Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1887)
- Date
- 1887-01-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Holland. Haag. Einer von den noch wenigen Watcrloo- Betcrgncn, Herr I. 15 ha p ui an (riitljoDcii, har am 24. Dezember seinen 101. Geburtsrag gefeiert. Griechenland. Korfn, 26. Deccmbcr. Ich habe Ihnen in meinem jüngsten Schreiben gemeldet, das; unsere Gemeinde beabsichtige, den 13. d.. an welchem Tage unser erlauchter .Kronprinz konstanlii« seine Dolljäbriakeit erreicht, durch eine synagogale Feier festlich zu begehen. Diese Feier hat auch richtig stattgesunden und zwar im hiesigen großen Tempel, der zu diesem Zwecke wie an einem Festtage beleuchtet war. Die Räume tos? Gotteshauses waren buchstäblich überfüllt. Unser verehrter Lberrabbincr Josef Levi rccitirrc nun vor der geöffneten Bundcslade ein von ihm für den heutigen Tag eigens verfaßtes Gebet, indem er auf unser Königshaus und unser theners Vaterland den Segen des Himmels hcrabstchtc. Hasan und (5hor sangen dann das n>rm;ra,i ad. woraus alle Anwesenden das onstimnitcn. Damit hatte auch die Feier ihr Ende erreicht. Unser Dberrabbincr hatte indes;, bevor er sich in den Tempel begab, je ein Hnldrguugs- Tclcgramm an den Mönig und den Kronprinzen in griechischer Sprache abgcschickt, worauf folgende Traütanlwoncn cinlicsen: „An den Erzradbincr I. ^cvi in Eorfu. Ich danke Ihnen für Ihre meinem Sohne, dem Thronerben, dargcbrachtcn Glückwünsche. Georg ros l., König." — „An den Erzradbincr Lcvi, >iorfn. Ich danke Ihnen von Herzen für Ihre Glückwünsche und Ihre Hcrzcnscrgüffc. Konstantin." — Auch der hiesige jüdische Gcsclligkcirsclub „Die Einigkeit (La Coucordia)" baue dem Kronprinzen durch feine« Präsidenten RaffaeleGesua feine Glückwünsche telegraphisch übermittelt, woraus dieser gleichfalls per Draht dankte. An diesen meinen trocknen Bericht will ich nun auch eine kleine Betrachtung auknüpsen. Am 29. Mai 1453 war der legre griechische Beherrscher. Kaiser Konstantin IX., bei der Berthcidigung seiner Hauptstadt Konstautinopcl gegen die Türken gefallen. Derselbe war bekanntlich ein Feind der Juden, da er dieselben fälschlich beschuldigte, sic stünden mit den Türken in Verbindung und hätten ihnen auch die Festungspläne der Hauptstadt ausgeliefert. Tic Juden Konstantinovcls verrichteten daher am genannten 29. Mai ilir Schacharirgcbct in Todesangst; hatten doch Nachts zuvor die Griechen verlauten lassen, daß sie nach glücklichem Zurückschlagen des türkischen Angriffes die Juden abschlachten und deren Köpfe auf den Mauer» der Stadt auspflanzen werden. Indcß, bevor die Sonne an diesem Tage umcrging, hatte Konstantinopel aufgehön eine griechische Stadt zu sein und als die Juden daselbst ihr Maaribgcbet verrichteten, herrschte schon Sultan Mobamed II. über diese Stadt. Bon einer allgemeinen Enthauptung ver Juden war selbstverständlich keine Siede mehr; im Gegcnthcilc, alle Häuser der Juden waren in dieser Rächt von den griechischen Flüchtlingen überfüllt, die sich vor der Mordwuth der fanatischen Türken unter den Schutz Israels gestellt hatten. Es erfüll! ffch somit wörtlich die Prophezeihung Mosis: *p-?n vp nrw 721« icron (Deine Feinde werden Dir schmeicheln. Du aber wirst auf deren Anhöhen herumschreitcn.) Palästina. Jerusalem. Dem uns vorliegenden.JahreS- Bcrichl der „Talmud-Thoraschule und der Hochschule Jcschibat-Ez-Ehaim" für das Jahr 5646 entnehmen wir: Wir haben dieses Jahr einen Ueberschuß von 1033 Francs zu verzeichnen. Aber zu unserem großen Leidwesen mrd tiefempfundenen Schmerz, haben wir dieses scheinbar günstige Resultat auf kosten der uns anvcrtrauten hilflosen Jugend erzielt. Eingcschüchtcrt durch die Deficite vergangener Jahre, haben nur von Anfang dieses Jahres an, die Ausgaben für die ihcilwcisc Beköstigung, Bekleidung u. s. w. cinzuschränkcn gesucht und so den Ueberschuß erweicht. Wir mußten unsere ganze Aufmerksamkeit dem Unterricht allein znwcndrn, da die Schülcrzahl täglich zunimmt. Indem wir unfern geehrten Könnern, für ihre thätige Mitwirkung an der Hebung unserer Anstalten und so mit an drr Förderung des Studiums nnscrcr heiligen lkcyrc und an der Erfüllung einer unserer heiligsten, durch die Religion uns so warm ans Herz gelegten Pflichren, unseren und den herz-- lichcn Da«ik vieler Hunderte hilfloser Kinder und Waisen, die sich ihrer Wohlthatcn erfreut haben, hiermit aussprechcn, wagen wir es. im Namen der . hilflosen,, verwaisten Jugend der heil. Stadt, die uulcrlhättigste Bit« an dieselben zu richten, im folgenden-Jahre diesen Anstalten ihre ganze Theilnahme zuwenden zu wollen, damit wir im Stande feien, lrnjerer Aufgabe in jeder Beziehung Nachkommen zu können. Die Einnahmen betrugen 20066 Fr., die Ausgaben 19033 Fr.