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Der Israelit · 1886-12-16 · Heft 98 (16.12.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 98 (16.12.1886)
Date
1886-12-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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A e ir l l 1 e t o n. M i ch a e (. ir,zähl«,ig von 0. Nohn, Verfasser von Gavriel. (Fortsetzung.) Einnndzwanzigstes Kapitel. Am nächsten Freitag Abend, der dem Einmärsche der Dragoner in W. folgte, war der enge Kreis der Brack'schcn Familie in gewohnter Weise um den Sabbattisch versammelt. Tie jüdischen Weisen behaupten, der gläubige Jude besitze am Sabbat eine Neschomo jcßero, eine Begriffsbezeichuung, die wohl am besten mir „eigeurhümlich beseligendcL Gefühl," wieder gegeben werden dürfte. Wir wollen cs nicht versuchen, dieses zu schildern, ein Gefühl kann nie durch Worte wicdcrgegeben, cs muß, wenn es erkannt werden soll, selbst empfunden worden sein. Allein es besteht, und daß es mit voller Macht zu wirken vermag, wird jeder, der jüdisches Leben kennt, und mitgclebt hat, bestätigen. Der gläubige Jude fühlt sich mit dem Eintritte des Sabbats, — wo er, so weit cs an ihm liegt, die gemeinen Sorgen des Alltagslebens von sich abzuwälzen versucht — ohne äußerlich erkennbaren Grund gehoben von einer festlichen Stimmung, einer inner» Gemüthsruhe, von der Hoffnung erfaßt, der allgerechte mtb allbarmberzigc Gott, dem er den siebten Tag der Woche mit schweren Opfern und doch voll Liebe und Hingebung weihe, es nicht gestatten werde, daß ihm an diesem, der Heiligung und der Körperruhe geweihten Tage ein Unglück treffe. Auch Brack, seine Tochter und sein Pflegesohn gehörten zu den gläubigen Inden, welche sich schon an dem geistigen Dufte, welcher den Tag des Herrn, den Sabbat umweht, erfreuten, und bei ihren Sabbatmahlzeitcn herrschte in der Regel jene Heiterkeit, welche der tiefsten Seelenruhe entspringt. Heute aber schien ihre Stimmung eine getrübte nnd namentlich Brack von peinlichen Gedanken erfüllt, es war kein Gespräch in Gang gefonraicii, ja cs war sogar das Erstemal geschehen, daß die Männer die althergebrachte Gepflogenheit, während der Mahlzeit Diwre ThorsJ) zu sprechen, unterlaßen hatten. Nach dem Tischgebete warf Brack leicht hin, cs wäre vielleicht angezeigt, das; Sara eine im I) vcber religiöse Tinge. gegenüberliegenden Hanse wohnende M'inndach.zlgjährige Frau besuche. Diese hatte vor einigen Tagen den einzigen Menschen, den sie ans der Welt besessen, ihre Tochter, eine rinbciiofc Wittwe verloren nnd würde sich jetzt am Freitag Abend doppelt vereinsamt fühlen. Sara griff sofort nach ihrem llnischlagtnche, um die alte bedanerndswürdige Frau zu besuchen. Als die beiden Männer allein waren, begann Brack: „Ich habe Wichtiges mit Dir zu besprechen, Michael. — Lorenz Golziuger, welcher Baron, Offizier und durch das Ableben seiner Adoptiveltern auch ein reicher Mann geworden, ist in seine Baterstadt zurückgekehrt. Der Mensch, der schon als Bursche ans seinem Hasse gegen die Juden im Allgemeinen und gegen Dich insbesondere kein Hehl gemacht, drängt sich jetzt plötzlich mit anwidernder,--erkünstelter Freundlichkeit an Dich nnd mich. Seine unlautere Absicht ist um so klarer, als er es auch gewagt hat, sich zweimal Sara zu nähern. Er muß sie am ersten oder zweiten Tage seiner Ankunft gesehen, und sie muß auf den leidenschaftlichen Menschen einen tiefen Eindruck gemacht haben, denn während, wie Du erzähltest, sich beim Einmärsche des Negimeutes, bei Deinem Anblicke seine Züge, vor Wuth verzerrten und er Dir einen haßerfüllten Blick zuwarf, war er, als er Dir einen Tag nach seiner Ankunft vor der Stadt begegnete, zu Deiner Neberrafchung au - Dich herangetreten und hatte freundlich mit Dir gesprochen. Am Abende desselben Tages war Sara am Eingänge der.Judenstadt von einem ihr unbekannten Offizier, der Jemanden zu erwarten schien, augefprochen worden. Sie hatte selbstverständlich seine Anrede nicht erwidert, und war rasch an ihm Vorüber, unserem Hause zugeschritien. Da Sara trotz der flüchtigen Begegnung, eine Narbe aus der Wange des Offiziers ausgefallen war, konnten wir nicht daran zweifeln, daß der kecke aufdringliche Bursche Tein Ingendfcind, Lorenz Golzinger, gewesen. Gestern Vormittag kam er in unfern Laden. Ich war froh, daß Ihr Beide, Du und Sara, abwesend warer. Er, der sich als Knabe nie um mich gekümmert, mich nie . gegrüßt, mich nie augefprochen hatte, frag mich freundlich, ob ich ihn noch erkenne, mich seiner noch erinnere, nachdem ich Leides bejahen mußte, ließ er sich leutselig in ein längeres Gespräch mir mir ein, versicherte mir, er bcdaure den schweren Unfall, der mich während seiner Abwesenheit betroffen und frag mich scheinbar rheiluehmend über die Einzelnhcitcn desselben aus. Seine "Anwesen-

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