Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 10 (3.2.1887)
- Date
- 1887-02-03
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXYIIL Jahrgang. Zweite Beilage }\i Nr. 10 ües Zsraelit. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Aus Hessen. Zur Ärcisc 2^'arburg treibt jetzt als neuester Apostel des Antisemitismus Tr. Bökel fern Wesen, oder wenn man will, auch; Unwesen. Dcrmnthlich raubte ihm der tlluhm, , den sich »der zweite Luthes in den Hallen der Gcf rcchtigkcit erworben, den Schlaf. Früher trat er! — recht bezeichnend für sein und seiner Genossen - tnittclaltcrlichcs Treiben — unter dem Pseudonym j Eapistrauo als Verfasser gegen die Juden gerichtc- I ter Pamphlete auf. Neuerdings hat B. diese gcj schmackvolle Hülle fallen lasten und sich als antisc- I mitischcr Schmetterling unter seinem wirtlichen j Namen entpuppt. — Mit würdigen Genossen zieh: | er von Tors zu Tors, um den Lauern seine anti- 1 ' semitische Weisheit zu „predigen". Seinen Beruf | zum antisemitischen Heros hat Bökel an dem Tage \ entdeckt, an welchem ein des Toppclmordes (an \ einem isrcal. Ehepaare) äußerst verdächtiger Bauer 1 gegen aller Welt Erwartung von den Geschworenen - zu Marburg frcigcsprochen wmdc. Die Berliandlungcn haben angeblich ein grauscnhastcs Bild jüd. \ Wuchers entrollt. Und als sich troydcm niemand j fand, der sich des von den Zuden bedrückten und ausgcraubicu Volkes annahm, da sprang Held - Bökel in die Lücke. — lim nun die Uebermacht der Juden und die Exploitation „der Deutschen" durch dieselben.zu bekämpfen, muß Bökel in - den Reichstag gewählt werden. Tas sollen die Bauern bei den bevorstehenden Neuwahlen besorgen. Zn dem Reichstage wird cs Herrn Bökel erste Ausgabe sein, für die unveränderte Annahme der bestrittenen Militärvorlagc zu votiren. Eine solche Stimmabgabe wird Herrn B. um so leichter, als ihm um die Beschaffung der Deckung für die Mcürausgaben nicht bange ist — die müssen die Zuden hergcbcn (ich habe bisher bereits in dem Wahne gelebt, als ob die Zuden schon für die Antisemiten mitdczahltcn). Als RcichsragS- | abgeordneter wird Herr B. auch die Wicderhcrncllung | der früheren Beschränkungen für die Juden in Auircgung bringen. Diese Forderungen entspringen aber bei Herrn B. (so versichert er alle» Ernstes) mchl dem Judenhaß, sondern seiner Sorge für den. «chütz der „Deutschen", die schließlich alle von den furchtbarsten Eroberern, von den Zuden, über daS 'Meer spedirt werden würden, wenn nicht der Geist des Antisemitismus Herrn Bökel beseelt und ihm die Wacht über sein von den Juden mißhandeltes Volk anvertraut hätte. — Herr B. will seine Bestrebungen auf „gesetzlichem (!) Wege" verwirklichen. Jedenfalls aus reinem Vergnügen an „gesetzlichen'.' Handlungen erzählt er mit großem Behagen einen Fall, in welchem sich „die Tenlschcn" in einem Orte mit dem Bürgermeister an der Spitze zusammengethan haben, um verschiedene Pfandobjcktc zum Nachtheile des jüdischen Gläubigers zu befestigen. (Ter Fall soll nach B.'s Angabe im ii reife Ziegen!) ciin pafsirt sein). — Vorstehende Probe wird genügen, Bökels Weisheit in die gebührende Beleuchtung zu setzen. — Es ist sicherlich unnütz, die zahlreichen isracl. Wähler der betreffenden Greife aufznfordern, der Wahl eines Antisemiten nach Zt rüsten entgcgcuzuwirkeu. — Ter .Kandidat der konservative», Herr Zustizrarh Grimm in Marburg, hat erklärt, „keine Zudensrage zu kcmrcn." — Ein isracl. Blatt hat zwar die Aufgabe nicht, irgendwie Wahlintcrcffen zu vertreten, aber cs vcrrheidigt die Interessen des Z.'.dcnthums, wenn cs seinen Lesern anräth, die Antisemiten in jeder Lage zu bekämpfen, und diese Absicht vcrfolglen'wir mit vorstehenden Zeilen. S. A. Dresden. Das bisherige antisemitische Organ in Dresden, die „Deutsche Reform", ist von den sächsischen konservativen angetanst worden. Infolge denen veröffentlicht die Dresdener Amisemiteupartcr, daß diese Zeitung, obwohl sie unter altem Titel souerschcincn soll, nicht mehr als Organ der Äntisemitenpanei anerkannt wird. Ocfterr.-Ungar. Monarchie. Wiener-Neustadt, 27. Januar. Wider die Ganwinhe Zohann Egal zu Grirslcitcn und Johann Sanducr zu Edlnch im Bezirke Gloggnitz, welche für eine Petition an das Abgeordnetenhaus um Schaffung eines anriscni irischen Gesetzes Unterschrift ren sammelten, indem ne gedruckte Exemplare dieser Petition in ihren Gasthäusern aufiiegcn hatten und die ('laue zur Unterschrift aufsordcrten, har die k. L Staatsanwaltschaft Wiener- Neustadt die Anklage wegen der Ucbcrtrctung des §. 23 des Paßgesetzes erhoben.