Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 87 (8.11.1886)
- Date
- 1886-11-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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floimiiut. Auf dem Berge Morini, jimv es, 100 (Baloniou deu Tempel Gottes erbaute, im\ ci fu*n Tempel dem ciuzigeu «Volte, und den prachtvollsten, de« je Meuscheuhäude errichtete». Der M'onah steigt von den Ufern des Aiibroa steil empor, und auf sciucul Gipfel ütierrascht und ci^öOt uns eine herrliche Aussicht. West- und südwärts dehnt sich das heutige Je ruf' m uit seiueu Palästen und festen Thürmeu. Olrwä.ts blicke ich in das Thal Josaphat. IcnscitS erhebt sich des Oelbergs malerischer Bergrücken, noch immer mit Olivenhainen bedeckt, zwischen denen sich Pfade in vielfachen Windungen hiuziehen. Nordwärts aber ragen über niedrige Hügel die blauen Gebirge Galiläas hervor. Westlich vom Tempelplatz, die östliche Zionshälfte nmfaffend, liegt das Iudenqn artie r, das nur den zwanzigsten Thcil der Stadt einuimmt, aber ungefähr die Hälfte ihrer Bewohner umfahr. Eine große Anzahl der nach der heiligen Stadt gepilgerten Glaubensgenossen lebt hier einzig und allein der Erinnerung von der uralten Größe des israelitischen Volkes, will hier den Nest feines Lebens in Ruhe verbringen, sich, wenn die Stunde ruft, km Thale Josaphat begraben lasten, wo das Gericht über die Aufgcftaudcueu gehalten wird.*) Vom Judeuquarticr führt uns ei.tc enge, vielfach gewundene Straße zu einem kleinen länglichen Platz, der sich dicht an der Westseite des ehemaligem Tempelplatzes hiu.zicht. Diese ist ein wahres Denkmal aus der uralten Zeit, denn hier erblickt man noch neun Reihen der Grundmauer. Die Steine sind sehr groß, jeder ist auf allen vier Seiten so behauer?, daß der nrittlcrc Thcil hervorragend ist. Die Steine sind ohne alle Bindemittel zttsamnrengefcct und dennoch so dicht, daß nran keine Nadel in die Zwischenräume bringen kann. Diese Westseite des Tempelplapes ist der Sllagcvhi tz der Inden. An jedem Freitag versammeln sich hier eine große Anzahl Männer, Seiber und Binder und benetzen mit Thräncn den Boden, auf den? unsere Bäter als Herren des Landes einherginge». Auch ivir schloffen uns unseren Brüdern an und noch setzt, wo ich diese Zeilen mederschrelbe, höre ich im Geiste jenes Klagelied, das allwöchentlich hier erschallt und wie wlgr kämet: Wegen des Palastes, der wüste liegt, stken wir da einsam und weinen, wegen des heiligen Tempels, der zerstört ist, wegen der Mauern, die nicdcrgcrinen sind, wegen unserer Majestät, die dahin ist, wegen unserer großen Männer, die daniederliegen, wegen der kostbaren Steine, die verbrannt I sind, wegen unserer Priester, die gestrauchelt, lvegeu unserer .Könige, die Dich, 0 Vater im Hiurmel, verachtet haben, sitzen wir da und weinen. In Begleitung meines lieben Freundes Rabbi Israel Wolf, besuchte ich an einem schönen Sommermorgen den Oelberg, im Osten der Stadt gele- Die Araber heißen ihn Dschcbel el tnr. ist ein zusammcuhättgender Rücken, ans welchem man drei Gipfel unterscheidet. Er ist tiiioo Fuß über der Mceresfläche erhaben, rvährend der Berg Moriah 2500 Fuß über der Mceresfläche liegt. Die Aussicht, die ich von hier aus habe, ist umfassend. Von Westen sehe ich in ziemlich klaren Umrissen die Stadt und über der Stadt das Tcrebknthenthal. Irn Osten erhebt sich ein wellenförmiges Gebirge. Im Süden erblickte ich den das tobte Meer begrenzenden Bergrücken und Sandhügel und im Norden die Gebirge SamarienS. Der Oelberg überragt alle Berge, rvelche die heilige Stadt umschließen. An die vielen und trefflichen Oelbäume, die diesem Berg den Namen gaben und Vorurals feinen Abhang mit ihren? dichten Laubwcrk beschatteten, erinnern nur noch etwa 5,0 Stämme. Titus ließ während der Belagerung Jerusalems alle Bäume der Gegend nrnbaue«, zudem halte damals auf dem Oelberge die zehnte Legion ihr Lager. Hier und dort gewahrt der Wanderer vereinzelte Alandes- oder Feigenbäume, traurige Trümmer, oder auch muhamedanische Bethäuser. Nur in der alles verjüngenden Regenzeit, wenn die gelbliche Farbe des Bodens dem Grün des keimende» Grases weicht, gewinnt der Berg ein lachendes, her.zcrsrcncndes Ansehen. Inr Ganzer.' har der Oelberg ein trauriges, melancholisches Aussehen. Wohl mag zu jener Zeit, als noch Israel das Land bewohnte, der Oelberg eine freundlichere Umgebung gehabt haben. Ohne Zweifel waren in jener Zeit die Abhänge des Berges von dem sprudelnden Wasser der Teiche und dem noch fließenden Bache Üiöroii benetzt worden, so daß mit leichter Mühe Gärier? von örranar-, Orangen- und Olivenbänrnen ans seinem Scheitel und au seinen Abhängen unterhalten werden konnten. Allein, beute har der Oelberg feinen Schmuck größteulbeils verloren, und der Garten von Gethsemane liegt da, wie ein Schmerzenslager in dem schmälsten und engsten Grunde des Tbales Josaphat. Hier auf dem Oelberge befindet sich das Grab der Prophetin Hulda. Eine Trepve führte in ich in ein sehr ries gelegenes Zimnierchen. mir Tüchern und Oellamven bedeckt. Strohmatten dienten für die bcrenden Moharnedaner, die oft hierher kommen. Jerusalem har sieb cn berühmte T h o r e, von denen ich bitte, einige mit mir im Geiste zu be- *) ZSkl 3, 17. 15.