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Der Israelit · 1887-03-24 · Heft 24 (24.3.1887) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 24 (24.3.1887)
Date
1887-03-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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435 Soiisr forderte gebieterisch ihr zweifelloses Recht — Nahrung! .... und Lara wußte in dem Momente nicht wie sic sich diese, ohne ihre» Stolz töoUich zu r:rlct?cn, verschaffen sollte! Ihr reiner, idealer schmerz erhielt einen verbitternden Beigeschmack durch die allgemeinste Sorge r:m das Materielle. Unentbehrlichste; — diese jcrnc sie unbarmherzig in den Schlamm der alltäglichsten Trivialität.' Sara saß wieder eine .'seit lang eine Beute ihrer sinstercr Gedanken, vor fick l.iufrarreud. da .aber sic besaß einen stählernen Geist, einen »nbengsauren Wille», sie raffre fick endlich doch auf und griff nach ihrem llmschlagctuchc. — Sie harte bislang au diesem Jahrestage stets die Snnagogc;ii!ii Frühgcbclc besucht, zuerst crschrack sic, als sic erfanntc, daß sic sich diesmal verspätet, aber sic '.rrnhigtc sich bald darüber, der Schammcs hatte iUr ja gestern nritgclhcilt, er würde die Snnagogc gar nicht öffnen. — Sic verrichtete zuerst unter ürömcndcn Thräncn, das Äorgcngcbet, dann machte sie sich ans den Weg, das Grab ihres Baters zu besuchen. Sara fand aus dem Marktplätze eine große Menge und diese in großer Auslegung. Tie Rcnigkcitcn des gestrigen Tages waren von spätcrn überholt worden und ohne daß Sara um diese gefragt hätte, waren sic ihr säst gegen ihren Willen aufgcdrängt worden. Tie Niederlage der Verbündeten, die von einzelnen Optiinmeu gestern noch bezweifelt worden war, bestätigte sich in ihrem vollen Umfange, und am Morgen wäre ein Trupp franzöüiuicr Reiter mir einem Vrcntcirfliit in bic Stadt gcsprcngr, und dieser hatte verlangt zu dem Bürgermeister geführt zu werden. Zar großen Bcrwundcnmg aller Anwcserrdcn «die Unruhe und Rcngicrde Hane alle in W. Zurückgebliebenen, sowie die Flüchtlinge ans den ttmliegeuden Dörfern auf dcnMarltvlav bcrousgclockt) harte der Lieutenant gut deutsch;'.csvrochcn, sich «ich: im geringsten. furchtbar bcrommcn. sich sogar zu einem kecken, vierjährigen Blondköpfe, dem Sohne des Organisten, der sich cn den sreurden Offizier herandrängte und ihn und 'ein Pferd ruir offenem Munde nud aufgeriffenen l'lngen anffarrtc, hciabgcbcugr, ihm den Kopf gcrär'chclt und ihn, zu denen höchster und angenehmster Urdcrraschung, mir einer Sil'ocrmüuze beschenkt. Alle Welt hatte sich dem jungen freundlichen Offizier zum Führer angeboren und er war. auf diese Weise von einer großen Menschenmenge csconirt. vor dem Rarhbaufc angclangr. Tort hatte er ersucht, es möge Jemand dcu Bürgelincifter hcruurcrrufcn, und ein ganzer Haufen Bursche, die 'ouff nur in ricsftcr Ehrfurcht die Schwelle des Ziathhavscs zu betreten gewagt hatten, waren lärmend die Treppen hinaufgcffürmt und waren ziemlich rasch mit dem Bürgermeister Golzingcr, der sich zu einer etwaigen Unterstützung den Rath Wcckclsbachcr mirbrachrc, heruntergekommen. Der erstcrc war bleich nnd zitterte, als wenn er zum Schaffotc schreiten sollte; aber er sammelte sich endlich doch so weit, daß er an den französischen Offizier die Frage richten konnte, womit er dienen könne? „(fin Thcil unserer schweren Kavallerie," hatte der Lieutenant laut und deutsch, so daß ihn alle Umstehenden hören und verstehen konnten, erwidert, „wird in einigen Llundcn hier cinrückcn. Wir kommen nicht als Feinde. Tic gestrige Schlacht, in welcher das Waffcnglück Ihrem Sonvcrainc und seinem Bcrbündctcn, dem Kaiser von Rußland, abhold gewesen, hat wahrscheinlich den Krieg, gewiß aber vorläufig den Feindseligkeiten ein Ende genracht. Ihr Monarch wird' längstens im Laufe des morgigen Tages mit unserem Kaiser Zusammentreffen nnd cs soll bei dieser Eiitrcvnc ein Waffenstillstand, dem voraussichtlich rasch der Friedensfchluß folgen tvird, besprochen werden. Es liegt daher nicht in unserer Absicht etwas Feindseliges gegen die von allen Truppen entblößte Stadt zu nnlcrnchme»., Wir wissen auch, daß hier großer Mange! an Lebensrnitteln für Menschen nnd Ttnerc herrscht, und bringen daS zur Verpflegung unserer Truppen Rorhwendigc mir. Wir verlangen nur zweifaches: Unterkunft für zweitausend Reiter und deren Pferde: — und Holz zur Feuerung- Ter Bürgermeister mehr eurer wandernden Leiche als einem lebenden Menschen ähnlich, war vor neuerlichem Schrecken mir seinen bebenden Lippen nicht mehr im Stande ein Won hcrvorznbringcn, und konnte seinen guten Willen und seine Unterwürfigkeit nur durch zahllose Bücklinge beweisen, so daß er einer fortwährend nickenden Pagode glich. Rarh WcckclSdors versicherte dem Offizier, die Stadtbehörden würden Alles auf bieten, billigen Forderungen uach.znkommcn, aber er bitte auch in jenen Fällen, wo sich dcrn guten Willen unmöglich zu bewältigende Hindernisse cntgcgcnstcllten, Rachsicht zu üben und sprach die Ucbcrzcugung ans. die siegreiche französische Armee werde sich nicht weniger durch Großmurh als durch Tapferkeit auszcichncn, strenge Manneszucht halten und friedlichen, ruhigen Bürgern nichts in den Weg legen, was der Licutenani mir einem freundlichen Lächeln, als etwas Selbstverständliches bezeichnet hatte. (Fortsetzung folgt.)

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