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Der Israelit · 1887-02-10 · Heft 12 (10.2.1887) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 12 (10.2.1887)
Date
1887-02-10
Page
– (sequence 23)
Language
German
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71 Aber noch bleibt Vieles zu thun übrig. Es wäre von grosser Bedeutung, wenn wir von den „Temaniten* Viele in den Landstädten ansiedeln könnten, weil dieselben der arabischen Sprache kundig sind und auch in ihrem Lande die Arbeiten erlernt haben, die für die Dorfbewohner nöthig sind; auch sind sie von Hause aus daran gewöhnt mit den Landleuten zusammen zu leben. — Aber auch die Bewohner Jerusalems sind dazu tauglich, und könnten wir unser Vorhaben glücklich vollführen, dann würden bald gar Viele nicht nur von den hierher geflüchteten arabischen Brüdern, sondern auch von den älteren Einwohnern Jerusalems nicht mehr das armselige Brod der Almosen essen müssen. — Was Erstere hier festhält, das ist ja bloss — nie sie selber zugestehen — der Umstand, dass sie hier warme Annehmer finden. Jedoch die eine Sache, welche die Südländer mehr nach Jerusalem, als nach den Landstädten hinzieht, besteht — wie sie selbst bezeugen, — darin, dass sie in Jerusalem Fürsprecher finden, die auch nach dem Auslande ihretwegen schreiben, um wenigstens die theuere Miethe für sie zu erschwingen. Diese müssen wir ihnen vorläufig in ihren neuen Niederlassungsorten weiter zu beschaffen suchen, sowohl lür die Ackerbau Treibenden, als die ein Handwerk Ausübenden unter ihnen; nach nicht ierner Zeit jedoch werden sie auf eigenen Füssen stehen und sich selbstständig, ohne jeden Anspruch alt Hilfe von Aussen, in ehrenhafter Weise zu ernähren vermögen. Das liiesse, den Unglücklichen dauernde Hilfe bringen, die an innerem Weit he den der Almosenspenden tausendfach überragt. — Findet diese Idee Ihren Beifall, dann helfen Sie uns zur baldigen praktischen Verwirklichung derselben, wodurch Sie sich ein ewiges Verdienst erwerben möchten. — Hochachtungsvoll .122 O’CJ Schreiben eines arabischen Flüchtlings in Jerusalem an die Redaetion des ,?22''- Es ist Ihnen gewiss bekannt, dass unsere arabischen Brüder in zwei Hauptgruppen sich theilen, nämlich in .Stadtnnd Dorfleute“. Die Krämer und Handwerker, die in den Städten der Araber hansiren, gehören zn denjenigen Städtern, die nicht im Stände sind, in ihren Wohnorten rieh zu ernähren, nnd daher sich mühsam die Nahrung auswärts zn verschaffen suchen. Ihrer sind jedoch nur Wenige. Anders ist es mit den l meisten Stadtnnd allen Dorfbewohnern, welche sämmtlich Viehzucht und Ackerbau treiben, Felder und Weinberge besitzen, die sie von ihren Vätern geerbt haben und nicht nur sieh selbst reichlich damit ernähren, sondern auch noch Andere in Nahrung setzen. Diese haben niemals eine andere Beschäftigung erlernt, weder sie, noch ihre Väter, da der Ackerbau ihr eigentlicher Beruf ist. Würde Jemand zn ihnen sagen, sie sollten als Krämer in den Städten der Araber hansiren gehen, so würden sie antworten: „Lieber wollen wir an den Thüren unserer Brüder in Jerusalem unser Brod suchen, — selbst in beschämender Weise — als an den Thüren Fremder anklopfen; ja, wir würden lieber verhungern, als uns bei Andersgläubigen erniedrigen. Darnm weg mit diesem Vorschlag, für den wir durchaus kein Ohr haben.“ — Möchte darum Ihr Vorschlag Gehör finden, ans in den verödeten Städten anzusiedeln, nm das brachliegende Land daselbst zu bearbeiten, da wir ja nur zu diesem Zwecke unsere Heimath verlassen haben nnd hierher gewandert sind. Wir hatten dort nämlirh vernommen, dass der Ackerbau im heiligen Lande nicht von unseren Glaubensbrüdern betrieben wird; da fassten wir den.Entschluss, uns desselben anzunebmen, die wenig bewohnten Landstriche aufzusuchen und sie zu bebauen, von der Mühe unserer Hände uns zu ernähren, wie wir dies von Jugend auf gewöhnt, und uns in den Mußestunden mit dem Torahstndinm zu beschäftigen, ohne an der „Chalukah“ Theil nehmen zu müssen. Wir streben nicht nach Rcichthümern. verlangen keine Pmchtwohnnngen, sondern begnügen uns mit trockenem Brode, so wir dasselbe nur in Ruhe und Frieden gemessen können. Als wir nun hierher kamen, waren wir enttäuscht. Keine Wohnhäuser, kein Ackerboden, keine Menschenseele, die uns nur so viel Aufmerksamkeit geschenkt hätte, uns zu fragen: .Wozu seid Ihr gekommen? Und was wollt Ihr hier?“ So standen uns nur zwei Wege offen: entweder hier zu bleiben und zu verhungern. oder an den Thüren unserer Brüder um ein Stückchen Brod zur Erhaltung unseres Lebens zu betteln. Es ist selbstverständlich, dass wir zuerst das Letztere vorzogen; denn wer wird und darf freiwillig sich den Tod wählen?! Aber im Laufe der Zeit fanden die Meisten von uns, die sich kräftig fühlten, selbst die schwersten Arbeiten zu verrichten und die selbst vor der niedrigsten Hantirnng nicht zuruckschreckten, dass es besser sei, nach dem Aussprache des einem Aase auf öffentlichem Markte die Haut abzuziehen. als anderen Menschen zur Last zu fallen. Wird uns jedoch auf diese Weise geholfen? Selb>t Derjenige, der etwaszu verdienen im Stande ist. vermag es höchstens bis zur Bestreitung der kärglichsten Nahrung zu bringen. Der Mensch lebt aber nicht vom Brode allein.

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