Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 18 (3.3.1887)
- Date
- 1887-03-03
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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XXVUL Jahrgang. Zweite Keilage zu Nr. 18 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Bayern. So herrlich und vielseitig auch sich der jüdische Wohlthäligkeitssinn kund gibt, ist cs doch eine Richtung, wo derselbe noch wenig geleistet hat, und wo gerade eine sehr ersprießliche Thärigkcil sich entfalte» könnte» und zwar in Bezug auf arme israelitische Irrsinnige. Laß cs auch für diese Unglücklichen im Allgemeinen nicht gleichgilng, ob sic in einer jüdischen oder einer christlichen Anstalt nmcrgebracht sind, leuchtet von vctschicdcncn Gesichtspunkten aus wohl ein. Mit großer Gcnugthuung wurde daher auch die (Gründung jüdischer Irrenanstalten ausgenommen, so die zu Bayreuth, Sann und Bockcnhcim. — Allein, diese Anstalten, von Privaten gegründet und erhalten, können Patienten nirr gegen hohes Entgelt ausnchmcn und verpflegen, weiches von Unbenlittclrcn nicht aufgebracht zu werden vermag. >tann nun nicht so leicht daran gedacht werden, daß einige derartige Anstalt specicll für Arme ins Leben gerufen werde, so könnte doch in der Weise einige Hilfe geschaffen werden, wenn hochherzige Glaubensgenossen, Gemeinden, Bereinc rc. in den bestehenden jüdischen Irrcn-Ansialtcn F re i p l ä $ c für Sir in c gründen würden. Die Inhaber der bestehenden Anstalten würden gewiß in liberalster Weise enlgcgeukommen, und beabsichtige ich mit diesen Zeilen, zunächst jene H. H. und sonst dafür sich Intcrcffircnde zu einer öffentlichen Tiscnssion über diesen Gegenwand zu veranlassen, mir selb» aber über die Aus- 'ührnngs-Modalitälen noch Weiteres vorzuschlagen vorbehalrend. Lesterr.-Ungar. Monarchie. Pest. Tcr Bericht des Vorstandes der hiesigen isracl. Ncligionsgcmciudc über das Jahr 1886 enthält folgende statistische Taten: Geboren wurden 118$ Knaben, davon 104$ legitim, 140 illegitim, 1161 Mädchen, davon iüio legitim, 145 illegitim. Trauungen waren 536,'darunter 214 inreirtgctllichc und 51 zu ermäßigtet! Gebühren. Todesfälle waren i>79 und zwar starben 1016 männlichen, $63 weiblichen Geschlechtes. Die Talinud-Thora hatte 219 Frequentanten. Religionsunterricht erhielten 6396 Schüler der verschiedenen Lehranstalten. Tie Gemeinde ließ in ihrem Spirale 734 bettlägerige und s94i ambulante Kranke behandeln, außerdem behandelten ihre Armenärzte 5177 Kranke. Tie Mazzoth-Vertheilung erforderte 2190 fl. 40 kr. — 540 arme Schüler erhielten Winterkleider. DaS Budget der Gemeinde beläuft sich auf circa lU Million Gulden — 500,000 Mark. Italien. Rom, 23. Febr. Tas große Unglück, daS Italien in Abeffynicn ereilt, hat zweifelsohne auch die Thcilnahmc und das Mitgefühl der deutschen Juden erregt. Unweit der Hafenstadt Maffauah (der „Israelithat schon zwei (Korrespondenzen ans dieser Stadt über die Falaschas in Abessynien veröffentlicht) wurde bekanntlich eine iralrenische Truppcnabthcilung von den Abcssyniern unter der Führung ihres Feldherr» Ras Atula überfallen und fast gänzlich vernichtet. Vierhundettunddrcißig Italiener, darunter drciundzwanzig Lsficicre, starben dabei den Heldentod für ihren König und das Vaterland. Unter diesen Helden befanden sich auch einige Israeliten, die gleichfalls mit Freuden in den Kampf und in den Tod gingen. Für diese würdigen Nachfolger der Makkabäer fand nun vorgestern Abends in der hiesigen catalonischc» Synagoge (Seuola catalona) eine Trauerandacht (ied-) statt, bei der Rabbiner Forna r i eine ebenso tief empfundene wie ncfcrgreifcndcNcdc hielt. Erprics in derselben das große Glück der Gefallenen, denen es so gegönnt war, ruhmvoll aus dem Leben zu scheiden und den Tribut der Natur, zu dem wir doch alle verpflichtet sind, auf dem Felde der Ehre und im Schatten der Fahne des Vaterlandes zu entrichten. Hierauf betrat der Rabbiner di Eapua die Kanzel und sprach hier ein Gebet (n^rn) für die Seelenruhe dieser Helden, die der Allmächtige mm in seine Glorie aufnchmen und ihnen die Pforten des Paradieses öffnen inöge. Vs c>* cscn* 't -ios) (N*7. y;;? \:z? n**:pr». D?’"sn. Tiefem Gebete folgte dann vor der offenen Bundcslade ein Gebet für de» König und das Vaterland und dann ein solches auch für unsere Brüder, die neuerdings dazu berufen sind, gegen die Abcffynier ins Feld zu ziehen. Unter demselben besiuden sich gleichfalls zahlreiche Sohne Israels, von denen einige Lssiciers-Ehargeu bekleiden. Tic Falaschas, von denen der „Jsraeliitschon gesprochen, sind dagegen vom Militärdienste befreit oder vielmehr ausgeschlossen, da die Abessynier keinen Andersgläubigen in ihren Armeen dulden. Diese Fanatiker betrachteten es jedoch als keine Sünde, die Leichen der gefallenen Italiener zu schänden und zu verstümmeln.