieses Tccrcts höchst ersrcur, da wir wohl wissen, was das heiß:, bei einem fanatischen Bokharcscn in der Sklaverei zu sein und gönnen wir cs daher den persischen, indischen und rurkomanischcn Sklaven hier, daß sic nun ihre Freiheit wieder erlangt haben. Tic so befreiten Sklaven erhielten vor: der Regierung ein (Scnificat, in dem bestätigt wird, daß der Besitzer dcsielbcn nun ansgchört har. leibeigener m sein und kann er daher Allee unrernebmen, was ihm beliebt. Biele von diesen srcigelaffencn Sklaven gingen sogleich in jüdische. Häuser und vermieteten sich daselbst als Hausknechte, Kutscher :e. um '2 zu Brode zu kommen. Man erwartet nun, daß wir der Vollendung der transkaspischen Bahn bis e'.ebcr auch das Gesetz, welches den Juden des Khatra:» bestehlt. einen Strick um den leib zu tragen, ^geschafft werden wird, da es doch eine große Lchandc für den Emir und dessen Minister wäre, 2eun die Europäer, die doch der Gcschäftstricb bald auch nach Bokhara führen wird, hier eine Klaffe Menschen antreffen würden, die wie das liebe Dich einen Strick um den Leib tragen. Aber auch jetzt reisen schon viele Agenten europäischer Scidenfabrikcn in unserem Khanate umher, um hier rohe und verarbeitete Seide anzukaufen und sie dann mittelst der kürzlich cröffnctcn transkaspischen Bahn zum Kaspisce und von dort nach Europa transportiren zu lassen. Selbstverständlich bleiben dieselben höchst erstaunt, wenn sic sehen, aus welch eurer niedrig socialen Stufe die Juden hier sichen und noch dazu, wenn sie dieselbe mit der der Juden im gebildeten Abendlande vergleichen. Hoffen wir daher, daß der erste Psiff der Locomotive, der hier cnöncn wird, sowohl unfern Emir, wie auch seine Räche aus ihrem Schlafe erwecken und ihnen verkünden wird, daß sowohl für sic, wie auch für die Juden dcS Khanats eine rrcnc Zeit begonnen habe. Bor Kurzem schied hier aus dem Leben' der Ehacham und Sofcr Inda Lcvy Ben Zcwi im Alter von 71 Jahren. Derselbe widmete den Tag seinem heiligen Brodcrwcrb und die Stacht dem Thorasludium und hat er durch die Sorgfalt, die er seinen Arbeiten znwendetc, =*2"” r.rc (die Menge sich zur Dankbarkeit vcrpsiichtct), denn die Tcphillin und Mesusoth, die er verkaufte und die vielen 'ist? m n, die er für die verschiedenen Gemeinden Mittelasiens schrieb, waren alle -irrn: gearbeitet. Am Sabbathe und den Feiertagen fungirte er auch als Hasan in einem hiesigen Bct-Hamidrasch. Er wurde wie ein Rabbiner zur ewigen Ruhe getragen und sprach an denen Bahre euch unser hochverehrtester Mulen. Derselbe saßte die großen Verdienste des Berstorbciren in den wenigen Worten zusammen 772 :r.:r n: c-p. ,Dieser hielt, was er in diese (die Thora) geschrieben haue.) Einige Tage nachher starb hier der Scidenfabrikant Saul Maschrcki im Alter von L8 Jahren. Derselbe beschäftigte in seiner Scidcnsabrik zahlreiche jüdische Arbeiter, für die er in seinem Hanse auch, eine Synagoge errichtet hatte. Herr und Arbeiter verrichteten dann Früh urid Abends vor und nach der Arbeit ihre Andach: zusammen und rhcillcn sic auch stets Freud und Leid mitsammen, da Herr Masck'.rcki ein wahrer Barer seiner Arbeiter war. Aber auch viele Ehachamim und Bachurim hier har Herr Äaschreki reichlich unterstütz! und verköstigt und da fein Geschäft ihm nicht gestartete, sich dem Thorastudium so zu widmen, wie er cs gewünscht, so suchte er dafür Anderen das