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Der Israelit · 1887-02-24 · Heft 16 (24.2.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 16 (24.2.1887)
Date
1887-02-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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r oHrin in ihrem Zimmer, als die Gräfin sie zu fich z büren Uetz. f Tie Gräfin rühre in ihrer (sanfcnse. als das 1 Mädchen uiit ehrfurchtsvollem Gruß in ihr Zimmer Uflt „ttzutcn Morgen, liebes Slinb! Du blühst ja I wie eine Rose, nach Deinem Befinden braucht man I nicht zu fragen."? I^arinö zog die Hand, die die Gräfin ihr \ freundlich entgegenslreckre. ehrfurchtsvoll an' ihre I Vinpcn und sprach die Hoffnung ans, das; die - «Gräfin wohl geruht haben möge. Tiefe schüttelte; jedoch trübe lächelnd daS freundliche Haupt. \ „Mit meiner nächtlichen Ruhe ist cS leider l in jüngster Zeit nicht gut bestellt, der Schlaf, wie der Dichter ihn so tregend bezeichnet, „tireil mituvt'S rt\storers flieht mich." „(s-xcelleuz fühlen sich unwohl?" fragte Marina i bciorgr. „sollte nicht der Herr Sanitatsrarh —" \ Tie Gräfin zuckte die Achseln. „Ter Sanitäts- - :irh dürfte schwerlich im Stande sein, ans meine \ nächtliche Ruhe fördernd cinzuwirken. Nicht phyj iifche, sondern vielmehr psychische Gründe sind cs, \ die den Schlummer mir rauben. Mit einem Worte, 1 nagt ein Wurm an meinem Gewissen." i „Erccllenz belieben zu scherzen —* i?3n diesen Dingen nie, mein liebes Kind. 4 Du staunst? — Tu wirst noch mchr erstaunen, ß w'kti» ich Tir crönne, daß Du. Du selbst — ich | *: iü nicht sagen die Schuld trägst, aber dennoch die Vcraulaiinng bist meiner gestörten Gewisscusruhc." Marina blickte betroffen zu der Sprechenden empor, ihr Auge füllte fich mit Thräucn. „Ich ' wüstrc doch nicht —" flüsterte sie. , ,^Das kannst Tn auch nickt," entgegucte die Gräfin freundlich. „Komm', seht Dich zu mir, ich will Tir miltheilen, was mein Gewissen bclapcr und'ich hoffe mit Zuversicht Tn wirst den J Ltachtt entfernen, der meine Brust verletzt." „Wenn cs meinen Kränen steht — Ercel- "UZ können daran nicht zweifeln". -Nein, mein gutes Kind, daran zweifle ich . | ^:ch nicht. Doch nun sehe Dich her an meine! I Llue." | , . ~^.n.a Zog einen Schemel herbei und lieb sich 1 ®cn Lüsten der Gräfin nieder. Diese fuhr fort: I ^>lls ich nach dem Tode Deines guten Vaters f i^.-r.tch Zu sorgen gelobre, und Dich vorläufig zur 1 den guten Kloslcrsckwcstcrn übergab, da I wenn auch ohne cS auszusprechen, das 6)ci BK*n schönes Paihenkind dem Kloster zu | r7Ibcnholde Braut des Himmels, so hoffte | ,as* ^"bcst Du schon hieniedcn des Himmels Seligkeit empfinden, werdest in ungetrübten Freuden, in glückseligster Harmonie mit Deinem himmlischen Verlobten Tein Leben in frommer Andacht, in beschaulicher Betrachtung ganz Gott widmen." Marina's rosige Wangen hatten fich entfärbt, der letzte Blutstropfen war aus ihrem Antlitze gewichen. „Wenn Excellcnz defehleu —" stammelte sie. Die Gräfin fuhr liebkosend mit ihren schlanken Fingern durch die goldglänzendcn lockigen Haare des reizenden Kindes. „Mir fehlt der Mnth zu befehlen, wenn ich Tein Herz in Angst erzittern sehe — längst weiß ich, daß Dir zu jenem beschaulichen Stillleben in den geheiligten Mauern die Neigung fehlt. — Und dennoch bist Tu fromm und lieb, und Dein Herz ist erfüllt mit Liebe für misern heiligen Glauben. — Darum hoffte ich und hone es auch jetzt noch, daß Du im Gewichte des Lebens mit allen Tir zu Gebote stehenden Mitteln Gort dienen wirst." „Grcclleuz kennen mein Herz," entgegucte Marina, in deren Wangen allmählich die Farbe zurückkehrtc. „Freilich kenne ich Dein Herz, und ich weiß, Tu wirst mit Freuden jene Mission übernehmen, durch deren Vollstreckung Tu meinem Gewiffen die ersehnte Ruhe wieder schenken wirft. — Ich radle Dich nicht, daß Du Dich zum Klostcrleben nicht berufen fühlst, obgleich Tn durch dasselbe gesichert wärest gegen alle Versuchungen und gegen alle Unfälle des Lebens. Doch mit jenen Gaben, die die Natur in solch' überreichem Maße Tir verliehen, bist Du vielleicht berufen ans dem Markte des Lebens Größere» zu wirken, als dieses hinter jenen heiligen Mauern Tir gelungen wäre. Und wenn Du das Größere vollfnhrr, dann wird cs mich nimmer gereuen, daß ich Dich $u dem Geringem nicht angchaltcn. Wo aber gäbe es Größere-, als in den nachtumhüllten Herzen der Ketzer das heilige Feuer des Glaubens zu entzünden, als ihre S-eelcn der Vcrdammniß zu entreißen, sie der ewigen Glückseligkeit theilhafirg zu machen." Marina erbleichte abermals. „Excellcuz wünschten, ich sollte als Misfionärin —" „Nicht als offenkundige Missionärin, liebes Rind, und dennoch allerdings als Misfionärin, betraut mit der heiligsten Mission. — Es bat mir nämlich vor einiger Zeit eine israelitische Dame anvenrant, daß sie für ihre jugendlichen Töchter eine Gouvernante suche, die den in den hocharistokralischcn Kreisen herrschenden Tou vollkommen inne hat. Wenn nun Tu, mein rheures Kind, Dich entschließen würdest, jenen Posten zu übernehmen

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