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Der Israelit · 1886-12-06 · Heft 95 (6.12.1886) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 95 (6.12.1886)
Date
1886-12-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1042 flcn als nachahttumgswmhrs Beispiel voranlenchten npd dem ganzen 0/ciiicnibclcL>cii iijvcit reinen Stern-- pel aufdrücken. Wenn nnn solche Männer uns entrissen werden, dann cnlst.ht eine klaffende Lücke nicht nur innerhalb der Familie, dann wird das ganze- Gcmcindewcsen in seinen Grundfesten erschüttert, dann sind cs die gebrochenen Sauten und Stützen des Glaubens, die wir in dem Tode dieses Frommen betrauern. Ein solcher Frommer war cs, der uns in der Nacht des 32. fsrn genommen wurde. Im besten Mannesalter von 46 Jahren hauchte nach langem mehrwöchentlichen Leiden Herr Michael König?"■? in dem hessischen Städtchen Felsberg seine'reiste Seele ans. Ein schlichter Kaufmann, dessen Wirken zwar nicht epochemachend in die Oessentlichkcit gedrungen, gehörte er zu jenem immer kleiner werdenden Uebcrrcst ausgezeichneter Männer, die mit einem wahren Feuereifer für unsere höchsten Güter eintreten. Der herrliche dreifache Tugcndkranzcncn ■p'0,c;n rrrcp mm schmückte auch sein Haupt, sein ganzes Leben war der pflichttreuesten Erfüllung der Gottesgebote gewidmete Mit peinlichster Gewissenhaftigkeit' unterwarf er sich freudig allen Satzungen, froh seiner Religion ein Opfer bringen zn können. So genoß er auf seinen häufigen mehrwöchentlichen Geschäftsreisen nur da Fleischspeisen, wo ihm durch die Anwesenheit eines orthodoxen Rabbiners Gewähr geboten wurde, das; die rurns* in gewissenhafter Weise gchandhabt ward, lind wie liebte er die Thora und ihr Studium, wie war er von dem erhabenen Gedanken dnrchdrnnge'.k, daß erst sie den Menschen zu seiner Hoher: und Würde erhebt: Jeder freie Augenblick, zur frühen Morgen- und zur späten Abendstunde, fand ihn hinter seinen geliebten lehrend — in einem sabbatlich tagendem -Verein — und lernend suchte er sich durch diesen ewig sprudelnden Lebcnsborn zn vervollkonunenen. Auch in der nTcy, dem Gottesdienst war er eine Stütze seiner Gemeinde, der er als langjähriger freudig seine Dienste weihte. Und was hat er erst in der herrlichsten Tugend rtus gewirkt! Wie viele Thräncn hat seine milde Hand getrocknet, wie viel Gebeugte sein Wort und seine Tbat anfgericvter! Tie Armen waren seine Tifchgeuossen, die Bedrängten und Hilfebedürftigen seine liebsten Freunde. Wo cs einer hehren Aufgabe, der Unterstützung unserer bedürftigen Brüder in '"k oder der geknechteten Glandcnsgenopen irr anderen Ländern galt, da fand man ihn an der ersten Stelle; er gab gern und reichlich und veranlagte auch andere zum Geben. Sem Lcichenbegänanist gestaltete sich denn auch zu einer ergreifenden Trauer'undgebnug. Bon Rah und Fern waren sie herbeigeeilt, die den Frommen ge kann! und verehrt, der Bürgermeister, die Stadl, vcrordneten und zahlreiche christlichen Mitbürger schlossen sich dem imposanten Tranergefolge an. Herr Rabbiner Tr. Munk ans Marburg würdigte die Berdicilste des Verklärten in einer tiefcrgrclfcndcn Trauerrede. — Und wenn der Dahingeschiedcne auch in der Blüthe feiner Jahre feiner trauernden Gattin und vier unmündigen Kindern entrissen worden ist, wenn sich die Sonne seines Lebens auch miiten in ihrer Lichtbahn gesenkt; so kann man doch von ihm gleich David sagen rcrc rv.cn, er ist am heiligen Ruhetage, dem Tage bei* Vollendung gestorben, jung an Jahren, aber vollendet in Tugend und Frömmigkeit. Hamburg. Die Erwerbung eines „Begräbmk- Platzes für ewige Zeiten" ist Herrn Oberrabbincr S t e rn, endlich gelungen. Ihm genügte bekanntlich der Ohlsdorfcr Friedhof nicht, weil er nur „auf Friedhofsdancr" gewährt war. Tie bisherigen .Beinühnngen, einen „ewigen Friedhof" ans hamburgischcm oder preußischem Gebiet zn erhalten, scheiterten an der Weigerung der bctr. Regierungen. Jetzt hat der Reichskanzler, mit dem sich Herr Obcrrabbincr Stern in Verbindung fetzte, direkt den Befehl gegeben, der israelitischen Gemeinde in Hamburg, d. h. jenen Mitgliedern derselben, welche in dieser Frage ans Seite des Herrn Stern stehen, einen Friedhof in Langenfelde (Holstein) käuflich zn überlassen. Ans Dresden wird einem Berliner Blatte berichtet: „Ter verstorbene Graf Beust hat, solange er hier Sraatsministcr war, für die Förderung der jüd. Interessen sehr viel gethan. Mit dem vor Kurzem verstorbenen Oberrabbincr der hiesigen israel. Gerncinde, Herrn Dr. Lauda», hielt er öfters Bcrathungen über die Angelegenheiten dev Inden in unserem sächsischen Königreiche. Er kämpfte immer mit lobenswerrhem Frcinmthc für die Gleichstellung der Inden, aber er wünschte durchaus, daß sie auch Juden bleiben sollen' Ter Oberrabbincr Landau hatte mitunter reformistische Anwandlungen, doch so oft dieser mit einem „Ncncrmrgs-Projecre" auftrat, da wendeten sich die orthodoxen Mitglieder der jüdischen Gemeinde sogleich an den Minister Benst. da ne gewiß waren, bei ihm zn jeder Zerr Gehör und moralische Unterstützung zu finden. Als ciuft Tr. Landau auf der von ihm projcctirtcu Neuerung bestehen wollte, da sag re ihm Minister Benst: „Herr Oberrabbiner l Ich glaube cs Ihnen, daß Sie in den religiösen Vorschriften des Indeurhums bester bewandert sind als ich! Allem die Geschichte

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