Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 6 (20.1.1887)
- Date
- 1887-01-20
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXVHL Jahrgang. Zweite Beilage zu Br. 6 des Israelit. Zcktungsnachrichtcu und Corrcspondcnzcn. Deutschland. Berlin, 12. Januar. Das Fest der goldenen Hoch',eil bcfliiifl am lcsicu Sonntag das Marcus und Friederike Cpicgel'schc Ehepaar. Ter Jubelbräutigam zählt 76, die Braut 14 Jahre. Der seltene Ehrentag wurde durch eine größere Festlichkeit gefeiert, welche Sonntag Abend alle Familienmitglieder in den Witlucr'schcn Lälcn in der Königstraßc vereinte. Das Fest leitete ein criiebender religiöser Akt ein, bei welchem Herr Rabbinatskandidat Adolf Blumemhal die Wcihercdc hielt. Der Kaiser harte dem Jubelpaare die goldnc Ehcjubiläumsmcdaillc übersandt. (Bolkszrg.) Posen, im Januar. In voriger Woche fand die Feier des;'>ujährigcn Bestehens der israelitischen Waisenknaben-Anstalt statt. Dieselbe wurde, da mehrfache Umstände eine össentlichc Feier unrhunlich »lachten, im engeren Kreise der Directionsmirgliedcr und der Zöglinge begangen und bestand aus Ansprachen des Rabbiners J>r. Bloch und des Anstalrsiuspectors l)r. Falkcnstein arr die Zöglinge, dem Bonrage einiger pancnder wieder und Ansprachen einiger Zöglinge und alsdann einem Festmahle für die 24 Zöglinge. Die im Anstaltsfaalc befindlichen Ponrairs des Stifters der Anstalt, Freiherr« Friedrich Hcrrmaun Ernst v. Kouww und des ersten Anstaltsdirigcntcn Peter Lippmann waren an dem Tage der Feier festlich bekränzt. Es verdient hierbei hcrvorgchober, zu werden, das» die Anstalt ihre Entstehung dem Wohlrhätigkeitssinn des eben genannten christlichen Edelmanns verdankt, der ein Eapiral von 50oo Thalcrn dazu tzcrgab und sich, da die Erlangung der dazu erforderlichen Genehmigung Seiten*? des.Königs Friede. Wilhelm lll. anr Schwierigkeiten stiest, persönlich nach Berlin begab. um die Genehmigung zu erwirken. Gewiß ein seltenes Beispiel wahrer Menschenliebe. Aus kleinem Anfänge bar sich die Anstalt zu einem umfangreichen Jnstnurc entwickelt, welches wahrhaft segensreich wirkt, indem cs unglückliche Waisen nicht nur dem materiellen Elende entreißt, sondern ihnen den Weg zur Erreichung eines chrcnhafcn Lebenszweckes , iuibiu. Es ist ferner eine erfreuliche Wahnichmnng. baß an dem Gedeihen und der Fortentwickelung der Anstalt fast ausnahmslos alle Gcmeindemitglieder» ohne Unterschied der religiösen Richtung, theilnehmen und nach Kräften Mitwirken. Auf darf nicht unerwähnt bleiben, daß die Erziehung der Zöglinge, so wie auch die Haushaltung in durchweg religiöse« Linne geleitet wird, obwohl ein Theil der Tirections- Mitglieder keineswegs dieser Richtung angehört. Die Anstalt bcsipl auch ein schön cingerichtetes BeHocal, worin regelmäßiger Gottesdienst abgehalten wird. Tie feit Jahrhunderten hier bestehende cran c"rn -Tnt* hat feit einigen Wochen die recht zeitgemäße Einrichtung getroffen, daß die Mitglieder sich jeden Sonnabend Abend in dem Bcth-ha-Midrafch rc^cr r*2 zu einem nv:ra T.jrr versammeln, der von j dem pi Herrn Krause geleitet wird. Die in voriger Nummer dieses Blattes gebrachte Mitrheilung in Betreff des hier zu errichtenden Krankenhauses bedarf einiger Berichtigung. Zunächst ist der hochherzige Spender des Grnndcapitals von 100,000 Mark nichts Herr Rohr auf Langguhle, sondern der Bruder deffelben, Herr Kaufmann Rohr in Breslau, dem auch das hier zu errichtende jüdische Lehrerseminar seine Entstehung zu verdanken haben rvird. Daß ferner die von den hiesigen Gemeindemitglicdcrn gezeichneten Beiträge nicht hoch.genug seien, ist nicht zutreffend; freilich haben wohl Einzelne den Hoffnungen, die man auf ihre Großherzigkeit geseßt, nicht ganz entsprochen: im Allgemeinen aber hak sich der WohUhängkcirssinn der Poscncr Gemeinde wiederum glänzend bewährt. Blau muß eben nicht vergehen, daß die Ansprüche, die an die leistungsfähigen Mitglieder gestellt werden, nicht gering sind. Erst im vorigen Jahre wurde eine beträchtliche Summe für die auSqcwiefenen Inden anfgebrachl und die locale Armcnvstcge erfordert außer den slädlischtrscils aufgcwandten Mittel« noch enorme Opfer seitens der Privatwohlrhätigkeit, zumal man sich doch auch der Unterstüvung Andersgläubiger nicht entziehen darf. Aus der Provinz sind allerdings seitens einiger Gemeinden lächerlich kleine Beiträge zum >krankenhaufe cingcgangcn, ans manchen Gemeinden gar keine. Jndeß wird trovdcm wohl der edle Zweck erreicht werden und sollte auch in Folge beschränkter Mittel der Anfang klein anssallcn, so ist ja spätere Entwickelung und Ausdehnung nicht ausgcfchloffe«. .TK2 tcrwnnw *.r*r*eri nrn