Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 95 (6.12.1886)
- Date
- 1886-12-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1050 meknfam ihre Andacht zu verrichten. Auch Heuer sollte für den Versvhmmgsmg irgend ein Salon in einem Hotel gemiethct und in eine Betstube umgewandelt werden; aber in letzter stunde stellte der hier etablirte französische Bauquicr, Herr S. L. Alzedo au-? Bordeaux, eines seiner Appartements zur' Verfügung und so konnte heuer zum ersten Male seit dem verhängnitzvollen Jahre vor: 1492 der Versöhmmgstag hier, wenn auch schon nicht in einer Synagoge, so doch wenigstens in einem jüdischen Hanse begangen werden, und brauchte man daher nicht zu fürchten, das; beim Oeffucn der Thüre des Audachtsloeales der Geruch von verlockenden und verbotenen Speisen aus der Hotelküche zu uns dringen werde, oder daß sich während der Abodüh ein Hotel-Gar^on mit einer Flasche Champagner in unsere Mitte verirren werde. Herr Alzedo hatte auch die Gervogercheir. zugleich auch als Hasan .und zwar am 5to!-Aidreabcnd (man mutz das Wort hier nicht wörtlich nehmen, da Ztol-Aidre hier gar nicht recilirt wurde) zn fungiren, was ihn sichtlich, große Anstrengungen kostete. Ta jedoch der Andacht auch eine grobe Anzahl von Frauen anwohnie und da cs auch unter dem anwesenden starken Geschlecht viele gab, die kein Wort Hebräffch verstehen, so erlaubte es sich der Borbeter auf eigene Faust, die Gebete statt im hebräischer ln-französischer Sprache vorzutragcik. Ich must hier einschallen, das; einige Israeliten hier, um den Bersöhnnngstag nach Vorschrift feiern zu können,- eigens über diesen Tag nach Lissabon gereist sind, wo es eine wahrhaft fromme Gemciude mit mehreren Synagogen gibt. Auch das Schacharikgebel wurde in französischer Sprache vorgetragen, dagegen wurden Mnsias, Miucha und Rcüah gänzlich in hebräischer Sprache recrtirt und zwar von einem sranzosichen »ranfmanne, der ans seiner Geschäftsreise nach Lissabon vier für zwei Tage Halt gemacht hatte, um mit eigenen Augen zu schauen, in welcher Weise die Juden Madrids den Versöhnuugsrag begehen. Als er nun sah, da st dieselben eines hebräischen Vorbclers gänzlich eulbehren-müssen, so bot er sich ihnen als solchen, au, ein Anerbieten, das mir grösttem Bc-'rall angenommen wurde. Unter den Andächtigen bemerkte man auch Herrn Bauer, den hiesigen Vertreter des Hanfes Rothschild. Tenelde ist ein Bruder des Wiener Bangniers, Sigmund Ritter v. Bauer, und auch des ehemaligen Abb« Bauer, der bekanntlich unter der frommen Zairerin Gngcnie für einige Jahre Hofkaplau in den Tnillcrien war, nach dem Ltnrze Rapolcon's jedoch ans der »tune wrang und Pferdehändler wurde, worauf er in der Stille wieder zum Glauben feiner Väter zurückkehne. Ter frühere Abbsi liefert heute für die französische Armee vallerie - und Artilleriepferde, und kann man Uh: oft auch des Abends im Pariser Bois de Lonlogne zu Pferde sehen. Auf einem solchen Spazierritt begegnete der Gr-Abba vor »kurzem dem Kriegsmiuisrer, der ebenfalls in diesem Bois herumaaloppirte und legte er schnell seine zwei Finger an feinen Hut, um denselben militärisch zn salntircn. Ta aber eine Höflichkeit die andere erfordert, so erhob der Kriegs minister die drei Finger feiner rechten Hand und errheklte dem Gr- Abbö feinen Segen. Ich erwähne diese Anekdote hier nur deshalb, um nachzuweifen, wie vollkommen Recht der selige Gardinal-Grzbischhof von Prag, Fürst Schwarzenberg hatte, der sich einmal im böhmischen Landtag dahin äusterte, das; ein Jude, der sich aus Ueberzeugnng taufen lasse, ein weißer.Rabe sei. Solange nämlich Herr Bauer noch Abbe und Hofkaplan war, da kam er öfters nach feiner Baterstadt Wien, um seine Brüder daselbst, ..die noch im Finstern wandelten und den wahren Glauben nicht kannten" für die alleinseligmachende »tirche zu gewinnen. Seine Bemühungen blieben jedoch in dieser Hinsicht erfolglos, denn feine Brüder wollten von dem Glauben ihrer Väter nicht kaffen, und so kehrte der fromme Abbe immer „gebrochenen Herzens" nach Paris zurück und beweinte dort von Neuem „seine verstockten Brüder", die noch immer nicht das „wahre Licht" schauen wollten. Sinn ist der Adb» „ selbst zn ivm Glauben, in dem »eine Gl lern gestorben, .zurückgekehrt, um gleichfalls im Iudenrhume zn sterben. — »kehren wir nun wieder zu den hiesigen Söhnen Iakob's zurück. Rach Schluß des Re'ilahgebetes richtete Herr Alzedo einige Worte an feine anwesenden Glanbeusgenoffen und deren Frauen und ermahnte sie. auch während des ganzen Jahres nicht zn vergenen, das; sie dem Indenrdume angehör.eu und mögen sie demselben Samt und wann ein Stündchen widmen und dasselbe in Andacht verbringen. Tie anwesenden Herren gaben sich hierauf den Bruderknst und kehrten wieder in ihre Behausungen zurück, llirter den Juwelieren hier bennder sich auch ein Jude ans Wien, Herr Mittler, welcher eine Gold- und Silberwaarenfabrir in Paris vier vertritt. Auch mehrere jüdische Schuhmacher gib: es hier: dieselben stammen aber dnrckwegs aus Marokko und kehren sie immer über die Koben Feiertage nach Tanger oder Teruan zurück.